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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2019

Ein vielschichtiger Krimi - fesselnd bis zur letzten Seite

Totwasser
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Die Anwältin Linn Geller ist als Pflichtverteidigerin von Grace Riccardi, einem Model, bestellt worden. Grace steht unter dem Verdacht, in England ihren Ehemann, einen beliebten Serien-Darsteller ermordet ...

Die Anwältin Linn Geller ist als Pflichtverteidigerin von Grace Riccardi, einem Model, bestellt worden. Grace steht unter dem Verdacht, in England ihren Ehemann, einen beliebten Serien-Darsteller ermordet zu haben. Obwohl alle Indizien für diese These sprechen und Grace auch ein Geständnis ablegen will, ist Linn von der Schuld ihrer Mandantin nicht restlos überzeugt.

Die Anwältin, die nach einem schweren Unfall noch nicht wieder völlig hergestellt ist und sich eine neue Existenz aufbauen muss, fliegt nach England, um nochmals mit den Zeugen zu sprechen. Hilfe erfährt sie vom örtlichen Ermittler Harris, der ihr nach anfänglichem Zögern, auch Unterlagen zur Verfügung stellt, die sie eigentlich gar nicht einsehen dürfte.

Meine Meinung:

„Totwasser“ ist ein Krimi, der an der Grenze zum Thriller balanciert. Schon der mehrfache Ortswechsel zwischen Stuttgart und Cornwall sowie der mehrmalige Perspektivenwechsel erhöhen die Spannung. Nahezu mühelos wechselt Linn Geller in die englische Sprache, was die Ermittlungen erheblich erleichtert. Während sie in Stuttgart sich immer wieder den Dämonen der Vergangenheit und dem drohenden Konkurs ihrer neu eröffneten Kanzlei ausgesetzt fühlt, kann sie in Cornwall ihre wahre Klasse ausspielen. Akribisch recherchiert sie, stößt auf einige Ungereimtheiten, die die Ermittler sowohl in Deutschland als auch in England nicht ganz so toll aussehen lassen.
Die Charaktere sind vielschichtig und haben allerlei Ecken und Kanten. Davon sind nicht nur die Anwältin, Oper und Täter sondern auch der Staatsanwalt und die Richterin betroffen. Theoretisch sollten die beiden ja unabhängig voneinander arbeiten. Doch in diesem Fall, greift eine ehemalige persönliche Beziehung in die Zusammenarbeit ein.

Ich gehe davon aus, dass der Unfall, der Linn Geller so schwer traumatisiert hat, in einem zweiten Band aufgearbeitet werden kann. Denn dieses Geheimnis muss doch auch noch gelüftet werden.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, den ich in einem Tag gelesen habe. Bitte mehr davon! Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Das schiskal des Klaus B.

Raubkind
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Die Autorin erzählt in diesem Buch die schier unglaubliche Geschichte von Klaus B., der einem polnischen Kind, dass 1943 seinen Eltern geraubt und in eine deutsche Pflegefamilie gebracht wurde.

Warum? ...

Die Autorin erzählt in diesem Buch die schier unglaubliche Geschichte von Klaus B., der einem polnischen Kind, dass 1943 seinen Eltern geraubt und in eine deutsche Pflegefamilie gebracht wurde.

Warum? Wieso? Gab es das öfter? Dorothee Schmitz-Köster gilt als Spezialistin für die NS-Geschichte und des „Lebensborns“.
In der Gesamtheit der NS-Verbrechen muten die Dramen rund um den „Lebensborn“ als gering an. Doch, wie man aus dem vorliegenden Buch erkennen kann, ist die Verschleppung blonder, blauäugiger Kinder aus den diversen Protektoraten kein Zufall. Diese Kinder sollen, nach eingehender rassischer Begutachtung, in treudeutschen Familien zu aufrechten Deutschen erzogen werden. Dazu nimmt man ihnen ihre Identität, ihre Sprache, die Herkunft und sogar ihre Geburtsdaten. Dass dies nur mit kleineren Kindern funktionieren kann, ist den NS-Schergen klar.

Im Rahmen von Forschungen stößt die Autorin (die im Buch nur Journalistin genannt wird) auf die Biografie von Klaus B.. Sie nimmt mit dem inzwischen Mittsiebziger Kontakt auf. Anfangs sind weder Klaus noch seine Frau Sonja von der Recherche überzeugt. Was soll es bringen, nach so langer Zeit eventuell mögliche Verwandte ausfindig zu machen?

Erst nachdem die Autorin einige handfeste Beweise, die sich auf Grund der Verschleierung (falsches Geburtsdatum etc.) nur aufwändig und schwer beschaffen lassen, stimmt Klaus B. einer intensiven Forschung nach seiner Herkunftsfamilie zu. Und das Unglaublich tritt zu Tage: Es gibt sie, seine Familie in Polen. Und nicht nur das! Sie hat mehrmals nach ihm suchen lassen, ohne Erfolg, weil ja Namen und behördliche Angaben verfälscht wurden.

Die polnische Verwandtschaft kommt Klaus in Deutschland besuchen. Die Verständigung ist schwierig, da nur ein Familienmitglied deutsch spricht. Zu einem Gegenbesuch kann sich Klaus B. nicht aufraffen, da er seit langem herzkrank und sich einer solchen emotionalen Strapaze, die Orte seiner frühen Kindheit wieder zu sehen, nicht aussetzen will und kann.

Meine Meinung:

Der Autorin ist ein packendes Dokument eines Unrechts gelungen. Klaus ist, wie wir erfahren nicht das einzige „Raubkind“. Es gibt einige belegte (sehr ähnliche) Fälle und eine nicht abschätzbare Dunkelziffer.

Sehr eindrücklich schildert die Autorin wie sie das Schicksal von Klaus B. minutiös aufrollen kann. Allerdings, habe ich persönlich den Eindruck, verbeißt sie sich dermaßen in die Recherche, dass das eigentliche Ziel, das Schicksal von Klaus zu erforschen, ins Hintertreffen gerät. Hin und wieder klingt auch von ihre Seite, Zweifel an ihrer Mission an. Doch ohne diese Hartnäckigkeit, die manchmal sehr fordernd ist, wäre es nicht gelungen, Klaus‘ Familie ausfindig zu machen.
Unglaublich auch, welche Urkunden in welchen Archiven nach wie vor schlummern und nur durch persönlichen Engagement (manchmal auch unter Umgehung des offiziellen Dienstweges) ans Tageslicht kommen.

Erschütternd ist auch der Umgang der (aktuellen) Behörden, wenn es darum geht, diesen „Raubkindern“ Renten zu gewähren. Man hat hier nach wie vor das Gefühl, dass solche Ansprüche „ausgesessen“ werden sollten.

Berührend und für mich verständlich ist das Verhalten von Klaus. Dass er ein Pflegekind in einer Nazi-Familie war, ist ihm ja bekannt, die Umstände nicht. Ich kann seine Vorbehalte seiner plötzlich aufgetauchten Familie gegenüber, gut verstehen. Jahrzehntelang im Glauben, ein Waisenkind zu sein, aufgewachsen zu sein und dann plötzlich eine vielköpfige Familie zu haben, das würde wohl viele aus der Bahn werfen. Dazu kommt, dass er ja mit der Propaganda, Polen wären minderwertig, groß geworden ist. Und nun ist er selbst einer? Die Gedanken, welcher Staatsbürger er nun sei, lassen sich gut nachvollziehen.
Ich kann verstehen, dass er sich nicht in das emotionale Chaos stürzen möchte, wenn er die Orte seiner Kindheit besuchen würde.

Der Schreibstil ist sehr sachlich. Trotzdem weckt er beim Lesen Emotionen, die zwischen Trauer, Wut und Freude hin und her gerissen sind. Die abgebildeten Fotos und Dokumente, die teils aus den Archiven und teils von der Familie stammen, ergänzen diese penibel recherchierte Biografie.

Fazit:

Die Geschichte von Klaus B. steht stellvertretend und exemplarisch für die Geschichte jener Kinder, die ihren Eltern gewaltsam entrissen wurden. Vielleicht gelingt es ja noch, die eine oder andere Familie zusammenzuführen.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Der Mann hinter den schnellen Boliden

Wie man ein Auto baut
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Adrian Newey ist der Mann hinter den Erfolgen der schnellen Boliden. In diesem Buch erzählt er, wie es gelingt ein Rennauto schnell zu machen. Newey plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen und erklärt augenzwinkernd, ...

Adrian Newey ist der Mann hinter den Erfolgen der schnellen Boliden. In diesem Buch erzählt er, wie es gelingt ein Rennauto schnell zu machen. Newey plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen und erklärt augenzwinkernd, dass das Ausreizen der festgelegten Regeln mit zum Spiel gehört.
In diesem Buch bietet er F 1-Fans und Technikinteressierten einen schönen, detaillierten Einblick in die Welt der schnellen Motoren.

Meine Meinung:

In spannenden Worten erzählt er seinen Werdegang vom eher faulen Schüler zum begnadeten Konstrukteur. Von March über Williams und McLaren bis hin zu seiner bislang letzten Station beim österreichischen Rennstall Red Bull, der in seinen Anfangstagen von allen anderen Teamchefs verlacht worden ist.

Witzig finde ich seine Eigenheit, nach wie vor am Reißbrett zu arbeiten. Das macht Newey irgendwie menschlicher.
Klasse auch der Einwurf eines Kartsport-Kollegen seines Sohnes Harri: „Dad, wir haben keine Chance. Schau dir den an – er hat Adrian Newey als Renningenieur und Mark Webber als Coach!“ (S. 272)

Nicht verschwiegen hat er uns seine Zweifel und Emotionen, als an jenem bösen Wochenende (30.4./01.05.1994) in Imola zuerst Rubens Barricello einen Unfall hat, dann Roland Ratzenberger im Training tödlich verunglückt und im Rennen Ayrton Senna in einem von ihm (Newey) konstruierten Rennwagen stirbt. Beim anschließenden Prozess wird das Team freigesprochen. Als Konsequenz wird das Reglement wieder verschärft und soll damit die Formel 1 sicherer machen.

Autofans erfahren darin jede Menge über Aerodynamik und das Konstruieren von Autos.

Zahlreiche Fotos und Skizzen runden dieses Buch, das sich hervorragend als Geschenk eignet, ab.
Die Aufmachung ist gediegen. Schon der Schutzumschlag enthält Konstruktionszeichnungen. Der Titel „Wie man ein Auto baut“ klingt stark nach britischen Understatement.

Fazit:

Ein tolles Buch, nicht nur für Fans der schnellen Autos. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Köstliche Fische

Frisch gefischt
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Dieses Buch ist ein wahrer Augenschmaus! Der Spitzenkoch und Fischfan Bart van Olphen nimmt uns mit auf eine Reise zu den besten Fischgründen rund um den Erdball.
Ob gebraten, gedünstet, gegrillt oder ...

Dieses Buch ist ein wahrer Augenschmaus! Der Spitzenkoch und Fischfan Bart van Olphen nimmt uns mit auf eine Reise zu den besten Fischgründen rund um den Erdball.
Ob gebraten, gedünstet, gegrillt oder roh: Fisch kann auf vielerlei Arten zubereitet werden. Er ist köstlich, häufig kalorienarm und gesund. Allerdings sollte er nachhaltig gefischt worden sein! Darauf legt der Autor größten wert.
Van Olphen stellt uns 100 seiner Lieblingsrezepte vor: Von Anchovis über Lobster zu Muscheln. Zu jedem Fanggebiet gibt es detaillierte Beschreibung von der Menschen, die ihre oft schwere Arbeit verrichten. Traumhafte Fotos ergänzen die interessanten Beiträge.

Ein paar Anregungen abseits von Fischstäbchen oder Karpfen gefällig?

• Vitello Tonnato
• Boquerones mit Tomatenbrot
• Gebratene Sardellen mit Knoblauch
• Linguine mit Anchovis, Mandeln & Salbei
• Oktopus-Salat
• Muschel-Curry nach Keralaischer Art
• Rotbarsch-Filets mit Knusperhaut & Quinoasalat
• Kabeljau mit Parmaschinken und Salbei
• Seehecht-Steaks mit gerösteter Paprika

Die Rezepte sind auf Grund der Schritt-für-Schritt-Anleitung einfach nach zu kochen.

Die Aufmachung des Buches ist hochwertig. Daher eignet es sich auch als perfektes Geschenk für Liebhaber von Fischgerichten und solchen, die es noch werden wollen.

Fait:

Ein Buch voll Köstlichkeiten aus dem Meer. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.12.2018

Das bewegende Schicksal des willy Blum

Das Kind auf der Liste
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Klappentext:

„Willy Blum war sechzehn Jahre alt, als er in Auschwitz Birkenau ermordet wurde. Von ihm blieb nur ein Name auf einer Liste, neben dem durchgestrichenen Namen Jerzy Zweigs, der durch Bruno ...

Klappentext:

„Willy Blum war sechzehn Jahre alt, als er in Auschwitz Birkenau ermordet wurde. Von ihm blieb nur ein Name auf einer Liste, neben dem durchgestrichenen Namen Jerzy Zweigs, der durch Bruno Apitz` Roman „Nackt unter Wölfen“ weltberühmt wurde. Über Willy Blum und seine Familie wusste man bislang nichts. Annette Leo hat sich auf die Suche gemacht und erzählt die Geschichte der Familie Blum und zugleich auch die Geschichte des Verschweigens einer Opfergruppe in der Nachkriegszeit: die der Sinti und Roma.“

Mit großem Interesse habe ich dieses Buch gelesen. Wie kann es sein, dass ein Jugendlicher freiwillig den Platz auf der Todesliste einnimmt? Oder ist er einfach ausgetauscht worden, weil jemand für Jerzy Zweig eine Wache bestochen hat? Und, was macht es mit dem Geretteten? Denkt er der daran, dass an seiner Statt ein anderer sterben musste?

Das Buch enthüllt eine ganz andere Geschichte, als ich sie erwartet habe. Die eine Frage wird recht bald beantwortet: Willy wollte seine Brüder nicht allein in den Tod gehen lassen.

Annette Leo begibt sich auf Spurensuche nach Willy Blum und seiner Familie. Anfangs ist nicht viel zu erfahren. Die Familie ist seit Generationen Marionettenspieler. Sie ziehen – immer mit einer Genehmigung – von Ort zu Ort, um die Leute mit ihren Darbietungen zu erfreuen. Nach und nach gelingt es der Autorin Details aus dem Leben der Familie Blum ausfindig zu machen.
Die Geschichte von Willy und seiner Familie steht stellvertretend für die vielen Roma und Sinti, die während des NS-Regimes verhaftet und ermordet wurden.
Doch auch nach 1945 haben sich die deutschen (und österreichischen) Behörden nicht mit Ruhm bekleckert. Ansprüche der Überlebenden wurden (und werden) nicht anerkannt und wenn, müssen sie langwierig eingeklagt werden und reichen kaum zum Leben. Man macht den Roma und Sinti-Familien nach wie vor das Leben schwer. Man verbannt sie an den Ortsrand, die Kinder werden in den Schulen gemobbt und sie erhalten keine oder nur schlechte Jobs.

Fazit:

Ein sehr berührendes und aufwühlendes Buch, dem ich gerne 5 Sterne gebe.