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Veröffentlicht am 05.12.2018

Geschichte aus der Wendezeit

Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten
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Ich muss zugeben, ich hab mich bei diesem Buch auf eine etwas falsche Fährte locken lassen… Als Fan der „Tuchvilla“-Trilogie wanderte natürlich auch der Auftakt zur Gutshof-Saga auf meine Wunschliste und ...

Ich muss zugeben, ich hab mich bei diesem Buch auf eine etwas falsche Fährte locken lassen… Als Fan der „Tuchvilla“-Trilogie wanderte natürlich auch der Auftakt zur Gutshof-Saga auf meine Wunschliste und ich erwartete eine Geschichte in eben dieser Tradition. Habe mir sowas vorgestellt wie die Ostpreußen-Trilogie von Ulrike Renk (also einen historischen Roman aus der Zeit der Weltkriege, in dessen Mittelpunkt eine Gutsherrenfamilie steht).

Und nun war ich ganz schön überrascht, als sich der historische Weltkriegs-Roman als zeitgeschichtlicher Wende-Roman entpuppte! Denn der Hauptteil des Buches spielt in den Jahren 1990/91, während der historische Erzählstrang aus der Zeit von 1939 bis 1946 nur einen verhältnismäßig kleinen Teil einnimmt. Aus meiner Sicht geht das aus dem Klappentext nicht wirklich hervor – oder ich habe ihn zu „voreingenommen“ gelesen. Auch das Cover deutet für mich eher auf einen historischen Roman hin. Hier könnte man als Buchkäufer jedenfalls in eine kleine Falle tappen und dann etwas enttäuscht sein.

Ich fand die Geschichte trotzdem interessant, wenn auch teilweise recht hart den Ostdeutschen gegenüber. So einige Aussagen über die „Ossis“ empfand ich, die noch ihre Kindheit in der DDR verbracht hat, schon als unangenehm und negativ wertend. Da hätte ich mir mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Auch die Thematik der Enteignungen und Rückabwicklungen nach der Wende verdient es aus meiner Sicht, sich mit ihr differenzierter auseinanderzusetzen als das in diesem Roman getan wurde.

Auch wenn mich das Buch recht gut unterhalten hat – diesmal kann ich leider keine fünf Sterne auspacken… für mich waren’s nur drei.

Veröffentlicht am 10.11.2018

Bin unschlüssig, was ich zu diesem Buch sagen soll…

Die Hungrigen und die Satten
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Ich hatte beim Lesen von Timur Vermes‘ neuem Roman natürlich immer im Hinterkopf, dass es hier um Satire geht. Darum, etwas überspitzt darzustellen, es ein wenig zu verfremden, andererseits aber auch mal ...

Ich hatte beim Lesen von Timur Vermes‘ neuem Roman natürlich immer im Hinterkopf, dass es hier um Satire geht. Darum, etwas überspitzt darzustellen, es ein wenig zu verfremden, andererseits aber auch mal den Nagel voll auf den Kopf zu treffen. All das tut der Roman auch – und trotzdem bin ich mir sehr unschlüssig, was ich davon halten soll. Deshalb kann ich auch nur ganz allein für mich sprechen, wenn ich Folgendes sage:

Trotz aller Satire fehlte mir eine gewisse Logik hinter dem, was in diesem Roman passiert. Ich habe mich gefragt: Würde ein C-Klasse-TV-Sternchen aus der Casting-Schmiede tatsächlich nach Afrika gehen und dort plötzlich einen 1a-Sinneswandel weg vom Glitzerturnschuh und hin zur Trekkingsandale hinlegen? Und dann mit einem Flüchtlingstreck mehr als 1,5 Jahre (!) täglich 15 km bis nach Europa laufen??? Nein, dachte ich mir, Satire hin oder her – aber an der Stelle hätte es für mich logischer, glaubhafter sein müssen, was da abläuft. Doch das war es für mich nicht und so hatte ich immer im Hinterkopf, dass es sich eigentlich um eine völlig absurde Geschichte handelt.

Natürlich bekommt hier jedes Genre sein Fett weg: die Medien, die Politik, die Meinungsmacher des Internet-Zeitalters. Und insofern muss man sagen: das ist auch mal gut so. Die Frage ist nur: kratzt die das in irgendeiner Weise? Wahrscheinlich nicht. Meiner Meinung nach ist es schon wichtig, dass ein Buch wie dieses geschrieben wurde. Dass das Thema Flüchtlinge aufgegriffen und gespiegelt wird. Und ich bin mir auch sicher, dass das Buch polarisieren wird (so ist es ja sicher auch gedacht). Trotzdem bleibe ich dabei: die Thematik hätte – für meine Begriffe – besser umgesetzt werden können.

Veröffentlicht am 01.11.2018

Diesmal leider ein wenig betulich…

Cyrus Doyle und die Kunst des Todes
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Wird Cy älter und phlegmatischer? Habe ich nach dem kürzlichen Knaller „Die Suche“ (Charlotte Link) zu hohe Erwartungen? Oder laufen Mordermittlungen auf Guernsey einfach immer ein wenig temperamentärmer ...

Wird Cy älter und phlegmatischer? Habe ich nach dem kürzlichen Knaller „Die Suche“ (Charlotte Link) zu hohe Erwartungen? Oder laufen Mordermittlungen auf Guernsey einfach immer ein wenig temperamentärmer ab als anderswo?

Eigentlich liebe ich die Guernsey-Krimis um DCI Cyrus Doyle. Und auch diesmal passt grundsätzlich wieder alles zusammen. Eine tolle Insel, deren Charme in Büchern noch nicht zer-schrieben wurde, ein Mord am Strand, den es schnellstmöglich aufzuklären gilt, ein mysteriöser Zeuge, der mehr zu sein scheint als er vorgibt und ein sympathisches Ermittlerteam, das weiß was es tut. Und trotzdem…der Funke wollte diesmal nicht so richtig überspringen. Weder entwickelte der Fall für mich sonderliche Anziehungskraft noch war die Interaktion im Ermittlungsteam so richtig mitreißend.

Besonders vermisst habe ich eine Entwicklung zwischen Pat und Cy – die zwei kommen einfach nicht vorwärts miteinander. Das mag zwar durchaus realistisch sein, aber für mich als Leser war es unbefriedigend. Irgendeine Entwicklung in ihrer Beziehung hätte es geben müssen. Seit Buch eins weiß Cy, dass er seine Jugendliebe zurückerobern möchte und seit Buch eins weiß auch Pat, dass sie im Grunde ihres Herzens nicht abgeneigt ist. Aber es ist wie verhext. Am liebsten möchte man selbst den Kuppler spielen. Aber leider liegt das ja nicht in der Macht eines Lesers…

Trotz allem war es ein lesenswerter Krimi. Aber er konnte mich diesmal nicht so recht überzeugen und ich hoffe sehr, dass der nächste Fall wieder mehr Bewegung in diese Buchreihe bringt.

Veröffentlicht am 21.09.2018

Nicht herausragend

Eifersucht
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Routinierte Krimikost liefert Andreas Föhr mit seinem zweiten Roman um die Anwältin Rachel Eisenberg ab. Der Fall birgt einige Wendungen, hat mich aber nicht so gefesselt, wie der erste Teil der Serie. ...

Routinierte Krimikost liefert Andreas Föhr mit seinem zweiten Roman um die Anwältin Rachel Eisenberg ab. Der Fall birgt einige Wendungen, hat mich aber nicht so gefesselt, wie der erste Teil der Serie. Die interessanteste Figur ist für mich nicht Protagonistin Rachel oder ihre Klientin Judith Kellermann. Nein, es ist Boris, der Auftragskiller. Der hat was

Ich hab den Krimi als Hörbuch gehört – das ist zu empfehlen, weil Sprecher Michael Schwarzmaier den bayrischen Lokalkolorit und damit Authentizität hineinbringt. Es hat mir gefallen, aber ich fand das Buch/die Geschichte nicht herausragend.

Veröffentlicht am 16.09.2018

Im Tiefenrausch

Fünf plus drei
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„Tiefenrausch“ ist eine Metapher, die Arne Dahl in seinem Thriller „Fünf plus drei“ sehr oft verwendet. Es ist ein Zustand, in dem alle normalerweise geltenden (Natur-)Gesetze aufgehoben scheinen, in dem ...

„Tiefenrausch“ ist eine Metapher, die Arne Dahl in seinem Thriller „Fünf plus drei“ sehr oft verwendet. Es ist ein Zustand, in dem alle normalerweise geltenden (Natur-)Gesetze aufgehoben scheinen, in dem ein Taucher entweder extrem euphorisch oder extrem panisch werden kann (das sagt zumindest Wikipedia) und – und das ist das Fatale – nicht mehr weiß, wo in der Dunkelheit um ihn herum oben und unten ist. Das kann im schlimmsten Fall tödlich enden, wenn er vermeintlich zur Wasseroberfläche schwimmt und statt dessen immer tiefer hinabtaucht.

Ja, so ähnlich ist es mit diesem Buch. Schnell findet man sich als Leser in einem „Schwebezustand“ wieder, in dem man nicht mehr weiß, welchen Figuren man trauen kann und welchen nicht. Und je mehr man sich auf eine Seite schlägt, desto mehr wird man (vielleicht) enttäuscht. Ich finde, Arne Dahl verlangt einem als Leser in diesem Buch unheimlich viel Konzentration ab. Vieles wird angedeutet oder Handlungen passieren, ohne dass man den Hintergrund kennt. Dies ist so oft der Fall, dass man schnell in einen „Tiefenrausch“ kommen kann – und überhaupt nicht mehr weiß, was man von allem halten soll. So ging es auch mir. Auch wenn Dahl einen wirklich hervorragenden Schreibstil hat, in dem trotz aller Action noch Raum bleibt für nahezu poetische Sätze – der Aufbau der Geschichte und die Art, wie Dahl die Handlung präsentiert, war mir persönlich einfach zu anstrengend.

Dazu kommt, dass die Geschichte wirklich extrem komplex ist. Es entfalten sich immer neue Zusammenhänge, alte werden aufgelöst, die Geschichte ist wie ein Netz, das immer dichter wird – und es wird dadurch unheimlich schwer, einem einzelnen Faden zu folgen. Wer die zwei Vorgängerbände nicht kennt, sollte aus meiner Sicht die Finger von dem Buch lassen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man sich ohne Vorkenntnisse total in der Story verheddert und schnell die Lust am Lesen verliert.

Mein Fazit: je weiter die Reihe fortschreitet, desto mehr würde ich sie nur noch echten Dahl-Fans empfehlen.