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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2018

Kriminalfall in politisch aufgewühlter Atmosphäre

Die Tote im Wannsee
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Es ist 1968, Kommissar Wolf Heller ermittelt über den Mord an einer Frau, die im Wannsee versenkt wurde. In einem politisch aufgeheizten Berlin ist es gar nicht so einfach, auf dem richtigen Weg zu bleiben, ...

Es ist 1968, Kommissar Wolf Heller ermittelt über den Mord an einer Frau, die im Wannsee versenkt wurde. In einem politisch aufgeheizten Berlin ist es gar nicht so einfach, auf dem richtigen Weg zu bleiben, umso mehr, als Heller ziemlich bald aufgefordert wird, den Fall abzuschließen. Doch er bleibt trotzdem am Ball, denn er spürt, es gibt einige Ungereimtheiten.

Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, in die das Autorenteam Martin Lutz, Sven Felix Kellerhoff und Uwe Wilhelm ihre Geschichte über den standhaften Kommissar Heller versetzen. Studentenrevolten, das geteilte Berlin, Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg – das alles brodelt mal mehr, mal weniger an der Oberfläche der Dinge.

Eine solch aufgewühlte Zeit verlangt auch eine große Anzahl an handelnden Personen. Das war eine der Hürden, über die ich in diesem Buch gestolpert bin, denn es fällt nicht ganz leicht, sich hier zurechtzufinden. Schwer getan habe ich mich auch mit den Hintergründen der Geschichte, die ich nicht besonders gut kenne. Dabei wird der Kriminalfall oft zweitrangig während der Erzählung, was den Lesefluss manchmal behindert. Wer dennoch dran bleibt, wird ein gutes Abbild der damaligen Zeit erfahren, auch einen gut konstruierten Plot. Denn die Recherchen zu diesem Buch sind sorgfältig erfolgt. Doch mir scheint, als wollten die Autoren zu viel gleichzeitig in die Geschichte einbauen, so dass manches doch recht unübersichtlich bleibt.

Wirklich überzeugt hat mich das Buch deshalb nicht, so dass ich drei von fünf Punkten vergebe.

Veröffentlicht am 23.10.2018

Mischung aus Wissenschaft und Krimi

Die Himmelsscheibe von Nebra
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Vor einigen Jahren entdeckt, fasziniert die Himmelsscheibe von Nebra immer noch die Menschen. Kein Wunder, denn sie kommt aus einer Zeit, von der wir sehr wenig wissen, sie scheint viele Geheimnisse zu ...

Vor einigen Jahren entdeckt, fasziniert die Himmelsscheibe von Nebra immer noch die Menschen. Kein Wunder, denn sie kommt aus einer Zeit, von der wir sehr wenig wissen, sie scheint viele Geheimnisse zu bergen. Eine wichtige Funktion war ihr wohl beschieden, bis sie vor 3600 Jahren vergraben wurde und in unserer Zeit von Grabräubern ausgebuddelt wurde. Schon allein bis sie danach ins Museum kam, liest sich wie ein Krimi.

Der Archäologe Harald Meller und der Historiker und Wissenschaftsjournalist Kai Michel haben sich der Aufgabe angenommen, die bisherigen Forschungen zu kanalisieren und in einem Band zusammenzufassen, der auch Laien über die Himmelsscheibe von Nebra informiert. Dafür werden die Ereignisse nachvollzogen sowohl in unserer Zeit wie auch in der frühen Geschichte der Scheibe. Der Schreibstil dazu ist vor allem anfangs fesselnd bis reißerisch, bis hin zum Vergleich mit der Geschichte um Indiana Jones. Der größte Teil des Buches befasst sich sehr detailliert mit den Gegebenheiten der Kultur, in der die Scheibe geschmiedet wurde bis hin zu ihrem Vergraben, und bettet das Artefakt in die weltgeschichtlichen Ereignisse der damaligen Zeit.

Während der Lektüre habe ich mich immer wieder gefragt, wen sich die Autoren als Zielpersonen für dieses Buch überlegt haben. Für Wissenschaftler? Vermutlich nicht nur, dafür ist der Schreibstil doch mehr an den Laien gerichtet. Doch als solcher habe ich mich von diesem Detailreichtum eher erschlagen gefühlt. Auch beschlich mich immer wieder die Frage, ob das Buch die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenstellt oder gar Hypothesen aufstellt, die vielleicht in der Fachwelt gar nicht so gesichert sind. Um das zu beurteilen, fehlt mir aber eindeutig der wissenschaftliche Hintergrund.

Die Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Krimianteilen um die Geschichte der Scheibe selbst ist eine gute Idee, und der Einstieg in das Buch gelang mir auch sehr gut. Doch später habe ich mich im Detailreichtum der Schilderungen etwas verloren.

Aus all den genannten Gründen kann ich das Buch leider nur mit Vorbehalt empfehlen.

Veröffentlicht am 05.10.2018

Geheimnisse und Intrigen im historischen Prag

Alchimie einer Mordnacht
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Christian Stern kommt im Winter 1599 nach Prag, um dort sein Glück zu machen. Doch der junge Gelehrte und Alchimist findet gleich am ersten Abend die Leiche einer jungen Frau auf der Straße und gerät in ...

Christian Stern kommt im Winter 1599 nach Prag, um dort sein Glück zu machen. Doch der junge Gelehrte und Alchimist findet gleich am ersten Abend die Leiche einer jungen Frau auf der Straße und gerät in das von Intrigen verseuchte Umfeld des Kaisers Rudolf. Zunächst steht er im Verdacht, die junge Frau ermordet zu haben, dann erhält er den Auftrag, ihren Mörder zu finden. Gar nicht einfach, wenn man nicht weiß, wem man überhaupt vertrauen kann…

Düster und kalt ist dieses Prag, das der Autor John Banville alias Benjamin Black heraufbeschwört. Von größter Anerkennung und Ruhm für Christian Stern ist der Weg aber auch nicht weit weg von Tod und Verderben, jederzeit kann das wackelige Glück umschlagen und Gefahr heraufbeschwören. Eine interessante Ausgangslage, und der Autor lässt seinen Protagonisten selbst erzählen, was sich daraus ergeben hat. Der Sprachstil ist an vergangene Zeiten angelehnt, das fand ich anfangs ganz nett, aber immer eher schwierig zu lesen. Dabei allerdings fehlte mir dann die Geduld, mich mit den vielerlei Intrigen am Hof des Kaisers auseinanderzusetzen, so dass ich irgendwann gar keine Lust mehr dazu hatte. Ich muss gestehen, das Buch geriet für mich so langatmig, dass ich überlegte, es abzubrechen. Meiner Meinung nach ist das Buch eher historischer Roman denn Kriminalroman, denn der Mordfall selbst und seine Lösung stehen irgendwann nur noch unter „Ferner liefen“. Auch Stern scheint gar nicht richtig den Ehrgeiz dazu zu haben, weitere Erkenntnisse herauszuarbeiten.

Insgesamt hat das Buch mich eher enttäuscht, wirklich weiter empfehlen mag ich es gar nicht. Möglicherweise ist es eher etwas für Menschen, die sich für das historische Prag interessieren, aber auch das kann ich nicht ehrlich beurteilen.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Gork, Labertasche und Jammerlappen

Gork der Schreckliche
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Gork ist ein Drache im Abschlussjahr der Militärakademie, und nun steht ihm ein neuer Lebensabschnitt bevor: Er muss eine Drakonette fragen, ob sie seine Queen sein möchte und mit ihm auf einem fremden ...

Gork ist ein Drache im Abschlussjahr der Militärakademie, und nun steht ihm ein neuer Lebensabschnitt bevor: Er muss eine Drakonette fragen, ob sie seine Queen sein möchte und mit ihm auf einem fremden Planeten eine eigene Familie gründen möchte. Doch Gork ist kein Drache wie jeder andere: Sein Spitzname ist Weichei, sein Herz viel zu groß, kurz er hat das unterste Ranking des ganzen Jahrgangs. Trotz aller Hilfe, die ihm sein Großvater, Dr. Schrecklich angedeihen ließ, hat sich das nicht geändert. Ja, ihm wird sogar vorausgesagt, dass er den Abschlusstag nicht überleben würde. Dennoch will er noch lange nicht aufgeben…

Dieses Buch ist eines der schwierigsten, das ich gelesen habe. Nicht von der Thematik her, die finde ich sehr spannend, und Coverbild und Leseprobe haben mich sofort angesprochen. Nein, die Umsetzung mit dieser Labertasche von Gork ist einfach nervig. Erst auf den letzten 50 Seiten änderte sich das, da kam dann auch ein bisschen Spannung auf. Davor war Gork so eindeutig der Anti-Held, der nicht nur unsympathisch herüberkam, sondern für mich auf derselben Stufe war wie ein Jammerlappen, der in Selbstmitleid erstickt und dabei äußerst unflätig daherredet. Gefühlt auf jeder Seite taucht sein „schuppiger grüner Arsch“ mindestens einmal auf, das ist mir eindeutig zu viel. Da Gork zudem vom Hundertsten ins Tausendste kommt, gibt es kaum Handlung in der Geschichte und deshalb einfach auch keine Spannung im größten Teil des Buches.

Erst die letzten 50 Seiten haben mich überzeugt, dem Buch doch noch drei Sterne zu vergeben, bis dahin waren es nur zwei. Weiter empfehlen werde ich es auf keinen Fall.

Veröffentlicht am 18.08.2018

Verwirrend

Der einsame Bote
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Kommissar Tommy Bergmann ist fest davon überzeugt, dass ein für tot erklärter Verbrecher noch lebt, er hat sogar ein dreizehnjähriges Mädchen entführt. Bergmann macht sich auf die Jagd nach ihm, auch auf ...

Kommissar Tommy Bergmann ist fest davon überzeugt, dass ein für tot erklärter Verbrecher noch lebt, er hat sogar ein dreizehnjähriges Mädchen entführt. Bergmann macht sich auf die Jagd nach ihm, auch auf die Gefahr hin, dass er deswegen vom Dienst suspendiert wird. Nur durch Zufall stößt er auf eine Spur, die ihm wirklich weiterhilft.

Dies ist der dritte Band der Reihe um Kommissar Tommy Bergmann. Ich kenne bereits den zweiten Band, der mich jedoch etwas zwiespältig hinterlassen hat. Diesmal habe ich mich besonders schwer mit dem Buch getan: Die Geschichte baut auf vielen Ereignissen der Vorgängerbände auf, die Geschehnisse daraus werden jedoch nicht mehr erklärt. So hat mich schon zu Beginn die Fülle der Personen erschlagen, die ich nicht sinnvoll miteinander in Verbindung bringen konnte, und auch die Geschehnisse, die in diesen Band hineinreichen, konnte ich kaum nachvollziehen. Bis zum Schluss hatte ich nicht wirklich das Gefühl zu verstehen, um was es ging, geschweige denn dass ich hier mit überlegen und raten konnte. Zudem störte es mich, wie wenig die Kollegen untereinander sich austauschten, jeder kochte mehr oder weniger sein eigenes Süppchen, bis dahin, dass die Ermittlungen sich auf ein Himmelfahrtskommando auswuchsen. Vor allem Bergmann, aber auch Bech wirkten getrieben von einer Gefahr, die für mich nicht ganz fassbar war. So erscheint mir die Geschichte kaum glaubhaft und wenig nachvollziehbar.

Möglicherweise wird es einfacher, wenn man die Bände hintereinander wegliest und sich so besser orientieren kann. Ich kann das Buch leider nicht weiterempfehlen, zu verwirrend waren die Geschehnisse für mich.