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Veröffentlicht am 02.03.2019

Grandiose Rache

Das Heinrich-Problem
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Berti Fischer kann es nicht fassen - ihr Ehemann Heinrich erklärt ihr, daß er sie verlassen will. Sie beginnt zu forschen und stellt erschrocken fest, daß sie nicht allein mit ihrem Schicksal ist. Es gibt ...

Berti Fischer kann es nicht fassen - ihr Ehemann Heinrich erklärt ihr, daß er sie verlassen will. Sie beginnt zu forschen und stellt erschrocken fest, daß sie nicht allein mit ihrem Schicksal ist. Es gibt noch mehr Frauen, denen Heinrich übel mitspielt. Sie mobilisiert ihre Leidensgenossinnen - und die gemeinsame Rache an Heinrich nimmt ihren Lauf.


"Das Heinrich-Problem" ist ein herrliches Buch, in dem gezeigt wird, daß man sich nicht einfach alles gefallen lassen sollte. Der Charakter Berti rüttelt richtig auf. Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern kämpfen! Es ist wunderschön zu verfolgen, wie die Frauen zueinander finden, sich mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Lebenseinstellungen zusammenraufen und gemeinsam ihr Ziel verfolgen. Sie alle haben bei mir Sympathien geweckt. Heinrich hingegen ist der geborene Unsympath. Egoistisch, selbstverliebt und auf den Gefühlen anderer herumtretend, gönnt man ihm alles Schlechte. Ja, es kommt zum guten Schluß Schadenfreude auf, für die man sich nicht schämen muß.... Diese "Rachegeschichte" ist auf ihre Art spannend. Man fragt sich, ob Berti ihr Vorhaben wirklich durchzieht oder ob ihr letztlich doch noch der Mut fehlt. Ob die anderen Frauen auf ihrer Seite bleiben oder sich doch noch wieder von Heinrich umgarnen lassen? Alexandra Holenstein schafft es mit ihrem gekonnt lockeren Stil eine humorvolle Geschichte zu vermitteln, die einen ernsten Hintergrund hat. Aber: Man kann darüber lachen. Der Humor ist hier nicht übertrieben albern, sondern dezent und wirklich gut. Man fliegt durch die Seiten und es tritt der Effekt guter Bücher auf: Sie sind leider viel zu schnell beendet. 


Das Cover gefällt mir sehr gut. Heinrich mit dem Herzchen-Luftballon an der Bushaltestelle - man könnte es so interpretieren: Wer will, kann ihn mitnehnem.


Alexandra Holenstein ist ihr Debüt absolut gelungen. Ich finde, sie braucht den Vergleich mit den bereits berühmten Autorinnen dieser Buchsparte nicht scheuen  Sie ist ihnen ebenbürtig!

Veröffentlicht am 02.03.2019

Ostfrieslandkrimi in Perfektion

Campermord in Bensersiel. Ostfrieslandkrimi
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Im Hafenbecken des Yachthafens des Küstenortes Bensersiel schwimmt die Leiche des Saisonkellners Gernot Kaldenbach. Zur gleichen Zeit verschwindet die Saisoncamperin Anna vom Campingplatz. Beide Fälle ...

Im Hafenbecken des Yachthafens des Küstenortes Bensersiel schwimmt die Leiche des Saisonkellners Gernot Kaldenbach. Zur gleichen Zeit verschwindet die Saisoncamperin Anna vom Campingplatz. Beide Fälle scheinen in einem Zusammenhang zu stehen, denn auch Gernot lebte auf dem Campingplatz. Die Kommissare Bert Linnig und Nina Jürgens beginnen ihre Ermittlungen im Campermillieu und merken schnell, daß jeder Camper ein kleines Geheimnis mit sich trägt und verdächtig wirkt.


Rolf Uliczka hat es wieder geschafft - er hat mich mit seinem Buch restlos begeistert. Das beschauliche Ostfriesland gerät wieder extrem in Unruhe und wird zum Schauplatz eines spannenden Mordfalles. Denn Spannung ist hier garantiert und hält von Beginn bis Ende auf hohem Niveau an. Und das schafft Rolf Uliczka auf eher ruhige Art - er hat es nicht nötig unnötige blutige Mordszenen oder Actionszenen mit schießwütigen Kriminellen einzubauen. Er schafft Spannung allein durch seine Wortwahl. Überhaupt schreibt er in einem wunderschönen Stil. Er beschreibt die Region auf liebenswerte Art, man fühlt sich an die Nordseeküste versetzt und bekommt trotz des Kriminalfalles Urlaubsstimmung. Man merkt - er kennt die Region sehr gut und recherchiert die Örtlichkeiten zu seinen Büchern genauestens. Aber auch seine Charaktere sind gut dargestellt und sympathisch. Allen voran Bert und Nina, die nicht nur ihr Kommissarenleben haben, sondern auch ein Privatleben führen. Dieses jedoch gut dosiert und nicht die Handlung überlagernd. Es spielt sich dezent im Hintergrund ab. Obwohl sich dies natürlich von Buch zu Buch entwickelt, kann man auch dies Buch ohne Vorkenntnisse lesen. Rolf Uliczka vermittelt alles wissenswerte kurz, knapp und verständlich, so daß man auch als Neuling den Anschluss finden wird.

Für mich ist die Serie rund um Bert Linnig und Nina Jürgens definitiv eine der besten Serien der Sparte Ostfrieslandkrimis und gehört in die allererste Reihe!

Veröffentlicht am 26.02.2019

Erschreckend ehrlich

Das Seehospital
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Frida Kirschbaum gehört im Jahr 1920 zu den wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren. Als ihr Großvater stirbt, muß sie ihr Studium unterbrechen um zur Beerdigung nach Amrum zu fahren. Der alte ...

Frida Kirschbaum gehört im Jahr 1920 zu den wenigen Frauen, die in Hamburg Medizin studieren. Als ihr Großvater stirbt, muß sie ihr Studium unterbrechen um zur Beerdigung nach Amrum zu fahren. Der alte Mann hat auf der Nordseeinsel ein kleines Hospital für lungenkranke Waisenkinder gegründet. Jetzt soll das Haus geschlossen werden, denn Fridas Mutter will ein Hotel daraus machen. Verzweifelt kämpft die junge Frau für den Erhalt des Hospitals, denn für die Kinder würde eine Rücksendung in ein Hamburger Waisenhaus den sicheren Tod bedeuten. Fridas Schwestern sind ihr keine Hilfe, aber der englische Arzt James Tylor steht ihr immer zur Seite, wenn sie Hilfe braucht - und Hilfe braucht sie jetzt dringend!


Ich habe schon lange nicht mehr so ein ehrliches Buch gelesen. Hier wird nichts geschönt und "die gute alte Zeit" verklärt. Alles kommt ans Tageslicht. Die Menschen verhungern und die Kirche sieht weg. Da spricht der Pfarrer beim Anblick der verhungernden Waisenkinder von der Gnade Gottes. Der Arzt sieht in den Menschen nur noch "Forschungsmaterial" für die Wissenschaft. Am schlimmsten aber ist die Mutter, die ihre Töchter an reiche alte Männer verkuppelt, damit sie ihr Luxusleben weiterführen kann. All diese Personen - und auch die anderen Charaktere - sind so klar dargestellt, daß man beim Lesen nicht nur dabei ist, sondern mitten unter ihnen lebt. Und das geht wirklich unter die Haut und seelisch sehr nah. Man möchte die Bedauernswerten in den Arm nehmen und haßt die Üblen. Genau so möchte ich es haben, wenn ich ein Buch lese. Optimal ist es, wenn ich am Schluß noch eine Weile innehalte, um über das Geschehen nachzudenken und dies zu verarbeiten. 

All diese Ansprüche an ein richtig gutes Buch sind hier erfüllt. Helga Glaesener hat mich mit ihrem Werk begeistert!

Veröffentlicht am 26.02.2019

Kriminelles Lädchen

Punschkrapfen, Kipferl und ein Mord
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Emma Wolf betreibt die österreichische "Lustbäckerei", in der ausgefallene, allerdings nicht jugendfreie , Backwaren  von ihr hergestellt werden. Grund genug für ein deutsches Fernsehteam ihre Bäckerei ...

Emma Wolf betreibt die österreichische "Lustbäckerei", in der ausgefallene, allerdings nicht jugendfreie , Backwaren  von ihr hergestellt werden. Grund genug für ein deutsches Fernsehteam ihre Bäckerei in einer Serie über ausgefallene Bäckereien vorzustellen. Doch dieDreharbeiten enden dramatisch - ein Darsteller wird tot in Emmas Kühlschrank aufgefunden. Emma gerät unter Verdacht - und setzt zusammen mit ihrem Bruder, der Polizist ist, alles daran den wahren Mörder zu finden.


"Mord mit Sahnehäubchen" ist wirklich ein zuckersüßer Krimi! Hier stimmt alles und nichts kommt zu kurz. Gespickt mit Humor hat Sonja Birgmann einen spannenden Krimi geschaffen. Die Spannung reicht hier wirklich von Anfang bis Ende. Man verdächtigt im Laufe der Seiten immer neue Personen um zum Schluß komplett überrascht zu werden. Emma und ihr Bruder ermitteln auf höchst humorvolle Art und werden dabei als absolut sympathisch und vor allem menschlich dargestellt. Keine Superhelden - sondern Menschen wie jeder andere. Gerade Emma und ihre Freundin  tappen in so manche Falle und stolpern dsbei über dich selbst. Dies hat mir richtig gut gefallen. 


Übrigens: Männer sollten sich vom Cover nicht abschrecken lassen - es lohnt, dieses Buch zur Hand zu nehmen!

Veröffentlicht am 23.02.2019

Ein Stück Zeitgeschichte

Rheinblick
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Deutschland im November 1972. Hilde Kessel ist die Wirtin des "Rheinblick". Ihre Gäste sind bunt gemischt: Hinterbänkler, Minister, Sekretärinnen und Taxifahrer. Alle haben sie ihre Geschichte. Nach der ...

Deutschland im November 1972. Hilde Kessel ist die Wirtin des "Rheinblick". Ihre Gäste sind bunt gemischt: Hinterbänkler, Minister, Sekretärinnen und Taxifahrer. Alle haben sie ihre Geschichte. Nach der Bundestagswahl werden die Koalitionsverhandlungen härter - und Hilde bekommt alles hautnah mit. Willy Brandt selbst kann nicht viel sagen - ihm hat es im wahrsten Sinne des Wortes die Stimme verschlagen. Gemeinsam mit der Logopädin Sonja Engel kämpft er in einer Klinik um seine Stimme. Auch Sonja steht unter Druck. Beide kämpfen um Existenz - Hilde um ihre eigene, Sonja um ihre Schwester.

Dieses Buch führt dem Leser einen Teil der deutschen Geschichte vor Augen. Man taucht in eine Zeit ab, an die sich so mancher gern erinnert, andere noch nicht geboren waren oder genau aus dieser Zeit stammen. Für alle wird dies Buch etwas besonderes sein. Die Autorin vermittelt ein genaues Bild der damaligen Machtkämpfe. Man begegnet Menschen, die bedeutende Persönlichkeiten waren und bis heute wohl jedem ein Begriff sind. Diese werden hier wieder zum Leben erweckt und realistisch dargestellt. Die Verwebung mit fiktiven Elementen ist perfekt gelungen. Die Autorin hat es mit ihrer Sprache geschafft, einen fesselnden Roman zu erschaffen, der durch die Verwendung von damals typischen Begriffen sehr authentisch wirkt.

Man lernt mit diesem Buch sehr viel: Begriffe, Geschichte und Begebenheiten rund um bedeutende Persönlichkeiten aus einer Zeit, die eigentlich schon längst Vergangenheit ist, jedoch noch heute lebendig ist.