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Veröffentlicht am 01.10.2018

Ein sehr tiefsinniges Buch über Freundschaft, Vertrauen, Liebe und Zusammenhalt

Drei Frauen am See
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Ich kannte Dora Heldt bisher nur aus eher leichten und lustigen Büchern und bin überrascht, dass sie hiermit auch in einem etwas anderen Genre ein für meine Begriffe sehr lesenswertes Buch geschrieben ...

Ich kannte Dora Heldt bisher nur aus eher leichten und lustigen Büchern und bin überrascht, dass sie hiermit auch in einem etwas anderen Genre ein für meine Begriffe sehr lesenswertes Buch geschrieben hat.
Ausgangspunkt sind vier – ursprünglich unzertrennliche – Freundinnen (Marie, Jule, Friedericke und Alexandra), die seit ihrer Kindheit quasi als Freundschaftskleeblatt viele unbeschwerte Tage am Haus am See verbrachten, welches Maries Familie gehört. Doch nun ist bereits seit zehn Jahren nach einem Streit fast jeglichen Kontakt abgebrochen – dies lässt vermuten, dass etwas sehr Schlimmes passiert sein muss.
Gelungen ist die Gliederung in die einzelnen Kapitel, die aus der jeweiligen Perspektive der vier, ihren Alltag, als auch die Verbindung zueinander und ihre Sicht der Dinge schildern.
Man sieht die Hauptfiguren förmlich vor sich, mit ihrem jeweiligen Charakter und Eigenheiten und erfährt sehr viel von den vier Frauen – auch von ihrem Lebensumfeld - und kann sie dadurch sehr gut einschätzen. Eine jede hat irgendwie ihr Päckchen zu tragen.
Es wird durch den Bruch (und das Geheimnis darum) der vier Freundinnen eine Spannung aufgebaut, welche auch über die erste CD hinaus anhält.
Marie, die sanfte und gefühlvolle, hinterlässt nach ihrem Tod den drei verbliebenen ein schweres, allerdings sehr gut durchdachtes Erbe: alle drei erben das Haus am See – daran ist jedoch die Bedingung geknüpft eine Zeit lang – wie früher – zu Pfingsten jeweils einige Tage gemeinsam (!) miteinander zu verbringen.
Diese Idee des Versöhnungsversuchs ist von Marie sehr gut gedacht, obwohl man sich durchaus vorstellen könnte, das sich einige verbiegen würden, nur um an diese Erbschaft zu kommen, die ja einiges wert ist. Doch im Lauf der Handlung bekommt man mit, dass alle drei abgeneigt bis ablehnend darin sind, Maries letzten Wunsch zu erfüllen.
Es ist sehr traurig zu hören, wie die einst so feste Freundschaft der Vier zerbrochen ist. Die Schilderung ihrer ganzen gemeinsamen Erlebnisse, so etwas kann man doch nicht einfach wegwerfen.
Immer mehr kristallisiert sich heraus, das Marie – trotz oder vielleicht auch wegen ihrer Krankheit - die einzig richtig Glückliche und Lebensbejahende in diesem Quartett ist (herrlich ist ihr Begriff der „Lebensliebe“). Und nach und nach wird die Belastung der anderen immer deutlicher – die sich teils in ihrem jetzigen Leben selbst belügen. Und Ursprung allen Leids scheinen die Männer zu sein.
Über die Ursache des Bruchs und des großen Schweigens bin ich etwas enttäuscht. Da ist es wieder das allbekannte Problem und Ursache vielen Übels: man deutet in Beobachtungen oder Gesagtes Dinge hinein, die so gar nicht stimmen. Aber anstatt es zu hinterfragen, zieht man seine eigene Schlüsse und richtet sein Verhalten danach aus. Das ist sehr schade – und wahrscheinlich „von außen“ betrachtet viel einfacher zu erkennen, als bei sich selbst.
Sehr berührend wiederrum ist jedoch Maries Glauben an die Freundschaft und ihre „Regieanweisung“, alles zu ermöglichen, das die drei Zerstrittenen sich wieder annähern und überhaupt erst einmal wieder miteinander reden – was ihr letztendlich auch gelungen ist.
Dies ist ein sehr tiefsinniges Buch über Freundschaft, Vertrauen, Liebe und Zusammenhalt. Es hat mich selbst sehr oft zum Nachdenken und der Reflexion des eigenen Verhaltens angeregt – deshalb gibt es von mir dafür eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 01.10.2018

Eine berührende Geschichte von Träumen, Hoffnung und Liebe

Als das Leben unsere Träume fand
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Hervorheben muss ich unbedingt, dass sich dieses Buch so flüssig liest und so fesselnd ist, dass ich es gar nicht aus der Hand legen konnte!
Sehr eindrücklich wird das schlimme Schicksal, das die drei ...

Hervorheben muss ich unbedingt, dass sich dieses Buch so flüssig liest und so fesselnd ist, dass ich es gar nicht aus der Hand legen konnte!
Sehr eindrücklich wird das schlimme Schicksal, das die drei Protagonisten Raquel, Rosetta und Rocco nach Argentinien treibt, geschildert. Ich fühlte sehr mit ihnen, vor allem mit den zwei Frauen, die, nur aufgrund ihres Geschlechtes weniger Wert zu sein scheinen und nur für Eines zu gebrauchen: den (be)herrschenden Männern zur Verfügung stehen müssen. Zu der damaligen Zeit so üblich und schon mit der Geburt war mit der Herkunft das Leben vorgezeichnet: Unterdrückter oder Beherrscher. Und „frau“ wird bestraft, weil sie sich dagegen wehrt… und nur das fordert, was ihr eigentlich zustehen würde. Eine schreiende Ungerechtigkeit.
Sehr interessant und erschütternd finde ich die Information zu Zwi Migdal. Anfänglich glaubte ich wirklich noch, dass diese Organisation etwas Gutes will. Vielleicht auch weil sie jüdischen Ursprungs war.
Alle drei haben es in dem Land ihrer Hoffnung nicht leicht.
Rosette wird per Strafbefehl gesucht, weil sie sich gegen den Baron, der sie betrogen hat, zur Wehr setzte. Sehr deutlich wird hierbei wieder, das nicht Recht Recht ist, sondern der Recht hat, der in höherer Position ist und Geld hat. Mittels Rocco kann Rosetta die Flucht gelingen – die kurze Begegnung reicht für das Verzaubern beider und die Suche beider zueinander wird ein Schwerpunkt dieses Romans werden.
Raquel, als Kind bzw. Heranwachsende wird am Schlimmsten mit der grausamen Wirklichkeit konfrontiert – das die Organisation die junge Mädchen in Osteuropa einsammelte, nicht Gutes beabsichtigt: sondern sie zur Arbeit als Prostituierte zwingt (die fast einzige Arbeit für die Vielzahl der Frauen vor Ort um zu Überleben).
Rosetta und Raquel haben nie wirklich eine Chance – bzw. sorgt ihre aufrichtige Art mit der sie sich für andere einsetzen für Probleme. Sie wählen nicht den Weg des geringsten Widerstandes bzw. schauen weg. Nein – obwohl es ihnen nur Nachteile bringt, kämpfen sie noch für andere. Das zeigt wahre Größe und ich habe große Achtung vor beiden. Und das sie trotz aller widrigen Umstände ihren Lebensmut nicht verlieren, obwohl es sehr oft aussichtlos scheint. Rocco handelt ähnlich gerecht und aufrichtig, was auch ihm die eine oder andere Schwierigkeit einbringt.
Die gesamte Situation der Einwanderer ist mehr als schlecht. Die Frauen haben kaum die Chance für ehrliche Arbeit, als letzte Lösung bleibt die Prostitution, ob nun als Gefangene oder freiwillig. Die Männer könnten – gerade im Hafen - noch Arbeit finden, doch auch hier sind die Umstände menschenunwürdig und Ausbeutung. Man braucht schon viel Durchhaltevermögen, Stärke und vermutlich auch Glück, um hier nicht unterzugehen. Der Traum vom besseren Leben in der neuen Welt ist sehr rasch ausgeträumt!
Immer wenn ich dachte, es kann für die Hauptfiguren nicht mehr schlimmer kommen, gab es wieder einen herben Schlag, von dem sie sich jedoch nicht unterkriegen haben lassen. Ich bin erstaunt über ihre Kraft, jeden neuen Schicksalsschlag zu überstehen und daraus sogar noch neue Kraft zu schöpfen. Alle drei kämpften auf ihre Weise – und aus ihrer Überzeugung. Rosetta als „Bürgermeisterin der Frauen“. Rocco als Unbestechlicher, der seinen Weg geht, seinen Traum der Verlademaschine verwirklicht und sich letztendlich durch seine Haltung sogar den Respekt des verhassten Mafia-Boss Tony gewinnt. Und die „kleine“ Raquel, die über sich hinauswächst und von allen unterschätzt wird, die sich zäh durchbeißt, ihren einzigen Ausweg zur Erfüllung ihres Traumes darin sieht, ein Junge zu werden und sich im Schreiben entfaltet.
Ich habe bisher noch kein Buch von Luca Di Fulvio gelesen, aber dieser Roman hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren als auch die Handlung sind sowohl gut durchdacht als auch treffend beschrieben. Ich konnte mich immer sehr gut ein denken und habe mit ihnen gelitten und gebangt. Dieses Buch hat mich sehr berührt und es bleibt für mich als krönender Abschluss der Gedanke, niemals seine Hoffnung und Träume aufzugeben, egal wie widrig die Umstände gerade sind – und nicht zu vergessen: Ein Miteinander, statt Gegeneinander kann vieles bewirken. Rosetta, Raquel und Rocco haben dies getan, sind ihren Weg gegangen und haben ihr Glück mehr als verdient.
Für mich gibt es deshalb für dieses Buch eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.09.2018

Ein Meisterwerk aus Fiktion und realer Geschichte

Die Charité: Hoffnung und Schicksal
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Ich bin gut in das Buch und die Handlung reingekommen – es liest sich sehr flüssig und so spannend, dass man es fast nicht unterbrechen kann.
Durch die sehr ausführliche Beschreibung wurde ich gleich ...

Ich bin gut in das Buch und die Handlung reingekommen – es liest sich sehr flüssig und so spannend, dass man es fast nicht unterbrechen kann.
Durch die sehr ausführliche Beschreibung wurde ich gleich in die Szenerie versetzt und fühle mit den drei weiblichen Hauptfiguren: der Hebamme Martha Vogelsang, der Wärterin Elisabeth und der Gräfin Ludovika. Allen dreien ist gemeinsam, das sie in ihrem Denken und Handeln doch sehr fortschrittlich sind – und vor allem die Gräfin nicht in das übliche Klischee der verwöhnten reichen Dame passt.
Jeder hat vor dem Hintergrund der Charite sein eigenes Päckchen zu tragen und doch entwickelt sich im Lauf der Handlung sehr positiv.
Überhaupt ist sehr gut gelungen, dass die Charite Dreh- und Angelpunkt dieser Handlung bleibt. Schwere Schicksale wechseln mit glücklichen Verläufen, genauso wie die handelnden bzw. beschriebenen Personen. Einige begleiten den Hörer nur einen Teil des Hörbuches, andere fast durchgängig. An letzteren kann man ihre Entwicklung natürlich besser festmachen.
Sehr gut gefällt mir die Einbindung realer Personen wie z.B. Dr. Diefenbach in eine Handlung mit fiktiven Personen. Alles ist sehr stimmig und gelungen.
Für dieses Buch gibt es von mir deshalb eine klare Empfehlung!

Veröffentlicht am 11.09.2018

Wenn ein Alptraum wahr wird....

Er hat mich umgebracht
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Dieses Buch hat mich vom Schreibstil her so sehr gefesselt, das ich es zügig durchgelesen habe.
Für mich bestand Spannung ab der ersten Seite. Ein sechsjähriges Mädchen, Luna, träumt von einem Mord, wird ...

Dieses Buch hat mich vom Schreibstil her so sehr gefesselt, das ich es zügig durchgelesen habe.
Für mich bestand Spannung ab der ersten Seite. Ein sechsjähriges Mädchen, Luna, träumt von einem Mord, wird dadurch Zeuge und selbst im Traum bedroht. Durch diesen Traum (oder Vision) ändert sich für die Familie alles.
Das Buch ist sehr eindringlich geschrieben, die jeweiligen Situationen werden sehr eindrucksvoll wiedergegeben. Ich konnte mit der Mutter regelrecht mitfühlen. Ein kurzer Hoffnungsschimmer wird durch den nächsten Traum, das nicht kindgerechte Verhalten von Luna zu Nichte gemacht. Die Mutter als Hauptkontaktperson leidet sehr darunter, beäugt ihr Kind und ist immer in „Hab-Acht-Stellung“. Dies zehrt natürlich an den Nerven. Der Vater steht etwas hilflos daneben, versucht mit beruhigenden Worten eher halbherzig zu trösten, was jedoch nicht wirklich gelingt.
Der Weg zu professioneller Hilfe scheint der einzig Richtige zu sein. Doch die rasch zugedachte Abhilfe, in Form einer Traumänderung durch eine Psychotherapeutin, Sofie Ritter, ändert daran nichts. Aus dem unbeschwerten glücklichen Kind, wird eine ernste „kleine Erwachsene“, die dadurch ihre ganze Kindheit und Teenagerzeit hindurch eine Außenseiterin bleibt. Durch diese regelrechte Manipulation des Traumes wurde das Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben. Ihre Mutter ist nicht glücklich und beobachtet Luna weiterhin – und Luna fühlt sich dadurch ungeliebt und für diese Unpässlichkeit quasi verantwortlich. Auch als sie älter ist, wird darüber nicht gesprochen. Hier sieht man wieder dass das Verdrängen und Schweigen über Unangenehmes keine Lösung ist.
Zwanzig Jahre später erinnert sich Luna an ihren Traum – und dieser Mord passiert wirklich. Nun bangt sie um ihr eigenes Leben und will darauf vorbereitet sein, sich zu wehren. Dazu nimmt sie eisern Einzelunterricht bei Alex im Judo - und beide lernen sich kennen – und lieben. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich geliebt und geborgen, und teilt nach anfänglichem Zögern ihre Last.
Der ermittelnde Kommissar bittet Sofie um Hilfe, weil er nicht weiterkommt. Sofie erinnert sich an das Kind mit diesem Traum und sucht Luna auf. Sichtlich geschockt und empört über die durchgeführte Änderung ihres Traumes, findet sie in dem Gespräch auch Antworten auf ihre Fragen.
Der Mann des Mordopfers Rosalind Bloom scheint verdächtig, passt auf Lunas Beschreibung des Mörders, aber ihm fehl das kennzeichnende Merkmals einer Narbe in Form eines Halbmondes auf der Stirn - und ihm ist nichts nachzuweisen. Bei einem von Bloom erbetenen Treffen mit Luna, erkennt sie ihn als Mörder – die Narbe wird bei Kälte sichtbar – und begibt sich somit in Lebensgefahr.
Mit Alex‘ Unterstützung kann Bloom verhaftet werden, jedoch ist damit das Geschehen noch nicht zu Ende. Für Luna ist es der reinste Psychoterror – trotz allem hat sie immer noch Angst vor ihm. Was nicht unbegründet ist, denn Bloom dreht den Spieß um und Luna wird zur Beschuldigten.
Beruhigend ist es jedoch, das sich am Ende alles klärt und Luna nun endlich ein unbeschwertes und neues Leben mit Alex beginnen kann.
Fazit:
Nach einem spannenden Einstieg wird die Geschichte nie langweilig und birgt einige überraschende Wendungen. Alles ist gut durchdacht und stimmig. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe es somit sehr zügig durchgelesen. Deshalb gibt es dafür von mir eine klare Leseempfehlung !

Veröffentlicht am 04.09.2018

Eine fesselnde Handlung mit gut recherchiertem historischem Hintergrund

Die Festung am Rhein
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Um es vorab zu sagen – ich bin von diesem Buch begeistert – und das liegt nicht nur an meiner Vorliebe für historische Romane.
Meines Erachtens ist dieses Buch sehr fundiert und gründlich vor historischem ...

Um es vorab zu sagen – ich bin von diesem Buch begeistert – und das liegt nicht nur an meiner Vorliebe für historische Romane.
Meines Erachtens ist dieses Buch sehr fundiert und gründlich vor historischem Hintergrund durchdacht und ausgearbeitet. Eine Karte zur besseren Übersicht und Orientierung der Handlung, als auch ein Nachwort zu den gängigen geschichtlichen Begriffen und Bezeichnungen und Personen runden das Ganze ab. Ich persönlich schätze diese zusätzlichen Informationen immer sehr – oft schon habe ich im Nachgang zu einem Buch gewisse Sachen noch im Internet recherchiert. Dies ist in diesem Buch bereits inbegriffen.
Zur Handlung:
Ich bin sofort im Geschehen im Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland, indem Grenzlinie nach Kriegen ständig verschoben wurde und Beziehungen zwischen Deutschen und Franzosen verächtlich beäugt wurden. Das musste bereits die Mutter von Christian und Franziska spüren, die nach der Heirat mit einem nicht standesgemäßen Franzosen von ihrer Familie verstoßen wurde. Nach dem Tod des Vaters wurden die Geschwister zu dem mehr recht als schlecht duldendem Onkel, der mit seiner Abneigung nicht hinter den Berg hält, geschickt, der sie als Gegenleistung für Quartier und Essen als billige Arbeitskraft ausbeutet.
Während eines Treffens beider Geschwister, indem Christian etwas Familiäres andeutet, was er Franziska mitteilen möchte, wird er der Spionage beschuldigt, verhaftet. Wer scheint dafür auch prädestinierter zu sein als Christian? Einzig Franziska glaubt an Christians Unschuld und setzt alles daran, Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei läuft sie mehrere Male Leutnant Rudolph Harten in die Arme, der mit der Klärung des Spionagefalls um ihren Bruder beauftragt ist. Christian weigert sich nach seiner Verhaftung beharrlich Franziska näheres mitzuteilen, auch wenn er somit eine Verurteilung wegen Spionage riskiert.
Aus den Zeilen spricht eine unglaubliche Ungerechtigkeit, die Menschen auf ihre Herkunft reduziert und daraus schon eine Vorverurteilung ableitet.
Um ihren Bruder zu entlasten verdingt Franziska sich als Hausmädchen beim Capitain von Rülow. Sie ist sich ihrer Herkunft nicht zu schade, auch niedere Arbeiten zu verrichten, nur um etwas herauszufinden. Schnell bemerkt sie aufgrund von Andeutungen anderer Bediensteter, das nicht alles so scheint, wie es sich darstellt - auch wenn sie mit dieser Information noch nichts anfangen kann.
Nach und nach macht Franziska jedoch Entdeckungen, die auf einen möglichen Zusammenhang der Spionage und dem Hause von Rülow deuten. Und sie kann schrittweise mit jedem neuen Puzzlestück Harten von der Unschuld ihres Bruders überzeuge, so dass sich beide gemeinsam an die Lösung dieses Falls machen – dabei kommen sie sich natürlich näher – und erst nach mehreren Hindernissen auch zusammen.
Sicher ist die ein oder andere Begebenheit – oder Hürde aufgrund von Missverständnissen - mehr als übertrieben zufällig – aber mich hat das in diesem Buch nicht gestört. Im Gegenteil, ich fand es gut, das diese in bewegten Zeiten angesiedelte Handlung ein Happy End findet.
Im gesamten Buch wird sehr deutlich, welche Probleme aus Abstammung, nicht nur in der Hierarchie, ob einfacher Bediensteter oder Adliger, sondern auch aus regionaler Herkunft entstehen können. Ein von oben herab geschaffenes und weiter verbreitetes Feindbild, das die Menschen – bei genauerer Betrachtung - in Gewissenskonflikte stürzt. Viel Mut und Courage gehört dazu, sich mit seinen Lebensentscheidungen darüber hinwegzusetzen – und auch die daraus entstehenden Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Das war mir bisher noch gar nicht so bewusst.
Die Protagonisten sind aufrichtig und ehrlich und lassen sich auch durch diese widrige Umstände nicht von ihrer Überzeugung und ihrem Standpunkt abbringen. Ich bewundere diesen gradlinigen Weg!
Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen und hatte es in kürzester Zeit bereits ausgelesen – das spricht ja auch für ein gutes Buch. Von mir deshalb eine klare Leseempfehlung!