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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2019

Packender Thriller

Das Haus der Mädchen
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Die eher schüchterne und unsichere Leni kommt für ein Praktikum im Verlagswesen nach Hamburg und hat sich für die Zeit ein Zimmer über eine online-Plattform gemietet. In ihrer vorübergehenden ...

Die eher schüchterne und unsichere Leni kommt für ein Praktikum im Verlagswesen nach Hamburg und hat sich für die Zeit ein Zimmer über eine online-Plattform gemietet. In ihrer vorübergehenden Unterkunft freundet sie sich schnell mit der extrovertierten Vivien an. Doch die ist plötzlich verschwunden und Leni hat das Gefühl, dass ihr etwas zugestoßen ist.
Parallel dazu sieht Freddy Förster, ehemals vermögender Geschäftsmann und seit kurzer Zeit obdachlos, wie ein Mann im Auto erschossen wird. Ab diesem Moment wird er von dem Mörder gejagt und weil Freddy nicht zur Polizei will, versucht er selbst den Mörder namentlich ausfindig zu machen.

Andreas Winkelmann hat mit "Das Haus der Mädchen" einen spannenden Thriller geschaffen, der sich als wahrer Pageturner entpuppt.
Es kommt sehr schnell Spannung auf, da aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und die einzelnen Erzählstränge mit der Zeit zueinander führen und so dem Leser einzelne Puzzlestücke präsentiert werden, die sich in einem spannenden Finale zu einem grandiosen Bild fügen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Kapitel sind kurz und sehr schnell gelesen, der Plot ist clever und gut konstruiert und die Entwicklung plausibel. Untermalt wird die Lektüre mit einem stetig ansteigenden Spannungsbogen.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Mit anderen Augen

Mit anderen Augen
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Fabian Sixtus Körner, bekannt als Weltenbummler und Autor von "Journeyman", berichtet von den ersten Lebensjahren seiner Tochter Yanti.
Bereits kurz nach der Geburt wird die Diagnose Down-Syndrom gestellt, ...

Fabian Sixtus Körner, bekannt als Weltenbummler und Autor von "Journeyman", berichtet von den ersten Lebensjahren seiner Tochter Yanti.
Bereits kurz nach der Geburt wird die Diagnose Down-Syndrom gestellt, die Fabian und seine Freundin Nico auf kaltem Fuß erwischen. Dem Leser werden Einblicke in sämtliche Lebensbereiche geboten. Dazu gehören zum einen Passagen aus der Vergangenheit - das Kennenlernen, die gemeinsamen Reisen, Alltagsleben - und zum anderen der Krankenhausaufenthalt nach der Geburt, die ersten Tage und Wochen zuhause und schließlich die gemeinsamen Reisen als Familie.
Fabian Sixtus Körner redet nichts schön. So werden emotionale Tiefen in Form von Gedanken - warum ausgerechnet sie ein behindertes Kind bekommen, inwiefern sich das auf ihr Leben und ihre Reisen auswirkt, welche Sorgen es im Allgemeinen gibt - mitgeteilt, aber auch die positiven Aspekte, das gemeinsame Glück.
Insgesamt handelt es sich hier um ein Plädoyer für die Familie, das Leben und die Liebe.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Die Seelen für Laien erklärt

Das geheime Leben der Seele
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Sabine Wery von Limont hat mit "Das geheime Leben der Seele" etwas ganz Wunderbares geschaffen: Ein Sachbuch, das den Leser bei seinem (laienhaften) Wissensstand abholt, ihn an die Hand nimmt ...

Sabine Wery von Limont hat mit "Das geheime Leben der Seele" etwas ganz Wunderbares geschaffen: Ein Sachbuch, das den Leser bei seinem (laienhaften) Wissensstand abholt, ihn an die Hand nimmt und auf leicht verständliche, authentische und humorvolle Art erklärt, was die Seele ist und welche Auswirkungen sie auf den Körper hat.
Unterteilt ist das Buch in die Beschreibung der Lage, der Wichtigkeit und Einflussmöglichkeit der Seele auf den Körper, wie Krankheiten entstehen und die Psychosomatik.
Trotz fundierten Wissens lässt sich das Buch in einem Rutsch lesen. Die Kapitel sind inhaltlich gut aufgebaut, geben so viel preis wie man zum Verstehen braucht und nicht so viel als dass sich der interessierte Leser langweilt, und verfügen über eine angenehme Länge. Ich habe sehr viele Aha-Momente erlebt, konnte alle Erklärungen nachvollziehen und habe nach der Lektüre das Gefühl, ein gutes Grundwissen über die Seele zu haben und viele Zusammenhänge im Alltag zu sehen.
Gerade die Fallbeispiele zur Veranschaulichung haben den Authentizitätsfaktor und somit die Nachvollziehbarkeit veranschaulicht - und natürlich die Sachbuch-Atmosphäre aufgelockert, wobei ich sagen muss, dass der Schreibstil sowieso sehr locker und flüssig war!
Ein Sachbuch, das ich jedem Seelen-Interessierten empfehlen kann, der auf lockere und trotzdem gehaltvolle Wissensvermittlung steht!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Massentierhaltung adé?

Meine Kuh will auch Spaß haben
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Astrid Lindgren, bekannt als Autorin vieler wunderbarer Kinderbücher, hat sich sehr engagiert für den Tierschutz eingesetzt. In "Meine Kuh will auch Spaß haben" sind die Artikel und Briefe abgedruckt, ...

Astrid Lindgren, bekannt als Autorin vieler wunderbarer Kinderbücher, hat sich sehr engagiert für den Tierschutz eingesetzt. In "Meine Kuh will auch Spaß haben" sind die Artikel und Briefe abgedruckt, die Astrid Lindgren von 1985 bis 1989 an die Tageszeitung verfasst hat - inklusive Reaktionen der Politiker.

Astrid Lindgren scheut sich nicht den Nagel auf den Kopf zu treffen. Sie nennt Fakten, Namen und äußert herbe Kritik an der Massentierhaltung und den vermeintlich verbessernden Änderungen. Es wird deutlich, dass es sich dabei um einen Tropfen auf dem heißen Stein handelt und der Bauer ein kleines Rädchen in der großen Produktionsmaschinerie ist.
Obwohl es sich hier um ein kritisches Sachbuch handelt, weiß Astrid Lindgren den Leser an die Hand zunehmen. Ihre Artikel sind zwar konfrontativ, aber nicht missionarisch. Sie gibt einzelnen Tieren eine Stimme, verpackt sie in Geschichten und lenkt den Blick so gekonnt auf das Tier und die zu kritisiernde Haltung.
Im Grunde ist es erschreckend, dass Astrid Lindgren bereits 1985 Aspekte in der Massentierhaltung genannt hat, die noch heute so fortbestehen und sich an dem Tier als Produktionseinheit nichts geändert hat. Trotzdem ist es wichtig, dass Stimmen gegen die Massentierhaltung laut werden und Bewusstsein geschaffen wird.

Wer sich auf sanfte Aufklärung einlassen und die verbreiteten brutalen Videos aus Betrieben vermeiden, und sich trotzdem mit der Thematik auseinandersetzen möchte, dem ist dieses Buch ans Herz zu legen!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Ergreifender Roman über einen Künstler mitten im Beziehungskonflikt

Leinsee
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Karl ist der Sohn des berühmten Künstlerpaars Ada und August Stiegenhauer aus Leinsee. Doch gab es für das Ehepaar nur die Liebe zueinander und zur gemeinsamen Kunst. Karl bekam wenig Zuneigung, fühlte ...

Karl ist der Sohn des berühmten Künstlerpaars Ada und August Stiegenhauer aus Leinsee. Doch gab es für das Ehepaar nur die Liebe zueinander und zur gemeinsamen Kunst. Karl bekam wenig Zuneigung, fühlte sich nicht von seinen Eltern geliebt und wurde mit zehn Jahren ins Internat abgeschoben. Leinsee war für ihn nie ein Zuhause. Er ist von dort schnellstmöglichst verschwunden, brach den Kontakt zu den Eltern ab und erarbeitete sich in Berlin untern einem Pseudonym - unabhängig vom Stiegenhauer Glamour-Status - einen eigenen Ruf in der Kunstszene. Ein Anruf aus Leinsee bringt Karl aus dem Gleichgewicht: Seine Mutter muss wegen eines Hirntumors notoperiert werden und sein Vater hat sich aufgrund ihrer sehr niedrigen Überlebenschance umgebracht.
Karl fährt nach Leinsee, organisiert die Beerdigung des Vaters und besucht seine komatöse Mutter. Hingegen aller Erwartung wacht sie auf, erkennt in Karl ihren Ehemann August und schenkt ihm die Liebe und Nähe, die Karl als Kind verwehrt blieb.
Entgegen der Vorstellungen seiner Freundin Mara, die ihn gern wieder in Berlin auf seiner Ausstellung sähe, bleibt Karl in dem Haus seiner Eltern. Im Garten entdeckt er Tanja, ein achtjähriges Mädchen, das ihn neugierig macht und auf ganz eigene Art seine Nähe sucht.

Im weiteren Verlauf des Romans begleitet der Leser Karl in seinen nächsten Lebensjahren. Die Zeit in Leinsee ist für ihn aufwühlend, aufheiternd und im ganzen sehr intensiv. Der Leser wird durch den leichten, nüchternen und gleichzeitig sehr intensivem Schreibstil voller Subtext mitgenommen in die Gedanken- und Erfahrungswelt von Karl - auf der Suche nach Liebe, Anerkennung, seiner Kunst und vor allem zu sich selbst.
Die Kapitel haben angenehme Längen und kreative Titel, die immer eine Farbe, bspw. "Gottweiß" oder "salamirot" tragen. Wie alles andere in der Geschichte liegt es auch hier beim Rezipienten, die entsprechnde Bedeutung hinzuzufügen.
Das ist der Aspekt, mit dem Anne Reinecke mich am meisten begeistern konnte: Obwohl sie alles Erkennbare und Wichtige aufschreibt, jede Handlung, jeden Gedanken schildert und eine sehr intensive Atmosphäre all der Beziehungsgeflechte herstellt, bleiben so viele Bedeutungslücken, die Platz für die Deutung lassen. So sind die ein oder anderen Entscheidungen und Verhaltensweisen von Karl vielleicht nicht im Sinne des Lesers. Aber wer Karls Gedankenwelt versteht, kann seine stringente Handlungsweise absolut nachvollziehen - ohne dass die Autorin sie lang und breit erklären muss.

Ein Roman, der ein brisantes Beziehungsgeflecht voller Künstlerattitüden, Situationskomik, Tristesse und Humor schafft, in deren Mitte sich Karl wiederfindet und seinen eigenen Standpunkt im Leben und in den Beziehungen finden muss.
Der Schreibstil ist intensiv, packt und konnte mich in einem Rutsch durch den Roman tragen!