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Veröffentlicht am 05.12.2020

Schöner Roman mit einem Rest ‚Ach, ich weiß nicht so recht.‘

Der erste König
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Der junge Krieger Offa übernimmt nach dem Tod des Vaters dessen Platz als Aldermann am Hof von Mercia. Eigentlich will er lediglich sich und seine Leute gegen die gelegentlichen Raubzüge der Waliser, die ...

Der junge Krieger Offa übernimmt nach dem Tod des Vaters dessen Platz als Aldermann am Hof von Mercia. Eigentlich will er lediglich sich und seine Leute gegen die gelegentlichen Raubzüge der Waliser, die seine Lebenswelt prägen verteidigen. Doch schnell gerät er in den Strom der politischen Entwicklungen seiner Zeit und steht in jungen Jahren an der Spitze Mercias – als König.
Und wie es sich für einen König gehört, muss er sich auch mit der Zukunft seiner Familie befassen, denn dazu gehören Frau und Erben. Dieses Problem scheint sich für Offa mit dem Erscheinen der jungen Drida am Hofe zu lösen. Denn sie ist jung, gebildet und von guter, nicht angelsächsischer Abstammung. Als Frage bleibt lediglich, ob Drida und Offa auch als Ehepaar zueinander finden werden und ob die junge Königin in der Lage ist, den herrschenden Vorbehalten am Hofe entgegenstehen zu können?

Der historische Roman von Sabine Qunaj liest sich trotz des gewaltigen Umfangs von fast 900 Seiten sehr gut. Obwohl es so manche Längen in der Handlung gab, gelang es der Autorin mich regelmäßig „bei der Stange“ zu halten. Als Handlungslängen empfand ich vor allem die anfängliche Lebensgeschichte von Drida im Fränkischen Reich. Während mich die Handlung um die Jugendgeschichte von Offa gut fesseln konnte, kam mir die Darstellung von Drida hingegen viel zu künstlich vor. Die Geschichte um die Wölfin, die viel zu übersteigert dargestellte Beschreibung der Konkurrenz zwischen Karl und Karlmann (die es ja wirklich gab) und dann noch on the Top das Beziehungsdreieck zu Drida, dass in einem Gottesurteil mündet und das nur, um Drida als Figur vom Kontinent nach Britannien verlagern zu können, das war für mich doch ein wenig zu viel des Guten und sorgten über einen langen Teil des Buches dafür, dass ich Drida als historische Figur total unglaubwürdig fand.
Auch mit der zweiten weiblichen Protagonistin des Buches, Hilda, hatte ich so meine Schwierigkeiten. Hilda ist ganz der angelsächsischen Lebenswelt entnommen und auch ihr persönlicher Werdegang und die Lebensumstände sind gut und glaubwürdig beschrieben. Das war alles passend und stimmig. Hildas Intrigenspiel um Drida und ihre krankhaft überzogene Beziehungsauffassung zu Offa war mir aber absolut zu viel und für den Roman auch irgendwie unnötig. Da wären dann gute 100 Seiten weniger Buch für mich mehr gewesen.

Das hört sich nun eigentlich so an, als ob der Roman für mich doch eher zu den schwächeren historischen Romanen zählen würde.
Das tut er aber nicht. Denn ein guter historischer Roman zeichnet sich für mich dadurch aus, dass es ihm gelingt die Lebenswelt in der er spielt glaubwürdig an mich heran zu tragen. Und das schafft "Der erste König" von Sabine Qunaj ohne Probleme. Mag es um die Persönlichkeit Dridas herum mir auch zu fiel Phantastisches und historisch zu sehr ‚Najahaftes‘ geben.
So ist der Roman als Ganzes doch eben lesenswert und kommt sowohl Liebhabern historischer Literatur als auch Lesern von Romanen um große Gefühle sehr entgegen.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Leseratten, die einem Helden ‚auf die Sprünge helfen‘

Retter der verlorenen Bücher - Mission Robin Hood
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Drei Leseratten, allesamt so wie man sie sich vorstellt – blass, nicht all zu sportlich oder stark aber sehr intelligent erhalten von ihrer Lieblingsbibliothekarin, der etwas „schrulligen“ Frau Müller-Liebelein ...

Drei Leseratten, allesamt so wie man sie sich vorstellt – blass, nicht all zu sportlich oder stark aber sehr intelligent erhalten von ihrer Lieblingsbibliothekarin, der etwas „schrulligen“ Frau Müller-Liebelein ein Buch geliehen, dass ihnen einmal aus einer verzwickten Situation helfen könnte. Und diese kommt schneller als die drei Freunde es sich vorstellen können. Auf ihrer Flucht vor ein paar Kindern, die sie gerne drangsalieren springen sie in das Buch und befinden sich in der Welt von Robin Hood. Doch wie kommt man da wieder raus? Denn schließlich will jeder von den drei Kindern gerne wieder nach Hause.
So beginnt eine abenteuerliche Geschichte, in der drei ziemlich schlaue Kinder einem etwas „verpeilten“ Robin Hood zu dem Ruhm verhelfen müssen, für den dieser bis heute bekannt ist.

Ein ganz nettes Kinderbuch für ein paar sehr witzige Lesestunden, denn die Handlung um einen Robin Hood, der zu Beginn so gar nicht der Held der Armen und Schwachen ist gestaltet sich unterhaltsam und mit einer gewissen Portion Humor. Jungen Lesern gefällt das bestimmt.
Das einzige, was ich nicht so ganz verstanden habe (vielleicht bin ich ja zu alt dafür) – warum lautet der Titel ‚Retter der verlorenen Bücher‘? Das Buch war doch nie verloren, zu keiner Zeit.

Die nicht zu langen Kapitel und die recht großen Zeilenabstände sollten es fortgeschrittenen Lesern nicht zu schwer machen, in das Buch einzutauchen.

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Veröffentlicht am 10.05.2020

Der Titel versprach mehr Spannung

Irmelina Geisterkind - Das Geheimnis der Dorfeiche (Band 1)
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Die Geschichte an sich ist ganz nett. Der Naturgeist Irmelina, der seinen eigentlichen pflichten so gar nicht nachkommen will freundet sich mit dem Dorfmädchen Juna an, die eigentlich eher ein schüchterner ...

Die Geschichte an sich ist ganz nett. Der Naturgeist Irmelina, der seinen eigentlichen pflichten so gar nicht nachkommen will freundet sich mit dem Dorfmädchen Juna an, die eigentlich eher ein schüchterner Einzelgänger ist. Da so eine Freundschaft selbstverständlich geheim bleiben muss, wird es kompliziert, als Juna ihren Eltern erklären soll, wohin sie in ihren Ferien immer verschwindet. Das Juna Irmelina nicht mehr zum Spielen besuchen kann, nimmt der kleine Naturgeist ihr ein wenig krumm.

Alles in allem eine schöne Geschichte über die Freundschaft zwischen zwei total unterschiedlichen Charakteren und wie so eine Freundschaft beiden Mädchen dazu verhilft, sich charakterlich weiter zu entwickeln. Das Irmelina wirklich alles andere als verantwortungsvoll ist und am Ende der Geschichte für ihre Verantwortungslosigkeit irgendwie doch belohnt wird fand ich nur im ersten Augenblick nicht gut. Als ich ein wenig darüber nachdachte musste ich mir eingestehen, dass der Naturgeist trotz der Aufgabe die sie bekam immerhin auch nur ein 10jähriges Mädchen ist. Und wenn ich ehrlich bin – bei meinem Sohn schaue ich wenn auch mit hochgezogener Braue bisweilen über einige Nachlässigkeiten hinweg. Man sollte ab und an halt „die Kirche im Dorf“ lassen.

Aber der Titel selber klang spannender als die Handlung es war; die war teilweise schon ein wenig gezogen. Und auch der Covertext sprach von einem „Sommer voller Abenteuer“ – ganz ehrlich auch als Kind habe ich unter Abenteuer etwas anderes verstanden.

Ein wenig will das Buch vom Hintergrund her das Umweltbewusstsein der Kinder fördern. Im Anhang gibt es eine kleine Baumkunde und eine Anleitung, wie man Insektenkugeln (Samenkugeln) herstellen kann. Eine nette Sache.

Ich denke das Buch ist eher etwas für Mädchen, auch wenn es neben Juna noch einen Jungen in der Handlung gibt. Mein Sohn befand das Buch nach drei Kapiteln leider als zu langweilig. Kindern, die schon etwas geübter im Lesen sind sollte das Buch an sich keine Schwierigkeiten bereiten. Und die Illustrationen sind recht schön. Ich mochte sie sehr.

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Veröffentlicht am 10.11.2019

Gute, aber nicht überragende Fortsetzung

Die Flucht der Meisterbanditin
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Diesmal entführt uns die Autorin in das barocke Stuttgart. Hierher fliehen Marie und Jost nach Josts Befreiung aus der Inhaftierung in Ludwigsburg. Für Marie wird Jost zu Unrecht angeklagt und da sie keine ...

Diesmal entführt uns die Autorin in das barocke Stuttgart. Hierher fliehen Marie und Jost nach Josts Befreiung aus der Inhaftierung in Ludwigsburg. Für Marie wird Jost zu Unrecht angeklagt und da sie keine Unterstützung durch ihre Dienstherrin erhalten sieht sie keine andere Möglichkeit, als in Stuttgart unterzutauchen.
Doch nicht nur die Leute des Herzogs suchen Jost, auch Wilhelmine von Grävenitz lässt Marie verfolgen, denn was Letztere zu Beginn nicht ahnt; sie hat etwas in ihrem Besitz, was die Mätresse des Herzogs unbedingt wieder in ihren Besitz bringen muss.

Leider konnte mich dieser Roman nicht so sehr in seinen Bann ziehen, wie sein Vorgänger es getan hatte.
Die Autorin hat wieder sehr viel Wert auf die Beschreibung der historischen Gegebenheiten gelegt und damit auch ein sehr anschauliches Bild der Stadt Stuttgart zu Beginn des 18. Jahrhunderts sowie der Auseinandersetzungen zwischen herzoglicher und städtischer Gewalt gegeben. Doch die Darstellung der Flucht nach Stuttgart und vor allem die erste Zeit in Stuttgart waren mir zu ausufernd. Wenn ich bedenke, dass die gesamte Handlung sich innerhalb weniger Wochen abspielt, die eigentliche Kriminalgeschichte jedoch auf gut das letzte Drittel beschränkt bleibt, ist mir der Roman zu unausgewogen.

Gesamt betrachtet ist Die Flucht der Meisterbanditin ein guter historischer Roman, der jedoch nicht an den ersten Band herankommt

Veröffentlicht am 08.12.2018

Dystopie mit angedeutetem Tiefgang?

Königreich der Träume - Der goldene Käfig 1: Die Brücke der Schlafenden
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n dem vorliegenden Sammelband sind die ersten drei Sequenzen aus der Reihe "Der Goldene Käfig" zusammengefasst worden.
Unsere Heldin dieser Reihe – Jessica Blair führt uns durch ihre Erlebnisse. Ohne zu ...

n dem vorliegenden Sammelband sind die ersten drei Sequenzen aus der Reihe "Der Goldene Käfig" zusammengefasst worden.
Unsere Heldin dieser Reihe – Jessica Blair führt uns durch ihre Erlebnisse. Ohne zu wissen wer sie ist und warum eigentlich, fährt sie in die Stadt der Träume einen Ort, der dem Anschein nach nur existiert, da es ein Mädchen gibt, deren Erträumtes real wird. Und dieser Ort ist allen Beschreibungen zu Folge eine Art Cinderellaparadies auf Erden. Doch kaum ist sie eben dort angekommen scheint diese schöne Welt zusammenzubrechen und irgendwie hängt es mit ihr und ihrer Vergangenheit zusammen.

Mehr will und vor allem kann ich nicht verraten. Denn der Sammelband entlässt den Leser mit den gleichen Fragen wie zu Beginn und einigen zusätzlichen mehr.

So betrachtet gefällt mir der Sammelband eigentlich nicht. Um Konkret zu werden – ich finde Sammelbände immer schwierig. Sind alle Geschichten vollständig darin versammelt sind sie meist in Ordnung. Sind es eben wie hier nur teilweise Zusammenfassungen kommt es meist darauf an. Auch ein Sammelband sollte so gefasst sein, dass einige Fragen beantwortet werden und einen Abschluss finden. Der Goldene Käfig 1 bietet dies gar nicht. Ich fühle mich regelrecht gezwungen den Nachfolgeband oder die weiteren Einzelgeschichten lesen zu müssen, wenn ich begreifen möchte worauf die Handlung im Endeffekt hinausläuft. Das finde ich nicht so schön. Also Gesamteindruck zur Handlung – nette Geschichte, aber weniger Cliffhanger wären schöner. Es hinterlässt den schalen Geschmack von ’nicht Bein, nicht Fleisch‘.

Nun zum Buch an sich.
Da habe ich aber eigentlich nur Positives gelesen. I. Reen Bow hat durchweg einen schönen und lesenswerten Sprachstil. Ich mag ihn. Die drei Sequenzen ließen sich zügig lesen und auch wenn ich in der Handlung ein wenig mehr Hintergrundklärung gewünscht hätte, habe ich alle Sequenzen flüssig und gerne gelesen. Der Erzählstil der Autorin hat mich da wirklich gut mit genommen.
Und da bin ich auch bei dem Punkt „Tiefgang“. Bei der ganz gängigen Geschichte um ein Mädchen auf der Suche nach seiner Vergangenheit und ob sie in einem wie auch immer gearteten Verhältnis zur Träumerin steht oder gar selbst eine derartige ist gibt es immer wieder herrlich formulierte Passagen, die man schon mal als sozialkritisch ansehen kann. Die Protagonistin macht recht viele Bemerkungen über Oberflächlichkeiten, wie lauter schöne Menschen (schaut euch mal die Sonnengarde an) und eben Nerds. Oder auch die Vermarktung von allem, was es so um die Traumstadt herum gibt. Da existieren so offensichtliche Parallelen zu unserer Realität.

Was bleibt denn bei mir nun als Gesamteindruck?
Also definitiv eine nette Dystopie für Jugendliche und junge Erwachsene. Ich selber bin ein wenig hin und her gerissen, ob ich trotz der seichten Unterhaltungskost dem Ganzen nicht doch ein kleines Prädikat in Richtung pädagogisch wertvoll geben sollte. Vielleicht kann es ja einigen Babieprinzessinen die Augen öffnen?