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Veröffentlicht am 25.01.2019

Geschichtsträchtig, sagenumwoben und spannend

Der Bornholm-Code
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Die Geschichte um den Taucher und Archäologen, Frank Stebe, ist nicht nur historisch und politisch interessant, sondern in der zweiten Buchhälfte auch hochspannend und rasant.

Frank Stebe, der von seinem ...

Die Geschichte um den Taucher und Archäologen, Frank Stebe, ist nicht nur historisch und politisch interessant, sondern in der zweiten Buchhälfte auch hochspannend und rasant.

Frank Stebe, der von seinem ehemaligen Kollegen Lars Behrends über einen römischen Fund in der Ostsee vor Bornholm informiert wird, lässt sich von dem archäologischen Sog infizieren. Sofort lässt er sein eigentliches Leben als Tauchlehrer auf Mallorca ruhen. Sein Archäologenherz treibt ihn zurück an seine alte Wirkungsstätte. Seine eingemottete Theorie von der Verbindung der Schlacht in Teutoburger Wald mit dem Nibelungenlied ist wiederbelebt.

Mir hat sehr gut gefallen, wie analytisch dieser Zusammenhang auch mit den unterschiedlichen Versionen der Nibelungen hergestellt wird.

Allerdings gibt es auch andere, weniger ehrenhafte, Interessenten an den Grabungen. Extremistische Kräfte wollen die geborgenen Artefakte zur Befeuerung ihrer kranken Ideologie missbrauchen.

Frank Stebe ist der ehrgeizige Archäologe, der sich aufgrund eines Unglücks bei einer früheren Grabung noch mit Schuldgefühlen plagt. Er glaubt hier nachträglich etwas wieder gut machen zu müssen. Dass er durch sein Handeln Gefahr läuft, die wirklich wichtigen Dinge im Leben aus den Augen zu verlieren, bemerkt er zunächst nicht. Auch merkt er erst nach und nach, eine weitere Bedrohung auf ihn zurollen.

Lars Behrends ist nicht nur Franks rechte Hand und sein Freund, sondern besonders zu Beginn auch sein schärfster Kritiker. Er deckt Unstimmigkeiten in Franks Theorie auf, spornt ihn an. Gemeinsam sind Frank und Lars ein unschlagbares Team. Obwohl sie sich nicht immer einig waren, im Zweifel konnten sie sich bedingungslos aufeinander verlassen.

Beide Charaktere waren mir sympathisch mit ihren menschlichen Zügen und kleinen Verfehlungen. Sie kamen sehr glaubwürdig rüber.

Sigmund Adalbrecht Erkmar Ottokar Rembert Arminius Graf von Hirschmann ist der kranke, ideologische Kopf, im Hintergrund des deutschen Phönix. Die „neue“ Welt oder Wahrheit, die er schaffen will, ist für mich untragbar. Daher kann ich an ihm auch überhaupt nichts Gutes finden.

Der Lesefluss wird gut durch den Schreibstil unterstützt. Im archäologischen Teil habe ich das Buch ein paar Mal zur Seite gelegt, um die vielen Informationen sacken zu lassen und für mich die Argumentationsketten nachzuvollziehen. Den zweiten Teil des Buches habe ich dann nur so verschlungen. Ich kann das Buch allen Fans von Geschichte uneingeschränkt weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Enkel im Goldenen Käfig

Ich war der letzte Bürger der DDR
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„... dem Karl Liebknecht, dem haben wir‘s geschworen, der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand“ „Was man ihnen geschworen hatte und warum man ihnen die Hand reicht, bleibt den meisten Kindern verschlossen.“ ...

„... dem Karl Liebknecht, dem haben wir‘s geschworen, der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand“ „Was man ihnen geschworen hatte und warum man ihnen die Hand reicht, bleibt den meisten Kindern verschlossen.“ (S. 38)

Roberto Yáñez wächst als Enkel der Honeckers auf. Sein Großvater, Erich Honecker, liebt den Jungen über alle Maßen, genießt seine Gesellschaft. Als Opa gönnt er Roberto alles, lässt ihm einiges durchgehen. Margot Honecker dagegen mischt sich als Volksbildungsministerin der DDR über den Kopf der Mutter hinweg massiv in Robertos Erziehung ein. Margot Honecker wird nicht müde, ihm ihre Ideale einzutrichtern. Bis weit über die Wende hinaus hält sie ein Stückchen DDR in ihrem kleinen Haus in La Reina am Leben. Erst mit ihrem Tod endet die sozialistische Erziehung von Roberto Yáñez.

Roberto Yáñez habe ich im Verlauf seiner Lebensgeschichte unterschiedlich wahrgenommen. Zunächst kam er mir überdurchschnittlich verwöhnt vor. Der im Vergleich zu anderen DDR-Bürgern einfache Zugriff auf gute DDR-Waren oder auf Westprodukte hat seine Einstellung gegenüber der Wertigkeit von Dingen negativ beeinflusst. Auch das Leben unter den Politstars mit mehreren Urlauben pro Jahr, Rundum-Sorglos-Personal und so weiter hat Roberto ganz schön arrogant gemacht. Nachdem die von der Großmutter skizzierte Welt aufhört zu existieren und Oma und Opa plötzlich als Feind angesehen werden, bricht Robertos Welt zusammen, seine Wahrheit gilt nicht mehr. Verstärkt werden die Auswirkungen des Zusammenbruchs der DDR auf den Enkel durch einen Schicksalsschlag, der sich kurz zuvor ereignet und ohnehin schon eine Krise bei den Yáñez‘ ausgelöst hatte. In dieser Phase kam ich ihm näher, hatte irgendwo Mitleid und konnte mich auch selbst in Teilen seiner Gedanken wieder erkennen. Für mich waren in seinem Fall auch die Suchtprobleme und die lange Orientierungslosigkeit nachvollziehbar.

Margot Honecker, der in Robertos Lebensgeschichte aufgrund ihres Einflusses viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, wirkt irgendwie aus der Zeit gefallen. Ihre Ideale zur sozialistischen Erziehung in den Bereichen Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung sind starr, als würde sich die Erde nicht weiterdrehen. Evolution in der sozialistischen Erziehung findet nicht statt.

„Ich war der letzte Bürger der DDR“ ist ein ansprechendes, recht persönliches Sachbuch, das in meiner Wahrnehmung eine ehrliche, nicht verklärende Sicht einnimmt. Es ist interessant geschrieben, mit zahlreichen Fotos bestückt, lässt durch seinen Sprachstil eigene Kindheitserinnerungen wieder aufleben. Es tauchten Worte wie „Jünglingsschwärmerei“ (S. 48) und „Mundschenk“ (S. 78) auf oder Formulierungen wie „… um die Prinzessin zu freien …“ (S. 82). Die Worte lösten ein Schmunzeln aus, weil ich sie schon ewig nicht mehr gehört oder gelesen hatte. Fazit: Ich empfehle dieses Sachbuch allen, die Mal einen anderen Blick auf die deutsche Geschichte werfen möchten.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Loblied auf ein Genie

Stephen Hawking: Denken ohne Grenzen
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Frank Strickstrock hat in „Denken ohne Grenzen“ Beiträge von zahlreichen Begleitern Stephen Hawkings zusammengestellt, die sich an ihren wissenschaftlichen Herausforderer, Querdenker und Quell der Inspiration ...

Frank Strickstrock hat in „Denken ohne Grenzen“ Beiträge von zahlreichen Begleitern Stephen Hawkings zusammengestellt, die sich an ihren wissenschaftlichen Herausforderer, Querdenker und Quell der Inspiration erinnern. Neben Wissenschaftlern und ehemaligen Studenten, äußern sich auch Persönlichkeiten, die ihn bei seinen populärwissenschaftlichen Büchern unterstützt haben, sowie Moderatoren und Comedians. Auch seine persönliche Assistentin und Sekretariatsleiterin, Judith Croasdell, stellt ihre Hawking-Erfahrung zur Verfügung.

So entsteht ein bunter Blumenstrauß an Rückblicken, die für den physikfernen Leser unterschiedlich gut verstanden werden können. Allen Beiträgen gemein ist eine Bewunderung für den „Klügsten Menschen der Welt“. Kritik ist kaum wahrnehmbar. Da viele Beiträge thematisch auf Hawkings größte Errungenschaften abstellen, ließen sich ein paar Wiederholungen wohl nicht vermeiden. Eine weitere Gemeinsamkeit der Beiträge ist das Wecken von Interesse, sich zumindest mit den populärwissenschaftlichen Werken des Meisters zu beschäftigen, das ihnen innewohnt.

Neben einem stichpunktartigen Lebenslauf ist auch ein Verzeichnis von Hawkings Veröffentlichungen enthalten.

Unabhängig davon, ob man nun eine tiefergehende Verbindung zur theoretischen Physik sucht oder nur mal an der Oberfläche schnuppern möchte, welche genialen Ideen diese Wissenschaft generiert hat, kann man sich gut mit diesem Loblied auf das Thema einstimmen.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Schonungslos ehrlich

Mit der Faust in die Welt schlagen
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Schonungslos ehrlich wird in diesem Roman die Gefühlswelt der Nachwendejugend anhand der beiden ostsächsischen Brüder, Philipp und Tobias, herausgearbeitet.

Mit der Wende eröffneten sich für die Erwachsenen, ...

Schonungslos ehrlich wird in diesem Roman die Gefühlswelt der Nachwendejugend anhand der beiden ostsächsischen Brüder, Philipp und Tobias, herausgearbeitet.

Mit der Wende eröffneten sich für die Erwachsenen, Jugendlichen und die Kinder seinerzeit schier unendliche Möglichkeiten: freie Meinungsäußerung, Reisen in ferne Länder, schicke Autos, coole Klamotten und so Vieles mehr. Der Zugang zu den materiellen Dingen bleibt vielen aus finanziellen Gründen jedoch verwehrt. Gleichzeitig ist die Wahrheit von „gestern“ heute eine Lüge. Massenhaft Leute verlieren ihre Jobs. Die Beständigkeit des Lebens wird aus den Angeln gerissen.

In dieser Zeit erfüllen sich die Zschornacks den Traum vom eigenen Haus. Dabei empfinden sie einerseits Scham gegenüber denjenigen, die sich vermutlich niemals ein Haus leisten werden, andererseits Neid auf den Luxus, den sich andere noch zusätzlich gönnen können. Auch Philipp und Tobias nehmen das Scheitern von Bekannten war, sehen sich selbst in ramponierten Billigklamotten, müssen regelmäßig Verzicht üben, wie auf dem Rummel. Im Heranwachsen verfestigt sich ihr Eindruck, dass es egal ist wie sehr sie sich abstrampeln. Sie werden ohnehin nicht das Leben führen können, das sie sich wünschen.

In dieser Hoffnungslosigkeit ist man gerade als Jugendlicher empfänglich für einfache Ideen, die alle Probleme aus der Welt schaffen, die man selbst nicht zu lösen vermag. Wenn dann gute Redner die jungen Leute im eigenen Umfeld infiziert haben, ist es gar nicht so einfach den „rechten“ Weg nicht mit zu gehen, weil man so schnell allein da steht.

Dieser begrenzte Ausschnitt aus der ostdeutschen Gesellschaft zeichnet gesichtslose Charaktere, die niemand wahrnimmt, deren Ängste, Nöte und Sorgen keiner würdigt. Was gut ist, um die triste Stimmung zu stützen, machte mir das Auseinanderhalten der jugendlichen Charaktere schwer. Beispielsweise habe ich sehr lange gebraucht bis ich sicher wusste, welcher Bruder der Ältere ist und wer von beiden jetzt welche Meinung vertritt.

Insgesamt hat mir die nüchterne, nicht anklagende, lediglich beschreibende Auseinandersetzung mit den Ursachen, die die Empfänglichkeit für rechtes Gedankengut in Neschwitz begünstigt haben, gut gefallen.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Schwer und schwermütig

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Der Roman von Dimitry Glukhovsky erzählt nicht nur von Ilja, einem gebrochenen jungen Mann, der zu Unrecht verurteilt, gerade aus dem Straflager entlassen wurde, sondern berichtet darüber hinaus von Korruption, ...

Der Roman von Dimitry Glukhovsky erzählt nicht nur von Ilja, einem gebrochenen jungen Mann, der zu Unrecht verurteilt, gerade aus dem Straflager entlassen wurde, sondern berichtet darüber hinaus von Korruption, Polizeigewalt und Überwachung der Menschen durch den Staatsapparat. Er zeigt auf, wie schnell man in diesem Umfeld Opfer von Willkür werden kann, wie abgestempelt und chancenlos einmal auffällig gewordene Personen sind.

Als Ilja aus der Gefangenschaft heimkehrt, ist er ein Fremder. Moskau hat sich verändert, Nichts scheint mehr so zu sein, wie es war. Einzig die „Hüter von Recht und Ordnung“ sind für Ilja überall erkennbar. Bei seiner Ankunft zu Hause muss er dann auch noch feststellen, dass seine Mutter vor ein paar Tagen verstorben ist. Lediglich ein Topf Kohlsuppe ist ihm von ihr geblieben. Ilja betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, zieht schließlich los zu dem Ort, wo sein Unglück begann und trifft auf seinen Peiniger, Petja. Im Affekt ersticht er ihn und nimmt dessen Handy an sich. Doch das ist nur der Anfang einer erschreckenden Odyssee. Petjas Handy, als Tor zu dessen Leben, lässt Ilja nach und nach begreifen, warum er ins Straflager musste.

Der Roman betrachtet hauptsächlich die beiden Charaktere, Ilja und Petja. Dabei entstammt die gesamte, Petja betreffende Handlung der Vergangenheit. Sie entsteht als Interpretation aus Iljas Studien der eMails, WhatsApps, Fotos, Videos und Sprachnachrichten, die in Petjas Handy gespeichert sind. Um Petjas Umfeld hinzuhalten, setzt Ilja dessen Kommunikation fort. Für den Leser verschwimmen nun im Verlauf die beiden Persönlichkeiten immer mehr. Zwischenzeitlich musste ich zurück blättern, inne halten und das Gelesene sacken lassen, damit ich die beiden auseinander halten konnte. Iljas Gedankenwelt ist mit Träumen aus seiner Vergangenheit, mit Wünschen für seine Zukunft und Vorstellungen von Pflichterfüllung durchsetzt. Wenn Ilja schläft, mischt sich seine Welt mit dem Bild, das er von Petjas Leben hat.

Dimitry Glukhovsky setzt uns hier keinen einfachen Roman vor. Dieser „Text“ braucht Aufmerksamkeit und Zeit. Dem Leser wird an Iljas Beispiel die Schwermütigkeit der abgehängten russischen Bevölkerung näher gebracht. Wenn man unterstellt, dass die Aussagen des Romans über die Staatsmacht Russlands nicht frei erfunden sind, erfährt der Leser zudem, wie weit entfernt Russland von unserer Denke von Demokratie ist.

Ich empfehle diesen Roman sehr gern weiter, gebe aber zu bedenken, dass hier das Vergnügen etwas Aufwand kostet.