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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2019

Ist ganz okay

So schöne Lügen
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Louise ist vor Jahren mit dem Traum etwas zu erreichen und bekannt zu werden nach New York gekommen. Jahre später hält sie sich mit mehreren Nebenjobs über Wasser und muss erkennen, dass sie ihre Chance ...

Louise ist vor Jahren mit dem Traum etwas zu erreichen und bekannt zu werden nach New York gekommen. Jahre später hält sie sich mit mehreren Nebenjobs über Wasser und muss erkennen, dass sie ihre Chance verpasst hat und zu "alt" für New York ist. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals trifft sie auf die unbekümmerte Lavinia, die alles hat, was Louise sich je wünschte: Geld, Popularität, einflussreiche Kontakte und gute Bildungsmöglichkeiten an den Top-Universitäten der USA. Zwischen beiden entwickelt sich eine schädliche Beziehung und nach einiger Zeit verliert die wechselhafte Lavinia das Interesse an Louise, die alles versucht um sie zu halten und ihren luxuriösen Lebensstil aufrecht erhalten zu können.

Der Klappentext hat mich insofern neugierig gemacht, dass ich mich auf eine aufregende Mischung aus Gossip Girl und Pretty Little Liars gefreut habe, in denen Glamour, Lügen und ausnutzende Beziehungen an der Tagesordnung sind. Dahingehend hat mich das Buch leider enttäuscht.

Der Schreibstil ist sehr distanziert und oberflächlich gehalten, was zwar die Bindung zu den Protagonisten erschwert, andererseits aber passend zu den Beziehungen der Geschichte ist und diese hervorragend widerspiegelt. Insofern empfand ich ihn als erfrischend und angemessen zum Inhalt.

Leider blieben die Intrigen und Lügen aus bzw. fielen gering aus. Einzig die unterwürfige Beziehung und Lavinias Unvermögen dauerhafte (freundschaftliche) Beziehungen einzugehen, werden thematisiert. Das ein oder andere Geheimnis besteht zwischen beiden, aber ab der Hälfte des Buches ist es auch damit vorbei. Dann nimmt die Geschichte eine Wendung und geht mehr Richtung Thriller, allerdings nicht annähernd so intensiv, dass es als Thriller durchgehen könnte. Einige Aspekte und Elemente werden integriert, die schon intensiv und schockierend sind, allerdings wird auch hier nur an der Oberfläche gekratzt, sodass die Tiefe fehlte. Vor allem Lavinias Charakter und ihre Hintergründe, die zu solch einem Verhalten führen, haben mich besonders interessiert, wurden allerdings kaum beleuchtet. Da wurde meiner Meinung nach Potential verschenkt.

Wirklich sympathisch war mir nur eine Person, die wie ich finde noch am authentischsten und aufrichtig war, mit einer gewissen Moral. Diese konnte die Geschichte jedoch nicht mehr retten, sodass ich nicht zufrieden mit dem Buch abgeschlossen habe. Das Ende bleibt teilweise offen und hinterlässt viele mögliche Anknüpfungspunkte, was mir hier ziemlich gut gefiel.



Insgesamt eine durchaus interessante Geschichte, die allerdings zu oberflächlich und distanziert geschrieben ist und zu wenig über die einzelnen Personen verrät. Durch die Distanz wird nur unterschwellige Spannung erzeugt, die zumindest zum Weiterlesen animiert, mehr aber auch nicht. Ich habe mehr erwartet.

Veröffentlicht am 03.04.2019

Schwierig...

Außer sich
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Nach dieser Nacht, die alles für immer verändert hat, steht Romy alleine da. Alle halten sie für eine Lügnerin. Die Mitschüler, die Lehrer, der Sheriff und vor allem ihre beste Freundin Penny. Nur ihre ...

Nach dieser Nacht, die alles für immer verändert hat, steht Romy alleine da. Alle halten sie für eine Lügnerin. Die Mitschüler, die Lehrer, der Sheriff und vor allem ihre beste Freundin Penny. Nur ihre Mutter und deren Lebensgefährte halten zu ihr. Nach einer verhängnisvollen Party verschwindet Penny spurlos und Romy ahnt, dass es etwas mit ihr zu tun haben muss.



Mich hat das Thema, welches hier angesprochen wird, sofort zugesagt und neugierig gemacht. Daran lag es nicht, dass ich das Buch schwierig fand, sondern ehr am Umgang mit diesem Thema. Der Schreibstil ist sehr direkt, schonungslos und mit eindrucksvollen, genauen Wortspielen und Metaphern geschmückt, die Romys Leid nur erahnen lassen, dabei schon ins Poetische gehen und teilweise wunderschöne und so ehrliche Sätze bilden.

Romy ist sehr distanziert und verschlossen. Oftmals habe ich mich ein wenig über ihre Passivität und die Resignation geärgert, wenn andere sie verurteilt und gedemütigt haben. Nach und nach wird aber das Nicht-Auffallen und Unsichtbarsein als ihre Strategie, um all das zu ertragen, ersichtlich und ich verstand besser warum sie sich so verhält. Dennoch fühlte es sich so an als würden die anderen immer wieder gewinnen, da sie sie sprachlos und angreifbar machen. Damit komme ich auch zu dem wichtigsten Aspekt, der mich so gestört hat. Und zwar die hasserfüllte Art und der Umgang der Mitschüler, Lehrer und vieler Bewohner der Stadt in der sie lebt mit ihr und ihrer Familie. Romy wird durchgehend gedemütigt, herabgewürdigt, abgewertet, beleidigt und unmenschlich behandelt und das nur weil sie etwas erzählt hat, was niemand ihr glaubt? Beim Lesen war ich oft total wütend und noch viel fassungsloser ob dieses Umgangs miteinander. Bei den Jugendlichen kann man es ihnen zumindest ein wenig nachsehen, aber das Verhalten der Erwachsenen ist nicht weniger schlimm. Dass Romy es dort so lange aushält, ist für mich bewundernswert und dass sie (dort) noch lebt, bei all dem Hass, unglaublich. Das zieht sich leider durch die ganze Geschichte und ich war immer wieder schockiert wie gleichgültig das Thema Vergewaltigung hingenommen wird und total runtergespielt, als wäre das nur ein Scherz oder dergleichen! In so einer Gesellschaft will ich nicht leben, das ist einfach furchtbar und deswegen habe ich das Buch monatelang gelesen, da ich diese Wut und den Hass nicht länger am Stück beim Lesen ertragen konnte und mich regelrecht geekelt habe überhaupt etwas über die meisten anderen Charaktere lesen zu müssen. Diesbezüglich finde ich, hat die Autorin vielleicht ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, wobei das Buch dann nicht so ausdrucksstark und eindringlich wäre.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Subtile Psychologie eines Stalkers

YOU – Du wirst mich lieben
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Ein einziger Augenblick, eine unheilvolle Begegnung und sie sind vom Schicksal füreinander bestimmt, zumindest wenn es nach Joe ginge. Als er die umwerfende Guinevere in seinem Buchladen trifft, ist er ...

Ein einziger Augenblick, eine unheilvolle Begegnung und sie sind vom Schicksal füreinander bestimmt, zumindest wenn es nach Joe ginge. Als er die umwerfende Guinevere in seinem Buchladen trifft, ist er sofort hin und weg und entwickelt eine Obsession. Fortan verfolgt er sie über ihre Social Media Kanäle und stalkt sie auch zu ihrer bis Wohnung, zur Uni, sogar zu den Treffen mit ihren Freundinnen. Geschickt räumt er alle Hindernisse, die zwischen ihnen stehen, aus dem Weg, bis sie sich ihm freiwillig hingibt, doch viel zu schnell wird aus ihrer Beziehung ein tödliches Spiel und sie begreift zu spät wer er ist...

Sofort ist mir der ungewöhnliche Erzählstil aufgefallen, der ziemlich unspektakulär aus Joes Ich-Perspektive erzählt, doch wird der Leser/die Leserin mit Du angesprochen, als wäre man Guinevere, der er all das beschreibt was geschieht. Solch ein Stil ist mir bisher nicht bekannt gewesen und konnte mich sofort catchen und überzeugen, sodass ich unglaubliche Lust hatte weiterzulesen. Diese Neugier relativiert sich allerdings im Laufe der Geschichte und die daraus resultierende Besonderheit verliert sich zunehmend. Die eigentliche Liebesgeschichte zwischen beiden entwickelt sich ziemlich langsam und es werden viele Beobachtungen, Meinungen und Angesichten von Joe sehr ausführlich beschrieben, sodass sich alles ziemlich in die Länge zieht, worunter leider auch die Spannung leidet und alles zäh wirken lässt. Joe ist in gewisser Weise berechenbar, da er außerordentlich akkurat und gründlich plant wie er die Hindernisse aus dem Weg räumen möchte, in der Praxis allerdings oft spontan reagiert, was seinen Handlungen eine Holprigkeit verleiht. Durch seine Sichtweise kann man seinen Gedankengängen gut folgen und versteht auch wie gewisse Schlüsse zieht und wie er über seine Beziehung zu Guinevere denkt. Das ist ziemlich aufschlussreich auf der anderen Seite aber auch verstörend. Er ist ein Psycho, aber keinesfalls impulsiv oder begeht Taten aus Rache oder anderen solcher niederen Gründe, was ihn mit etwas Sympathisch gemacht hat. Guinevere habe ich als einfältig, dümmlich, naiv, teilweise psychisch labil in Erinnerung. Sie war mir überhaupt nicht sympathisch. Ich weiß wirklich nicht was Joe an ihr gefunden hat. Er erfährt so viele Dinge über sie und will sie trotz allem, begeht daraufhin schlimme Taten, die teils unnötig sind, und sie ändert sich ja doch nicht, bei all dem Verständnis und der Aufrichtigkeit die er ihr entgegenbringt, mal abgesehen von seinen kriminellen Machenschaften. Wie die überhaupt in eine Beziehung geraten sind, ist mir schleierhaft. Sie passen nicht zueinander, meiner Meinung nach. Schon eine außergewöhnliche Geschichte für mich, wenn ich den Killer als sympathisch bezeichne und das eigentliche Opfer nicht leiden kann. Daran mag vermutlich auch die Perspektive seinen Beitrag haben.

Subtiler Psychoterror, der sich erst langsam entwickelt und in einem tödlichen Höhepunkt endet.

Veröffentlicht am 16.10.2018

Alltägliche Geschichten über Schuld

Schuld
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In diesem Werk stellt der Autor fünfzehn kurze Geschichten vor, in denen es zwar um Schuld geht, die Schuldigen scheinen allerdings nicht in jedem Fall eindeutig und es wird die Frage nach der Mitschuld ...

In diesem Werk stellt der Autor fünfzehn kurze Geschichten vor, in denen es zwar um Schuld geht, die Schuldigen scheinen allerdings nicht in jedem Fall eindeutig und es wird die Frage nach der Mitschuld aufgeworfen.Am Ende bleibt die Frage, wer denn nun der wahre Schuldige/die wahre Schuldige ist und was Schuld überhaupt ist.

Einige Geschichten empfand ich als ausgefallener, die meisten waren allerdings zumindest so unscheinbar, dass sie durchaus auch täglich vorkommen könnten. Und genau das macht das Buch einerseits authentisch und bringt so ausreichend Nähe zur Realität, sodass es einen dazu anregt ernsthaft darüber nachzudenken inwiefern Schuld eine Rolle im tagtäglichen Leben spielt und aus welchen Positionen diese betrachtet werden kann.

Andererseits hatte ich mir mehr Außergewöhnlichkeit von diesem Buch versprochen. Dazu waren die Geschichten zu unausgeführt und zu gewöhnlich. Es kam mir vor, als hätte ich die meisten Geschichten schon zahlreiche Male irgendwo in anderen Büchern oder auch in Filmen gehört/gelesen und daher erschien es mir zu einfältig und zu klassisch um irgendwie hervorzustechen und zu überzeugen.

Veröffentlicht am 16.10.2018

Überflüssige Längen und wenig Spannung

Der Abgrund in dir
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Die junge Rachel wächst unter schwierigen Bedingungen auf und verliert schon früh ihre Familie. Geplagt von Selbstzweifeln und, im späteren Verlauf, seelischen Leiden, trifft sie auf den Detektiv Brian ...

Die junge Rachel wächst unter schwierigen Bedingungen auf und verliert schon früh ihre Familie. Geplagt von Selbstzweifeln und, im späteren Verlauf, seelischen Leiden, trifft sie auf den Detektiv Brian Delacroix, der ihr bei der Suche nach ihrem Vater helfen soll, der ein gut gehütetes Geheimnis ihrer Mutter geblieben ist, das sie mit ins Grab genommen hat. Nach erfolgloser Suche dümpelt Rachels Leben so vor sich hin und sie macht Karriere bis ein beruflicher Zusammenbruch alles verändert und sie wieder alleine zurückbleibt. Jahre später trifft sie wieder auf Brian und die Farce aus Lügen, Betrug und Verrat ihren Lauf nimmt.

Da mir eines der anderen Werke des Autors (Shutter Island) mit seinem unvorhersehbaren Twist super gefallen hat, hatte ich große Erwartungen an den äußerst spannend klingenden Klappentext und hoffte auch mit einem ähnlich überraschenden und schockierenden Umschwung in der Geschichte. Doch leider konnten mich die Handlungen nicht so begeistern wie erhofft. Stellenweise gibt es viele Längen, die ausgefüllt mit irgendwelchen, in meinen Augen, unwichtigen Fakten und Geschehnissen aus Rachels Leben sind, dabei leider keinerlei Spannung aufbauen. Erst als sie und Brian sich näher kommen, beginnt die "eigentliche" Geschichte. Alles zuvor ist bloß unnötiges Geplänkel und überflüssig. Rachel war mir insgesamt nicht unbedingt sympathisch, aber sie steht für ihre Ansichten und Meinungen ein, auch wenn das bedeutet, dass sie anderen dabei auf die Füße tritt und letztendlich auch unschöne Konsequenzen tragen muss. Das bewunderte ich an ihr, wenngleich sie mir öfters psychisch labil erschien, was nicht zuletzt auch mit der seltsamen Beziehung zu ihrer Mutter zu tun hat. Mir scheint sie hat sich das perfekte (Schein-)leben aufgebaut, welches sie aber im Herzen nicht glücklich macht und nicht zu ihr passt. Und letztendlich fällt das Kartenhaus auch in sich zusammen und wieder einmal merkt sie welche verkorkste Beziehungen sie besitzt. Die Auflösung rund um Brian war sehr spannend und erregend zu verfolgen und ich wäre niemals auf die ganze Auflösung gekommen, die ich wirklich gut gelungen finde. Das macht den vorhergehenden Teil allerdings nicht wett und war meiner Ansicht nach auch nicht so verstörend und überrumpelnd wie Shutter Islands Twist. Teils wirkte das Ende an den Haaren herbeigezogen, auch wenn der Autor die Auflösung gut durchdacht zu haben schien.

Ein Werk, welches einige unvorhersehbare Wendungen bereithält, mich allerdings aufgrund der unnötigen uninteressanten Längen nicht überzeugen konnte.