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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.03.2019

Keiner wird zurückgelassen

Rückwärtswalzer
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Dies ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, aber das werde ich nicht lange behaupten können.
In ihrem RückwärtsWalzer beschreibt Vea Kaiser einerseits völlig banale, alltägliche ...

Dies ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, aber das werde ich nicht lange behaupten können.
In ihrem RückwärtsWalzer beschreibt Vea Kaiser einerseits völlig banale, alltägliche Dinge, andererseits erfährt man auf einer rasanten Achterbahnfahrt die Schicksale aller, die im Zuge einer irren Aktion in einem Fiat Panda nach Montenegro reisen.
Ich habe jedenfalls eine Menge Kopfkino gehabt.
Zum Beispiel: drei alte Damen in Pelzmänteln auf der Rückbank des Panda. Vorne auf dem Beifahrersitz ein tiefgefrorener Mann, der unbedingt in seiner Heimat begraben werden will. Und als Fahrer ein noch junger, zur Zeit liebeskranker, nicht besonders erfolgreicher Schauspieler mit permanentem Kontoüberzug, Neffe der Leiche.
Eine wirklich begeisternde Art, eine Familiengeschichte zu schreiben.
Das Cover in Türkis-grün zeigt sich überkreuzende Schlangenlinien, stellvertretend wohl für die Lebensbewegungen der beschriebenen Personen.
Und ich habe mich schlaugemacht: Manen sind in der Römischen Kultur die Geister jener Toten, die von ihren Hinterbliebenen mit allen Ehren begraben wurden und auch immer geehrt wurden.

Veröffentlicht am 26.02.2019

Der Reporter

Lago Mortale
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Giulia Conti , ein Pseudonym für eine deutsche Journalistin und Reisebuchautorin, schreibt in ihrem ersten Roman gleich eine ganz tolle Geschichte.
Ihre Hauptfigur, Simon Strasser, ehemaliger ...

Giulia Conti , ein Pseudonym für eine deutsche Journalistin und Reisebuchautorin, schreibt in ihrem ersten Roman gleich eine ganz tolle Geschichte.
Ihre Hauptfigur, Simon Strasser, ehemaliger Polizeireporter aus Deutschland, hat sich vor einigen Jahren am Lago D'Orta häuslich niedergelassen und lebt dort mit seine " Tochter" Nicola.
Nachdem es ein Krimi ist, gibt es auch Tote und Simon ermittelt ganz ( oder fast) alleine, und gerät prompt in gefährliche Situationen.
Sehr schön finde ich die gelungene Beschreibung der Gegend am und um den See herum, man möchte am liebsten die Koffer packen und gleich losfahren.
Aber wie es aussieht, folgen noch mehrere Strasser-Krimis, also sollte man nichts überstürzen.
Alles in allem ein Krimi wie eine Fahrt auf einer Strasse, die man nicht kennt, an jeder Ecke gibt es etwas Neues und Spannendes, Langeweile kommt jedenfalls nicht auf.
Das Cover stimmt ganz auf ein Ufer an einem der schönen Piemontischen Seen ein.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Entzückend

Die Ballade von Max und Amelie
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Schon lange hat mich kein Buch so berührt, wie es David Safirs " Max und Amelie" geschafft hat. Schon das Cover war der Auslöser dafür, mir das Buch zu besorgen.
Und es hat sich wirklich gelohnt. ...

Schon lange hat mich kein Buch so berührt, wie es David Safirs " Max und Amelie" geschafft hat. Schon das Cover war der Auslöser dafür, mir das Buch zu besorgen.
Und es hat sich wirklich gelohnt.
Narbe, die Hündin von der Müllkippe, die nie ein anderes Leben kennengelernt hat, trifft eines Tages auf Max, der einmal, bevor ihm das Schlimmste, das einem Hund passieren kann, passierte, ein behüteter, vielleicht sogar verwöhnter, aber ganz sicher ein geliebter Hund war.
Und durch Max Vertrauen in die Menschen, ändert sich auch das Verhalten und die Einstellung Narbes zu den Menschen.
Durch und mit Max lernt Narbe auch die Liebe kennen, ein Gefühl, das sie lange verdrängt und dem sie noch länger einfach nicht vertrauen kann.
Und dann gibt es da noch Jedda, eine Menschenfrau aus den Zeiten vor der Zeit, mit der sowohl Narbe als auch Max verbunden sind.
Diese Geschichte tägt jedenfalls völlig zu Recht die Bezeichnung Ballade.
Safir schreibt mit sehr viel Feingefühl.
Und auf jeden Fall sollte man sich vor dem Lesen mit genügend Taschentüchern eindecken, denn die werden auf jeden Fall gebraucht.
Das Cover zeigt ein Hundepärchen im Gegenlicht, das wohl das "Goldene Licht" ist, von dem im Buch immer wieder die Rede ist.
Ein absolutes Muss für Hundefreunde.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Qualitätsvolle Spannung

Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)
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Der Name Nele Neuhaus steht für Spannung, Gefühle, einfach Qualität.
In ihrem neuen Roman steckt so viel an Emotionen, interessanten Details und geschickt angeordneten Happen, die den Leser prompt ...

Der Name Nele Neuhaus steht für Spannung, Gefühle, einfach Qualität.
In ihrem neuen Roman steckt so viel an Emotionen, interessanten Details und geschickt angeordneten Happen, die den Leser prompt - zu falschen Schlüssen verleiten.
Ein alter Mann wird tot aufgefunden, sein Hund überlebt in einem Zwinger nur knapp. Die Frau des alten Mannes ist seit Jahren verschwunden, man vermutet Selbstmord. Doch im Zwinger werden zuerst menschliche Knochen und dann Frauenleichen gefunden und schließlich auch noch die vermisste Ehefrau, erschossen und in einen alten Brunnenschacht gesteckt.
Das Ehepaar hatte früher viele Pflegekinder, nach aussen hin eine sehr lobeswerte Tat, aber hinter den Kulissen spielten sich Grausamkeiten ohne Ende ab........
Ein Thema, das sicher nicht aus der Luft gegriffen ist, hat sie akribisch mit einer Mordserie verknüpft. Und zu Beginn sah es nicht einmal danach aus.
Mehrere Erzählstränge werden im Buch nach und nach in homöopathischen Dose freigesetzt, aber immer nur so viel, daß die Spannung und die Neugier einen neuen Höhepunkt erreichen kann.
Die Autorin schreibt den Krimi rund um die bekannten Ermittler und dadurch wird der Leser fast schon familiär in die Geschichte miteinbezogen.
Unerwartete Wendungen des Falles und Befindlichkeiten der im Roman vorkommenden Personen tragen ebenfalls sowohl zur Spannung als auch Verwirrung bei.
Und so ganz nebenbei hat ein Laie auch noch mit Abkürzungen und Fachausdrücken zu kämpfen. ( Wird aber meistens erklärt)
Und für erprobte Leser ist die Gegend um Frankfurt schon längst kein unerforschtes Gebiet mehr.
Ein schön gestaltetes Cover rundet das gut 550 Seiten umfassende Werk ab
Absolut lesenswert.



Veröffentlicht am 22.11.2018

Schräg, schrullig und zutiefst menschlich

Vielleicht tanzen wir morgen
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Der Roman von Ruth Hogan umfaßt 314 Seiten, die gespickt sind mit englischem Humor. Mehr als einmal habe ich laut aufgelacht. Die Hauptfigur, Mascha kann sich mit dem Tod ihres Kindes, das ertrunken ...

Der Roman von Ruth Hogan umfaßt 314 Seiten, die gespickt sind mit englischem Humor. Mehr als einmal habe ich laut aufgelacht. Die Hauptfigur, Mascha kann sich mit dem Tod ihres Kindes, das ertrunken ist, einfach nicht abfinden. Sie geht zum Schwimmen, eigentlich zum Ertrinken, was sie schon sehr gut beherrscht. Sie hat einen Wolfshund, Haizum, mit dem sie ausgedehnte Spaziergänge auf einem viktorianischen Friedhof unternimmt, und besucht dort ihre "Familienmitglieder von der anderen Seite". Leute, die keinen mehr haben, der ihr Grab pflegt und sie besucht. Sie malt sich Lebensgeschichten für sie aus und redet mit ihnen. Aber sie ist nicht die einzige seltsamen Besucherin, da gibt es noch Sally, wie Mascha sie in Gedanken nennt. Sally singt und tanzt und füttert die Krähen. Aber Sally tut noch mehr, ohne viel Aufhebens zu machen.
Und dann kommt im Roman noch Alice vor, eine sehr besorgte Mutter, deren Leben sich hauptsächlich um Mattie, ihren Sohn dreht.
Der ganze Roman ist durchsetzt mit schrägen, schrulligen Typen, einer liebenswerter als der andere.
Und alle gehen ihre Wege, und werden von den anderen auch so, wie sie sind, akzeptiert.
Eine überraschende Wende gibt es zum Ende der Geschichte.
Absolut lesenswert, niemals langweilig und zutiefst menschlich.