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Veröffentlicht am 26.10.2019

Viel zu sagen, aber zu wissenschaftlich

Yalla, Feminismus!
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Ich habe das Buch angefordert, weil ich die Autorin aus den Medien kenne. Ich habe sie als eine mutige Frau bewundert, die oft auf ihre Provokation reduziert wird. Ich hatte gehofft, dass es sie es schafft, ...

Ich habe das Buch angefordert, weil ich die Autorin aus den Medien kenne. Ich habe sie als eine mutige Frau bewundert, die oft auf ihre Provokation reduziert wird. Ich hatte gehofft, dass es sie es schafft, das Thema "Feminismus" vielseitig darzustellen. Letzlich war das Buch für mich überwiegend das - eine Provokation, der besonders in der ersten Hälfte die Argumentation fehlt.

Worum geht es?

Um Sprache im Rap. Kopftuch. Und Rassismus und Sexismus im akademischen Betrieb.

Inhalt im Detail

Der erste Teil bezieht sich auf Sprache im Rap und die Darstellung queerer und weiblicher Menschen innerhalb dieser Kunstform. Zwei Aspekte sind mir dabei in Erinnerung geblieben: Dass bei männlichen Gangster-Rappern vorausgesetzt wird, dass es stark überzeichnet ist und dass das Lyrische Ich wenig mit der Person dahinter zu tun hat. Bei weiblichen Rapperinnen erwartet man dagegen, dass sie meinen, was sie in ihren Texten sagen - und deswegen härter beurteilt werden. Derbe Sprache oft als Einladung verstanden wird, fröhlich beleidigen. Interessant war auch, dass Frauen sich die Verhaltensweisen der Männer aneignen, um respektiert zu werden. Ob das der "richtige" Weg ist, darüber darf man grübeln. Auch die sehr einseitige Darstellung von Frauen, die Heilige, mutter-ähnliche Figur im Gegensatz zur promiskuitiven, offenen Frau, hat die Autorin gut erklärt. Weniger gefallen hat mir, dass die Quellenlage dürftig ist. Es werden nur wenige positive Beispiele für feministische Rap-Texte genannt und überhaupt kommen nur "Mainstream-Rapperinnen" vor. Dass es einige unbekannte Rapperinnen gibt, die auch ohne Gangster-Slang auskommen, wird wenig erwähnt. Oder die Tatsache, dass eine weibliche Rapperin in einem Wettbewerb weit gekommen ist - und dafür von einigen als Quotenfrau verspottet wurde, von anderen gelobt wurde, dass sie eine gute Rapperin ist, obwohl sie sich gegen all die Männer behaupten muss. Mich hätte die Auseinandersetzung damit interessiert. Schwierig finde ich auch, dass die Autorin einen Einblick in das Musikgeschäft gibt, aber an der Oberfläche bleibt. Sie arbeitet gut heraus, wie vermeintlich selbstbewusste Frauen von männlichen Produzenten ein Stück passend gemacht werden, damit sie als besonders feministisch erscheinen. Oder den Spagat, mit berühmten Rappern kooperieren zu können, dabei aber nur Klischees zu bedienen. Aber mir fehlt die Reflexion, warum - dass dahinter viel Geld steckt usw. Besonders bei Äußerungen zu und über Frauen bezieht sich die Autorin oft auf Interviews - und setzt sich nicht damit auseinander, dass sich Künstler in diesen Situationen repräsentieren und ein Bild von sich zeichnen wollen. Man kann argumentieren, dass auch die Leser dieser Medien glauben, was sie dort lesen. Und dass es wichtig ist, dass zu hinterfragen. Aber ich denke, wenn sie manche Künstlerin in anderem Rahmen befragt hätte, wäre das Ergebnis vielschichtiger gewesen.

Erzählt wird auch von Belästigungen. Schockierend fand ich, dass die Autorin selbst von einem bekannten Rapper öffentlich belästigt wurde - aber die Medien das nicht erwähnt haben. Allerdings wird das Bild an anderer Stelle verzerrt: Im Buch wird beschrieben, wie eine Musikjournalistin bei einem Interview von einem männlichen Rapper verbal und körperlich angegriffen wird, was aber von ihrem Kollegen und von ihr selbst heruntergespielt wird. In der Fußnote am Ende des Buches (!) erfährt man, dass der Kollege nur per Telefon zugeschaltet war. Belästigungen sind schrecklich, aber dass hier ein unvollständiger Eindruck erweckt wird, das fand ich schlecht für die Glaubwürdigkeit.

Ohnehin ist die Präsenz der Ich-Erzählerin in diesem Abschnitt sehr stark. Es geht um ihre Jugend, um den Mut, auf Bühnen zu gehen. Aber auch darum, dass sie wegen ihrer Texte oft abgelehnt wurde, von Männern und Frauen. Dass es an Solidarität fehlt. Mein Eindruck ist, dass die Ich-Erzählerin ein Mensch ist, der viel zu sagen hat und sich gern für andere einsetzt. Eine Löwin. Die nicht gehört wird und daher versucht, mit Provokation Aufmerksamkeit zu erregen. Womit sie manche Leser - auch mich - vor den Kopf stößt und neue Klischees bedient z.B. die Abwertung arbeitsloser Menschen.

Außerdem stört mich, dass im Abschnitt oft von queeren Menschen gesprochen wird, aber keiner zu Wort kommt. Weder Rapper, die offen nicht-binär sind, noch andere Künstler. Nur auf die Kunstfigur Juicy Gay wird verwiesen.

Der zweite Teil ist wesentlich fundierter - was auch daran liegt, dass Frauen mit Kopftuch das zentrale Thema der Doktorarbeit waren. Das Thema wurde vielschichtig und anfänger-freundlich aufbereitet. Ich fand es sehr interessant zu lesen, welche Gründe das Tragen oder Nicht-Tragen des Kopftuches hat und dass die Auseinandersetzung mit Feminismus in islamischen Störmungen sehr tief geht. Es ist eine Beschäftigung mit der Interpretation und Übersetzung von Stellen aus dem Koran - so, wie man es auch von anderen theologischen Diskussionen kennt. Etwas, dass man als Mensch ohne religösen Hintergrund schwer verstehen kann.

Später geht es um Belästigungen im akademischen Betrieb. Ich fand es spannend, wie vielschichtig auch hier die Benachteiligungen sind und wie sehr das System sich selbst schützt z.B. in dem die Ansprechpartner gleichzeitig die Täter sind. Oder manche nicht zwischen Mensch und Künstlerin unterscheiden können. Leider fehlen auch hier Beispiele, die sie nicht selbst erlebt hat. Was aber auch daran liegt, dass Menschen das selten öffentlich machen.

Allerdings fehlt mir hier ein menschliches Puzzle-Teil: Sie betont oft, dass sie gern in der Wissenschaft arbeitet, dass ihr die Studien wichtig sind - aber die Begeisterung wird nicht spürbar. Wo ist die Verbindung zwischen der Frau, die sich benachteiligt fühlt und der Leidenschaft für das Fach?


Gestaltung und Schreibstil

Am Anfang des Buches findet man ein Glossar - was ich gut fand. Leider werden nur sehr wenige Begriffe erklärt und besonders im Kopftuch-Teil fehlt sovieles, das man in einem Glossar nicht erklären kann. Außerdem hatte ich bis zur zweiten Hälfte einige Begriffe wieder vergessen.

Große Probleme bereitet mir das Gender-Sternchen. Ich habe schon verschiedene Varianten gesehen und bis zum Ende gehofft, dass ich damit warm werde. Aber es hat mich ständig aus dem Fluss gebracht, weil ich dachte, dass eine wichtige Stelle kommt. Vor allem sind die tatsächlich wichtigen (und sehr interessanten!) Fußnoten untergegangen.

Den Schreibstil finde ich mittelmäßig wissenschaftlich. Es klingt nicht so korrekt wie in einer wissenschaftlichen Arbeit, aber die Autorin versucht, alles sehr genau zu beschreiben - und bläst damit das Buch auf. Bespielsweise ist im ersten Teil von der "deutschen Mehrheitsbevölkerung" die Rede. Das ist passend, weil es um Rassismus geht. Aber der Begriff wurde bereits erklärt, sodass es nicht notwendig ist, ihn immer auszuschreiben. Wenngleich natürlich jede Erwähnung ein Zeichen ist.

Auch das Nachwort ist eine tolle Zusammenfassung des Buches - liest sich aber wie in einer wissenschaftlichen Arbeit.

Menschen, die mit den Themenkomplexen nicht vertraut sind, werden mit dem Buch Schwierigkeiten haben.

Fazit

Gut gedacht, nicht so gut gemacht. Der Stil wirkt hoch, aber die Recherche hätte im ersten Teil tiefer sein können. Das Buch möchte "Lücken füllen", bleibt aber manchmal bei Klischees kleben. Dennoch wirft es interessante Gedanken auf und hat mich zum Nachdenken angeregt.

Veröffentlicht am 21.08.2019

Wichtige Thema mit Luft nach oben

84 Monate
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Ein unerfüllter Kinderwunsch - selten öffentlich thematisiert, und wenn, dann stehen sich oft "erfolgreiche" Mütter und Menschen gegenüber, für die Kinderkriegen egoistisch ist. Äpfel, Birnen, ein ganzer ...

Ein unerfüllter Kinderwunsch - selten öffentlich thematisiert, und wenn, dann stehen sich oft "erfolgreiche" Mütter und Menschen gegenüber, für die Kinderkriegen egoistisch ist. Äpfel, Birnen, ein ganzer Obstkorb an Menschen, die aneinander vorbei reden.

Was ich aus diesem Buch mitnehme, ist u.a. das Bewusstsein, dass es Dinge gibt, die man nicht nachvollziehen kann, wenn man sie nicht erlebt hat. Aber auch, dass der Kinderwunsch nicht das Problem ist, sondern die Gesellschaft.

**Meine Meinung*

Das Buch pendelt zwischen der Jetzt-Zeit, in der "Julie" mit starker Regelblutung auf dem Boden liegt, getröstet von ihren zwei Hunden, und ihrem Weg - von der Idee eines Kindes, über die Fehlgeburt hin zu unzähligen Behandlungen.

Das Buch voran treibt die Frage, ob Julie ein Kind bekommt. Spoiler: Ja. Aber die Hälfte der Geschichte hat keinen Platz. Entweder, weil es zu viel geworden wäre. Oder weil zwei Bücher besser als eines sind. In der Jetzt-Zeit passiert wenig, die Figur pendelt zwischen Wasserhahn, Hund und Boden, was ich nicht so gut fand.

In der Vergangenheit begleiten wir Julie durch die Behandlungen. Und obwohl sie ständig redet, bleibt das Buch für mich ein Stück oberflächlich. Obwohl sie oft erzählt, wie zerstörerisch die Behandlungen für die Beziehung sind, erfährt man wenig. Auch Fachinfos gibt es nicht so viele. Die Stimmungsschwankungen blieben unklar, genauso wie die Frage, wie sie die Behandlungen und ihren Beruf vereinbart. Was mit den Ärzten passiert, die sie "falsch" behandelt haben. Mit "Heilern", die ihre Patientinnen benutzen. Auch die "Grenzüberschreitung", die die Hormontherapien bis hin zu eingefrorenen Eizellen darstellen, konnte ich nicht nachfühlen. Oft betont sie, dass ein Kinderwunsch kein Luxusproblem sei, sondern das Selbst und die Beziehun zerstöre - bis auf Schuldgefühe gegenüber ihrem Mann bleibt auch das vage.

Gut gefallen hat mir das Buch an den Stellen, an denen die Figur reflektiert - über eine Industrie, die vom Leid der Paare profitiert; die den Frauen vorgaukelt, dass gerade der perfekte Embryo eingesetzt wird, obwohl es wohl nicht am Embryo, sondern an der Gebärmutter liegt. Von Ärzten, für die Fehlgeburten Routine sind und die der Patientin keine psychologische Betreuung anbieten. Aber auch: Die paradoxe Gesetzteslage in Deutschland, dass Herzen gespendet werden dürfen, aber keine Embryonen (?) Dass Verbrechen härter bestraft werden, wenn sie an Müttern verübt wurden. Sie deutet gut an, welchen Status "Kinder kriegen" in der Gesellschaft hat.

Allerdings wurde mir die Figur in diesen Punkten ein Stück unsympatisch, weil sie die psychologischen Mechanismen beschreibt, aber wenig erkennt. Sie erzählt an zwei Stellen, dass sie wohl eine Post-Traumatische Belastungsstörung bekam, aber es ist nicht klar, ob sie letztlich etwas dagegen tut. Auf mich wirkt es, als ob sie die Fehlgeburt in eine Schuld-Spirale getrieben hat, gemeinsam mit dem Gedanken, dass man so weit gekommen ist und soviel Geld investiert hat, dass man nichtmehr aufhören will. Sie hinterfragt den Kinderwunsch auch nicht.

Ein Symptom davon ist auch, dass sie sich durch den Kinderwunsch definiert und fast nur noch Eltern sieht. Sie wünscht sich, dass die anderen in ihr nicht nur den Kinderwunsch sehen, sie will am Leben teilhaben, was ich gut verstehe. Aber sie begreift nicht, dass es für andere belastend sein kann, einem geliebten Menschen dabei zuzusehen, wie er leidet und man nichts tun kann. Sie reduziert ihre Mitmenschen darauf, ob sie ihren Kinderwunsch verstehen können.

Die Julie der Jetzt-Zeit hat das begriffen - aber die Julie der Vergangenheit kommt nicht an diesen Punkt. Das macht das Buch für mich unstimmig, weil ich die Auflösung nicht gesehen habe.

*Fazit**

"84 Monate" bringt Licht ins Dunkle und bereicherte mich mit vielen Erkenntnissen. Allerdings ist es ein Erfahrungsbericht, der sich auf das Leiden konzentriert. Mir war es oft nicht vielseitig genug. Ich denke, dass es für Leute gut ist, die ähnliches erlebt haben. Aber für Menschen, die damit noch nicht in Berührung gekommen sind, war es nicht tief genug.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Spritzig, aber dann ...

Most Wanted Billionaire
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Zwei Irrtümer in einem Buch: 1. Hinter einem austauschbaren, beliebigen Titel kann sich eine tolle Geschichte verbergen. 2. Eine tolle Geschichte ist nur so lange gut, bis die Figuren zusammen kommen. ...

Zwei Irrtümer in einem Buch: 1. Hinter einem austauschbaren, beliebigen Titel kann sich eine tolle Geschichte verbergen. 2. Eine tolle Geschichte ist nur so lange gut, bis die Figuren zusammen kommen. Danach fährt die Story unaufhaltsam auf den Klischeegraben zu.

Inhalt

Unsere weibliche Hauptfigur ist super qualifiziert, arbeitet aber unterfordert bei einem Chemie-Unternehmen. Der Clou: Sollte sie es schaffen, einen Monat zu überstehen, gibt es zusätzlich zum Gehalt einen Bonus! Und unsere Prota kann das Geld gebrauchen, weil ihr ein Mann das Leben und vor allem die Finanzen ruiniert hat. Aber alles läuft schief, bis ihr der Firmen-Chef einen Weckdienst sucht - und ihm die Prota versehentlich die Meinung sagt. Mann, welcher die Nase voll hat von untergebenen Schoßhündinnen, findet das toll und so entspinnt sich ein Wechselspiel, das erst bei der Auflösung an Dynamik verliert.

Was hat mir gut gefallen?

Die Dramaturgie: Die Autorin schafft es die Figur auf mehreren Ebenen spielen zu lassen - im Job ist sie die selbtbewusste Frau, die auf Anweisung ihrer Chefin die Unterwürfige spielen muss. Am Telefon muss sie wiederum sehr taff sein, was ihr nicht leicht fällt. Ein zusätzlicher Konflikt entspinntlich, als auch die Chefin eigene Interessen offenbahrt.

Ich fand die Stellen sehr dynamisch, witzig, spannend. Ich hatte großen Spaß.

Das Kräftegleichgewicht: Im Buch ist es oft der Mann, der die Beziehung will, die Frau lehnt aber ab. Das erzeugte viel Spannung.

Was hat mir nicht gut gefallen

Glaubwürdigkeit: Ich habe beiden Figuren ihre zentralen Motive nicht abgekauft. Das Problem der weiblichen Figur ist, dass sie Männern nicht mehr traut und eine Beziehung ablehnt, weil ihr Ex-Freund gemein war. Sie wirkt manchmal trotzig, was gut war. Aber ich sehe bei ihre keine Reaktionen, die ich mit Angst vor Beziehungen verbinde - das Gefühl, dass man nicht mehr denken, nicht mehr atmen kann. Dass plötzlich alle Gefühle tot sind und man nur noch aus der Situation flüchten will. Dass man simple Vorschläge sehr deutlich und nachdrücklich ablehnt, weil sie zuviel bedeuten könnten. Die Figur macht oft eines: sie redet. Sie redet viel und tötet das Thema.

Auch das zweite zentrale Thema, das Hobby der Figur, dient eigentich nur als Rahmen - wir erfahren sehr, sehr wenig darüber.

Bei der männlichen Hauptfigur fand ich es schade, dass zuwenig Chemie vorkommt. Es ist eine Sache der Abwägung, denn man will die Leser nicht langweilen, aber ... besonders am Ende wirkte er oft liebestoll. Das war sehr schade, weil ich sie anfangs mochte. Das Motiv der Figur war interessant und die Erklärungen nett, aber es war nicht intensiv genug.

Die Nebenfiguren: Abgesehen von der Chefin gibt es nur zwei interessante Nebenfiguren - die aber kaum erwähnt werden. Eine ist sogar so austauschbar, dass ich ihren Namen vergessen habe.

Zeitraffung: Ab der zweiten Hälfte rafft der Roman an vielen kleine Stellen, die ich nicht erwartet habe. Das wirkte oft nicht stimmig.

Fazit
Stark ist der Roman an den Stellen, an denen sich die Figurn reiben. Danach fehlten die Ideen und das Gefühl.

Veröffentlicht am 19.12.2018

Vom schimmeligen Mops

Applepie Stories
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Das Buch war nicht meins. Es fällt mir schwer, wirkliche "Fehler" auszumachen, aber oft hatte ich das Gefühl, dass dem Buch "Biss" fehlt. Und an charismatischen Charakteren. Es ist ein leichtes, oft vorhersehbares ...

Das Buch war nicht meins. Es fällt mir schwer, wirkliche "Fehler" auszumachen, aber oft hatte ich das Gefühl, dass dem Buch "Biss" fehlt. Und an charismatischen Charakteren. Es ist ein leichtes, oft vorhersehbares Buch mit Krimi-Einschlag.

Spoiler am Anfang: Die Fairy Cupcakes lösen ein paar Handlungen aus, spielen aber keine große Rolle.

Und das Cover ist toll - bekanntes Motiv, aber eindrücklich und auffällig.

Worum geht es?



"Applepie Stories" vereint zwei Texte: Im ersten geht es um Lola, deren Freund sie mit ihrer besten Freundin betrügt und die im Liebeskummer (und im Chardonnay) versinkt. Nebenbei führt sie das Café Little Birds, das ihr ihre Oma vererbt hat. Lola findet das Rezept der Fairy Cupcakes und wünscht sich den perfekten Freund. Dieser taucht auf - und ist am nächsten Tag verschwunden. Stattdessen findet sie Patrick - der eigentlich perfekt ist, aber nicht so perfekt wie Jack. Und er hat ein düsteres Geheimnis!

Der zweite Text handelt von Traummann Jack, der von seinem Opa auf eine Reise geschickt wird, denn dieser war die große Liebe von Lolas Oma. Und irgendwie mag Jack Lola, die er nur vom Foto kennt. Und es gibt noch ein paar Verwicklungen und Aufklärungen.

Charaktere



Lola ist ein aufgewecktes Mädchen mit sarkastischer Note. Ich fand sie erfrischend, weil sie Humor hat und nicht zu kitschig wirkt. Ihr Mops Charles ist der eigentliche Star der Handlung, hat aber nicht genügend Platz im Text ... Gut, weil intensiv fand ich die Szenen mit Lolas Ex-Freund.

Melissa ist eine Freundin von Lola. Sie ist relativ jung, wird erwähnt. Die Bindung zwischen Lola und Melissa ist nicht so stark, Lola ist genervt von Melissas impulsivem und trotzigem Verhalten, auch wenn diese es nur gut meint. Ansonsten ist Melissa ziemlich farblos.

Jack ist Lolas Traumprinz und Sänger einer Band. Ich hatte gehofft, dass er entzaubert wird, dass seine (vermeintlich) arroganten Seiten aufgehoben werden. Aber Jack entpuppt sich als wesentlich gefühlvoller als Lola. Er sieht vieles, er fühlt vieles und besonders auf dem Höhepunkt wird der Dialog ständig unterbrochen, weil Jack des vermutet und etwas beobachtet - und dann spricht. Er betont anfangs sehr oft, dass er sich noch nicht verliebt hat, aber er verliebt sich schnell in Lola. Einerseits finde ich es gut, dass die Autorin mit der Erwartungshaltung bricht, andererseits war Jack sehr langweilig.

Betty ist der Bösewicht der Geschichte. Und als Bösewicht mit dramaturgischer Funktion wird Betty sowohl von Jack als auch von Lola gehasst. Jeder findet Betty doof. Das war öde. Betty selbst hat kriminelle Energie und wirkt als grantige, verbitterte Dame ziemlich gut.

Die Figuren sind klar aufgeteilt in Gut und Böse, aber nicht besonders tief.

Sprache



Die Sprache in beiden Texten fand ich flüssig und gut lesbar. Besonders die Dialoge fand ich überwiegend lebensnah und nicht gekünstelt. Nur am Ende, als die Figuren ihre Motive erklären, wird die Sprache trocken und wirkt nicht natürlich.

Nur "widerspiegeln" wird konsequent falsch geschrieben ...

Dramaturgie



Der erste Text plätschert vor sich hin. Getragen von der Frage, was wahr war und was nur der Wunsch, hat der Text ein bisschen Spannung und ein rundes Ende. Die Frage, ob fast-perfekt ausreicht, fand ich gut. Am Ende haben sich die Ereignisse überschlagen und die Logik war nicht stimmig.

Deutlicher war das im zweiten Text. Nach einer Einleitung mit Schwerpunkt Liebe wird das Buch zum Rätselspiel. Es kommen neue Figuren dazu, andere treten in den Hintergrund. Der Übergang war nicht so stimmig. Es wäre besser gewesen, Figuren aus dem zweiten Text im ersten deutlicher auftreten zu lassen. Dass Alfie (der Opa) durch die Augen Jacks geschildert wird, obwohl er eine wichtige Nebenrolle spielt, hat das Gleichgewicht der Figuren kippen lassen. Hinzu kommt Jacks Schwester Emma, die am Ende wichtig wird. Der Aufbau des Rätsels dauert sehr lange, die Auflösung beeinhaltet sehr viele Informationen. Ähnlich wie bei einem guten (?) Krimi lag die Lösung vor einem ... [Spoiler] Es kommt eine Generation hinzu. Wer mit Intrigenspielen aus Soaps vertraut ist, ist im Vorteil. Und ein Happy End muss sein - nicht mit Hochzeit, aber mit Schwangerschaft und Aufschreiben der Lebensgeschichte. [/Spoiler]

Ich hatte zu Jack bereits am Anfang keine Beziehung, weil sein Verhalten nicht nachvollziehbar war. Und die Musik spielt eine untergeordente Rolle - Jack wird ein paar Mal erkannt und er schreibt einen Song, das war es. Ähnlich Lola, die zwischendurch ihre Leidenschaft für's Singen entdeckt, aber erst zum Schluss wieder erwähnt. Dass Rebecca (Lolas Ex-beste-Freundin) am Ende des ersten Textes schwanger ist, spielt im zweiten keine Rolle mehr - man sieht sie nicht als Mutter. Erst am Ende wird wieder erwähnt, dass sie Kinder haben.

Die Fairy Cupcakes spielen kaum eine Rolle. Die Regeln waren kurz, aber ich fand sie komplex. Aber das Rezept ist lecker.

Gut gefallen an beiden Texten haben mir die Ähnlichkeiten - beide Hauptfiguren zeichnen ein ähnliches Fazit, beide vergleichen Betty mit einer Erdbeere, beide haben Haustiere. Die Ähnlichkeiten hatten das richtige Maß und haben beide Texte zusammengehalten.

Als Symbol unter der Kapitel-Nummer wird ein Cupcake mit "Eat me" bzw. eine Flasch mit "Drink me" gezeichnet, was ich eine nette Idee fand. Schade, dass man keinen Bezug zum jeweiligen Kapitelinhalt hergestellt hat.

Fazit



"Applepie Storys" hat kaum Fehler - die Texte sind spannend gezeichnet, gut komponiert, aber die Details und Figuren sind zu lose, als dass man eine Verbindung aufbauen kann.

Ich denke, dass vielen Lesern das Leichte, kombiniert mit dem Krimi-Element, gefällt. Ich fand's nicht angenehm.

Veröffentlicht am 17.11.2018

Zwischen Liebe und Leiden

Starlight Nights - Immer wieder du
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Überall liest man von Kinderstars, die schon als Kleinkinder auf die Bühne geschleift werden. Was macht das? Kann man sich von seinen Eltern lösen? Und was bringt die Zukunft? Der Roman hat das als Kernthema, ...

Überall liest man von Kinderstars, die schon als Kleinkinder auf die Bühne geschleift werden. Was macht das? Kann man sich von seinen Eltern lösen? Und was bringt die Zukunft? Der Roman hat das als Kernthema, daher habe ich ihn gelesen.

Notiz am Anfang: Es ist ein Buch, in dem das Negative lange überwiegt. Ein Buch, das wehtut.

Inhalt

Calista wurde von ihrer Mutter, deren Karriere von der Schwangerschaft vereitelt wurde, zum Schauspiel gebracht. Nach einem Unglück hat sie der Schauspielerei den Rücken gekehrt und studiert in einem kleinen Ort Wirtschaft. Aber sie kommt nicht an. Eines Tages erschient Eric, der vor einigen Jahren mit ihr eine Serie drehte und von seinem Vater, einem reichen Produzenten, nicht loskommt. Eric erpresst sie, bei seiner Serie mitzuspielen - und tritt damit eine Lawine von Ereignissen los.

Figuren und Konflikte

Karriere-geile Eltern: Der Konflikt zwischen Calista und ihrer Mutter war gut gestaltet und ich konnte beide Seiten verstehen. Die Mutter versucht, ihre Träume auszuleben und hat die Tochter von sich abhängig gemacht. Es tat weh zu sehen, dass Calista trotz vieler Kilometer Entfernung nicht von ihr und vor allem dem Leben als Schauspielerin nicht loskommt. Sie findet an der Uni keine Freunde, arbeitet nicht, sie verkriecht sich nur. Calista ist weggerannt, wartet aber noch immer darauf, dass ihre Mutter sie unterstützt. Einen Wendepunkt gibt es, als Calista sieht, dass die Mutter ihre Schwestern ins Rampenlicht drängt. Ich fand es übrigens komisch, dass Calista und ihre Schwestern sich fremd sind. Aber auch die Mutter hat sich nie um ihre Zukunft gekümmert, es gab für sie keinen anderen Plan als die Schauspielerei.

Karriere-geile Eltern II: Erics Vater Rawley ist ein Superproduzent, der charismatisch und lächerlich ist. Charismatisch, weil er ein perfektes Netzwerk hat und viele Leute beeindruckt, lächerlich, weil er dem Fernsehen verbunden ist und neuen Entwicklungen wie Webserien skeptisch gegenübersteht. Rawley ist ein toller Kontrast zu Calistas Mutter. Aber am Ende ist er dumm.

Eric und Calista sind Kinderstars, die mit dem realen Leben nicht klarkommen. Sie beschäftigen sich weder mit Alternativen zum Schauspielberuf noch mit Recht, was zu Problemen führt. Andererseits nutzen beide das System z.B. verlässt sich Eric darauf, dass sein Vater seine Eskapaden mit Geld verschleiert. Beiden wollen aus ihrem Hamsterrad heraus, sind aber zu sehr mit der Vergangenheit verknüpft, um loszulaufen. Schade ist, dass Calista gern schreibt, man das aber selten liest.

Neben Eric, Calista und ihren Eltern fand ich Katie am interessantesten. Katie ist Erics Freundin und Tierärztin. Sie ist ein bodenständiger Mensch, der versucht, zwischen Eric und seinem Vater zu vermitteln. Sie kommt aus einer geordneten Familie und erträgt den Streit nicht, lässt sich sogar vom charmanten Vater einwickeln. Katie finde ich gut, weil sie eigentlich perfekt ist - aber nicht perfekt für Eric. Sie versteht nicht, dass er seinen eigenen Weg gehen muss. Nebenfiguren wie Calistas Mitbewohnerin oder ein gemeinsamer Freund erfüllen ihre Funktion, bleiben aber blass.

Und ich mochte Erics Hündin

Spannung und Erzählstil

Im Kopf bleiben mir die leidenschaftlichen Liebesszenen und die negative Energie. Auch wenn die Erotik-Szenen irgendwann zuviel werden, gefällt mir der Esprit der Liebe. Das Buch liest sich an diesen Stellen sehr lebensnah und ich konnte gut mitfühlen. Andererseits sieht man Calista oft leiden. Das war spannend, aber oft zuviel.

Dramaturgisch war das Buch nett - das Buch nimmt sich viel Zeit, um die Konflikte aufzubauen, um sie im letzten Drittel zu lösen. Ich fand das etwas viel - zuviel Einleitung, zuviel Konfliktlösung, beim auslösenden Moment Potential verschenkt.

Außerdem klingen beide Perspektiven gleich, sodass ich beim Wechsel Probleme hatte.

Fazit

Der Text hat einige Stärken und bleibt im Gedächtnis. Aber er verschenkt viel, weil er sich zu sehr auf die Konflikte und das Leiden konzentriert, anstatt vielfältig zu sein.