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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2018

Einfühlsame Liebesgeschichte voller Dramatik

Der englische Liebhaber
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Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg liegt die Stadt Münster in Trümmer. Die junge Anna findet eine Arbeitsstelle bei der britischen Besatzungsmacht und trifft dort auf den Captain Jeremy. Die beiden lernen ...

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg liegt die Stadt Münster in Trümmer. Die junge Anna findet eine Arbeitsstelle bei der britischen Besatzungsmacht und trifft dort auf den Captain Jeremy. Die beiden lernen sich kennen und lieben. Doch just als sie sich entschließen, ihr gemeinsames Leben offiziell zu beginnen, wird Jeremy versetzt, Anna erfährt nichts mehr von ihm. Da sie schwanger von ihm ist, versucht sie noch einige Male, ihn zu erreichen, doch ohne Erfolg. Sie zieht ihre Tochter Charlotte unter widrigen Umständen auf. 40 Jahre später findet Charlotte die Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter. Dort entdecken sowohl Charlotte wie auch der Leser Annas andere Seite kennen, denn sie hat die Liebe für Jeremy immer in ihrem Herzen bewahrt.

Mit diesem Buch ist Federica de Cesco ein Roman gelungen, der nicht nur die Liebe des Herzens besingt, sondern auch die schweren Jahre der Nachkriegszeit anschaulich wieder auferstehen lässt. Mit Anna erlebt der Leser den Hunger und die Beschwernis der Zeit direkt nach dem Krieg, aber auch die wunderschönen Erlebnisse mit ihrem geliebten Jeremy. Doch auch die Nachteile dieser Liebe werden nicht verborgen, denn beide müssen ihre Liebe sorgfältig verstecken, es ist für beide Seiten verpönt, eine Liaison mit der anderen einzugehen. Auch die Tochter Charlotte erhält den nötigen Raum, um ihre Gefühle und Gedanken Luft zu machen. Die Autorin beschönigt nichts, sie geht einfühlsam mit ihren Hauptfiguren um, so dass der Leser sich schnell in ihre Geschichte einfinden kann. Sehr berührt hat mich folgende Aussage der Protagonistin: „Ich habe verstanden, dass keiner von uns ohne Schuld war. Und dass Menschenleben nicht zählen, wenn die Geschichte rabiat wird. Der größte Zorn der Ameise nützt nichts, wenn sie der Stiefel zerdrückt.“ (S. 65)

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit, die Autorin verwendet den Nachlass ihrer Tante, die mit ihrem Geliebten eine solche Geschichte voller Leidenschaft und Tragik erlebt hat. Einige Episoden hat sie dafür umgeschrieben. Doch man merkt der Erzählung sowohl das Herzblut der Autorin an und auch, wie realitätsnah dieses Buch geschrieben ist. Diese berührende Geschichte möchte ich sehr gerne weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 17.09.2018

Über die Sehnsucht nach Wurzeln

Häuser aus Sand
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Der Roman beschreibt das Leben der palästinensischen Familie Yacoub über vier Generationen und in den vielen verschiedenen Stationen ihres Lebens. Als sie 1963 erstmalig aus Jaffa fliehen müssen, beginnt ...

Der Roman beschreibt das Leben der palästinensischen Familie Yacoub über vier Generationen und in den vielen verschiedenen Stationen ihres Lebens. Als sie 1963 erstmalig aus Jaffa fliehen müssen, beginnt ihre Suche nach Sicherheit in ihrem Leben, immer in der Hoffnung auf die Rückkehr nach Palästina. Jordanien, Kuwait, Frankreich, Amerika sind nur einige der Orte, an denen sich die Familie zerstreut. Da die Yacoubs zur privilegierten Schicht gehören, ist die Flucht nicht von Geldsorgen geprägt, es gelingt ihnen nicht nur, sich immer wieder ein Zuhause aufzubauen, sondern sehr lange haben sie die Hilfe von Hausangestellten. Dennoch bleibt immer wieder das Gefühl eines Verlustes – nämlich der Verlust der Heimat.

Sehr einfühlsam erzählt der Roman abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Familienmitglieder und in unterschiedlichen Zeiten wie ein Spotlight die Geschehnisse, die die Familie Yacoub prägt. Doch trotz des Generationenwandels bleibt das Thema Flucht und Vertreibung aktuell, der Verlust der Heimat wird „weitervererbt“. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis bildet dabei nur einen weitläufigen Rahmen, so bleibt der Ton der Erzählung sachlich, während untergründig die Emotionen aus der Sicht der palästinensischen Partei durchschimmern. Der Leser kann sich dabei sehr schnell mit den Akteuren der Erzählung identifizieren, man erfährt einiges über das bei uns doch eher unbekannte Alltagsleben im Nahen Osten und hier speziell aus der Sicht der Protagonisten.

Auch wenn das Buch das Thema Flucht aufgreift und die damit zutiefst einhergehende Verwurzelung, bleibt der Schwerpunkt im Rahmen der Erfahrungen der Familie. Das war nicht immer ganz einfach zu lesen wegen der Zeitsprünge und der großen Anzahl an handelnden Personen, dennoch möchte ich es sehr gerne weiterempfehlen als wichtigen Beitrag zum Thema Wurzeln.

Veröffentlicht am 14.09.2018

Heiter-chaotische Comedy zum Lesen

Der Tod sonnt sich im Campingstuhl
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Auf dem Campingplatz hat sich eine Jugendgruppe angemeldet. Die große Angst geht um, dass die Ruhe nun dahin sei. Doch kein Saufgelage, keine laute Musik, die Jugendlichen sind eher unauffällig. Bald schon ...

Auf dem Campingplatz hat sich eine Jugendgruppe angemeldet. Die große Angst geht um, dass die Ruhe nun dahin sei. Doch kein Saufgelage, keine laute Musik, die Jugendlichen sind eher unauffällig. Bald schon aber wird wieder ermittelt, denn eine der Betreuerinnen wird tot aufgefunden in der Scheune. Sofia ist zum einen beschäftigt mit dem Gedanken, ob sie den Campingplatz verkauft, zum anderen mit den Gedanken zu dem Mordfall, denn der liebenswerte Kommissar ist auch diesmal wieder dabei.

Turbulent und chaotisch ist es auf Sofias Campingplatz, dafür sorgen zum einen sie selbst, aber auch die Dauercamper, die an vorderster Front dabei sind. Diese Krimikomödie beschäftigt sich zwar auch mit dem Mordfall, doch das Drumherum auf diesem Campingplatz ist wie eine vorabendliche Comedyserie, der Leser wird dauernd am Grinsen sein. Das meiste davon ist reinstes Kopfkino, oder was sonst soll dabei entstehen, wenn Sofia im weißen Rüschennachthemd mit Flipflops an den Füßen dem Verdächtigen hinterherrennt?

Wieder einmal hat Susanne Hanika ein kurzweiliges Buch aufgelegt, das für viel Heiterkeit sorgt beim Lesen. Deshalb schnell den Campingstuhl herausgeholt, und schon kann man in das Buch versinken und sich einen Schuss Urlaub gönnen. Eine Geschichte einfach nur zum Entspannen und gute Laune genießen!

Veröffentlicht am 13.09.2018

Eine Prise Magie im Alltag

Das Hotel der verzauberten Träume - Fräulein Apfels Geheimnis (Das Hotel der verzauberten Träume 1)
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Aus Versehen landet die Familie Fröhlich nicht im Ferienclub am Meer, sondern in einem kleinen Hotel an der Ostsee. Hier gibt es einen Dackel und eine Gans als Haustiere – und ein großes Geheimnis, das ...

Aus Versehen landet die Familie Fröhlich nicht im Ferienclub am Meer, sondern in einem kleinen Hotel an der Ostsee. Hier gibt es einen Dackel und eine Gans als Haustiere – und ein großes Geheimnis, das die Hotelbesitzerin Fräulein Apfel umgibt. Joëlle lässt nicht locker, bis sie es entdeckt hat. Und dann merkt sie, dass dieses Geheimnis etwas mit ihr selbst zu tun hat.

Das Buch von Autorin Gina Mayer entführt den Leser in eine kleine überschaubare Welt, die zunächst so gar nicht nach einer Alternative zum gebuchten Urlaub zu tun hat, der doch mit so vielen Aktivitäten lockte. Doch das Geheimnis des kleinen Hotels überstrahlt bald alles andere und macht auch den Leser neugierig, mit den vielen Hinweisen, die immer wieder gestreut werden und nach Auflösung schreien. Die Protagonistin Joëlle bietet sich gut an zur Identifikation, sie ist ein zehnjähriges aufgewecktes Mädchen, das schnell Freunde findet und durch ihre Neugier, aber auch durch ihr freundliches Wesen besticht. Da passt es gut, dass sie noch eine Extra-Aufgabe erhält, die nur sie allein lösen kann. Ein bisschen Grusel ist dabei, sehr viel Magie, die Spannung ist genau richtig dosiert. Der Schreibstil ist gut geeignet für Kinder ab 9 Jahren, geübte Grundschüler können sich bereits allein in dieses Buch voller Magie versenken.

Ein rundum gelungenes Kinderbuch, das ich sehr gerne weiterempfehle. Auf die weiteren Folgen kann man gespannt sein.

Veröffentlicht am 10.09.2018

Gut ausgeklügelter Plot

Mörderisches Schweigen
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Toni Eichborn kehrt nach Hause zurück, da ihr Bruder Richard schwer krank ist. Ihr Traum von einer Schauspielkarriere in den Staaten ist geplatzt, sie ist pleite und arbeitslos. Ihr Bruder liegt im Koma, ...

Toni Eichborn kehrt nach Hause zurück, da ihr Bruder Richard schwer krank ist. Ihr Traum von einer Schauspielkarriere in den Staaten ist geplatzt, sie ist pleite und arbeitslos. Ihr Bruder liegt im Koma, sie bekommt keinen Kontakt zu ihm. Immer mehr hat sie das Gefühl, dass da was nicht stimmt. Als sie ihren Ex-Freund zufällig trifft, kann sie bei ihm als Kellnerin arbeiten. Doch was ist nur mit Richard los, warum gibt es bei ihm überhaupt keine Besserung?

Die kurzen Kapitel des Buches scheinen die Geschichte genauso weiterzutreiben wie auch die vielen kleinen Ereignisse, die sehr schnell Gefahr suggerieren sowohl für Toni wie auch für Richard. Toni selbst verwickelt sich so sehr in Lügengespinste, weil sie nicht zugeben möchte, dass sie gescheitert ist. Dadurch erscheint sie nicht wirklich sympathisch, und obwohl es schnell klar wird, dass sie in größter Gefahr ist, brauchte ich eine Weile, bis ich wirklich mit ihr mitleiden konnte. Doch wie ein Spinnennetz legt sich die Gefahr immer mehr um Toni herum, dabei zieht einen die Geschichte sehr schnell in ihren Sog hinein. Die Auflösung war für mich äußerst überraschend, im Nachhinein aber baut sich alles logisch aufeinander auf. Das Ende bringt alles zu einem guten Abschluss, der bestens zur Geschichte passt.

Ein interessant gesponnener Krimi, mit einem gut ausgeklügelten Plot, das hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn Toni anfangs nicht wirklich sympathisch erschien, habe ich gerne mitgerätselt, was hinter diesen Umständen steckt. Und obwohl manches recht schnell klar wurde, hat mich die Auflösung doch noch überraschen können. Das hat mir einige spannende Lesestunden beschert. Dafür möchte ich dem Buch vier von fünf Sternen geben und empfehle es gerne weiter.