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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.11.2018

Fesselnd und verstörend

Anna
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Die dreizehnjährige Anna lebt mit ihrem kleinen Bruder in einem Haus im Wald, vier Jahre ist es her, dass ein Virus alle Erwachsenen tötete. Mittlerweile gibt es keine Elektrizität mehr, die Wasser- und ...

Die dreizehnjährige Anna lebt mit ihrem kleinen Bruder in einem Haus im Wald, vier Jahre ist es her, dass ein Virus alle Erwachsenen tötete. Mittlerweile gibt es keine Elektrizität mehr, die Wasser- und Lebensmittelvorräte gehen zu Neige und Anna läuft die Zeit davon, denn mit Beginn der Pubertät könnte das Virus auch bei ihr ausbrechen....

Anna erzählt die düstere und fesselnde Geschichte zweier Geschwister, die in einer trostlosen und gefahrvollen Welt auf sich alleine gestellt sind und einer ungewissen Zukunft entgegensehen. Eine spannende Dystopie mit einer starken Protagonistin, die nie den Lebensmut verliert. Das Endzeitszenario wirkt erschreckend realistisch, in einer Welt ohne Erwachsene kämpfen die Kinder ums Überleben, sind schutzlos, handeln instinktiv, verwahrlosen und verrohen zunehmen. Anna und ihr Bruder haben sich in ihrem Haus ein Stückchen Heimat bewahrt, angeleitet von den Notizen ihrer Mutter, doch die Angst sitzt ihnen im Nacken und angetrieben von der Hoffnung auf Heilung und dem Drang ihren Bruder zu beschützen, verlässt Anna den sicheren Ort und begibt sich auf eine ungewisse Reise.

Ein spannender und verstörender Roman mit durchaus hoffnungsvollen Momenten, die den Überlebenskampf erträglicher machen.

Veröffentlicht am 07.11.2018

Spannende Spurensuche

Bluthaus
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Frida erholt sich auf dem Hof ihrer Eltern in der Elbmarsch, als sie der Hilferuf ihrer alten Freundin Jo erreicht. Diese ist Zeugin in einem Mordfall und überzeugt, dass man sie verdächtigt. Als Jo spurlos ...

Frida erholt sich auf dem Hof ihrer Eltern in der Elbmarsch, als sie der Hilferuf ihrer alten Freundin Jo erreicht. Diese ist Zeugin in einem Mordfall und überzeugt, dass man sie verdächtigt. Als Jo spurlos verschwindet, macht sich Frida auf die Suche nach ihrer Freundin. Die Spur führt auf die Halbinsel Holnis zu einem Haus, das die Inselbewohner nur das Bluthus nennen, denn dort wurde eine Familie grausam hingerichtet und den Täter hat man nie gefunden ...

In Bluthaus begibt sich Frida auf die Suche nach einer alten Freundin und bringt dabei tragische Ereignisse aus der Vergangenheit ans Licht,. Auch ihr Kollege Haverkorn durchlebt privat eine dramatische Zeit, entsprechend viel Raum nimmt das Privatleben der Ermittler in diesem Krimi ein und die Ermittlungsarbeit läuft eher im Hintergrund. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte fesselnd, man möchte wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Mordfällen gibt und welche Rolle Jo dabei spielt. Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut, zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse geradezu.

Alles in allem eine spannende Spurensuche mit überraschenden Wendungen und sympathischen Ermittlern, jedoch treten die Ermittlungen zu sehr in den Hintergrund und die Auflösung ist etwas überladen.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Poetische und tiefgründige Erzählung

Der Duft des Lebens
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Der Arzt Kaminski erteilt dem jungen Glasbläser Aviv den Auftrag, 50 Glasfläschchen zu produzieren. Er verfolgt den Plan, die Seele von Sterbenden zu rauben und sich daraus eine eigene, neue Seele zu erschaffen. ...

Der Arzt Kaminski erteilt dem jungen Glasbläser Aviv den Auftrag, 50 Glasfläschchen zu produzieren. Er verfolgt den Plan, die Seele von Sterbenden zu rauben und sich daraus eine eigene, neue Seele zu erschaffen. Als Aviv hinter die Machenschaften des Arztes kommt, setzt er alles daran Kaminski zu stoppen und die gefangenen Seelen zu befreien.

Clara Maria Bagus erzählt eine märchenhafte Geschichte von Gut und Böse, die die ganze Bandbreite menschlichen Verhaltens umfasst. Während Aviv gütig und respektvoll ist, bedacht handelt und seinen Mitmenschen zugeneigt ist, ist Kaminski grausam. ohne Moral und gleichgültig gegenüber seinen Patienten. Ein Roman der Gegensätze, von Licht und Schatten, Liebe und Hass, der nebenbei die Frage aufwirft, ob wir ein Produkt unserer Erziehung sind oder Charakterzüge angeboren sind.

Eine tiefgründige Erzählung von dichterischer Ausdruckskraft, bildhaft, emotional und versonnen.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Fantasievolle Zeitreise

Wie man die Zeit anhält
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Tom Hazard sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Alle acht Jahre nimmt er eine neue Identität an, entsprechend einsam ist sein Leben. Er hat keine Familie oder Freunde, denn die ...

Tom Hazard sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Alle acht Jahre nimmt er eine neue Identität an, entsprechend einsam ist sein Leben. Er hat keine Familie oder Freunde, denn die Nähe zu anderen Menschen ist gefährlich. Als jedoch Camille in sein Leben tritt, verändert sich alles...

Matt Haig erzählt die spannende und dramatische Geschichte eines Mannes, der sehr langsam altert. Einfühlsam beschreibt er die Gefühle seines Protagonisten, der mehr erlebt und gesehen hat, als ein Mensch zu ertragen vermag. Ein einsames Leben im Verborgenen, das mit einer neuen Liebe einen Sinn bekommt.

Durch die vielen Zeitsprünge verliert die Geschichte an Tempo, dennoch sind die historischen Ereignisse interessant aufbereitet und fantasievoll mit Toms Leben verknüpft. Tom ist eine sympathische, aber recht unscheinbare Figur und gibt sich zu sehr seinem Weltschmerz hin, statt auf seine Lebenserfahrung zu vertrauen.

Alles in allem eine fantasievolle Zeitreise mit einer Prise Romantik, die nicht durchgehend zu fesseln vermag.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Ein ehrlicher und optimistischer Roman

Hummeln fliegen auch bei Regen
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Hannah leidet an Depressionen. Als sie ihr altes Tagebuch findet und liest, welche Träume sie einmal hatte, fasst sie neuen Lebensmut und beschließt, nach Mallorca zu reisen um einen Weg zurück ins Leben ...

Hannah leidet an Depressionen. Als sie ihr altes Tagebuch findet und liest, welche Träume sie einmal hatte, fasst sie neuen Lebensmut und beschließt, nach Mallorca zu reisen um einen Weg zurück ins Leben zu finden.
Andrea Kraft litt selbst an Depressionen, entsprechend offen und ehrlich erzählt sie von Angst und Antriebslosigkeit. Hannah hat die Lust am Leben verloren, ist kraftlos, versinkt in Selbstmitleid und sieht sich als Belastung. Das macht sie anfangs zu keiner sonderlich sympathischen, aber sehr authentischen Figur, die langsam einen lebensbejahenden Umgang mit ihrer Krankheit entwickelt.

Ein aufrichtiger, berührender und hoffnungsvoller Roman, der nicht nur die Schattenseite der Depression zeigt, sondern auch die optimistischen Momente und die kraftgebende Unterstützung von Freunden.