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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2016

Gebrandmarkt

Flawed – Wie perfekt willst du sein?
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Die Zeit ist jetzt, der Ort ist hier: In einer Welt, in der es verpönt ist, Fehler zu machen, werden diese hart bestraft - wer als fehlerhaft eingeschätzt wird, bekommt ein Brandzeichen. Je nachdem, wessen ...

Die Zeit ist jetzt, der Ort ist hier: In einer Welt, in der es verpönt ist, Fehler zu machen, werden diese hart bestraft - wer als fehlerhaft eingeschätzt wird, bekommt ein Brandzeichen. Je nachdem, wessen er sich schuldig gemacht hat, bekommt er ein Brandzeichen auf die Hand- oder Fußfläche, auf die Brust, die Zunge oder die Schläfe. Wer gebrandmarkt ist, darf sich keinen Luxus erlauben, hat eine Ausgangssperre und viele Auflagen, die er einhalten muss, wie die Juden in der NS-Zeit müssen sie jederzeit sichtbar ein Zeichen - in dem Fall eine Armbinde - tragen. Celestine lebt in dieser Welt und findet nichts Verkehrtes am System der Kennzeichnung der Fehlerhaften. Doch eines Tages hilft sie einem sterbenskranken Fehlerhaften im Bus, und ihr Prozess wird zum Spektakel. Alle wollen sie vor ihren Karren spannen, um politische Entscheidungen durchzudrücken.

Wider Erwarten hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Von einer Autorin, die bis jetzt nur Frauen- oder Liebesromane geschrieben hat, habe ich in Richtung Dystopie nicht viel erwartet, zumal das Cover widerlich bunt und abschreckend ist und so gar nichts mit der Handlung zu tun hat. Doch die Geschichte von Celestine, die eigentlich immer versucht, allen Dingen logisch und mathematisch auf den Grund zu gehen, und die sich ihr Mitgefühl trotzdem nicht abgewöhnt hat, konnte mich weite Strecken fesseln. Natürlich war vieles vorhersehbar, entweder konnte die Autorin nicht aus ihrer Haut in Bezug auf einen super heißen Mitgefangenen, mit dem Celestine sofort was verbindet, obwohl er sie die erste Zeit nicht mal mit dem A... ansieht. Oder dass es sich langsam in eine Dreiecksbeziehung dreht mit ihrem festen Freund, der sich ihretwegen mit seinem mächtigen Vater überwirft. Ich habe auch nicht verstanden, warum Celestine nicht öffentlich macht, was eben dieser mächtige Vater ihr angetan hat - einmal ins Netz gestellt, geht die Sache um die ganze Welt. Aber was soll's, man braucht ja noch Konfliktpotenzial für den zweiten Band, und ich habe mich ansonsten gut unterhalten gefühlt. 3,5/5.

Veröffentlicht am 04.11.2016

Die gewöhnliche Miss Middleton

Mord in der Mangle Street
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1882: March Middleton ist jung, reizlos, mittellos und jetzt auch noch Vollwaise. Da sie ihr Elternhaus nicht mehr halten kann, trifft es sich gut, dass ihr Pate ihr anbietet, bei ihm zu leben. Sie hat ...

1882: March Middleton ist jung, reizlos, mittellos und jetzt auch noch Vollwaise. Da sie ihr Elternhaus nicht mehr halten kann, trifft es sich gut, dass ihr Pate ihr anbietet, bei ihm zu leben. Sie hat ihn noch nie getroffen, aber viel von ihm gehört, denn es handelt sich um niemand Geringeren als den berühmten Privatdetektiv (Persönlicher Berater!!!) Sidney Grice. Grice ist genauso, wie sein Name klingt, ein stacheliger Kaktus ist noch streichelbar dagegen. Just zu dieser Zeit wird er zu einem Mordfall gerufen, bei dem er die Unschuld eines Mannes beweisen soll, welcher seine Frau erstochen haben soll. Während Grice davon überzeugt ist, dass der Mann schuldig ist, ist March vom Gegenteil überzeugt - und zwei starke Persönlichkeiten und wache Geister treffen aufeinander, von denen sich beide irren und doch beide recht haben.

Schnell taucht man bei diesem Buch in das dreckige, stinkende London am Ende des 19. Jahrhunderts ab. Ein Menschenleben ist wenig wert in einer Gesellschaft, in welcher die Oberschicht die vollkommene Macht hat, Frauen als minderwertig und dumm angesehen werden und man eher ein Messer zwischen die Rippen bekommt (sofern sich der Mörder ein wenig auskennt) als ein Danke von Sidney Grice. Dieser entpuppt sich übrigens als egoistischer, geldgieriger, scharfsinniger Unsympath, doch auch March ist nicht das naive Mädchen vom Lande, im Gegenteil, sie hat ihre eigenen Leichen im Keller (scheinbar wortwörtlich). Dass ihr Vater in der Schweiz beim Absturz in einen Wasserfall ums Leben kam, gibt zu denken, genauso wie das Auftauchen eines Arztes namens Conan Doyle (war der aber nicht eigentlich Augenarzt?). Sowohl Grice als auch March haben es faustdick hinter den Ohren, und obwohl ich die Lösung des Falles nicht 100%ig überzeugend fand, bin ich doch genug am Haken, um Nachfolger lesen zu wollen. Empfehlung meinerseits.

Veröffentlicht am 28.10.2016

Trio mit vier Hörnern

Demon Road (Band 1) - Hölle und Highway
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Amber ist sechzehn, hat in der Schule Stress mit ihrer Rektorin und nachmittags in ihrem Job mit Kunden. Allein mit den Hormonen, die ein pubertierender Teenager so mit sich schleppt, wäre das eine teuflische ...

Amber ist sechzehn, hat in der Schule Stress mit ihrer Rektorin und nachmittags in ihrem Job mit Kunden. Allein mit den Hormonen, die ein pubertierender Teenager so mit sich schleppt, wäre das eine teuflische Mischung, doch dann sind da noch ihre Eltern: elegant, cool und mörderisch gut drauf. Letzteres darf man durchaus wörtlich nehmen, denn sie wollen Amber töten und auffressen. Offensichtlich machen das liebevolle Dämoneneltern so. Amber muss sich nicht nur damit abfinden, dass ihr selbst unter Druck eine hübsche rote Haut und Hörner und Macht und Kraft erwächst, sondern dass sie einen Deal mit einem Höllenfürsten hat, sich auf der Flucht vor ihren Eltern befindet, in einem semilebenden Auto mit einem oder zwei komischen Typen unterwegs ist. Alles nicht so einfach, aber das ist die Pubertät ja nie ...

Das hätte ein ernsthaft cooler Kracher sein können. Die Schreibweise ist mega gut und die Seiten fliegen nur so dahin. Trotzdem konnte es mich nicht wirklich packen. Die Dialoge und die meisten auftretenden Personen gingen mir auf die Nerven, und obwohl sich Amber wirklich weiterentwickelt, hat sie die Tendenz, große Dummheiten zu begehen, ohne die das Buch nicht funktionieren würde, denn dann wäre es zu zeitig zu Ende oder nicht halb so dramatisch. Es verfügt über gewisse Horrormerkmale und für ein Jugendbuch zeichnet es sich durch wirklich grausame Szenen aus. Das wird mir manchmal zu leicht abgehandelt, es berührt nicht wirklich jemanden der Protagonisten und kann deshalb auch nicht den Leser berühren. Natürlich endet die Story mit einem Cliffhanger, so dass man selbst, wenn man nicht ganz überzeugt wurde, weiterlesen möchte. Ich hoffe, dass Landy sich dann ab und zu ein wenig Zeit nimmt, mehr zu erklären, denn so gut die Actionszenen sein mögen, nehmen sie manchmal überhand, ohne dass sie die Handlung vorantreiben. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 08.10.2016

Ctulhu-Alptraum

Carter & Lovecraft: Das Erbe
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Bis vor kurzem war Daniel Carter Polizist. Ein guter sogar. Bis die Sache mit dem "Kinderfänger" passiert - ein Serienkiller, der kleine Jungen ermordete und von Carter und seinem Partner gefasst wurde. ...

Bis vor kurzem war Daniel Carter Polizist. Ein guter sogar. Bis die Sache mit dem "Kinderfänger" passiert - ein Serienkiller, der kleine Jungen ermordete und von Carter und seinem Partner gefasst wurde. Doch während der Festnahme ging etwas gewaltig schief: Carters Partner erschoss sich. Carter gab seinen Polizistenjob auf und wurde Privatdetektiv, womit er sich so recht und schlecht durchschlug. Bis eines Tages ein windiger Anwalt bei ihm auftaucht und ihm erzählt, dass ein ihm völlig Unbekannter ihm ein Erbe hinterlassen hat: eine Buchhandlung am A... der Welt. Mit der Buchhandlung kommt auch eine Angestellte, Emily Lovecraft. Und ja, ihr Name suggeriert es nicht nur, sie ist tatsächlich mit dem echten Lovecraft verwandt. Als wäre das nicht genug, geraten Lovecraft und Carter in die üblen Machenschaften eines kriminellen Genies, der scheinbar die Gesetze der Natur brechen kann, und müssen feststellen, dass nicht alles, was Lovecraft (der echte) geschrieben hat, reine Fiction war ...

Ein klassischer schwarzer Krimi in Verbindung mit den Geschichten über die Großen Alten? Das funktioniert in dem Fall wirklich. Ob man Lovecrafts Geschichten kennen muss, weiß ich nicht, aber hilfreich ist es auf jeden Fall. Ich fand die Protagonisten sympathisch oder zumindest ziemlich authentisch, mir gefiel, wie die Geschichte aufgebaut und entwickelt war. Allerdings gab es am Ende einige Dinge, die mir nicht genug erklärt worden oder zu offen gelassen waren, so dass ich am Ende mit dem einen oder anderen Fragezeichen dasaß. Meiner Meinung muss noch mindestens ein zweiter Teil her, um alles aufzuschlüsseln, aber falls dem so ist, wäre ich auf jeden Fall wieder dabei.

Veröffentlicht am 17.09.2016

Ein höchst undamenhafter Mord ... oder auch zwei

Mord ist nichts für junge Damen
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Im Deepdean Internat für junge Mädchen ist ein Mord geschehen - doch nur Hazel Wong und Daisy Wells wissen davon! Denn Hazel selbst hat das Opfer, Miss Bell, gefunden, doch niemand glaubt ihr, denn jemand ...

Im Deepdean Internat für junge Mädchen ist ein Mord geschehen - doch nur Hazel Wong und Daisy Wells wissen davon! Denn Hazel selbst hat das Opfer, Miss Bell, gefunden, doch niemand glaubt ihr, denn jemand hat die Leiche beseitigt. Niemand stimmt nicht ganz, denn immerhin glaubt ihr Daisy, und die ist nicht nur Hazels beste Freundin, sondern auch die Vorsitzende ihres aus ihnen beiden bestehenden Detektivclubs. (Höchst geheim, selbstverständlich.) Whatever, ob man ihnen Glauben schenkt oder nicht, sie werden diesen Mord aufklären und machen sich auf höchst undamenhafte Art und Weise daran, Verdächtige zu verfolgen, Beweise zu sichern und Alibis zu überprüfen.

Ein höchst altmodisches Wort fällt einem als Erstes ein, wenn man das Buch liest: vergnüglich. Das ist das Buch, denn die Mädchen sind erst 13 und damit genau in dem Alter, in dem naives und altkluges Verhalten Hand in Hand geht - und das Ganze von Hazel, dem chinesischen Mädchen an einem englischen Internat, säuberlich dokumentiert wird. Man könnte anfangs meinen, Daisy nutze sie nur aus, aber Daisy ist trotz puppenhaften Aussehens und manipulativen Verhaltens eine meist sympathische Person. Den einzigen Kritikpunkt, den ich vielleicht habe, ist dass ich das Gefühl habe, zu wenig aus den 30iger Jahren erfahren zu haben. Es hätte nahezu jedes Jahrzehnt sein können in England, in dem es bereits Autos, aber keine Computer gab. Das Verhalten und die Sitten, die angesprochen wurden, könnten fast heute noch normal sein für geldige Internate in England. Ansonsten macht das Buch einfach nur Spaß.