Profilbild von hasirasi2

hasirasi2

Lesejury Star
offline

hasirasi2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hasirasi2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2018

Fotografin aus Leidenschaft

Die Fotografin - Am Anfang des Weges
0

Achtung, das ist eine Rezension zur Hörbuch-Version!



„Tradition sind etwas Schönes, aber sie sollten nicht zum Gefängnis werden.“
An ihrem 26. Geburtstag bekommt Mimi Reventlow ein Antrag von ihrem ...

Achtung, das ist eine Rezension zur Hörbuch-Version!



„Tradition sind etwas Schönes, aber sie sollten nicht zum Gefängnis werden.“
An ihrem 26. Geburtstag bekommt Mimi Reventlow ein Antrag von ihrem Freund – endlich, denn 1905 zählt sie damit schon als alte Jungfer. Trotzdem lehnt sie diesen zum Erstaunen Aller ab. Mimi will mehr vom Leben, nicht bloß Pfarrersgattin, Hausfrau und Mutter sein. Sie träumt davon, genau wie ihr Onkel Josef als Wanderfotograf(in) zu arbeiten. Und sie hat Glück, ihre Eltern unterstützen sie, geben ihr das Geld, welches als Mitgift geplant war, als Startkapital. Der Anfang ist schwer, einen weiblichen Wanderfotografen hat man bis dato nicht gesehen, doch Mimi boxt sich durch und 6 Jahre später hat sie sich einen Namen gemacht. Ihre Fotos sind anders, modern, nicht so statisch wie es bisher üblich war. Da erkrankt ihr Onkel schwer und Mimi reist nach Laichingen auf die Schwäbische Alb, um sich um ihn zu kümmern. Der Ort ist erschreckend rückständig. Die Einwohner leben von den großen Webereien, sind komplett von ihnen abhängig. Die Männer als Weber, die Frauen als Stickerinnen. Aber auch hier gibt es Menschen mit Träumen, erfährt Mimi bald. Vor allem die jungen Leute wollen raus in die Welt und nicht tagein tagaus das gleiche eintönige, schwere Leben am Rande des Existenzminimums führen.

Mimi ist eine starke, unabhängige und vor allem mutige Frau, die ihrer Zeit voraus ist. Kaum eine Andere hätte eine sichere Ehe wegen eines Berufs abgelehnt. Auch ihr schwieriger Start schreckt sie nicht ab. Außerdem klingt mehr als einmal durch, dass sie einsam ist und einen Gefährten vermisst – aber eben einen auf der gleichen Ebene und keinen Mann, der sie unterbuttert. Durch die Pflege ihres Onkels ändert sich ihr Leben nochmals drastisch. So fortschrittlich und modern sie auch ist, die Familie ist ihr heilig und wer Hilfe braucht, wird unterstützt.

Das ganze Gegenteil von ihr ist die Laichingerin Evelyne, mit der ich gar nicht warm wurde. Sie stammt eigentlich aus einer gutsituierten Chemnitzer Fabrikantenfamilie und ist vor Jahren blauäugig mit ihrem jetzigen Mann durchgebrannt, einem einfachen Weber. Statt ihr Schicksal in die Hand zu nehmen oder sich damit anzufreunden, jammert sie dauernd, trauert ihrem alten Leben hinterher und macht ihrem Mann indirekte Vorwürfe. Durch Mimis Auftauchen wird das noch schlimmer – da ist jetzt eine Frau die so lebt, wie sie früher. Ich fürchte, in der bereits angekündigten Fortsetzung wird sie noch ein echtes Problem für Mimi.

Meine liebsten „Nebendarsteller“ waren die beiden Jugendlichen Anton und Alexander. Alexander ist ein sehr begabter Zeichner, ordnet sich aber seinem Vater und der Tradition unter. Anton ist das ganze Gegenteil. Als Sohn des Gastwirtes steht er zwar etwas besser da, aber die Unterschiede zwischen arm und reich und die Unterdrückung der Weber und ihrer Familien stören ihn extrem. Er sprüht vor Ideen und wenn er eine Chance sieht, ergreift sie auch. Ich denke, aus ihm wird mal was Großes.

Sehr geschickt hat Patra-Durst-Benning auch Informationen zur Lebens- und Arbeitsweise der Fotografen, Weber und Fabrikbesitzer zu dieser Zeit in der Geschichte einfließen lassen. Es wurde nie langweilig oder weitschweifig.

Mit der Sprecherin Svenja Pages hatte ich zu Beginn des Hörbuches zwar kleine Probleme – manche Betonungen der Sätze waren etwas ungewöhnlich – aber zum Glück hat sich das recht schnell gegeben.

Ich bin schon sehr gespannt, wie es mit Mimi weitergeht!

Veröffentlicht am 02.10.2018

Gegen das Vergessen

Das Buch der vergessenen Artisten
0

In einer Wohnwagensiedlung am Rand von Berlin leben 1935 die Kraftfrau Meta und ihr Partner, der Röntgenkünstler Mathis, inmitten anderer ehemaliger Artisten. Fast alle haben inzwischen Auftrittsverbot. ...

In einer Wohnwagensiedlung am Rand von Berlin leben 1935 die Kraftfrau Meta und ihr Partner, der Röntgenkünstler Mathis, inmitten anderer ehemaliger Artisten. Fast alle haben inzwischen Auftrittsverbot. Meta und Mathis kennen sich seit über 30 Jahren und haben immer wieder versucht, den Sprung über den großen Teich nach Amerika zu schaffen, doch jedes Mal ist etwas dazwischen gekommen. Auch jetzt geht die Angst um, denn seit ihnen Blut für „Untersuchungen zu Züchtungskreisen von Zigeunermischlingen und anderen asozialen Psychopathen“ abgenommen wurde, verschwinden immer mehr Bewohner. Mathis ist der Einzige, der auf seine ganz eigene Art rebelliert, indem er die Geschichten aller Artisten aufschreibt, die er noch befragen kann. „Aber wir können doch nicht einfach nur dasitzen und wegsehen.“ (S. 54) Doch Meta hat Angst, dass ihnen dieses Buch irgendwann zum Verhängnis wird, da auch ihre eigenen Geheimnisse darin stehen.

Vera Buck hat in ihrem Buch ein Thema gewählt, dass mir bis dato relativ unbekannt war. Zwar wusste ich, dass die Nationalsozialisten versucht haben, sich aller „minderwertiger“ Menschen zu entledigen, aber mir war nicht klar, dass auch Artisten und Schausteller in diese Sparte fielen, egal welcher Abstammung sie waren.

In einer zweiten Zeitebene erzählt sie Mathis Werdegang und die Geschichten seiner Weggefährten. Er ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, hat ein durch Kinderlähmung verkrüppeltes Bein und war zu Hause und in seinem Dorf der Prügelknabe. Er hat keine Träume, bis er auf dem Jahrmarkt einen Röntgenapparat und dessen Besitzer entdeckt: „Es war, als öffnete der Apparat ein Fenster, durch das er in ein zweites Universum blicken konnte. Eines, in dem nichts verschlossen blieb, keine Tür und kein Körper.“ (S. 68) Erst als „Röntgen-Assistent“ blüht er auf, fühlt sich endlich als ganzer Mensch und nicht mehr als Krüppel. Dass die Röntgenstrahlen fatale Nebenwirkungen haben, wird ihm erst spät klar.
Meta war ein Waisenkind, die sich schon früh ihr Haut erwehren und um ihren geistig behinderten Bruder Ernsti kümmern musste. Dabei hat sie unglaubliche Kräfte entwickelt. Wenn sie nicht gerade trainiert oder auftritt, dreht sich ihr Leben fast ausschließlich Ernsti. Dessen Bedürfnisse stehen immer an erster Stelle, ihre oder Mathis an zweiter.

Die Autorin lässt einerseits eine sehr skurrile, bunte Welt lebendig werden, in der Röntgenapparate der Unterhaltung dienen, sich Artisten mit Kanonenkugeln beschießen lassen und Menschen fremder Kulturen oder Kleinwüchsige wie Vieh ausgestellt werden. Aber sie zeigt auch, dass die Künstler zusammenhalten, erst Recht, nachdem die Nazis an die Macht kommen. Vera Buck beschönigt nichts. Sie erzählt was passiert, wenn die Menschen doch aufgegriffen werden, in Lager verbracht, zwangssterilisiert oder mit Medikamenten ruhig gestellt. Schonungslos beschreibt sie die Gewaltorgien bei den Festnahmen und Verhören, die Machtdemonstrationen der Überlegenen.

Das Buch hat mich sehr berührt, gefesselt, erschüttert und aufgewühlt. Ich habe die 750 Seiten innerhalb von zwei nur Tagen gelesen. Es ist wichtig, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, was damals alles passiert ist, denn: „Ohne Geschichte gibt es keine Zukunft. ... Wenn wir die Vergangenheit vergessen, sind wir gezwungen, sie zu wiederholen. Und dann ist alles umsonst passiert.“ (S. 185)

Veröffentlicht am 30.09.2018

Ein etwas anderer Wettkampf

Als Bach nach Dresden kam
1

Dresden 1717: Jean-Baptist Volumier, der Konzertmeister und Direktor der französischen Hofmusik in Dresden, soll für König August den Starken ausgerechnet seinen Konkurrenten und Landsmann Louis Marchand ...

Dresden 1717: Jean-Baptist Volumier, der Konzertmeister und Direktor der französischen Hofmusik in Dresden, soll für König August den Starken ausgerechnet seinen Konkurrenten und Landsmann Louis Marchand nach Dresden holen, weil der des französischen Hofes verwiesen wurde. Diese Chance will sich August nicht entgehen lassen. Volumier bangt um seinen Posten, doch dann hat er die zündende Idee. Er bitte auch Bach nach Dresden. Die beiden Virtuosen sollen im Wettstreit gegeneinander antreten. Die beiden würden garantiert versuchen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und zu demütigen - er selbst wäre dann der lachende Dritte.

Natürlich verläuft Volumiers Plan nicht so wie erhofft. Marchand schockiert ihn. Der ist nämlich mindestens ein genau so großer Lebemann wie Künstler und lässt sich nur mit viel Geld locken. Auch in Dresden kann er die Finger nicht von den Frauen lassen und handelt allen Beteiligten Ärger ein.
Bach hingegen ziert sich - er musiziere für Gott und nicht die Menschen (erwartet aber ein ordentliches Gehalt und eine Festanstellung). Volumier reibt sich förmlich zwischen Beiden auf. Und dann sind da noch Bachs Schwägerin Friedelena, die den eingefleischten Junggesellen Volumier plötzlich ins Träumen bringt und der Sebnitzer Organist Anton Schulz, der ganz eigene Pläne verfolgt ...

Der Autor Ralf Günther ist bekannt für seine historischen Romane über Dresden, die immer auf einer wahren Person oder Begebenheit beruhen. Auch „als Bach nach Dresden kam“ fußt auf einer solchen, ist aber eine Novelle und kein Tatsachenbericht.
Sehr unterhaltsam und fesselnd beschreibt er Volumiers Bestrebungen, die beiden Größen zum Wettkampf zu bewegen und die Schwierigkeiten, die er dabei zu bewältigen hat. Mir gefällt, wie er die Menschen und meine Heimatstadt Dresden zur damaligen Zeit lebendig werden lässt und z.B. auch die neu erbaute Silbermannorgel in Freiberg einbezieht. Meine Empfehlung für alle Dresden- und Musik-Fans.

Veröffentlicht am 25.09.2018

Herbert und Hans in neuer Mission

Profipfuscher
0

„Gab es das nicht in neu? Sieht ein bisschen heruntergekommen aus.“ (S. 25) meint Hans, als er das Haus von Anja und Herbert zum ersten Mal sieht. Ja, es ist schon was älter, aber dafür liegt es direkt ...

„Gab es das nicht in neu? Sieht ein bisschen heruntergekommen aus.“ (S. 25) meint Hans, als er das Haus von Anja und Herbert zum ersten Mal sieht. Ja, es ist schon was älter, aber dafür liegt es direkt am Hirschgarten (ein berühmter Münchner Biergarten). Und die paar Renovierungsarbeiten macht Herbert doch mit links. Nur für die Elektrik hat er sich einen Handwerker vom Schwarzen Brett im Baumarkt geholt. Der scheint allerdings nicht sooo professionell zu sein und haut regelmäßig alle Sicherungen raus, was genau so regelmäßig zu Streit zwischen Anja und Herbert führt: „ ... der Mann hat das gelernt.“ „Na und? Ich war auch gelernter Finanzbeamter und hab mich hin und wieder verrechnet. Allerdings stirbt man da nicht gleich.“ (S. 19).
Leider bleibt der Elektriker nicht das einzige Problem. Anjas Eltern haben einen großen Teil zum Kaufpreis zugeschossen – es ist ja für´s Enkelchen – und mischen sich jetzt via Skype in jede Entscheidung ein. Angefangen von der Farbe der Badfliesen, über die Verlegerichtung des Parketts, bis hin zur Trennwand zwischen Küche und Wohnbereich, bei allem wollen sie mitentscheiden.
Aber zum Glück ist Hans wieder in München. Er hat seinen Hof verpachtet und will eigentlich eine App entwickeln. Ihm fehlt nur noch die Idee, wofür. Und so lange er das noch überlegt, hilft er mehr oder weniger tatkräftig bei der Renovierung und spart nicht an blöden Sprüchen und (un)nützen Ratschlägen.

„Profipfuscher“ ist schon das 6. Buch mit Herbert und Hans und hat mich wieder extrem gut unterhalten. Wir sind selber erst vor 2 Jahren umgezogen (zum Glück in einen Neubau) und kennen die Probleme mit Baumaterialien und Handwerkern nur zu gut. Immer wieder kommt was dazwischen oder geht schief oder gleich ganz kaputt, der Umzugstermin ist kaum zu halten und die Nerven aller Beteiligten liegen blank. Man könnte meinen, Friedrich Kalpenstein hat das gerade selbst durchgemacht, so real wirken sie Erlebnisse.

Anja und Herbert gehen recht blauäugig an die ganze Situation. Sie haben nicht mal einen Baugutachter zu Rate gezogen sondern sich ganz auf den Makler verlassen – mit zum Teil fatalen Folgen. Anja flüchtet immer wieder in ihr Café und Herbert „verarbeitet“ den ganzen Stress, in dem er regelmäßig den Baumarkt ansteuert. Bald ist der kleine Oskar genau so gut ausgerüstet wie die Profihandwerker. Und dann ist da ja noch Hans. Eigentlich soll er sich nur um Herberts Foodtruck kümmern, so lange der die Umbauarbeiten beaufsichtigt, doch er mischt sich natürlich überall ein und schleppt auch immer mehr Helfer an. Herbert ist genervt: „Das ist hier kein Auffanglager für streunende Handwerker.“ (S. 152). Zumal sich jetzt auch noch seine Eltern mit einbringen wollen ....

Mein Fazit: Saukomisch, viel bayrischer Schmäh, echte Leidensfähigkeit und eine Männerfreundschaft, die hoffentlich auch eine Haussanierung übersteht. Allen Freunden der gepflegten Schadenfreude kann ich die „Profipfuscher“ sehr empfehlen .

Veröffentlicht am 24.09.2018

Kürbis von seiner besten Seite

Kürbis - Neue Lieblingsrezepte
0

Ich gehöre zu den Menschen, die gern Gerichte passend zur Jahreszeit zubereiten und war darum sehr froh, als ich dieses Kochbuch entdeckt habe.
Wir lieben Kürbis in allen Variationen, doch wenn ich ehrlich ...

Ich gehöre zu den Menschen, die gern Gerichte passend zur Jahreszeit zubereiten und war darum sehr froh, als ich dieses Kochbuch entdeckt habe.
Wir lieben Kürbis in allen Variationen, doch wenn ich ehrlich bin, koche und backe ich am Ende immer nur meine bewährten Lieblingsrezepte. Davon haben wir jetzt einige mehr.

Nach einer kleinen Warenkunde, die vor allem für Anfänger sehr wichtig ist und die einzelnen Sorten sowie deren Lagerung erklärt, geht’s auch schon mit den sehr appetitanregend bebilderten Rezepten los. Diese gliedern sich in „Suppen, Snacks & und Fingerfood“, „Große Salate“, „Warme Hauptgerichte“ und „Desserts, Kuchen & Brot“.

Wir haben uns durch alle Kategorien probiert und es gab kein Rezept, das uns nicht geschmeckt hat. Am ungewöhnlichsten fand ich das gebackene Kürbis-Risotto mit Camembert – ich hätte nie gedacht, dass man ein Risotto ohne ständiges Rühren im Ofen zubereiten kann. Das Urteil der Familie – göttlich! Auch der Gewürzkuchen mit Rum-Karamellsauce und das würzige Kürbisbrot mit Kräutern und Parmesan waren ganz anders, als man sie sonst kennt, aber extrem lecker.

Das einzige „Manko“ – die fertigen Gerichte haben oft für deutlich mehr Personen gereicht, als angegeben. Aber Rester-Essen macht ja auch Spaß.

Mein Fazit: Ausgefallene, sehr leckere Rezepte mit Gelinggarantie.