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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2019

Eine Stadt wird lebendig

In Almas Augen
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Das Buch sollte nicht als Krimi vermarktet werden, denn das weckt falsche Erwartungen, wie man auch manchen Rezensionen entnehmen kann. Der Brand mit den vielen Todesopfern ist Aufhänger, ist der Punkt, ...

Das Buch sollte nicht als Krimi vermarktet werden, denn das weckt falsche Erwartungen, wie man auch manchen Rezensionen entnehmen kann. Der Brand mit den vielen Todesopfern ist Aufhänger, ist der Punkt, am dem letztlich alles zusammenläuft, aber letztlich ist er Hintergrund. Es geht nicht darum, wer nun für diesen Brand verantwortlich ist. "In Almas Augen" schildert eine kleine trostlose Stadt aus den Augen verschiedener Bewohner, begleitet diese episodenhaft durch ihr Leben. Und dies geschieht auf elegante, mitreißende Weise. Die verschiedenen Blickwinkel erlauben es dem Leser, sich nach und nach ein umfassendes Bild zu machen, Lücken werden gefüllt, Fragen werden beantwortet, Zusammenhänge erschließen sich. In schöner, nie übertreibender, nie plakativer Sprache wird die Stadt mit ihren Leuten zum Leben erweckt, man spürt die Atmosphäre, oft auch die Hoffnungslosigkeit. Die bittere Armut von Alma, ihre Hingabe für ihre Familie, ihre Schicksalsschläge...man spürt es beim Lesen, man fühlt mit. Weniger Schriftsteller können mit so wenigen Worten so überzeugend eine literarische Welt erschaffen. Die Charaktere haben alle echte Persönlichkeit, sind nicht austauschbar, sind nicht einfach nur "gut" oder "böse", sondern wie im wirklichen Leben eine Mischung von beidem. Sie sind echt.

Wer das Buch als Krimi liest, oder wissen möchte, was nun bei dem Brand geschah, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Wer eine kleine Reise in diese trostlose Stadt unternehmen und das zwischenmenschliche Geflecht seiner Bewohner erforschen möchte, der wird das Buch genießen.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Lebendiger Blick auf die Geschichte

Sternstunden der Menschheit
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Stefan Zweig beschreibt in seinen "Sternstunden der Menschhheit" historische Ereignisse und verleiht ihnen durch detailfreudige Schilderung der Gedanken und Gefühle der Handelnden eine besondere Lebendigkeit. ...

Stefan Zweig beschreibt in seinen "Sternstunden der Menschhheit" historische Ereignisse und verleiht ihnen durch detailfreudige Schilderung der Gedanken und Gefühle der Handelnden eine besondere Lebendigkeit. So bangen wir bei der Belagerung von Byzanz mit den Stadtbewohnern, die wissen, daß sie ein schreckliches Schicksal erwartet und deren letzte Hoffnung auf Rettung grausam zerstört wird. Wir fühlen Händels Verzweiflung angesichts seiner Schaffenskrise, die Frustration der Südpolexpedition von Scott und noch vieles mehr. Zweig versteht es hervorragend, diesen Geschehnissen Leben einzuhauchen, mit einigen dichterichen Freiheiten mitreißend zu schildern. Er zeigt, wie ein Moment Weltgeschichte verändern kann, wenn Napoleon die Schlacht bei Waterloo verliert, weil einer seiner Untergebebenen sich entscheidet, strikt seinen Befehlen zu folgen, nicht seinem Instinkt. Wir lernen skrupellos Menschen kennen, wagemutige Herrscher, Genies, Getriebene und solche - wie den Komponisten der Marseillaise - die eher zufällig Anteil an geschichtlichen Entwicklungen haben. Durch die weite Bandbreite der von Zweig ausgewählten und geschilderten Episoden liest man über eine Vielfalt von Epochen, Ländern und Ereignissen.

Zweigs Sprache ist sehr eigen. So hat er wundervolle Ausdrücke wie "vollsaftige Wut" im Buch, oder kluge Sätze wie "Gewaltherrscher, wenn sie einen Krieg vorbereiten, sprechen, solange sie nicht völlig gerüstet sind, ausgiebigst vom Frieden". Andererseits ist sein Stil auch oft ausgesprochen pathetisch und weitschweifig. Dies ist anstrengend zu lesen und wirkt manchmal viel zu übertrieben. Eine der Episoden ist in Gedichtform geschildert, eine wie ein Theaterstück - das muß man mögen. Ich habe die Prosakapitel vorgezogen. Wenn man über die etwas übertriebenen Stilauswüchse hinwegliest, erhält man aber einen ungewöhnlichen und unterhaltsamen Blick in die Geschichte und die Menschen, die sie formten.

Veröffentlicht am 27.01.2019

Die Stimmen von 1918

1918
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In "1918 - Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution" begleiten wir verschiedene Tagebuch- und Briefeschreiber durch dieses so wechselhafte Jahr. Ein Einführungskapitel berichtet in gut zu lesendem ...

In "1918 - Die Deutschen zwischen Weltkrieg und Revolution" begleiten wir verschiedene Tagebuch- und Briefeschreiber durch dieses so wechselhafte Jahr. Ein Einführungskapitel berichtet in gut zu lesendem Stil, wie sich 1918 entwickelte, wie die Frühlingsoffensive unter den Deutschen zuerst zu neuer Hoffnung, deren Scheitern und die weiterhin schlechte Versorgungslage dann zu Resignation führte Sehr gut wird dargelegt, wie die OHL manipulierte und zu Kriegsende geschickt Sündenböcke für ihr Versagen suchte. Die Entwicklung zur und der Verlauf der Revolution wird ebenfalls klar und verständlich beschrieben. Es hat mir gefallen, daß den Primärquellen diese Einführung vorangestellt wurde, die manche Hintergründe erklärt, auch manches in rechte Licht rückt.

In vier Kapiteln ("Frühjahr der Hoffnungen", "Sommer der Enttäuschungen", "Herbst der Niederlage" und "Winter der Revolution") kommen nun die Zeitzeugen zu Wort. Es finden sich hier Feldpostbriefe von einfachen Soldaten und ihre Familien, eben so wie höhergestellten Soldaten. Tagebucheinträge des Heidelberger Universitätsprofessor Karl Hampe wechseln ab mit den Erinnerungen von Krankenschwestern, Hausfrauen, Künstlern. Bekannte Personen wie Thomas Mann oder Walther Rathenau kommen ebenfalls zu Wort. Die sorgt an und für sich für eine gut gefächerte Mischung aus allen Bereichen des Volkes und so bekommen wir auch eine Bandbreite an verschiedenen Meinungen und Eindrücken zu lesen. Dies gefiel mir sehr gut, wenn es auch vereinzelte Einträge gab, die wenig Relevantes beitrugen, so die Reiseroute einer Pianistin.

Jedem Kapitel ist eine Zeitleiste des jeweiligen Vierteljahres vorangestellt. Diese ist sehr detailliert und informativ. Persönlich hätte es mir besser gefallen, wenn das Einführungskapitel zu 1918 ebenfalls in vier Teile aufgeteilt und jedem Quartalskapitel vorangestellt worden wäre. So wären die Hintergrundinformationen frischer in Erinnerung und präsenter gewesen.

In jedem Kapitel finden sich zwischen den Briefen und Tagebucheinträgen auch einige wenige Abbildungen und offizielle Zeitdokumente. Interessant waren hier besonders die Stimmungsberichte der Polizei über die Stimmung in der Bevölkerung. Die anderen offiziellen Dokumente hätte es meines Erachtens in diesem Buch, welches doch die eher persönlichen Aufzeichnungen darstellen möchte, nicht gebraucht, man findet sie in so vielen Büchern zum Thema. Hier hätte der Platz ruhig für weitre persönliche Primärquellen genutzt werden können.

Ein wenig fehlte mir die persönliche Komponente Sie ist vorhanden, das sicher, und gerade die Briefe der einfachen Soldaten vermittlen ein gutes Bild der Situation im Felde. Aber gerade zum Ende hin nehmen die Berichte der Politiker, höheren Soldaten zu und auch die anderen Primärquellen erzählen das Geschehene nach, ohne auf die Eindrücke, Gedanken, Wünsche und Ängste der Menschen einzugehen. Auch von der Situation an der sogenannten "Heimatfront" erfährt man weniger, als ich erhofft hatte. Die berührenden Worte in einem Brief eines Vaters an seinen Sohn, der nur wenige Tage später im Krieg fallen wird, sind im Buch leider eher die Ausnahme: "Du hast so viel durchgemacht, dass es kein Wunder ist, wenn Du nun nicht mehr kannst. (...) sei doch so vorsichtig, wie es eben möglich ist, um Dich uns zu erhalten. Du weißt, wie innig lieb wir Dich haben."

Nach den vier Kapiteln folgt ein längerer Text von Sebastian Haffner darüber, wie er als Elfjähriger die Revolution, das Kriegsende empfunden hat. Hier ist nun die persönliche Komponente, die mir vorher manchmal fehlte, gegeben und es ist sehr interessant, seine Gedanken zu lesen.

Zum Abschluß faßt ein Kapitel die Stimmung nach Kriegsende, die Zersplitterung von Interessengruppen und deren Umgang mit dem Kriegsende, dem Kriegsgedenken bis hin zum nächsten Krieg recht gut zusammen. Am Ende des Buches finden sich Kurzbiographien all jener, die wir durch ihre Briefe und Tagebucheinträge schon ein wenig kennengelernt haben. Das hat mir gut gefallen und ich habe öfter zu diesem Anhang geblättert. Eine Karte der letzten Frühlingsoffensive findet sich seltsamerweise beschämt versteckt hinter den Literaturhinweisen, so daß ich sie nur durch Zufall sah.

Im Ganzen ein durchaus weitgefächerter Überblick, in dem die Menschen jener Zeit direkt zu Wort kommen und so dem Leser das Jahr 1918 auf unmittelbare Weise vermitteln können, unterstützt von gut lesbaren HIntergrundtexten. Eine etwas andere Auswahl der Primärquellen hätte geholfen, es noch persönlicher zu machen.

Veröffentlicht am 26.01.2019

Abwechslungsreiche Entdeckungsreise durch Frankfurt

Ein Frankfurtbuch.
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Susanne Asal hat für ihre "101 überraschende Geschichten" aus Frankfurt eine abwechslungsreiche Mischung an Informationen über Frankfurt zusammengestellt. Da war auch für mich als seit über 18 Jahren ...

Susanne Asal hat für ihre "101 überraschende Geschichten" aus Frankfurt eine abwechslungsreiche Mischung an Informationen über Frankfurt zusammengestellt. Da war auch für mich als seit über 18 Jahren in der Gegend Wohnende viel Neues und teilweise tatsächlich Überraschendes dabei. Die Auswahl ist überwiegend gut gelungen. Ein wenig Geschichte, ein wenig Berühmtheiten, ein wenig Lokalkolorit, Kunst, Politik und Szene. Dies wechselt sich auch angenehm ab, so kann man in vier aufeinanderfolgenden Geschichten sich über Goethe freuen, etwas zur Gentrifizierung erfahren, mit Hölderlin und seiner Muse leiden und die Augen am Frankfurter Nationalgericht Grie Soss weiden.

Die einzelnen Kapitel sind zwischen einer 3/4 und 3 Seiten lang, bei manchen hätten ein paar Zeilen mehr nicht geschadet (über das Internationale Theater gibt es wirklich nur so wenig zu sagen?). Es gab Stellen, an denen der Text recht abrupt aufhörte, einmal habe ich tatsächlich zurückgeblättert, um sicherzustellen, daß ich nicht eine Seite zu viel überschlagen habe. Das Kapitel über Heinrich Hoffmann ist so ein Beispiel. Im Kapitel über Senckenberg wird dann erwähnt, daß Johann Christian Senckenberg eines "denkwürdigen" Todes starb, aber mehr als daß ihn dieser "ausgerechnet bei der Besichtigung der Baustelle des von ihm gestifteten Bürgerhospital" ereilte, erfahren wir nicht. (Für die Interessierten: er stürzte von einem Baugerüst). Warum man diese Information nicht in einem Halbsatz einfügen konnte, wenn man da Denkwürdige des Todes schon erwähnt, erschließt sich mir nicht.
Während also an manchen Stellen Informationen oder Details fehlen, gibt es mehrere Wiederholungen. Daß reiche Bürgerfamilien ihre Landschaftsparks hatten, erfahren wir dreimal, die Stiftungen der Rothschilds werden zweimal erwähnt, die Gründe für den Namen des Römers ebenfalls zweimal, etc. Daß die Autorin die hohen Wohnungspreise in Frankfurt nicht schätzt, erfahren wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Es ist zwar absolut nachvollziehbar, aber der Leser hat es auch nach dem zweiten Mal schon verstanden und rollt nach dem fünften Mal eher genervt die Augen. Auch hätte ich es generell angenehmer gefunden, wenn die Autorin ihre persönliche Meinung nicht so häufig eingeflochten hätte. Objektivität finde ich wesentlich professioneller und als Leser möchte ich etwas über Frankfurt erfahren und nicht die Meinung der Autorin auf's Auge gedrückt bekommen.
Nun machen aber diese Punkte einen nicht so großen Teil aus, daß sie das Lesevergnügen erheblich beeinträchtigen. Überwiegend erfährt man hier wirklich Informatives und man merkt, Susanne Asal kennt ihr Frankfurt und führt uns auch mal unbekanntere Wege entlang. Diese Entdeckungsreise macht durchaus Spaß.

Der Schreibstil ist unprätentiös, lebendig und gut lesbar, einige Formulierungen fand ich etwas ungeschickt, aber dann finden sich auch so schöne Sätze wie dieser: "Das Senckenberg Museum schlägt eine ganz wunderbare Brücke, über die ungezählte Schulkinder gehen können ... und es wird nie langweilig."
Die alberne Angewohnheit, zu cool für das Wort "Fluggesellschaften" zu sein, fand ich leider hier auch - es sind hier "Airlines", und im Kapitel über die Staufer fallen laut Autorin in der Innenstadt zwei "landmarks" auf. In einem Blogartikel in Ordnung, in einem Buch für meinen Geschmack, wie gesagt, albern.

Gut gefallen haben mir die unterhaltsam erzählten Hintergründe zu vielen Themen. Es wurde auf wenig Platz viel untergebracht und eben auch oft tiefergehend, als man es woanders liest.

Ein kleines Manko ist die Ausstattung des Buches. Der pappartige Einband ist nach einmaligem Lesen (und dies durchweg zu Hause, das Buch wurde nicht in einer Tasche herumgeschleppt) an mehreren Stellen schon angestoßen und sieht ein wenig mitgenommen aus. Die inneren Seitenränder sind knapp bemessen und man muß das Buch schon recht unsanft weit aufklappen, um alles lesen zu können. Die Schrift ist klein, was mir nichts ausgemacht hat, aber für viele zu klein zum angenehmen Lesen sein dürfte. Es gibt einige Abbildungen, aber nicht viele. Verglichen mit dem vom gleichen Verlag herausgegebenen besser ausgestatteten und preislich günstigeren "99x Rhein-Main-Gebiet" wird die Ausstattung hier dem Preis von 14,99 € nicht ganz gerecht.

In Ganzen also ein durchaus empfehlenswertes Buch mit kleinen Mängeln, aber erfreulicher Vielfalt und guten Informationen, die sicher auch für Frankfurter selbst noch interessant sind.

Veröffentlicht am 24.01.2019

Sehr schön geschriebene Geschichte einer Jugend in einer tragischen Familie

Sommer in Super 8
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Schon am Titelbild sieht man, daß Anne Müller ihre Leser in die späten 60er bis 70er Jahre führt, und dies tut sie ganz hervorragend und lebendig. Wir begleiten Clara durch ihre Kindheit und Jugend in ...

Schon am Titelbild sieht man, daß Anne Müller ihre Leser in die späten 60er bis 70er Jahre führt, und dies tut sie ganz hervorragend und lebendig. Wir begleiten Clara durch ihre Kindheit und Jugend in einem norddeutschen Dorf; lernen nach und nach die dunklen Seiten hinter der auf den ersten Blick so perfekten Landarztfamilie kennen.

Der Schreibstil ist angenehm, man ist sofort mitten in der Geschichte, nimmt gleich teil am Leben der Familie König, welches aus Claras Sicht erzählt wird. Man merkt schon im ersten Kapitel, daß Clara ein tiefgründiges Kind mit teils traurigen Gedanken ist. Ebenso schnell wird deutlich, daß hinter der respektablen Front der Familie - mit attraktiven, eleganten Eltern, der alten Villa, den Ausflügen - nicht alles so perfekt ist, wie es scheint. Sowohl das Wesen Claras und ihrer Familie wie auch die Risse in der Fassade werden uns auf sehr gekonnte Weise vermittelt, durch kleine Bemerkungen, Beobachtungen, Nebensätze. Hier werden keine Fakten plump serviert, das Gesamtbild entfaltet sich nach und nach, die Hinweise sind gut eingesetzt und man möchte gleich weiter lesen und alles erfahren.

Vordergründig berichtet Clara harmlose kleine Episoden, in denen man die 70er Jahre richtig vor sich sieht, die leuchtenden Farben, Riesensonnenbrillen, die Super 8-Filme. Auch das Zeitgeschehen wird immer wieder eingeflochten, so die Angst vor den Russen, die Mondlandung, der Terroranschlag bei den olympischen Spielen. Es werden viele solche interessanten Details erwähnt und dadurch ersteht dieses Jahrzehnt auf den Seiten des Buches auf.

Während sich in Claras Grundschulzeit die Abgründe der Familie noch gut vertuschen lassen und von einem solch kleinen Kind auch eher nur in Nuancen wahrgenommen werden (können), ändert sich sowohl für Clara wie auch für den Leser einiges, als Clara zum Teenager geworden ist. Die Familienprobleme werden deutlicher, zugleich aber rückt die Familie leider in der Erzählung in den Hintergrund. Wir lesen detailreich über die typischen Teenagererfahrungen - Schminken, Tanzstunde, erster Kuß, Discobesuch, Konfirmation. Dies ist immer noch gut (manchmal etwas zu ausführlich) erzählt (abgesehen von einigen kleinen Wiederholungen), aber für meinen Geschmack verlor sich die Geschichte zu sehr in diesen Dingen und ließ die für mich viel interessantere Familiendynamik zurückstehen.

Während man im ganzen Buch Claras Vater vielseitig erlebt und kennenlernt, bleibt ihre Mutter fast die ganze Zeit über blaß. Im ersten Teil hat sie noch Persönlichkeit und man möchte mehr über sie erfahren, dieser Wunsch wird nicht erfüllt, im Gegenteil. Die Beziehung zwischen Claras Eltern ist sehr interessant, ist auch das, was zur Besonderheit dieses Buches beiträgt, sie hätte neben den Teenageralltagserfahrungen meiner Meinung nach viel mehr Raum verdient.

Der letzte Teil des Buches ist sowohl berührend, wie auch ein wenig verstörend, letzteres auch wegen der für mich nicht ganz nachvollziehenden Reaktionen (oder teils fehlenden Reaktionen) der Familie.

"Sommer in Super 8" ist ein Buch, das von Anfang an berührt, Emotionen weckt, in einem angenehmen Stil geschrieben ist und auch nach dem Lesen noch nachwirkt.