Ein aufwühlender Roman mit wichtigen Botschaften
VoxJean lebt in einer Welt, in denen es Frauen verboten ist, mehr als 100 Wörter am Tag zu sprechen. Zur Kontrolle müssen sie einen Wortzähler am Arm tragen, der ihnen Stromschläge verpasst, wenn sie ihr ...
Jean lebt in einer Welt, in denen es Frauen verboten ist, mehr als 100 Wörter am Tag zu sprechen. Zur Kontrolle müssen sie einen Wortzähler am Arm tragen, der ihnen Stromschläge verpasst, wenn sie ihr Kontingent überziehen. Die Welt wird von Männern regiert, Frauen haben sich unterzuordnen, sie dürfen nicht mehr arbeiten, keine Meinung haben. Am Herd stehen dürfen sie und Kinder gebären. Schon den Kleinen wird das neue System eingebläut, Mädchen lernen in der Schule nur noch das Nötigste: Zählen (bis 100), Kochen, Nähen, Gartenarbeit. Den Jungs wird von klein auf das neue Rollensystem eingeimpft. Jean, die „davor“ eine angesehene Wissenschaftlerin war, kann diese neue Welt noch nicht fassen, rebelliert stumm und weiß doch nicht, was sie tun soll. Bis sie ein Angebot bekommt, das ihre große Chance sein kann.
Ich muss sagen, dies war seit langer Zeit mal wieder ein Buch, das mich voll in seinen Bann ziehen konnte. Die schreckliche Vorstellung, in einer Welt leben zu müssen, in der die Frauen nichts (mehr) zu sagen haben, in der sie sich dem Mann unterzuordnen haben, der ihnen zeigt, wo ihr Platz ist, hat mich anfangs wütend gemacht. Ich konnte es nicht glauben – und doch ist es eigentlich gar nicht so lange her, und eigentlich ist es auch gar nicht so weit hergeholt. Schnell baut sich die Handlung auf, schnell gibt es erste Überraschungen, und schnell ist man mitten drin im Geschehen. Und genauso schnell kommt leider auch das Ende – es wirkte auf mich ziemlich überhastet, nicht richtig durchdacht. Es wird nicht richtig erklärt und man muss sich seinen eigenen Reim auf die Geschehnisse machen.
Mit dem Schreibstil von Christina Dalcher bin ich gut zurechtgekommen, auch wenn er manchmal etwas undurchsichtig war. Ohne Vorwarnung springt man plötzlich in die Vergangenheit, manchmal passiert die Handlung gar nicht, sondern die Protagonistin stellt sie sich nur vor – der Leser muss das selbst merken, was mitunter anstrengend sein kann. Trotzdem ist das auch ein interessantes Stilmittel.
Das Buch beleuchtet so einige Themen und soll auch eine Warnung sein. Fängt es damit an, der Presse den Mund verbieten zu wollen? Was kommt als nächstes? Das Thema ist hockaktuell. Am meisten bedrückt hat mich dabei tatsächlich die Vorstellung, nicht mehr reden, sich nicht mehr ausdrücken und mitteilen zu dürfen.
Das hastige, schwache Ende hat mich ein wenig enttäuscht. Trotzdem ist das Buch absolut empfehlenswert, es ist fesselnd, bedrückend, warnend, kritisch.