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Veröffentlicht am 13.01.2019

Ungelöste Fälle

Die Welt ist böse!
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Julian Hannes ist auf YouTubbe unter dem Namen „Jarow“ bekannt. Dort schildert er Kriminalgeschichten und hat eine große Fan-Base. Eine Auswahl von sechs der dreizehn auch in seinem Buch geschilderten ...

Julian Hannes ist auf YouTubbe unter dem Namen „Jarow“ bekannt. Dort schildert er Kriminalgeschichten und hat eine große Fan-Base. Eine Auswahl von sechs der dreizehn auch in seinem Buch geschilderten Fälle hat er auf diesem Hörbuch selbst eingelesen.

Die Geschichten sind sehr spannend und enorm interessant. Der Mensch kommt mit offenen Enden nicht klar, deshalb sind diese Fälle besonders faszinierend. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie man diese Fälle doch noch lösen könnte. Fast immer hat man einfach das Gefühl, dass die Lösung zum Greifen nahe ist und es einfach nicht sein kann, dass niemand dahinterkommt.

Dass Julian Hannes sich diesem Thema so intensiv und inbrünstig annimmt, kann ich sehr gut verstehen, da ich ein großer Fan von Sendungen, wie „Medical Detectives“, „Autopsie“ oder „Anwälte der Toten“ bin. Das mag morbide klingen, aber mir gefällt es, wie Forensiker auch teils sehr alte Fälle lösen. Die Gründe, die zu einer Tat führen, ändern sie nicht, machen sie nicht ungeschehen, aber sie interessieren mich und ich habe immer das Gefühl, dass dies ein Teil der Gerechtigkeit ist. Bei den hier gesammelten Fällen fehlt dieser Gerechtigkeitsteil. Das macht sie extrem bewegend. Für mich zumindest. Als Bonus erzählt „Jarow“ noch ein gruseliges Ereignis aus seiner Kindheit, das ihn in der Jugend wieder einholte. Sehr spannend!

Die Stimme von Julian Hannes ist super angenehm und ich könnte ihn mir auch sehr gut für Sprecher von anderen Hörbüchern vorstellen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und seine Intonation gefällt mir absolut. Ich habe auch seinen Gedanken zu den Fällen sehr interessiert gelauscht. Vom einen oder anderen Fall hatte ich schon zuvor gehört oder gelesen und mir selbst so meine Gedanken gemacht. Ich denke, mit Julian Hannes über sie zu diskutieren, wäre wirklich bereichernd!

Ich werde auch künftig kein YouTube-Follower werden, selbst nicht bei einem so genialen Thema. Ich weiß, damit bin ich nicht zeitgemäß. Damit kann ich leben. Ich genieße Bücher und Hörbücher und wie man sieht, landen die wirklich guten Kanäle früher oder später eben auch in diesen Medien! Von mir bekommt „Die Welt ist Böse“ jedenfalls als Hörbuch fünf blankpolierte Sterne!

Veröffentlicht am 12.01.2019

Ein kleines Weihnachtswunder

Dafür ist man nie zu alt
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Pia ist 19 und fühlt sich viel zu alt, um mit ihrer Familie Weihnachten zu verbringen. Nur widerwillig fährt sie die sechs Stunden im Zug. Sie ist doch schon viel zu alt für solchen Kinderkram! Als sie ...

Pia ist 19 und fühlt sich viel zu alt, um mit ihrer Familie Weihnachten zu verbringen. Nur widerwillig fährt sie die sechs Stunden im Zug. Sie ist doch schon viel zu alt für solchen Kinderkram! Als sie dann noch feststellt, dass ihre Eltern Nic, den Feind (!) aus Kindertagen, eingeladen haben, hat sie noch weniger Lust dazu. Während ihre Eltern noch die letzten Besorgungen erledigen, soll Pia mit Nic und Feli den Baum schmücken.


Aus einer Kurzgeschichte wurde hier in Zusammenarbeit mit der Autorin eine Erzählung. Vanessa Eckart liest sie perfekt ein. Genau richtig nölig und frech und überheblich, aber immer noch sehr sympathisch. Wie eben eine 19jährige so sein kann, wenn sie davon überzeugt ist, als einzige richtig zu denken und zu handeln!

Die kleinen Wendungen sind teils vorhersehbar, teils arg konstruiert, aber dennoch ist die Geschichte insgesamt richtig schön, macht Laune und ist ideal geeignet, um sie jedes Jahr an Weihnachten bei den letzten Vorbereitungen noch mal zu hören. Knapp eineinhalb Stunden witzige, peppige, lustige und ein wenig ironische Minuten, die mich doch stellenweise auch arg an mich selbst erinnert haben, sind wie im Flug vergangen.

Der Unterschied zwischen der weihnachtsbegeisterten Feli, der 6jährigen Nesthäkchen-Schwester von Pia, und Pia selbst, die ein kleiner Grinch ist, könnte größer kaum sein und dennoch sind sie sich innig verbunden. Auch macht genau das viel vom Charme und Witz des Hörbuchs aus. Da zeigt die Kleine der Großen unbeirrt, wie schön das Leben und Winter und Schnee und Weihnachten sein können – und auch, dass Nic gar nicht so übel ist, wie Pia immer dachte. Die Kinderstreiche, die er ihr immer gespielt hatte, waren wohl doch keine Mordanschläge, wie sie immer dachte!

Ein Jugendbuch? Ein All-Age-Buch? Ein Buch für Erwachsene? Ich finde – Dafür ist man nie zu alt! Die Geschichte ist trotz ihrer Kürze sehr aussagekräftig und hat mir richtig gut gefallen – deshalb gebe ich auch gern die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 11.01.2019

Ein Team ist so stark, wie sein Zusammenhalt

Absolute Gewinner
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Luca ist ein Einzelgänger und liebt es, auf dem „Günni“, dem Basketballplatz seiner Schule, Moves zu üben und Bälle zu werfen. Als eines Tages der Hausmeister auf die Idee kommt, ihn und weitere Kids als ...

Luca ist ein Einzelgänger und liebt es, auf dem „Günni“, dem Basketballplatz seiner Schule, Moves zu üben und Bälle zu werfen. Als eines Tages der Hausmeister auf die Idee kommt, ihn und weitere Kids als Team zu trainieren und beim „Night Move“ mitzumachen, glaubt Luca, dass das eine verrückte Idee ist und niemals funktionieren kann. Aber er lässt sich auf das Abenteuer ein, da Jana auch im Team ist und er sie sehr mag. Kurz vor einem wichtigen Spiel verschwindet der Trainer und die Kids müssen, um weiterzukommen, eine Lösung finden. Doch dann kommt alles anders, als sie je gedacht hätten …

Wer weder Interesse noch auch nur ein klein wenig Ahnung von Basketball hat, wird über ein paar Begriffe stolpern und manche Stellen nicht so ganz verstehen, wenn es um Spielzüge und Taktiken geht. Doch ich vermute, damit tun sich Erwachsene wohl schwerer, als die eigentliche Zielgruppe der Leser zwischen 12 und 15 Jahren. Als Kind und Teenager habe ich auch viel Zeit auf dem Basketballplatz verbracht, aber seither sind so einige Jährchen ins Land gezogen. Trotzdem – das Buch hat mich problemlos zurückgebeamt und ich stand mit Luca, Jana, Heinrich und den anderen auf dem Platz.

Zu Beginn ist es eine leicht ironische Geschichte über das Teenager-Sein an einer Schule, mit all den Gedanken und Problemen, die man in dieser Zeit so hat. Hier plätschert es so vor sich hin. Nicht uninteressant, aber auch nicht besonders spannend. Das ändert sich dann aber, sobald die Kids auf dem Platz sind. Eine Handvoll Einzelgänger, die sich mehr oder weniger selbst als Außenseiter und Loser sehen, treffen aufeinander und erkennen, dass im Grunde alle ganz ähnliche Probleme haben. Sie wachsen immer mehr zusammen, respektieren aber auch Regeln und Abstände. Das ist nicht zuletzt ihrem Trainer zuzuschreiben, der, das merkt man recht schnell, eine besondere Rolle einnimmt. Wie besonders, kommt erst spät zum Tragen, dafür aber umso effektvoller.

Die Sprache, die Scheuring Luca, dem Ich-Erzähler, gibt, ist altersgemäß. Ich musste oft schmunzeln, wenn Einschübe kamen, wie „Sag ich jetzt mal so.“. Ich empfand nichts als extrem übertrieben, sondern alles recht realitätsnah. So geschrieben, dass die Zielgruppe Spaß daran hat, aber eben nicht hanebüchen.

Gut gelungen ist auch, wie der Autor die Kriege in und um Jugoslawien bzw. Kroatien, Serbien und Bosnien eingebaut und beschrieben hat. Hier wird den Kids gut und angepasst vor Augen geführt, was Kriege bedeuten und bewirken. Das recht kurz und knapp, aber auch ohne erhobenem Zeigefinger – die Kids kommen ganz allein drauf, was das heißt.

Ein klein wenig Krimi plus „Emil und die Detektive“ in modern kommen noch obendrauf. Es macht also wirklich riesig Spaß und wird nie langweilig. Der Wert von Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue, Zusammenhalt kommt klar raus. Gefällt mir. Gefällt mir außerordentlich gut. Deshalb gibt das dann in Konsequenz auch fünf Sterne!

Veröffentlicht am 09.01.2019

Neun kleine Mutmacher

Kleine Fluchten
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Mit ihren Romanen hat sie mich für sich gewonnen, wenn ich auch mit jedem weiteren ein wenig von der Begeisterung, die „Ein ganzes halbes Jahr“ auslöste, verloren habe. Deshalb war ich neugierig, wie diese ...

Mit ihren Romanen hat sie mich für sich gewonnen, wenn ich auch mit jedem weiteren ein wenig von der Begeisterung, die „Ein ganzes halbes Jahr“ auslöste, verloren habe. Deshalb war ich neugierig, wie diese Autorin Kurzgeschichten hinbekommt. Ich bin beeindruckt! Nicht alle fand ich total gelungen, aber die meisten haben mich doch gerührt oder zum Lachen gebracht oder einfach nur zum Nachdenken angeregt.

Alle neun Geschichten sind total unterschiedlich. Da ist keine Ähnlichkeit, nicht die geringste. Das ist schon mal ein Pluspunkt! Die Frauen in diesen Geschichten sind alle komplett neu gezeichnete Figuren. Keine davon ist „alltäglich“, jede auf ihre Art und Weise ganz besonders. Was sie verbindet, ist, dass jede etwas erhofft oder erwünscht. Alle jedoch etwas anderes und aus anderen Gründen. Bunt, wie das wahre Leben.

Auch gefällt mir, dass all diese Geschichten tatsächlich genau so hätten geschehen sein können. Da ist nichts total übertrieben oder unrealistisch, selbst bei den überraschendsten Wendungen nicht. Zu jeder Geschichte bekommt der Leser eine Illustration von Daniela Terrazzini im Stil von Scherenschnitten, aber mit ein wenig Farbe als Highlight. Das gefällt mir sehr – so hat man ein gewisses Bild, aber noch Raum für die eigene Fantasie. Auch wenn es für die Geschichten recht unwichtig sein mag – ganz besonders bewegt mich der Vogel am Anfang des Buches im Hinblick auf die allerletzte Illustration im Buch. Da mag ich nicht mehr verraten, aber im Grunde ergeben diese beiden Bilder eine sehr gute Beschreibung des ganzen Buches.

Man könnte die Geschichten als klischeehaft bezeichnen. Aber in meinen Augen sind sie das nicht wirklich. Sie machen Mut, sie zeigen, dass „jeder sein Päckchen zu tragen hat“ und sie zeigen, wie es gehen könnte – oder eben auch nicht, denn am Ende entscheidet der Leser ja, wie er das findet, was er gerade gelesen hat.

Auch wenn mir ein, zwei Geschichten nicht so gut gefallen haben, ist das Büchlein insgesamt wunderbar. Deshalb bekommt es trotzdem die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 02.01.2019

Kultur tanken statt am Ballermann abstürzen

Lonely Planet Culture Trails
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Im Buch findet man 52 Wochenendtripps zu kultigen Orten in 32 Ländern, wobei man das eine oder andere Wochenende auf bis zu vier, fünf Tagen ausdehnen sollte. Und der eine oder andere wird sich auch noch ...

Im Buch findet man 52 Wochenendtripps zu kultigen Orten in 32 Ländern, wobei man das eine oder andere Wochenende auf bis zu vier, fünf Tagen ausdehnen sollte. Und der eine oder andere wird sich auch noch länger an diesen Orten aufhalten können und wollen. Damit ist es mit einem Augenzwinkern zu verstehen, dass für jede Woche des Jahres eine Tour vorgestellt wird.

Die Rückseite des Buches deutet es mit der stilisierten Farb-Palette und dem Pinsel sehr gut an: Der Inhalt ist bunt und inspirierend! Schon das im Buch Blättern, das Lesen, macht Lust auf die Reisen. Ganz wie es sich für einen Reiseführer gehört, werden die einzelnen „Sehenswürdigkeiten“ gut umrissen und erklärt. Es geht um besondere kulturelle Ereignisse und Erlebnisse, alte und neue Kultur in allen Bereichen: Literatur, Kunst, Architektur, Musik, Theater, Tanz, Festivals, Film, Fernsehen und sogar Comic. Es wird also jeder Bereich abgedeckt, auch wenn die 52 Ziele, die ein ganzes Jahr abdecken, kaum jemand der Reihe nach besuchen können wird. Die Vorstellung aber ist zauberhaft!

Zu jedem vorgestellten Ort gibt es ein Thema, einen roten Faden. Dabei werden mehrere entsprechende, passende Orte (von Gebäuden über Museen bis zu Friedhöfen ist alles vertreten) kurz vorgestellt. Darauf folgen „Wichtige Informationen“: Schlafen, Essen & Trinken, Events. Auf einer groben Weltkugel sieht man, wo sich diese Orte befinden. Zudem bekommt man auf jeder Seite unzählige wunderschöne Fotos zu sehen. Die alleine sind das Buch schon wert! Man möchte einfach mit eigenen Augen sehen, was auf diesen Bildern zu sehen ist.

Die Texte sind unterhaltsam und informativ. Hier wurde mit sehr viel Liebe zum Detail gearbeitet und nichts dem Zufall überlassen. So findet sich für jeden Geldbeutel, ob gut gefüllt oder immer ziemlich leer, und für jede Altersgruppe eine Auswahl an Zielen für Kulturliebhaber.

Wunderbar! Einfach gelungen! Fünf Sterne!