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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2018

Das Leben ist hart und ungerecht

Gegen die Träume
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Gegen die Träume ist ein Debütroman des Autors Sead Husic. Er studierte Politikwissenschaft und verfasste Beiträge für Tageszeitungen und ist heute für die Agentur Römer Wildberger tätig. Zudem arbeitet ...

Gegen die Träume ist ein Debütroman des Autors Sead Husic. Er studierte Politikwissenschaft und verfasste Beiträge für Tageszeitungen und ist heute für die Agentur Römer Wildberger tätig. Zudem arbeitet er als freier Fotograf.

Der Roman beschreibt die Situation von Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich in Deutschland ein besseres Leben versprechen. Das Mädchen Mersija möchte nicht so enden, wie ihr Vater Ahmed. Sie steigt im Jahr 1969 voller Hoffnung in einen Zug nach Deutschland. Was sie hier erlebt und dass ihre Träume mit der Zeit nur noch Schäume sind, beschreibt der Autor Sead Husic sehr eindrucksvoll. Merija lernt in Deutschland Landsleute kennen, die keineswegs ihrem Bild von Mitmenschen entsprechen. Sie heiratet und bekommt einen Sohn. Nur wenige Deutsche geben sich mit ihr ab. Sie verachten die Zugezogenen und nennen sie verächtlich nur „Jugos“.

In Rückblicken erzählt der Autor von Ereignissen im 2. Weltkrieg. Rasch erkennt der Leser, dass diese auch in der Gegenwart eine nicht zu verachtende Rolle spielen. Ein Mord geschieht im unmittelbaren Umfeld von Mersija und der vermeintliche Mörder begeht Selbstmord.

Mir gefiel das Buch gut, hat aber auch in meinen Augen zwischendurch etliche Längen. Gegen die Träume könnte problemlos um viele Seiten gekürzt werden. Ein Zitat erwähne ich aber, um den Ernst der Geschichte zu verdeutlichen. Die Sätze sagte eine Freundin Mersijas zu ihr, kurz bevor diese wieder in ihre Heimat zurückkehrte: „Ich will, dass sie mich respektieren. Dass sie mich nicht wie Geschmeiß behandeln, welches sich die Brotkrumen nimmt, die sie von ihren Tischen fallen lassen." Es hat sich also bis heute nichts an der Einstellung der Deutschen an Zuwanderern geändert. Das zeigt Gegen die Träume sehr deutlich und ehrlich. Auf wenige Zeilen beschränkt wird auch die Situation im Jahr 1989 beschrieben. Als „Ossis“ in den Westen flohen und von „Jugos“ Unterstützung und Hilfe bekamen.

Veröffentlicht am 20.12.2018

Mauerfall und ein (fast) vergessener Autor

Blutsbruderschaft
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Ulrich Stoll ist Journalist und war unter anderem für den WDR und das ZDF im Einsatz. Seine Sachbücher sind und seine Dokumentationen im Fernsehen befassen sich mit aktuellem Zeitgeschehen. Der Kriminalroman ...

Ulrich Stoll ist Journalist und war unter anderem für den WDR und das ZDF im Einsatz. Seine Sachbücher sind und seine Dokumentationen im Fernsehen befassen sich mit aktuellem Zeitgeschehen. Der Kriminalroman Blutsbruderschaft ist sein zweites Buch, welches in dieses Genre passt.

Das Geschehen spielt im Jahr 1989 also zur Zeit der „Wende“. Der Leser wird auch für einige Seiten in die Vergangenheit geschickt, in das Jahr 1961. Das ist für das Verständnis im weiteren Verlauf der Geschichte wichtig. Der Umbruch zeichnet sich schon Monate vor dem „Mauerfall“ ab und für den Journalisten Lucas Hermes beginnt eine aufreibende Zeit. Denn nicht nur die Wiedervereinigung beider Staaten müssen Thema von Reportagen und Berichten sein. Es gilt ebenfalls, einen Mord zu klären. Und es bleibt keineswegs dabei. Es geschehen weitere Morde und der Leser findet ich auch in Prag und an den Starnberger See versetzt. Einen wichtigen Anteil am Geschehen hat der Autor Meyrink. Aber auch Rosenkreuzer sowie de Maizière und Kohl spielen bei der rasanten Story eine Rolle. Blutsbrüderschaft von Ulrich Stoll ist durchgehend spannend und hält den Leser bis zum Schluss atemlos. Das Finale ist typisch für solche rasanten Krimis. Wie beim Tatort oder anderen Stücken muss es am Ende noch einmal so richtig krachen.

Für mich ganz klar zu erkennen, dass Ulrich Stoll sich mit der Materie der Geschehnisse rund um den Mauerfall auskennt. Er weiß, wovon er schreibt und ich fühlte mich, als sei ich selbst dabei. Es ist kein mühsam zusammengesuchtes oder angelesenes Ereignis, sondern wurde von ihm erlebt. Das macht den feinen Unterschied zu anderen Kriminalromanen mit gleichem Hintergrund. Blutsbruderschaft ist neben der Schilderung von tatsächlichen Ereignissen der Jahre 1989/1990 ein wirklich mitreißendes Werk des Autors Ulrich Stoll.

Veröffentlicht am 12.12.2018

Plotter im Auftrag des Diktators

Die Plotter
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„Er hatte 15 Jahre in einem Gewerbe durchgehalten, in dem die Plotter darauf achteten, hinter sich aufzuräumen. Wenn das „Dog House“ und Old Raccoon nicht wären, er wäre längst tot. Und das mit 32 Jahren.“ ...

„Er hatte 15 Jahre in einem Gewerbe durchgehalten, in dem die Plotter darauf achteten, hinter sich aufzuräumen. Wenn das „Dog House“ und Old Raccoon nicht wären, er wäre längst tot. Und das mit 32 Jahren.“ So geht es zu im Leben eines Plotters und er ist stets auf der Hut, nicht getötet zu werden. In dem Thriller Die Plotter von Un-Su Kim entführt den Leser nach Südkorea, wo die Hauptperson Raesing als Plotter tätig ist. Als Säugling wurde er in einer Mülltonne gefunden und von „Old Raccoon“ aufgenommen wurde. Er erzog ihn in seinem Haus und in der hier eingerichteten Bibliothek, dem „House of Dogs“, lernte er zum Leidwesen Raccoons das Lesen. Sein Mentor lehrte ihm unter anderem, was einen guten Plotter ausmacht.

Plotter, das ist die Bezeichnung für Auftragsmörder. Sie waren häufig für die Regierung tätig, wenn unbeliebte Oppositionelle ohne Aufsehen zu beseitigen waren. Raesing wollte das Milieu verlassen und schaffte das auch für einige Monate. Dann aber erfuhr er, dass seine Identität komplett gelöscht werden sollte und er ging zurück zu seinem Ziehvater. Obwohl Killer, so wird er doch dem Leser zuweilen als ganz sympathischer Mann gezeigt. Hilfsbereit und voller Empathie begegnet er sogar seinen Opfern.

Der koreanische Autor Un-Su Kim gewann in seiner Heimat bereits mehrere Literaturpreise. Die Plotter ist sein erster Thriller, der bei einer großen Zahl von Lesern gut ankam. Mir fällt es schwer, die Schreibweise anzunehmen. In etwa so, wie bei Murakami muss ich zunächst ebenfalls an den eigenwilligen Humor gewöhnen. Das Buch hat einige Längen und dadurch lässt auch die Spannung immer wieder nach. Dennoch empfehle ich Die Plotter allen, die den japanischen und koreanischen Schreibstil mögen.

Veröffentlicht am 11.12.2018

Ein beeindruckendes Buch, erstaunlich ehrlich

Tödlicher Irrtum
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Wer ist im wahrsten Sinne des Wortes prädestiniert, wenn es um das Schreiben eines Romans nach Tatsachen geht? Ganz klar jemand, der sich auskennt und an der Quelle sitzt. So ist es auch in dem Thriller ...

Wer ist im wahrsten Sinne des Wortes prädestiniert, wenn es um das Schreiben eines Romans nach Tatsachen geht? Ganz klar jemand, der sich auskennt und an der Quelle sitzt. So ist es auch in dem Thriller Tödlicher Irrtum. Der Autor Patrick Burow ist zudem Staatsanwalt und Richter und kennt sich bestens mit Fehlurteilen seiner Kollegen aus.

In dem Thriller geht es um ein neunjähriges Mädchen, welches morgens aus dem Haus geht und sich auf den Weg in ihre Schule macht. Danach nicht mehr gesehen wird. Trotz groß angelegter Suchaktionen verliert sich ihre Spur. Sie wurde zum letzten Mal einige hundert Meter von der Schule entfernt gesehen. Schnell finden die Ermittler einen Tatverdächtigen, der sehr bald den Mord an der Kleinen gesteht. Er wird in die Psychiatrie eingewiesen und dort soll er laut Urteil ein Leben lang bleiben.

Eine kleine Crew, bestehend aus dem alkoholabhängigen Professor Heckscher und zwei Studenten bilden das neu gegründete „Institut für Justizirrtümer“ und stoßen auf den Fall der Neunjährigen. Schon bald fallen ihnen Ungereimtheiten auf. Und nicht nur das. Sie erkennen rasch, dass bei den Ermittlungen äußerst nachlässig gearbeitet wurde. Rasch stellt sich der Grund für das Geständnis heraus und dass es unter Drogeneinfluss abgelegt wurde. Es ergeben sich neue Ansatzpunkte und es gibt einige Verdächtige. Bis zum Schluss wird der Leser in Atem gehalten.

Mir gefiel der Thriller gut. Herr Burow hat sich intensiv mit dem Thema Justizirrtümer befasst und bereits einige Titel dazu veröffentlicht. Tödlicher Irrtum spannt den Leser bis zur letzten Seite auf die Folter und ich wusste bis dahin nicht, wer der Täter ist. Und das ist, wenn jemand so viel liest wie ich, äußerst selten. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Sehr berührend und einwandfrei recherchiert

Die Frau im hellblauen Kleid
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Das Buch hatte ich innerhalb von zwei Tagen durch. Der Grund dafür lag in der Spannung mit dem dieses traurige Thema umgesetzt wurde. Hier konnte ich leider mal wieder hautnah miterleben, wie sich der ...

Das Buch hatte ich innerhalb von zwei Tagen durch. Der Grund dafür lag in der Spannung mit dem dieses traurige Thema umgesetzt wurde. Hier konnte ich leider mal wieder hautnah miterleben, wie sich der Hass Andersdenkender langsam aufbaute und niemand vor Denunzierung geschützt war.

Die Grundlage der Geschichte wird aus vier Generationen der Altmannfamilie gebildet. Verena möchte die abwechslungsreiche Historie ihrer Vorfahren veröffentlichen. Da gefällt der Mutter absolut nicht. Der Grund für diese Abwehr wird deutlich, wenn sich Leser mit den Gegebenheiten der damaligen Zeit auseinander setzten. Juden wurden diskriminiert und für sie gab es nur den einzigen Ausweg, dass sie sich nach Übersee absetzen.

Die Frau im hellblauen Kleid suchte ihr Glück und fand es nur für wenige Monate. Hitler hatte seine vielen Anhänger fest im Griff. Er verstand es vorzüglich, seine abstrusen Gedanken zu offenbaren und als einzige Wahrheit in die Köpfe seiner Anhänger einzupflanzen. Viele Künstler erkannten die Gefahr sehr rasch und flüchteten in die vereinigten Staaten.



Möge es noch mehr Leser solcher Bücher geben und diese dann auch gegen die hier so bildhaft beschriebene Rechte Gesinnung kämpfen.