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Veröffentlicht am 17.03.2019

Ein außergewöhnliches Kinderfantasyabenteuermärchen

Das Wunschbüro der Lilith Faramay
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Der 14-jährige Rupert kommt eigentlich aus einer wohlhabenden Familie und war glücklich und zufrieden, bis zum plötzlichen Tod seiner Eltern. Seither ist sein raffgieriger und hartherziger Onkel Hartmut ...

Der 14-jährige Rupert kommt eigentlich aus einer wohlhabenden Familie und war glücklich und zufrieden, bis zum plötzlichen Tod seiner Eltern. Seither ist sein raffgieriger und hartherziger Onkel Hartmut Klauberstein sein Vormund und macht ihm das Leben zur Hölle. So sehr, daß als unerwartet ein neues Häuschen in der Gegend auftaucht und eine Anzeige in der Zeitung die Erfüllung des sehnlichsten Wunsches durch das Wunschbüro der Lilith Faramay verspricht, steht für Rupert fest, daß dies die einzige Lösung seines Problems sein kann. Doch die mächtige Dschinna die er antrifft ist entsetzt über seinen Wunsch, der so bislang noch nie vorgetragen wurde! Sie warnt, daß kein Wunschvertrag ohne negative Nebenwirkungen bleibt und der Wunsch mit Bedacht und Sorgfalt formuliert werden sollte. Sie mag seinen Wunsch nicht abschlagen, denn er erfüllt alle Voraussetzungen, aber erfüllen möchte sie ihn auch nicht sofort. Stattdessen bietet sie ihm an, erst mal ein Praktikum als ihr Butler zu absolvieren, damit er sich der Gefahren eines Dschinnenwunsches so richtig bewußt wird und er die Regeln bis ins letzte Detail begreift.

Das Buch beginnt mit einer Einführung durch den mächtigen Samir Abadin Hanadi der Dritte, Dschinnenfürst und Subdämon, der als Zeuge dieser Ereignisse von diesen berichtet und sie zwischendurch auch immer wieder kommentiert. Wer genau er ist und welche Rolle er spielt ist vorerst unklar und damit wunderbar geheimnisvoll.
Wann und wo die Geschichte spielt wird nicht erwähnt, denn es ist völlig egal. Dafür betritt man gleich nach den einführenden Worten von Samir das bemerkenswerte Wunschbüro gemeinsam mit Rupert. Der ist sich gar nicht so bewußt, daß er ebenso ungewöhnlich ist, wie Lilith es scheint und sein Wunsch es ohnehin ist. Mit eloquent elegantem Schreibstil lernt man nach und nach über Ruperts trauriges Schicksal und merkt schnell, daß Lilith eine außergewöhnliche Dschinna mit Herz ist. Dieser fantastisch-märchenhafte Roman wird ab 10 Jahren empfohlen, wobei Kinder dieses Alters bei einigen Begriffen nachfragen werden, da sie in dem Alter nicht gebräuchlich oder wie z.B. „Mörser“ noch nicht bekannt sind. Diese Begriffe werden auch nicht im Text erklärt, aber nachfragen lohnt sich, das Wort „vergeuden“ z.B. kommt mehrfach vor und nun kennt meine Tochter eine sprachliche Alternative zu „verschwenden“. Es sind Begriffe, die für Erwachsene selbstverständlich sind, aber noch nicht unbedingt für 10 jährige. Doch verstärkt dies den Hauch des Exotischen, ein wenig aus der Zeit gefallenen. Rupert trägt auch im Alltag einen Anzug, da passt sie wohlgesetzte Ausdrucksweise sehr gut zu ihm. Das Schriftbild ist hingegen sehr angenehm durch recht große Zeilenabstände, so daß man beim Lesen mit den Augen nicht so sehr verrutscht und sich mehr auf den Inhalt, statt auf das Lesen konzentrieren kann. Denn mit Rupert und Lilith wird man ein echtes Dilemma entdecken, das zu Lösen gar nicht so leicht ist, die Versuchung dafür aber umso größer. Daraus bezieht die Geschichte ihre Spannung, die immer weiter wächst, je mehr einem im Laufe von Ruperts Butler Zeit bewußt wird, welche Gefahren auf ihn lauern und wie gräßlich sein Vormund tatsächlich ist. Doch gibt es zwischendurch auch schöne Momente z.B. während Rupert sich alleine im Dschinnenhaus umsieht, oder während Lilith versucht Onkel Hartmut näher auf den Zahn zu fühlen, gibt es auch Schmunzelaugenblicke.
Die Geschichte ist absolut ungewöhnlich und man es macht Spaß sich in sie hineinzudenken und zu fühlen. Wie kann Rupert seinen Wunsch nur formulieren, damit er keinen Schaden nimmt? Ist es möglich Lilith zu befreien. Sehr reizvoll und märchenhaft, jenseits der üblichen Kinderliteratur, mit liebenswerten und leicht schrulligen Helden, ist es ein Buch, das man nicht so schnell vergisst. Die Lösung des Dilemmas erfolgt wirklich überraschend aber in sich stimmig und rundet alles wunderbar ab. Trotz Ruperts anfangs so düsterer Gedanken gelingt es, eine tolle Lösung zu finden mit einer sehr positiven Aussage für die Leser.

Die Aufmachung ist sehr schön, mit kleinen Schmetterlingsvignetten und geheimnisvoll umrankten Kapitelanfängen, deren Untertext die Richtung des kommenden Abschnitts vorgibt, ohne jedoch zu viel Preis zu geben.

Ein wirklich außergewöhnliches Kinderfantasyabenteuermärchen.

Veröffentlicht am 06.03.2019

Witzig, skurril und voller Action

S.P.U.K. - Sammler paranormaler Unregelmäßigkeiten
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Denzel und sein Geisterfreund Schmitti sind nun Mitglieder der S.P.U.K. da sie aber völlig aus der Art schlagen und weder in Lager der magisch begabten, eher traditionellen Oberons, noch in das der technikliebenden, ...

Denzel und sein Geisterfreund Schmitti sind nun Mitglieder der S.P.U.K. da sie aber völlig aus der Art schlagen und weder in Lager der magisch begabten, eher traditionellen Oberons, noch in das der technikliebenden, futuristischen Vulterons passen, sind sie derzeit ohne Verwendung. Daher sind sie völlig begeistert, als sie von der New Yorker Niederlassung angefordert werden und sie sogar dorthin fliegen dürfen! Bei näherer Betrachtung ist aber alles nicht so toll, wie gedacht. Der Flug ist ätzend und in New York sind die Leute alle so exzentrisch, daß selbst Oberons und Vulterons in ihren merkwürdigen Uniformen nicht auffallen. Die Niederlassung befindet sich im Keller des Empire State Buildings, in das man als Normalo nicht hinein kommt. Allerdings gibt es dort nur ein Team Weinberg (Vulteron) und Martinez (Oberon). Die zwei sind kaum älter als Denzel und verbringen ihre Zeit mit einem Spielbrett. In New York gibt es seit King Kong keine Paranormalen Unregelmäßigkeiten mehr. Die Spitze des Empire State Buildings hat sie alle eingesaugt. Weinberg und Martinez waren seit ihrem Trainig noch nie im Einsatz. Doch mit Denzels und Schmittis Ankunft ändert sich alles. Denzel hört seltsame Stimme, etwas greift nach ihm und die Erde beginnt zu beben. Eine gigantische Haifischflosse nähert sich der Landungsbrücke und macht die Straßen von New York unsicher. Die Gefahr ist immens und die Geisterjäger völlig überfordert.

Zu Beginn von Band 1 war ich von Denzels bestem Freund Schmitti sehr irritiert. Er macht merkwürdige Dinge und sein Essverhalten ist auch nicht so appetitlich... Aber da weiß weder Denzel, noch der Leser, daß Schmitti kein Mensch ist. In Band 2 ist dies von Anfang an klar und der Gedanke, daß ein Geist Teil einer Geisterjäger-Organisation ist, ist schon sehr witzig. Kein Wunder, daß für ihn und Denzel erst einmal keine Aufgaben zu finden sind. Aber Schmitti ist nicht nur deswegen ein echtes Highlight, er bringt immer wieder echte Schoten und Absurditäten und ist dabei irgendwie skurril liebenswert, daß er dieser absolut spannenden Geschichte richtig Witz einhaucht. Die Serie zielt ganz eindeutig auf ein männliches Publikum ab, aber dadurch dass in jedem Geisterjägerteam auch immer ein Mädchen ist, ist es auch für Mädchen wirklich empfehlenswert. Es wird hier richtig großes Geschütz im Kampf gegen die Paranormalen eingesetzt. Liebhaber von Computerspielen mit Actionhelden werden es lieben! Ich hätte ja gedacht, daß meine große Tochter (11,5) auf das Buch abfahren würde, aber es ist die Jüngere (9,5), die Schmittis Charme erlegen ist. Sie ist eigentlich eher zartbesaitet und mag auch gerne Bücher, in denen eher weniger und vor allem Alltägliches passiert. Davon kann hier gar keine Rede sein. Dennoch hält die Absurdität diese Abenteuers sie gefangen. Dadurch dass die Geschichte so abgedreht ist, schafft sie es eine innerliche Distanz aufzubauen (im Positiven Sinne), so daß sie die Späße und die Spannung genießen kann, ohne sich bedroht zu fühlen.
Auch in diesem Band kommen wie paranormale Ungeheuer der besonderen Art ins Spiel. Neben den titelgebenden Monsterhaien spielt auch der legendäre King Kong eine wichtige Rolle. Den kannte meine Tochter noch nicht, aber dafür gibt es ja Internet. Es hat sie aber auch nicht gestört, daß es für sie völlig klar ist, daß sich riesige Gorillas auf die Brust schlagen und alles Übrige wurde ja erklärt! Leider kommen Samara und Boyle, ihre S.P.U.K.-Lehrmeister von Band 1 nur sehr kurz vor, aber Weinberg und Martinez sind würdige Vertreter, die die Rollen von Samara und Boyle umkehren.

Das Schriftbild ist angenehm groß mit entspannten Zeilenabstand. Die Kapitel sind recht kurz und jeder Kapitelanfang wird von Haivignetten geschmückt. Da wird es Lesemuffeln echt leicht gemacht, das Abenteuer weiter und weiter zu lesen.

Ein sehr witziges, völlig skurriles paranormales Abenteuer für Fans von Superhelden, solche, die gerne welche wären, aber nicht das Zeug dazu haben, Geisterjägern.

4,5 Sterne gerundet auf 5.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Mord im Paradies

Die Richterin und die tote Archäologin
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Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt erholt sich langsam von den Schrecken des Anschlags auf ihr Leben, als sie sonntags an einen neuen Tatort gerufen wird. Ihre alte Schulfreundin, zu der der Kontakt ...

Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt erholt sich langsam von den Schrecken des Anschlags auf ihr Leben, als sie sonntags an einen neuen Tatort gerufen wird. Ihre alte Schulfreundin, zu der der Kontakt abgebrochen war, die Archäologin Flavia Leone, wurde erstickt auf einer Grabungsstätte in der Nähe von Montpellier aufgefunden. Nachträglich wurde ihr die Replik einer antiken Totenmaske auf ihr Gesicht gelegt. Mathilde entdeckt ein Nest des Ehrgeizes, der Missgunst und der geheimen Liebschaften. Keines der augenscheinlichen Motive vermag Mathilde und ihr Team zu überzeugen. Außerdem ist ihr junger Cousin Sébastien mit Downsyndrom verschwunden. Weil anscheinend keiner für ihn Zeit hatte, hat er sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Commandant Rachid Bouraada plagen ganz eigene Dämonen, die ihn in einen tiefen Gewissenskonflikt zwischen seiner Familie und seinem Beruf stürzen. Nur der junge Lieutenant Felix Tourrain schwebt im 7. Himmel, er ist verliebt, wie nie zuvor.

Ein Krimi mit ganz viel Südfrankreich-Feeling, wobei sich diesmal der geographische Schwerpunkt vom Hinterland von Nimes die Küste entlang Richtung Montpellier, La Grande Motte und Sète verlagert. Das sonnige Feriengefühl wird hier wirklich um sehr interessante Infos und Fakten zu der Gegend, die wunderbar beschrieben ist, bereichert. Gerade durch das Setting der archäologischen Grabungen gibt es immer wieder Anlass, in die Geschichte des Landes Einblick zu nehmen. Ich empfinde es als sehr schönen Rahmen für diesen Krimi, der durch die persönlichen Probleme der Protagonisten zusätzlich gewürzt wird. Auch der erste Fall der Reihe, der nicht vollständig abgeschlossen werden konnte, da die Reichen und Mächtigen sich gegenseitig zu schützen wissen, wird wieder in Erinnerung gerufen. Es ist offensichtlich, daß Mathilde und ihr Team so schnell nicht aufgeben werden, aber derzeit gibt es keine neuen Spuren und als ein zweiter Toter aufgefunden wird, wird die Situation noch verwirrender. Die Autorin streut immer wieder Fragmente von Motiven und Möglichkeiten ein, doch keine mag recht zu passen und mancher anfangs verheißungsvoll erscheinende Ermittlungsansatz verläuft dann doch im staubigen Sande der Grabungen. Genügend unsympathische Gestalten, denen man eine Enttarnung als Täter wünschen könnte, sind auf jeden Fall vorhanden. Dennoch ist dies, trotz des sehr ernsthaften Themas, daß der Tat zugrunde liegt, eher ein Wohlfühlkrimi. Er ist mehr vom Sonnenschein, Weingenuss und der Landschaft, als von Grausamkeiten und Blutströmen geprägt. Selbst der Showdown erinnert mehr an Agatha Christie, und kommt gänzlich ohne Verfolgungsjagden und quietschende Reifen aus. Die Lösung steckt im Detail, wobei ich den entscheidenden Hinweis, im Eifer um Aufklärung überlesen habe. Diesen Fall konnte ich nicht lösen, ich hatte nur so ein merkwürdiges Bauchgefühl. Die Lösung führt allerdings die Brisanz des Falles wieder vor Augen und bindet den Prolog irgendwie in die Geschichte mit ein, auch wenn man ihn sich meiner Meinung nach hätte sparen können. Für mein Empfinden hat er mehr atmosphärischen Nutzen und regt zum Nachdenken über viel zu wenig beachtete Verbrechen an, ist für den eigentlichen Krimi allerdings ohne Belang.

Liliane Fontaine, die auch als Liliane Skalecki Krimis mit historisch-kritischem Bezug veröffentlicht, schreibt die Südfrankreich Krimis unter ihrem Mädchennamen. Aufgrund ihrer französischen und deutschen Wurzeln kennt sie sich in beiden Welten sehr gut aus und lässt ihre Beobachtungen immer wieder in den Roman mit einfließen. Da ich diese Gegend ebenfalls sehr liebe, empfinde ich es als wirkliche Bereicherung, die mich immer mal wieder schmunzeln lässt. Der Stil ist angenehm fließend und dabei sehr bildlich. Die Beschreibungen von Land und Leuten finde ich sehr treffend.

Ein guter Krimi mit sympathischen Ermittlern in einer traumhaften Gegend. Ich hoffe, ich werde der Reihe noch lange folgen können, denn der Schluss lässt Großes erwarten!

Veröffentlicht am 21.02.2019

Mary Poppins trifft den Krieg der Knöpfe

Miss Braitwhistle 5. Klassenreise mit Miss Braitwhistle
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Dies ist der 5 Band mit Abenteuern der 4a wie Albtraum, der Klasse der englischen Grundschullehrerin Miss Braitwhistle, die zwar keine Umlaute beherrscht und bisweilen noch andere Kämpfe mit der deutschen ...

Dies ist der 5 Band mit Abenteuern der 4a wie Albtraum, der Klasse der englischen Grundschullehrerin Miss Braitwhistle, die zwar keine Umlaute beherrscht und bisweilen noch andere Kämpfe mit der deutschen Grammatik verliert, die aber auch immer ein Hauch von Magie umgibt. Miss Braitwhistle hat nämlich nicht nur einen Sonnenschirm, sondern auch eine Handtasche, aus der sie zu gegebenen Zeiten die wundersamsten Dinge hervorzaubern kann.
Inzwischen hat die Klasse die Schule verlassen und ist über die Stadt in unterschiedliche Schulen zerstreut. Doch Aki und sein Freund Franz, der Ich-Erzähler, treffen sich immer noch. Diesmal erinnern sie sich aus gegebenen Anlass, an ihre Abschlußfahrt, die eigentlich gar nicht hätte stattfinden sollen. Im Gegensatz zur 4b von Frau Sauermann, hat Miss Braitwhistles Klasse nicht schon das ganze Jahr für eine Klassenfahrt gespart. Doch die nette Hausmeisterin hat Erbarmen mit den im Hochsommer schwitzenden Schülern und lädt sie ein. Nun dürfen sie auch auf Ekis Erlebnishof, gemeinsam mit der 4b fahren. Die hatte ihnen schon mit den Hochglanzprospekten die Nase lang gemacht. Doch Eki ist seiner Bäuerin davon gelaufen und diese hat das Konzept nun auf Arbeiten im Einklang mit der Natur umgestellt. Leider ist auch das Essen angeblich im Einklang mit der Natur und muss erst geerntet oder sonst wie erarbeitet werden, wie gut, daß Miss Braitwhistle ihre Handtasche mitgebracht hat!

Für uns war es das erste Miss Braitwhistle Abenteuer, auch wenn es bereits der 5. Band ist. Auch wenn wir die Protagonisten aus der 4a und 4b und ihre Lehrerinnen bislang nicht kannten, war dies völlig unproblematisch. Sabine Ludwig erzählt immer nur von einigen wenigen Kindern aus den jeweiligen Klassen, also deutlich weniger als Klassenstärke. Anfangs waren wir etwas enttäuscht, daß Miss Braitwhistle so selten auftaucht. Sie scheint sowohl ihrer Kollegin, als auch der Bäuerin gezielt aus dem Weg zu gehen. Dabei fand meine Tochter (9) ihre Sprache sehr lustig. Dass andere Nationen unsere Umlaute nicht aussprechen können, ist für Kinder bisweilen unvorstellbar. Auch die Grammatikfehler fand sie lustig. Ein prima Sprachtraining übrigens, weil sie mir stets verkündete, wie es richtig hätte heißen sollen. Auch mit dem Vokabular hat die englische Miss bisweilen Schwierigkeiten, weshalb sie dann englische Begriffe einfließen lässt, die dann sofort erklärt werden wie z.B. fire fly für Glühwürmchen oder shooting star für Sternschnuppe. So lernt man zwischen all dem Unsinn, den diese zwei Schulklassen anstellen, ein paar englische Begriffe und auch ein paar Fakten über das Landleben. Das finde ich als Mutter sehr geschickt gelöst und die Kinder fanden es spannend. Eigentlich wollte ich nur mit der jüngsten Tochter lesen, doch die Große (11) schien von der Geschichte magisch angezogen zu werden und spitzte stets die Ohren. Auch sie fand die Geschichte lustig und hätte gerne von Anfang an mitgehört (auch wenn sie sich für das Cover von Susanne Göhlich zu alt fand, weswegen ich es nur der Jüngeren vorlas). Meine jüngere Tochter mochte sowohl das Cover, als auch die Illustrationen im Buchinneren sehr gerne und fand sie witzig.
Die zwei Parallelklassen stehen in ständiger Konkurrenz zu einander. Die 4b mag wohl ihre Frau Sauermann auch nicht wirklich, aber immerhin ist sie „normal“. Die 4a findet ihre Lehrerin überhaupt nicht normal, liebt dafür aber ihre lustige und zauberhafte englische Miss. Durch die ewigen Reibereien lassen sich gerade die „schlimmen Jungs“ Aki und Franz immer wieder neue Streiche und Herausforderungen einfallen. Manchmal gehen die Aktionen nach hinten los, aber solange man selbst nicht betroffen ist, kann man herzhaft darüber lachen. Es ist eine moderne Mischung aus Mary Poppins und dem Krieg der Knöpfe. Sowohl für Jungen als auch für Mädchen sehr unterhaltsam. Nicht immer zum Nachmachen geeignet, aber wehr hat schon eine Lehrerin mit solch speziellen Fähigkeiten?

Sabine Ludwig verfasst seit Jahren erfolgreich Kinderbücher, die z.T. („Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft!“, „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft!“) auch bereits fürs Kino verfilmt wurden. Außerdem übersetzt sie Werke andere Autoren vom Englischen ins Deutsche. Auf ihre kleinen eingebauten Englischlektionen ist also Verlass. Neben dem Spaß verpackt sie auch gerne noch eine Botschaft mit in ihre Geschichten. So ist die 4a kein wirklicher Albtraum und keinen Deut schlimmer als die gelobt 4b.

Wir fanden es etwas schade, daß die namensgebende Miss Braitwhistle anfangs fast gar nicht auftauchte. Gelangweilt haben wir uns aber auch in diesen Kapiteln nicht, doch kam mit Miss Braitwhistle einfach mehr Magie in die Geschichte und noch mehr Humor.

Eine wirklich schöne Geschichte, von der wir allerdings befürchten, daß sie tatsächlich der Abschlußband der Reihe ist. Nun sind wir auf die Vorgänger neugierig!

Veröffentlicht am 21.02.2019

Macht richtig Lust auf Biogärtnern!

Wühl dich glücklich
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Ein Bio-Garten als ganzheitliches Erlebnis, als Ort zum Leben und Genießen und nicht, um seinen Ehrgeiz auszuleben. So ist dieses Buch nicht auf Perfektionismus angelegt, sondern als Anregung gedacht. ...

Ein Bio-Garten als ganzheitliches Erlebnis, als Ort zum Leben und Genießen und nicht, um seinen Ehrgeiz auszuleben. So ist dieses Buch nicht auf Perfektionismus angelegt, sondern als Anregung gedacht. Es spendet Ideen und ermutigt mal neue Wege zu gehen und die Grenzen des Bekannten zu überschreiten. Blumen und Kräuter haben die gleichen Bedürfnisse, aber der Platz ist begrenzt? Macht nichts, man kann sie auch mixen, erlaubt ist was gefällt und warum auf etwas verzichten, was man liebt, nur weil es nicht in gängige Schemata fällt.

Daher gibt es hier Tipps für ganz viel Handarbeit, eben zum Wühlen, Buddeln und Mulchen. Es werden Gartenlieblinge vorgestellt, aber eben auch unbekanntere Sorten, an deren Entdeckung man seine Freude haben kann, sowohl bei Gemüsesorgen Pak Choi, als auch bei den Früchten, wie der nackten Mini-Kiwi. Dabei geht es um Beispiele, die nie abschließend gemeint sind. Bei der Kiwi haben ja einige ihre Zweifel, daß man die hier so anbauen kann, aber Neuseeland ist ja auch keine tropische Insel. Wenn man sich aber schon an die Kiwi wagt, könnte man ja auch mal über Feigen nachdenken (vorausgesetzt man lebt in entsprechenden Gebieten wie dem Breisgau, dem Nahetal, dem Rheintal... also durchaus klimatisch milde Gebiete ohne allzu harte Fröste).

Das es den Garten als ganzheitliches Erlebnis sieht, ist das mit der Struktur des Buches auch so eine Sache. Ja, es gibt eine Struktur, ja es gibt ein Inhaltsverzeichnis, aber einige Pflanzen stehen nicht da, wo ich sie erwarte. So findet sich der Salbei nicht im Kapitel Tea-Time-Beet sondern gemeinsam mit dem Rosmarin (hier wird Rosmarintee für seine belebende Wirkung empfohlen, statt Kaffee und es gibt ein ganz einfaches Rezept für Rosmarin-Pinienkern-Salz) bei „Langzeitbeziehunge: einmal pflanzen – mehrmals ernten“, was auch für den Thymian gilt, aber der steht dann auch wieder bei dem Tea-Time-Beet. Tja, Pflanzen lassen sich ebenso ungern in Schubladen stecken, wie Gärtnerinnen. Dabei sind hier durchaus auch verschiedene Beettypen, für verschiedene Gärtnerpersönlichkeiten empfohlen. Auch hier gilt, fühlt man sich gleich zu mehreren Typen hingezogen, z.B. sowohl ein Einfach-Losleger als auch nachhaltiger Netzwerker, so genau weiß man nicht immer. Aber es ist so amüsant und kurzweilig geschrieben, dass das Verschwimmen der Grenzen nichts macht. Ich habe es tatsächlich völlig unstrukturiert gelesen, einmal durch, was ich normalerweise bei Sachbüchern eher meide, weil ich ja nicht alles gleich spannend finde... Andrea Heistinger schreibt sehr locker und humorvoll. Sie betont immer wieder, daß man die lieben Pflänzchen auch mal in Ruhe wachsen lassen sollte, wofür sie nicht dringend eines Gärtners benötigen und gibt ironische Ratschläge zur Pflanzenpflege. Sollte die Leserin hier die Ironie nicht erkennen, die nicht gekennzeichnet ist, ist ihr Garten ganz schnell hinüber. Allerdings ist die Ironie wirklich offensichtlich, wenn empfohlen wird, frisch gesetzte Pflanzen nicht zu gießen.

Neben der Beetanlage und der Bodenbeschaffenheit, legt dieses Buch einen großen Schwerpunkt auf die Pflanzenpflege. Dabei gefällt mir sehr gut, daß sie den Einsatz von Rasenschnitt zum Mulchen empfiehlt, damit Boden und Pflanzen nicht austrocknen, statt Rindenmulch. Rasenschnitt hat man eigentlich immer und weiß nie wohin damit. Sowohl Rasen mag kein Kompost, aber meine Kartoffeln und Erdbeeren werden sich von nun an darüber freuen. Auch hier ist mir bei der Pflege der Kartoffeln siedend heiß aufgefallen, daß ich ja immer das gleiche Kartoffelbeet nehme. Das werde ich dieses Jahr wohl dann doch mal sein lassen. Meine Kräuter bleiben aber weiterhin wo sie sich bisher glücklich gefühlt haben, da möchte ich kein Risiko eingehen. Da der Deutschen Lieblingsgemüse die Tomate ist, bekommt diese auch ein ganzes eigenes Kapitel mit Anbau, Pflege und Wuchs- und Sortentipps. Die Richtigkeit dieser Empfehlungen kann ich aufgrund der Fehler der vergangenen Jahre, aus denen ich gelernt habe, durchaus bestätigen.

In grün unterlegten Kästchen mit weißer Schrift werden jeweils wertvoll Tipps gegeben, während die wichtigsten Pflanzenfakten mit zartgrünen Ranken markiert werden.

Blumen und Obstbäume kommen sehr kurz, die hätte man sich fast sparen können, wären sie nicht wieder für das ökologische Ganze und die Nützlinge von Interesse. Was blüht lockt nützliche Insekten an, diese fressen nicht nur viele Schädlinge, sondern befruchten auch unsere Wunschgewächse. Insofern haben sie in dieser Kombination dann doch eine Erwähnung verdient.
Am Ende des Buches findet sich ein hilfreiches Glossar, mit Begriffen, die mir z.T. bisher nicht geläufig waren, die aber im Text verwendet werden. Es handelt sich um Begriffe wie „einschlämmen“, die sich zum Teil, wenn man sie nicht kennt, doch erahnen kann. Beim Lesen hatte ich stets das Gefühl, das ich alles verstände und es insgesamt sehr verständlich formuliert ist. Sprachlich ist es so ansprechend geschrieben, daß ich, gerade ich Buddellaune, gerne noch mehr gelesen hätte. Autorin Andrea Heistinger hat aber bereits eine Vielzahl weiterer Gartenbücher im Löwenzahn Verlag veröffentlicht, so daß Nachschub unproblematisch möglich ist. Abschließend gibt es eine Liste mit Bezugsquellen, nach deutschsprachigen Ländern geordnet. Außerdem werden zur weiteren Veranschaulichung Schaugärten und offene Privatgärten aufgeführt und die Mitwirkenden am Buch vorgestellt.

Haptik und Optik gefallen mir auch bei diesem Buch aus dem Löwenzahn Verlag wieder ausgesprochen gut. Das blaue Lesebändchen garantiert, daß man nie sein Augenmerk verliert. Der matte Druck ist umweltbewusst. Durch die wirklich ansprechenden Fotos aus bisweilen ungewöhnlichen Perspektiven nimmt man dieses Gartenbuch gerne auch nur zum Durchschauen in die Hand, wird sich aber wahrscheinlich dabei festlesen.

Wieder ein ausgesprochen schönes Gartenbuch, dass man sehr gerne in die Hand nimmt und anschaut und durchliest.