Köln wird aufgedeckt
FeindeUnd zwar schonungslos. Zumindest sollte das so sein, so mein Eindruck von diesem sozialkritischen gradlinigem Krimi - ein Thriller ist es definitiv nicht. Doch dazu später:
Die Ermittler Can und Simone: ...
Und zwar schonungslos. Zumindest sollte das so sein, so mein Eindruck von diesem sozialkritischen gradlinigem Krimi - ein Thriller ist es definitiv nicht. Doch dazu später:
Die Ermittler Can und Simone: er mit Migrationshintergrund, sie: lesbisch und egozentrisch, ermitteln in einem Doppelmord - es werden die Leichen zweier Männer gefunden, alles deutet darauf hin, dass es Roma aus Rumänien oder Bulgarien sind.
Zu Beginn kam es mir teilweise vor, als ob es in dieser Reihe schon einen Vorgängerband gegeben hätte, so zögerlich erfolgte die Einführung des gesamten Settings, also der Figuren und ihres Umfelds.
Erzählt wird durchgehend aus Cans Sicht, dem ich mich schon durch die ständigen Probleme mit Migräne sehr verbunden fühlte. Allerdings hilft Ibuprofen kaum gegen so starke und chronische Kopfschmerzen und sollte allein deswegen schon nicht ständig erwähnt werden. Wobei dies jedoch der einzige Punkt war, in dem die Autorin Susanne Saygin nicht akribisch recherchiert hatte.
Dieser Regional-Krimi - dies ist aus meiner Sicht die treffendste Bezeichnung, wenn man dem Kind einen Namen bzw. das Buch in ein Genre packen will - zeigt zweifellos viele Zu- und auch Missstände meiner Heimatstadt Köln auf, ebenso schwelgt er jedoch in Klischees. Der Kölner Klüngel, die multikulturelle Gesellschaft in verschiedenen Stadtteilen - das sind nur zwei Beispiele für Themen, die aus meiner Sicht zu einseitig dargestellt werden.
Ich finde es auch schade, dass die Autorin mit erfundenen Bezeichnungen arbeitet - der Fußballverein, die Zeitung: alle trägt ein Pseudonym bzw. einen fiktiven Titel. Schade, finde ich, denn gerade dieser Wiedererkennungswert ist es, den ich bei Regionalkrimis so schätze! So habe ich bspw. bei meinem Urlaub in Ostfriesland gleich einige der Lokalitäten aufsuchen können, die der Autor Klaus-Peter Wolff erwähnt. Möglicherweise hat es mit gewissen Urheberrechten etc. zu tun, ich finde es dennoch extrem schade, da es genügend Beispiele dafür gibt, dass es auch anders geht.
Daher wird nicht so ganz was aus der schonungslosen Aufdeckung aller Belange, die ich aufgrund des Beginns eigentlich erwartet hatte. Dennoch ist dies insgesamt ein durchaus facettenreicher und faszinierender Krimi, der sich aber vor allem aber der Mitte so ziemlich verliert - es gibt keinen richtigen roten Faden mehr und etliche Erzählstränge werden nicht abgearbeitet, was meine Vorfreude auf einen möglichen Nachfolger allerdings nur wenig schmälert.