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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.09.2018

Gegensätzliche Kulturen

Als die Tage nach Zimt schmeckten
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Die achtzehnjährige Noor und ihr Bruder werden vom verwitweten Vater zum Studium in die USA geschickt, weil er für sie in ihrem Heimatland Iran keine Zukunft sieht. Obwohl es am Anfang sehr schwer für ...

Die achtzehnjährige Noor und ihr Bruder werden vom verwitweten Vater zum Studium in die USA geschickt, weil er für sie in ihrem Heimatland Iran keine Zukunft sieht. Obwohl es am Anfang sehr schwer für sie ist, lebt Noor sich gut ein, heiratet und bekommt eine Tochter. Jahre später findet Noor ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Daraufhin beschließt sie, mit ihrer Tochter Lily, inzwischen ein Teenager, für einen Besuch nach Teheran zurückzukehren, wo ihr Vater Zod immer noch ein Restaurant, das Café Leila, betreibt.
Lily ist alles andere als begeistert von dem Gedanken, Kalifornien für den Sommer zu verlassen und will zunächst nichts von der fremden Kultur und den ihr unbekannten Menschen wissen. Für Noor tauchen Kindheitserinnerungen auf, schöne und weniger schöne. In diesem zweiten Teil des Romans schwelgt die Autorin seitenweise in Rezepten, Gewürzen und Gerüchen und manche des Szenen gleiten ein wenig ins Kitschige ab. Hier wäre definitiv weniger mehr gewesen. Ich habe mich durch diese Seiten gequält und war kurz davor, das Buch wegzulegen.
Doch dann wird die Handlung wieder interessanter. Wir erfahren die schlimmen Umstände von Noors Mutters Tod und dass es um die Gesundheit des Vaters nicht zum Besten steht. Zum Ende des Romans nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Alles in allem ein Roman, den man lesen kann, aber nicht unbedingt lesen muss. Ich hatte mir jedenfalls mehr davon versprochen.

Veröffentlicht am 28.08.2018

Was geschah in jenem Sommer?

Summer
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Benjamin Wassner ist vierzehn, als seine neunzehnjährige Schwester Summer eines Tages spurlos vom Ufer des Genfer Sees verschwindet. Für Familie Wassner, einer glamouröse Familie, deren Partys legendär ...

Benjamin Wassner ist vierzehn, als seine neunzehnjährige Schwester Summer eines Tages spurlos vom Ufer des Genfer Sees verschwindet. Für Familie Wassner, einer glamouröse Familie, deren Partys legendär sind, ist fortan nichts mehr wie zuvor. Die Freunde ziehen sich zurück als ob das Unglück ansteckend wäre. Am härtesten trifft es Benjamin, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät.
Auch 24 Jahre später scheint das Verschwinden der Schwester, von der es nach wie vor keine Spur gibt, immer noch das beherrschende Thema in seinem Leben zu sein. Er hat Albträume, in denen ihm Summer erscheint und Wasser eine große Rolle spielt, er riecht unangenehme Gerüche und ist nicht mehr in der Lage zu arbeiten.
Endlich stellt er sich der Vergangenheit und beginnt auf eigene Faust herauszufinden, wer Summer war und was mit ihr geschah. Viel zu lange hat er die Augen verschlossen vor Dingen, die sich vor seinen Augen abspielten. Dabei muss er feststellen, dass seine Eltern ihm vieles verschwiegen haben. Das Bild des heilen Familienlebens vor Summers Verschwinden bekommt Risse.
Monica Sabolo versteht es sehr gut, atmosphärisch dichte Stimmungen zu beschreiben. Was mich allerdings kolossal gestört hat, sind die unzähligen ungewöhnlichen, teilweise absurden Metaphern und Vergleiche, mit denen der Roman regelrecht überfrachtet ist. Es kommt mir vor, als wollte die Autorin um jeden Preis originell sein. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Das Ende des Romans kam für mich überraschend, doch konnte ich die Auflösung, was mit Summer wirklich geschah, nicht wirklich nachvollziehen.

Veröffentlicht am 17.08.2018

Zickenkrieg in der australischen Wildnis

Ins Dunkel
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Als Teambuilding-Maßnahme werden 5 Frauen und 5 Männer einer australischen Firma übers Wochenende nur mit Kompass und Taschenlampe bewaffnet in die Wildnis geschickt. Die Männer- und Frauengruppen sind ...

Als Teambuilding-Maßnahme werden 5 Frauen und 5 Männer einer australischen Firma übers Wochenende nur mit Kompass und Taschenlampe bewaffnet in die Wildnis geschickt. Die Männer- und Frauengruppen sind getrennt unterwegs. Die Männer kommen nach ein paar Tagen pünktlich zum Treffpunkt zurück, von den Frauen fehlt zunächst jede Spur. Als sie endlich eintreffen, fehlt eine von ihnen, Alice Russell.
Wie sich herausstellt, ist Alice Informantin der Polizei, die der Firma wegen Geldwäschegeschäften auf der Schliche ist. Alice soll den Ermittlern Kopien von Verträgen liefern, mit denen sie die Firma überführen könnten.
Akribisch wird die Wanderung der Frauen durch den Dschungel erzählt. Bald kommen die fünf vom Weg ab und der Leser erfährt, dass es gewaltige Spannungen untereinander gibt, die zum Teil schon Jahrzehnte alt sind. Es bleibt nicht bei verbalen Auseinandersetzungen, die Aggressionen entladen sich sogar in Handgreiflichkeiten.
Alice, die aus privaten Gründen so schnell wie möglich zurück nach Melbourne will, hält es in der Gruppe nicht mehr aus und bricht allein auf.
Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen wird sie tagelang nicht gefunden. Die Presse stürzt sich auf den Fall, denn Alice verschwand in einem Gebiet, in dem vor Jahren mehrere junge Frauen ermordet wurden. Zwar ist der damalige Täter nicht mehr am Leben, doch sein Sohn gilt als verschollen. Hat er womöglich Alice auf dem Gewissen?
Eigentlich ist das Thema durchaus spannend, doch dass jeder noch so kleine Schritt der Frauen im Detail beschrieben wird, zieht den Roman unnötig in die Länge, so dass streckenweise die Spannung verloren geht. Auch die vielen Nebenschauplätze haben mich gestört. Insgesamt kein schlechter Krimi, aber ich hatte mir mehr davon versprochen.

Veröffentlicht am 18.06.2018

Wie man schnell und effektiv seine Ehe zerstört

Alles Begehren
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Der verheiratete Lehrer Callum lernt in der Bar seines Bruders die sehr viel jüngere Kate kennen. Die beiden haben eine heiße Affäre bis Belinda, Callums Frau, ihnen auf die Schliche kommt. Vor die Wahl ...

Der verheiratete Lehrer Callum lernt in der Bar seines Bruders die sehr viel jüngere Kate kennen. Die beiden haben eine heiße Affäre bis Belinda, Callums Frau, ihnen auf die Schliche kommt. Vor die Wahl zwischen Kate und Belinda gestellt, entscheidet sich Callum für seine Frau, die sich allerdings nicht sicher ist, ob sie ihm verzeihen kann. Was er zu dem Zeitpunkt nicht weiß, ist, dass Kate von ihm schwanger ist.

17 Jahre später, Kate ist inzwischen eine erfolgreiche Schauspielerin, treffen sich Callum und Kate durch Zufall wieder und ihre Anziehung zueinander ist ungebrochen. Anstatt dem Schicksal dankbar zu sein, dass Belinda ihm nach dem ersten Mal eine zweite Chance gab, setzt Callum erneut alles aufs Spiel und die beiden treffen sich wieder heimlich. Kate ist inzwischen ebenfalls verheiratet und hat eine kleine Tochter. Ihr Ehemann Matt tut alles für sie, doch Kate behandelt ihn nicht sonderlich gut, auch schon vor dem Wiedersehen mit Callum, in dem sie den Mann ihres Lebens sieht. Dieses Mal ist es Matt, der die beiden in flagranti erwischt.

Alles Begehren ist ein Buch über irrationales, alles verzehrendes Begehren, ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Kate ist eine sehr rücksichtslose, egoistische Person, die glaubt, sie habe ein Anrecht auf Callum. Dass sie eine bislang glückliche intakte Ehe zerstört und den Kindern ihren Vater wegnimmt, stört sie nicht. Auch dass ihre eigene Ehe zu Bruch geht, ist für sie kein Hinternis.
Callum wiederum ist schwach und extrem geschmeichelt, dass eine junge, schöne und erfolgreiche Frau sich für ihn interessiert. Was er für diesen Kick opfert, wird ihm erst bewusst, als es zu spät ist.

Im Verlauf des Buchs wurden mir Kate und Callum zunehmend unsympathisch, ihre Ehepartner hingegen immer sympathischer. Ein Buch, das mich teilweise sehr frustriert und mit gespaltenen Gefühlen zurückgelassen hat.


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Veröffentlicht am 05.06.2018

Der Feind in deinem Bett?

Wahrheit gegen Wahrheit
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Vivian arbeitet in der Spionageabwehr der CIA. Ihre Hauptaufgabe ist es, russische Schläfer in den USA zu entdecken. Mithilfe eines von ihr entwickelten Programms hat sie Zugriff auf den Computer eines ...

Vivian arbeitet in der Spionageabwehr der CIA. Ihre Hauptaufgabe ist es, russische Schläfer in den USA zu entdecken. Mithilfe eines von ihr entwickelten Programms hat sie Zugriff auf den Computer eines russischen Agentenbetreuers, Juri, und entdeckt zu ihrem großen Entsetzen das Bild ihres Ehemanns Matt auf Juris Computer. Ist Matt ein russischer Schläfer? Als sie ihn abends darauf anspricht, stellt sich heraus, dass Matt ihr all die Jahre ihrer Ehe verschwiegen hat, wer er wirklich ist.
Vivian steht vor der größten Entscheidung ihres Lebens. Sie kann Matt decken und ihr Leben so weiterleben wie bisher, als glückliche Familie mit vier Kindern, oder sie kann ihrer patriotischen Pflicht Genüge tun und ihren Mann an die Behörden ausliefern.
Natürlich bleibt den Russen nicht verborgen, was Vivian weiß, und sie üben massiven Druck auf sie aus. Zu allem Überfluss scheint es an ihrem Arbeitsplatz in der CIA einen Maulwurf zu geben. Vivian weiß nicht mehr, wem sie trauen kann...
Die Idee dieses Buchs ist sehr gut und der Einstieg wirklich spannend. Allerdings gerät die Geschichte durch die vielen Rückblicke, in denen Vivian analysiert, wann in der Vergangenheit sie hätte merken müssen, dass etwas nicht stimmt und Matt sich seltsam verhält, sehr zäh. Manche ihrer Gedankengänge sind vollkommen unnötig und entsprechend langweilig. Muss der Leser wirklich wissen, dass Vivian beim Anblick der Pausenbrote ihres Sohnes verzweifelt versucht sich zu erinnern, ob dieser die Brote lieber in Dreiecks- oder Quadratform geschnitten haben möchte? Ich meine nein.
Das Buch wird als „furioser Thriller, den man geradezu verschlingt“ beworben. Diesem Urteil kann ich mich ganz und gar nicht anschließen. Über weite Strecken habe ich gehofft, dass Vivian endlich die Augen öffnet und den Tatsachen ins Auge blickt. Die praktische Lösung ihres Problems fand ich ein bisschen sehr gefällig, und was als überraschender Knaller am Schluss präsentiert wird, habe ich schon lange vermutet. Für mich eines jener Bücher, die einfach zu sehr in die Länge gezogen sind, um wirklich spannend zu sein.