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Veröffentlicht am 01.10.2018

Die Themse im Fluss der Zeiten

Die Themse
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„Die Themse – Biographie eines Flusses“ von Peter Ackroyd, erschienen 2008 im Verlag Knaus, ist ein ganz besonderes Buch. Hier wird die Lebensgeschichte eines Flusses erzählt, der nicht zu den ganz großen ...

„Die Themse – Biographie eines Flusses“ von Peter Ackroyd, erschienen 2008 im Verlag Knaus, ist ein ganz besonderes Buch. Hier wird die Lebensgeschichte eines Flusses erzählt, der nicht zu den ganz großen Strömen dieser Welt gehört.

Die Themse (Thames) ist ein recht unspektakulärer Fluss, gerade einmal 215 Meilen oder 346 km lang. Ihr Name kommt aus der keltischen Sprache. Das Wort „tam“ bedeutet so viel wie „glatt“ oder „sich ausbreiten“.

Seit mehr als 4000 Jahren leben Menschen an diesem Fluss, der mit der britischen Geschichte untrennbar verbunden ist. Er war Schauplatz von mythischen, historischen, militärischen und kulturellen Ereignissen. Davon erzählt Peter Ackroyds Biographie auf 557 Seiten in 15 Teilen, die insgesamt 45 Kapitel enthalten. Die Kapitelüberschriften dienen als Wegweiser. Man taucht ein in die Welt der Themse und blickt in den Spiegel der Geschichte und Natur.

Der wunderbare Erzählstil macht es dem Leser leicht die vielen Facetten des Flusses kennen zu lernen. Es wird Wissensvermittlung auf hohem Niveau geboten, ohne den Leser mit steifer Gelehrsamkeit zu langweilen.

Hier liegt ein Sachbuch in bester angelsächsischer Tradition vor. Peter Ackroyd kann man sich als Privatgelehrten vorstellen, der vieles gelesen und studiert hat. Er ist ungemein sachkundig, hat akribisch recherchiert und Freude am Erzählen. Er ist einer der wichtigsten Gegenwartsautoren Großbritanniens und hat viele Sachbücher und Romane verfasst, darunter auch die Biographien zweier Städte: Venedig und London.

Der Autor trägt Fakten und Anekdoten, Wissenswertes und Skurriles akribisch zusammen. Die Kapitel können, müssen aber nicht chronologisch gelesen werden. Man kann die Reise entlang des Flusses je nach Gusto gestalten und einzelne Abschnitte separat lesen.

Aber was wäre der Fluss ohne die Menschen, die an seinen Ufern leben. Wie haben sie mit und von der Themse gelebt? Ausführlich berichtet der Autor von der schweren Arbeit am Fluss, dem Bau von Tunneln und Brücken und dem Kommerz, als die gewaltige Welt der Docks entsteht. Bald ist der Fluss mit seinen Kräften am Ende und wird zur Kloake. Alle Anstrengungen im 21. Jahrhundert werden aber den heiligen Fluss nie wieder in seinen reinen Zustand versetzen können.
Auch Kunst und Literatur zur Themse sind einige Kapitel gewidmet. Die Darstellung von Peter Ackroyd gibt ein wahrhaft umfassendes Bild des Flusses. Das Buch ist angefüllt mit Fakten und Geschichte, Magie und Philosophie, Wirklichkeit und Träumen sowie Poesie und Leidenschaft.

Vervollständigt wird es durch zahlreiche Abbildungen und Karten, die das Buch wunderschön illustrieren. Auch ein umfassendes Register fehlt nicht. Entstanden ist ein echtes Meisterwerk in einer edlen Aufmachung, wenn man das gebundene Buch in den Händen hält. Die silberne Farbe des Covers impliziert Wasser und zeigt eine Zeichnung der Londoner Tower Bridge, einem Wahrzeichen der Themse.

Aus meiner Sicht ist das Buch eine klare Leseempehlung für alle, die schon immer etwas mehr über das sichtbare und unsichtbare Leben an der Themse erfahren wollten.

Veröffentlicht am 22.09.2018

Spannend bis zum Schluss

Tod im Emmental
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Das Emmental, östlich von Bern gelegen, ist eine hügelige Landschaft, die von Viehzucht und der Herstellung des legendären Emmentaler Käses geprägt ist.
Hier spielt die Handlung des vierten Krimis von ...

Das Emmental, östlich von Bern gelegen, ist eine hügelige Landschaft, die von Viehzucht und der Herstellung des legendären Emmentaler Käses geprägt ist.
Hier spielt die Handlung des vierten Krimis von Gabriel Anwander, die so gar nicht in diese idyllische Gegend passt. Das Buch ist 2018 im Emons Verlag erschienen. Das schlichte Titelbild ist typisch für diesen Verlag und passt sehr gut zum Buch.

Alexander Bergmann, ein früherer Polizist, ist jetzt als Privatdetektiv tätig ist steht im Mittelpunkt. Er kommt gerade so einigermaßen zurecht und ist froh über jeden neuen Auftrag.
Der Boxclub in Langnau wird durch den ehemaligen Box-Champion Hammer-Joe betrieben. Ausgerechnet seine talentierteste Schülerin, Magdalena, ist verschwunden. Ihre Mutter sitzt im Gefängnis und ihr dem Alkohol verfallener Vater sind nicht gerade die besten Referenzen für sie. Das Interesse der Polizei ist so gut wie nicht vorhanden und Alexander Bergmann erhält einen neuen Fall.

Kaum hat er sich über das persönliche und familiäre Umfeld des Mädchens kundig gemacht, wird sie zwei Tage später schwer verletzt an der Kläranlage aufgefunden.
Eigentlich könnte Alexander jetzt seinen Vorschuss zurück geben und auf den nächsten Auftrag warten, doch er vermutet mehr hinter der Entführung des Mädchens .Er stößt bei seinen Ermittlungen in einem Bordell auf den Verdacht von Frauenhandel. Auch persönlich gerät er ins Visier von Kriminellen und landet brutal zugerichtet, wie Magdalena, im Spital.

Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr nimmt diese Kriminalgeschichte an Fahrt auf. Gabriel Anwander weiß mit immer neuen Details und überraschenden Wendungen Spannung aufzubauen und zu halten. Dabei ist sein flüssiger Erzählstil ruhig und unaufgeregt. Gerade dieser Kontrast macht den Krimi zu einem besonderen Leseerlebnis.

Die farben- und bildhaften Landschaftsbeschreibungen ermöglichen dem Leser sich alles genau vorzustellen. Manchmal fühlte ich mich direkt in Emmental angekommen. Die handelnden Personen sind sehr gut beschrieben und charakterisiert. Menschenkenntnis und auch eine Prise Humor bereichern den Krimi.
Die Suche nach dem Motiv der Entführung von Magdalena führt Alexander immer näher an gefährliche Kriminelle, die auch vor einem Mord nicht zurück schrecken. Die Gefahr für das Mädchen wird immer größer.

Die Spannung steigt permanent und ein packendes dramatisches Finale mit einer schlüssigen Auflösung fesselt den Leser bis zum Schluss.

Fazit:
Mit „Tod im Emmental“ ist Gabriel Anwander ein sehr guter Krimi mit unvorhersehbarer Handlung und überzeugenden Protagonisten gelungen. Die Geschichte war geschickt aufgebaut und wurde logisch zu Ende geführt. Dar Fall war in sich stimmig und das Ende nachvollziehbar.
Mir hat das Lesen dieses Buches viele spannende Lesemomente beschert. Für Liebhaber von Krimis mit viel Lokalkolorit ist dieses Lektüre sehr empfehlenswert

Veröffentlicht am 18.09.2018

Annes rätselhaftes Verschwinden

Letzte Spur Samba-Bahn
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Die Burgholzbahn bei Wuppertal, auch der Samba genannt, war eine elf Kilometer lange, eingleisige Eisenbahnstrecke zwischen Elberfeld und Cronenberg. Im Frühjahr 1988 wird die Strecke aus Sicherheitsgründen ...

Die Burgholzbahn bei Wuppertal, auch der Samba genannt, war eine elf Kilometer lange, eingleisige Eisenbahnstrecke zwischen Elberfeld und Cronenberg. Im Frühjahr 1988 wird die Strecke aus Sicherheitsgründen stillgelegt.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Krimi. Auf der letzten Fahrt verschwindet die Sparkassenangestellte Anne. Ihre Schwester Linda sorgt sich und sucht nach dem Grund. Ist es eine harmlose Auszeit, die sich die Schwester genommen hat oder liegt ein Verbrechen vor?

Bei ihren Nachforschungen fühlt sie sich teilweise von der Polizei allein gelassen und recherchiert selbst im privaten und beruflichen Umfeld von Anne. Doch sie stößt auf Merkwürdigkeiten und stellt fest, wie wenig sie über ihre Schwester wusste. Bald gerät sie in das Visier eines Unbekannten und wird beobachtet und bedroht.

Elke Bardenhagen erzählt eine unglaublich spannende Geschichte, die einen sofort fesselt. Sie versteht es ausgezeichnet durch immer neue Details und rätselhafte Geschehnisse, die Linda erfährt, den Leser direkt in das Geschehen einzubeziehen.

Dabei sind die Stadt Wuppertal und das ausgedehnte Waldgebiet Burgholz der perfekte Rahmen für die Schilderung der Empfindungen von Linda, die allen Hinweisen und Spuren, die sie erhält, nachgeht. Natur- und Seelenzustandsbeschreibungen ergänzen sich perfekt. Der flüssige Sprachstil liest sich ausgezeichnet.
Die akribische und lebhafte Personenschilderung ist gelungen. Man merkt, dass die Autorin sich intensiv mit Psychologie beschäftigt hat. Manche Personen sind wirklich etwas unheimlich.

Die Spannung steigt permanent und ein packendes hochdramatisches Finale mit einer schlüssigen Auflösung fesselt den Leser bis zum Schluss. Die psychologische Ausdeutung ist meisterhaft.

„Letzte Spur Samba Bahn“ ist die erste Veröffentlichung von Elke Bardenhagen, die ihre Leidenschaft für das Schreiben sowie rätselhafte und geheimnisvolle Vorkommnisse schon in ihrer Kindheit entdeckt hat. Erschienen ist das Buch 2018 beim Verlag edition oberkassel. Ein viel versprechendes Debut, das mich begeistert hat.

Mit diesem Krimi ist Elke Bardenhagen eine außergewöhnliche und spannungsgeladene Geschichte gelungen, die aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung ist.

Veröffentlicht am 16.09.2018

Drei Jahre im Schatten des Ararat

Eriwan
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Jerewan, auch Eriwan genannt, gehört zu den ältesten Städten der Welt. Im Oktober 2018 feiert die Stadt ihren 2800. Geburtstag.

In Deutschland ist über Armenien und seine Hauptstadt wenig bekannt. Deshalb ...

Jerewan, auch Eriwan genannt, gehört zu den ältesten Städten der Welt. Im Oktober 2018 feiert die Stadt ihren 2800. Geburtstag.

In Deutschland ist über Armenien und seine Hauptstadt wenig bekannt. Deshalb ist Marc Degens Buch „Eriwan“, erschienen 2018 im Leipziger Verlag Ille & Riemer, eine willkommene Lektüre.

Von 2007 bis 2010 lebten der Autor und seine Frau, die beim DAAD tätig war, in Eriwan. In einer tagebuchähnlichen Form schildert Marc Degens sprachgewandt und humorvoll die gemeinsame Zeit in der Stadt.

Er erzählt, wie er sich in der möblierten Wohnung mit Blick auf den Ararat schnell eingelebt hat, trotz Widrigkeiten wie unerwünschte tierische Mitbewohner und einer fast zu besorgten Vermieterin. Es macht Freude von seinen Erlebnissen zu lesen.

Er schildert auch seine persönlichen Eindrücke vom deutsch-armenischen Kulturbetrieb und lässt den Leser an der Arbeit seiner Frau teilhaben.

In ihrer Freizeit versuchen sie mehr von der Stadt und den Sehenswürdigkeiten Armeniens kennen zu lernen. Auch hier erweist sich Marc Degens als sachkundiger Reiseführer. Sehr schöne schwarz-weiss-Fotos vertiefen die Eindrücke.

Anschaulich und humorvoll schildert Marc Degens seine Erfahrungen beim Reisen innerhalb und außerhalb des Landes. Der Leser lernt seine Freunde und Weggefährten kennen, die sehr gut und bildhaft beschrieben werden.

Mein Fazit:
Ein wirklich lesens- und empfehlenswertes Buch aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Jedes Kapitel erzählt etwas Neues und zeigt Armenien aus anderen Blickwinkeln. Man erfährt viel aus der persönlichen Sicht des Autors über die Schwierigkeiten im Alltag und die kulturellen und politischen Verhältnisse im Land. Das relativiert den Blick auf Deutschland und hilft dabei Einiges neu zu bewerten.

Das Buch macht Lust auf eigene Erkundungen. Seine touristischen und kulturellen Hinweise wecken den Wunsch Eriwan und Armenien zu besuchen oder wieder zu sehen.



Veröffentlicht am 13.09.2018

Max Teubners persönlichster Fall

Enkeltrick
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„Enkeltrick“ von Astrid Plötner, dem zweiten Fall von Hauptkommissarin Maike Graf und ihrem Kollegen Max Teubner, der 2018 im renommierten Gmeiner Verlag erschienen ist, liegt das Thema der alternden Gesellschaft ...

„Enkeltrick“ von Astrid Plötner, dem zweiten Fall von Hauptkommissarin Maike Graf und ihrem Kollegen Max Teubner, der 2018 im renommierten Gmeiner Verlag erschienen ist, liegt das Thema der alternden Gesellschaft zugrunde. Viele Menschen werden hilfsbedürftiger und vereinsamen. Die sozialen Kontakte werden oft nach dem Tod eines Ehepartner noch seltener. Häufig wohnen Kinder und Enkel weit entfernt und melden sich nur noch sporadisch. So entsteht ein ideales Umfeld für Trickbetrüger.

Die Autorin zeigt jedoch in diesem spannenden Krimi eine noch viel größere Dimension. Es geht um Hintermänner und bandenmäßige Strukturen, häufig sind es Clans, der organisierten Kriminalität. Sie hat viel und sehr gut zu diesem Thema recherchiert und es gibt in der hier erzählten Geschichte einige Parallelen zu tatsächlichen Ereignissen.

Die komplexe Handlung, die sie sich ausgedacht hat, spielt in der Gegend um Unna. Max Teubner, der hier seit fünf Jahren bei der Polizei arbeitet, wird bei einem Polizeieinsatz von seiner Vergangenheit eingeholt. Niemand von seinen Kollegen kannte den Grund seiner Versetzung aus Dortmund. Mit seiner Dienstwaffe wird ein Mann erschossen und er bleibt verschwunden.

Hält er sich versteckt oder wurde er entführt? Was verbindet ihn mit Paula, die einst in der Enkeltrick-Mafia tätig war? Lebt ihre kriminelle Vergangenheit wieder auf oder ist sie erneut in die Fänge des Clans geraten? Mit der Person von Paula entwirft Astrid Plötner einen psychologisch interessanten Charakter. Der Leser lernt sie als Opfer und Täterin kennen. Es ist spannend sie und ihr Verhalten zu beobachten und zu analysieren.

Maike Graf und ihr Kollege Reinders versuchen mehr zu erfahren. Sie stehen unter enormen Zeitdruck, was durch die datierten Hauptabschnitte verdeutlicht wird.

Aufgelockert wird die angespannte Arbeit der Polizei, durch reichhaltige Informationen zum Privatleben der Ermittler und der Opfer. Ein buntes Kaleidoskop von gut geschilderten und authentischen Charakteren lernt der Leser kennen. Ich konnte mir jeden sehr gut vorstellen.

Zur gleichen Zeit, als die Polizisten versuchen den Mord aufzuklären und ihren Kollegen zu finden, lebt die Enkeltrickmasche wieder auf und es verschwinden noch nicht einmal vermisste Personen. Maike Graf hat jedoch ein untrügliches Bauchgefühl und in einer gewagten Aktion kann sie den Schlüssel zur Lösung finden.

Der Krimi endet mit einem dramatischen Finale, das an Hochspannung nichts zu wünschen übrig lässt. Das Ende ist in sich absolut stimmig und schlüssig.

Mit „Enkeltrick “ ist Astrid Plötner eine außergewöhnliche und spannende Geschichte gelungen, die aber auch nachdenklich macht. Aus meiner Sicht ist der Krimi eine klare Leseempfehlung. Ich freue mich auf weitere Fälle der Unnaer Ermittlerteams.