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Veröffentlicht am 15.09.2016

Überraschend gut!

Desperate Angels
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Virginia, USA: Mädchenleichen, alle eine Gemeinsamkeit. Sie waren vor ihrem Auffinden drei Monate verschwunden und werden alle in einem weißen Kleid, engelsgleich drapiert, gefunden.
Nathaniel Caim, ein ...

Virginia, USA: Mädchenleichen, alle eine Gemeinsamkeit. Sie waren vor ihrem Auffinden drei Monate verschwunden und werden alle in einem weißen Kleid, engelsgleich drapiert, gefunden.
Nathaniel Caim, ein junger FBI Agent, der vom Sonderdezernat „Angel“ rekrutiert wird, ermittelt in diesem Fall. Bei einem Undercovereinsatz, bei dem er einer okkulten Sekte auf der Spur ist, geraten er und seine Kollegin in Gefangenschaft. Vor seinen Augen wird seine Kollegin brutal umgebracht. Nach langer Gefangenschaft kommt er frei, doch es bleiben Narben auf seiner Seele zurück. Und der Kampf gegen die „Desperate Angels“ ist noch lange nicht vorbei.

Das Buch war die Überraschung meines Lesesommers. Ich ging ohne große Erwartungen an „Desperate Angels“ heran, und dem Autor gelang es mich mit den zum Teil mysteriösen Geschehnissen rund um Nate in seinen Bann zu schlagen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und saß stundenlang mit dem Buch auf dem Balkon, die Zeit und meine Umgebung vergessend.
Die Charaktere wuchsen mir schnell ans Herz, insbesondere Nate und sein Kollege Don, der kleine Pathologe. Die Figuren wurden so eingeführt, dass man sie mit der Zeit immer besser kennen lernte. Sie hatten Ecken und Kanten und selbst Figuren, die erst in der Mitte des Buches eingeführt wurden, gewannen rasch an Substanz und Leben. Und die Charaktere bedeuten für den Roman eben soviel wie die spannend erzählte Geschichte, die in diesem Buch wirklich vorhanden war.
Ich sorgte mich zu Beginn darum, dass der Mystery - Anteil den Thriller ersticken könnte, doch dem ist nicht der Fall. Sparsam dosiert, setzen die Mytseryelemente spannende Akzente, die dazu anregen, die eigenen grauen Zellen zu gebrauchen und selbst die Puzzleteile versuchen, zusammenzusetzen.

Was mir persönlich den Lesegenuss ein wenig vermiest hat, war der Klappentext. Er nimmt meiner Ansicht nach viel zu viel vorweg. Meine Empfehlung: Den Klappentext nicht lesen, sondern einfach zwischen den Seiten schmökern. Es lohnt sich wirklich!
Mir ist auch noch der Erzählstil ein wenig negativ aufgefallen, da sich der Autor manchmal über seine Figuren erhoben hat und die Gedanken der einzelnen Charaktere in ein und dem selben Abschnitt „gekannt“ hat. Das finde ich persönlich nicht so gut, aber das ist ja bekanntlich auch Geschmacksache.

Ich meckere auf hohem Niveau, nebenbei bemerkt. „Desperate Angels“ weiß zu faszinieren und mit atemloser Spannung zu begeistern. Ich kann dieses Buch nur jedem wärmstens ans Herz, der Spannung, gewürzt mit ein wenig Mystery, liebt.
Kommentar

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schwarzer Humor deluxe

Der Narr
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Sam, ein junger Student aus Österreich, erwacht nach einer durchzechten Nacht mit einem blutverschmierten Shirt. Er hat keine Erinnerung mehr an den gestrigen Abend. Nur ein Zettel mit einer ominösen Adresse ...

Sam, ein junger Student aus Österreich, erwacht nach einer durchzechten Nacht mit einem blutverschmierten Shirt. Er hat keine Erinnerung mehr an den gestrigen Abend. Nur ein Zettel mit einer ominösen Adresse erinnert noch dunkel an die vergangene Nacht. In der Zwischenzeit wird eine Frauenleiche gefunden, und Sam weis, dass er Licht ins dunkle seines Geistes bringen muss, ansonsten droht Haft.
Mit Chefinspektor Remmel auf seinen Fersen und in Begleitung einer jungen Frau, die sich hinter der Adresse verborgen hat, geht es geradewegs in recht obskure Gesellschaft, die sich dem Mittelalter, dem Trinkhorn, Kelten, Steinen, Hexerei und noch so vielem mehr verschrieben hat.

Kennt ihr das Gefühl, genau das richtige Buch für eure momentane Stimmung gefunden zu haben? Ich jedenfalls hatte mit diesem Buch einen Glücksgriff gemacht. In der wahrscheinlich heißesten Sommernacht des Jahres begonnen, hatte ich es binnen eines Tages ausgelesen und meine Lachmuskeln ziemlich strapaziert. Denn eines hat dieses Buch wirklich: ausreichend schwarzen Humor, über den ich mich noch immer kringeln könnte und den Lokalkolorit in der Gestalt von Chefinspektor Remmel.
Der locker flockige Schreibstil holt den Leser ab. Für mich war der Roman angenehm zu lesen und Sam hatte ich schnell lieb gewonnen.

Einzig und allein zu dem Erzählstrang, der sich um die Rache des Vaters am Mörder seiner Tochter drehte, fand ich Anfangs keinen Zugang. Doch auch das legte sich schnell.

Auch die Themen vermochten mich zu begeistern. Mittelalterfeste und -märkte faszinieren mich immer wieder, obwohl sie bei weitem nicht authentisch sind, und einen guten Thriller lese ich immer wieder gern.

Kurzum: „Der Narr“ stellt gute Unterhaltung dar, der mit Humor und der ein oder anderen Spitze auf die Gesellschaft und Kultur nicht geizt und ich kann ihn für jeden heißen Sommertag empfehlen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Von Angst und Schuldgefühlen

HerzBlut: Wo die Liebe tötet
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Allie versucht zu verdrängen, versucht wieder normal zu leben. Doch noch immer verfolgen sie schemenhafte Bilder des Autounfalls, bei dem ihr Freund Trip den Tod fand und an den sie sich nur noch düster ...

Allie versucht zu verdrängen, versucht wieder normal zu leben. Doch noch immer verfolgen sie schemenhafte Bilder des Autounfalls, bei dem ihr Freund Trip den Tod fand und an den sie sich nur noch düster erinnern kann. Einzig die Narben erinnern sie deutlich an den Abend auf der Klippe.
Allie beginnt ihr Leben wieder aufzunehmen und trägt dabei ein dunkles Geheimnis mit sich herum, welches sie auf keinen Fall preisgeben will...

Wer denkt, er hat es mit einem ganz normalen Jugendbuch zu tun, der irrt gewaltig. Genau wie ich.
„Wo liebe tötet“ lies mich tief in die Gedanken und Gefühlswelt der Protagonistin abtauchen, die manchmal sehr erschreckend daherkam. Die Ich - Perspektive, aus der das Buch erzählt wird, fand ich sehr gut gewählt, obwohl ich eigentlich kein Freund dieser Erzählperspektive bin. Aber gerade diese gab mir das Gefühl die Geschichte aus Allies Sicht wahrzunehmen. Ich habe mit ihr gelacht, mit ihr geweint, empfand Genugtuung und Zorn. Und das Mitfiebern mit den Charakteren macht für mich ein gutes Buch aus.

Die Charaktere empfand ich als authentisch und gut ausgearbeitet. Trotz der Ich - Perspektive aus Allies Sicht, fand ich immer wieder kleine neue Aspekte in ihrer Persönlichkeit, die mich faszinierten und mir die Freude am Lesen erhielten. Sie erzählt liebevoll über ihren behinderten Bruder, der hoch intelligent ist, über ihren Freund Trip, der zwei Seiten hat, über ihre Mutter und ihren Vater und über ihren Freund Blake. Wird es einen Weg zurück in den Alltag geben oder ist ihr dieser für immer verwehrt? Jeden Charakter hat Jennifer Shaw Wolf seine eigene Note verliehen. Dabei sind tolle Figuren herausgekommen, jeder für sich genommen interessant.

Das Buch hat mich wahnsinnig überrascht und lässt mich geplättet zurück. Ich war vollkommen perplex, als ich die letzte Seite umschlug, da ich gern noch mehr aus Allies Welt erfahren hätte. Ein extrem fesselndes Buch, gewürzt mit einem wunderbaren Schreibstil, der genau auf Allie passt.
„Wo die Liebe tötet“ hat es geschafft mich zu begeistern. Bitte mehr davon!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tolles Debüt

Flügel aus Asche
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Adeen arbeitet als Schreiber in der Stadt Rashija. Die Stadt fliegt über die Lande hinweg und landet nur wenige Male im Jahr. Der Kaiser herrscht mit harter Hand über die fliegende Stadt. Als Adeen plötzlich ...

Adeen arbeitet als Schreiber in der Stadt Rashija. Die Stadt fliegt über die Lande hinweg und landet nur wenige Male im Jahr. Der Kaiser herrscht mit harter Hand über die fliegende Stadt. Als Adeen plötzlich in Kontakt mit einer Rebellengruppierung kommt, die gegen den Kaiser und seine Untergebenen intrigiert, ändert sich sein Leben schlagartig. Durch seine künstlerischen Fähigkeiten kann er den Rebellen von Nutzen sein, und so wird er in den Kampf um Freiheit, Liebe und Selbstbestimmung hineingezogen.

Das Debüt von Kaja Evert hat mich wirklich überrascht, und das nur im positiven Sinne. Mit „Flügel aus Asche“ ist ihr ein in sich abgeschlossenes Werk gelungen, dass seine Geschichte schlüssig zu erzählen vermag und den Leser tief in die Welt rund um Rashija und den Wolken eintauchen lässt.
Schon auf den ersten Seiten kann man sich sehr gut in Adeen einfühlen. Der Schreibstil der Autorin zeichnete Bilder in meinen Kopf, sodass ich die Geschichte schon bald höchst angespannt verfolgte.
Ich möchte hier nicht zu viel davon vorweg nehmen, doch eins sei angemerkt. Ich fand den Umgang der Autorin mit dem künstlerischen Aspekt der Geschichte, und das das Schaffen von Kunstwerken eigentlich in Rashija strengstens verboten ist, sehr interessant, da dieses Thema in Fantasybüchern kaum aufgegriffen wird und somit zumindest für mich einen neuen Aspekt dargestellt hat.

Tolle Charaktere, spannende Atmosphäre und ein schönes Magiesystem schaffen eine Welt, in der man sich verlieren kann und die ich für meinen Teil mit einem weinen Auge wieder verlassen habe, als das letzte Wort gelesen war.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Oethello reloaded

Töchter der Lagune
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1570 in Venedig: Zwei junge Schwestern verlieben sich Hals über Kopf in zwei Soldaten und segeln gemeinsam mit ihnen nach Zypern, wohin sie versetzt werden, da sich ein Krieg gegen die Osmanen anbahnt, ...

1570 in Venedig: Zwei junge Schwestern verlieben sich Hals über Kopf in zwei Soldaten und segeln gemeinsam mit ihnen nach Zypern, wohin sie versetzt werden, da sich ein Krieg gegen die Osmanen anbahnt, und das auch noch gegen den Willen ihres Vaters. Doch auf Zypern erwarten sie Intrigen und kriegerische Auseinandersetzungen, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellt.
Gleichzeitig wird die junge Elissa von Piraten verschleppt und an den Harem des Sultans Selim verkauft.

Diese beiden parallelen Handlungsstränge wechseln häufig im Buch, sodass es nie ermüdet, einen Handlungsstrang zu folgen.
Ich habe Elissas Geschichte atemlos verschlungen, obgleich die Handlung um die beiden Schwestern gleichsam interessant war.
Silvia Stolzenburg treibt die Handlung voran, ohne sie jemals schleppend oder ausschweifend erscheinen zu lassen, und das rechne ich ihr hoch an. Die kurzen Kapitel, die in dem Buch zu finden sind, regen zum Weiterlesen an. Ich wollte unbedingt noch ein Kapitel lesen, sodass öfters eine Stunde herum war, ohne das ich es richtig bemerkt hätte.

Frau Stolzenburg entführt uns in eine brutale und gleichsam faszinierende Welt, voller Pracht und Prunk, jedoch auch angefüllt mit Siechtum und Krieg. Sie untermalt diese Epoche mit detaillierten Beschreibungen, die uns ganz ohne unser Zutun am Wissen um diese Zeit teilhaben lassen. Zumeist fand ich diese Beschreibungen wirklich interessant, aber an der ein oder anderen Stelle hätte es vielleicht ein bisschen weniger sein können, ohne dem Verständnis der Geschichte zu schaden.

Den Prolog empfand ich als sehr gelungen, da er ausnahmsweise nicht mit einer mehr oder minder kryptischen Szene die Spannung auf das Buch in uns wachkitzelt, sondern uns informiert. Mit dem im Prolog vermittelten Wissen fällt es leichter, in die Welt eintauchen zu können und die Zusammenhänge zu verstehen.

Ich persönlich habe Shakespeares „Othello“ nie gelesen. Folglich war der Stoff gänzlich neu für mich. Trotz dessen, das des öfteren die feste Struktur eines Dramas durch die Oberfläche des Romans schimmerte, fand ich die Adaption sehr gelungen. Die Charaktere haben sich manchmal gänzlich anders entpuppt, als zu Anfang gedacht, und ihre Entwicklung war glaubwürdig gestaltet. Die Unvorhersehbarkeit hat mir sehr gut gefallen.

Silvia Stolzenburg ist mit ihrem Debüt eine wunderbare Dramenadaption gelungen, die fesselt und gleichermaßen fasziniert. Und ich habe eine neue Autorin entdeckt, die es versteht, fundierte historische Romane zu schreiben.