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Veröffentlicht am 06.03.2019

Spannend, witzig und voller Wissen

Leo und die Abenteuermaschine / Leo und die Abenteuermaschine Folge 7
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Leo ist ein kleiner Löwenjunge, der in seinem Keller in seiner Abenteuerkiste in Erinnerungen zu seinen letzten Abenteuern stöbert. Dabei findet er einen Zettel mit einem Rätsel in Reimform. Um das Rätsel ...

Leo ist ein kleiner Löwenjunge, der in seinem Keller in seiner Abenteuerkiste in Erinnerungen zu seinen letzten Abenteuern stöbert. Dabei findet er einen Zettel mit einem Rätsel in Reimform. Um das Rätsel zu lösen, muss er mit seiner Abenteuermaschine zurück in die Zeit reisen. Nach Paris zur großen Elektrizitätsausstellung im August 1881, in eine Zeit in der Strom eine sensationelle Neuerung war und Thomas Edison der heute so berühmte Erfinder mit 1000 Glühbirnen die Straße vor der Ausstellung erhellen sollte. Doch da sie in Reihe geschaltet waren, konnte die Demonstration nur funktionieren, wenn auch wirklich alle Glühbirnen funktionstüchtig waren. Das macht ihm große Sorgen, was wenn sein großer Moment kommt, er betätigt vor aller Welt den Schalter und nichts passiert?
In seinem zweiten Hörspielabenteuer reist Leo zurück ins Jahr 1846 zu Eröffnung des Pariser Gare du Nord. Dort soll er seinem nächsten Rätselreim nach den berühmten Autor Jules Verne treffen und mit ihm ein Abenteuer zu erleben. Aber zwischen all den vielen Mensch kann Leo den jungen Autor nicht entdecken, dafür aber einen Dieb der mit den gesamten Einnahmen eines Heißluftballonfahrer türmt.

Auf abenteuerliche Weise wird hier Kindern Wisssen über berühmte Persönlichkeiten der Geschichte und ihre Leistungen gebracht. Dabei wird nicht auf die bekanntesten Episoden ihres Lebens zurückgegriffen. So war mir neu, daß Edison seine Glühbirne in Reihenschaltung auf der Elektrizitätsausstellung in Paris vorstellte. Wir hatten zuvor „Edison“ von Torben Kuhlmann gehört, der einen anderen Schwerpunkt setzte. Beides Mal war es Thema, daß es strittig war, ob Edison wirklich als der Erfinder der Glühbirne gelten darf, weil schon ein Deutscher vor ihm auf die Idee kam. Auf jeden Fall hat Edison sie nutzbar gemacht, in dem er sie mit anderen Erfindungen der Zeit kombinierte, wie einem Schalter, der den Stromkreis unterbricht. Einfach, aber genial. Dies wird wunderbar logisch und auch für Kinder sehr gut nachvollziehbar erklärt. Da empfindet man Edison gar nicht mehr so als Schummler, der sich mit fremden Federn schmückt, sondern freut sich mit ihm, über seinen Erfolg. Außerdem erfahren Kinder von der Art der Präsentation von Neuem in der damaligen Zeit, über Weltausstellungen und eben die Elektrizitätsausstellung. Darüber werden sie wohl aber eher mit ihren Eltern sprechen, weil es nicht so ausführlich erklärt wird. Es gab ja kein Fernsehen und kein Internet. Um Neuerungen und Sensationen zu präsentieren, bewarb man sich um Ausstellungsraum in diesen Ausstellungshallen, die selbst damals architektonisch eine Sensation waren und z.T. heute noch in Paris und London bewundert werden können.
Bei Jules Vernes fällt Leo auf, daß dieser ja ganz ähnlich aussah wie Edison. Da bekommt er erklärt, daß dies früher einfach selbstverständlich war, daß Herren Anzug, Hut und Krawatte trugen. Während noch mein Opa nie ohne Hut das Haus verließ und auch im Haus sein Jackett trug, ist dies heute für Kinder ausgesprochen ungewöhnlich, selbst wenn ihre Väter zur Arbeit einen Anzug tragen. Diese kleinen Details auf die Kinder beim Hören aufmerksam gemacht werden, um die Unterschiede, die sich im Laufe der Zeiten heraus bilden, bewußt zu machen, gefallen mir sehr gut.
Dabei ist Leo ein pfiffiges Kerlchen, mit viel Mut, für den man sich freut, daß er am Ende einen neuen Rätselreim erhält, der ihn mit der Abenteuermaschine und seiner sprechenden Uhr zu zwei großen Piratinnen in Folge 8 führen wird.

Die Stimmen der Sprecher dieses vom Autor mit privaten Mitteln selbst finanzierten Hörspiels sind absolut professionell. Sie sind alle sehr angenehm, ausdrucksstark und sehr gut voneinander unterscheidbar. Wenn ich auch bei Hörspielen für Erwachsene oft das Gefühl habe, daß sie bis zur Unverständlichkeit gekürzt sind, kann man Leos Abenteuer auf Anhieb folgen und es bleiben schon beim ersten Hören sofort wissenswerte Details haften.
Nur warum denn Leo ein Löwenjunge und kein Menschenjunge ist und warum sich niemand fürchtet, wenn ein Löwe auftaucht, das habe ich meiner Tochter leider nicht erklären können. Vielleicht einfach, zu Zwecken der Originalität, man kann ja auch nicht in der Zeitreisen...
Ein kurzweiliges und informatives Zeitreiseabenteuer für Kinder, sprachlich ansprechend, macht es neugierig und regt um Nachfragen an. Wirklich eine sehr empfehlenswerte Reihe ab 6 Jahren.

Veröffentlicht am 06.03.2019

Magisch und verheißungsvoll

Der magische 8. Tag (Band 1)
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Die 13 jährige Laura lebt einige Jahre in der Zukunft, von uns aus gesehen. Ihre Eltern sind geschieden und die Wochenenden in der alten Villa ihres kreativen Vaters, eines Möbelrestaurateuers, umgeben ...

Die 13 jährige Laura lebt einige Jahre in der Zukunft, von uns aus gesehen. Ihre Eltern sind geschieden und die Wochenenden in der alten Villa ihres kreativen Vaters, eines Möbelrestaurateuers, umgeben von Büchern und alten Möbeln, genießt sie sehr. Es ist so anders, als bei ihrer erfolgreichen, technikliebenden Mutter und ihrem hyperaktiven kleinen Bruder Elias, in deren moderner Wohnung mit Haushaltsroboter Amy. An einem Wochenende findet sie im Geheimfach des Sekretärs in der alten Villa eine alte Taschenuhr mit Kalendarium. In dieser Uhr befindet sich eine geheimnisvolle Gravur und ein gereimter Brief, der davor warnt, das Geheimnis des 8. Tages zu verraten. Laura ist verwirrt und versteckt die Uhr. In dieser Nacht um Mitternacht wird sie mit ihrem Kater Samson und der Taschenuhr in die magische Welt des 8. Tages transferiert. Sie gelangt über einen verwunschen See in ein Internat, in dem stets 4 Mädchen bzw. Jungs pro Zimmer untergebracht sind, in den 8. des Schlosses der Ewigkeit und je 8 Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Der Unterricht soll helfen ihre besonderen Gaben zu erkennen und zu fördern. Ihre Zimmergenossinnen können z.B. schweben oder das Wetter beeinflussen. Nur Merle und Laura scheinen keinerlei offensichtliche Begabung zu haben, aber das kann ja eigentlich nicht sein. Oder wollen sie sie nicht wahrhaben?

Der Einstieg in diese etwas andere Welt, in dieser gar nicht allzu fernen Zukunft gelingt sehr gut. Man kann Laura gut verstehen, daß sie sich in der altmodischen, warmen Villa ihres Vaters wohler fühlt, als in der sterilen, hypermodernen Wohnung ihrer Mutter. Dank des technischen Schnickschnacks ihrer Mutter, die Lauras Handy- und Internetempfang stört, ist Laura ziemlich isoliert und hat selbst in der Schule nur noch eine Freundin. Zu Hause leidet sie dann unter den Launen und Ausbrüchen ihres Bruders, bei dem die Mutter alles mit seiner „Krankheit“ entschuldigt und für den die Mutter alles macht. Sofort steht man ob dieser Ungerechtigkeit auf Lauras Seite und nimmt Position gegen ihren Bruder Elias ein. Doch Marliese Arold lässt ihren Figuren Raum für Entwicklung, sowohl in dieser Welt, als auch in der des 8. Tages. So ist nichts wie es scheint und so gibt es eine Menge zu staunen, aber auch Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Die Welt ist magisch und dennoch neu. Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, die Elemente schon einmal irgendwo gelesen zu haben. So kann man ganz in Lauras Geschichte versinken und mit ihr, ihre neue Schule mit ihren merkwürdigen Regeln und Eigenheiten erkunden. Die Mädchen in ihrem neuen Zimmer sind erst einmal skeptisch abwartend und nicht sofort, die besten Freundinnen. Es wird sich beäugt und beschnuppert und viel bleibt einfach zu beobachten, wie es sich weiter entwickeln wird. Denn dass es sich entwickeln wird, das zeichnet sich bereits ab. Laura belauscht Gesprächsfragmente, die sie verwirren und mehr Fragen aufwerfen, als sie zu beantworten. Interessanterweise, werden einige Entwicklungen, die in der Welt des 8. Tages ablaufen, in die „normale“ Welt mit hinüber genommen. Gegen Ende dieses ersten Bandes hat sich der Plot so weit verdichtet, daß klar ist, dass große Veränderungen und Bedrohungen anstehen. Ich bin total gespannt, wie es weitergeht, mit Band 2 „Dunkles Geheimnis“ und etwas traurig, daß der 3. Band noch in der Entwicklung ist. Marliese Arold gelingt es geschickt mit ihrem unaufdringlichen, aber lebendigen Schreibstil den Leser in der Welt des Achttags einzufangen.

Das Cover finde ich wunderschön. Ein sattes Rot mit einem leichte Stich ins Pinkige und einem changierenden Metallic-Druck des Schmetterlings und des Haupttitels. Aber auch die Blumenranken und der Farbdruck sind nicht einfach nur matt, sondern schimmern ein wenig. Die Aufmachung ist eindeutig auf eine weibliche Leserschaft ausgerichtet. Mir gefällt es ausgesprochen gut, allerdings ist die Geschichte durchaus auch jungstauglich (das haben zumindest die jungen männlichen Mitleser versichert), diese schreckt das Cover allerdings eindeutig ab.

Die Schrift hat eine sehr angenehme Größe und auch der Zeilenabstand vereinfacht es einem, durch die Seiten zu fliegen. Das betone ich extra, da meine Töchter Bücher mit kleiner Schrift erst gar nicht anfangen, es ist ihnen einfach zu mühsam. Dieses Druckbild ist sehr entspannend auch für Fehlsichtige und Lesemuffel.

Ein sehr verheißungsvoller Reihenauftakt mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die in einer fremden Welt als Schicksalsgemeinschaft aufeinander treffen. Es bleibt spannend, ob sie zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenwachsen können, die den bevorstehenden Gefahren und Herausforderungen gewachsen sind.

Für mich war es definitiv ein echter Lesegenuss und das Lesehighlight des Monats Februar.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Spukiges Ponychaos

Gespensterponychaos, Band 02
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Vorgestern ist Mira Morgenschön, mit ihrem Vater Bjarne und der Katze Frau Morgenschön in eine alte Villa mit Schuppen gezogen. Da ihre Mutter auf einer Grabung in Kuala Lumpur für Monate beschäftigt ...

Vorgestern ist Mira Morgenschön, mit ihrem Vater Bjarne und der Katze Frau Morgenschön in eine alte Villa mit Schuppen gezogen. Da ihre Mutter auf einer Grabung in Kuala Lumpur für Monate beschäftigt ist, hat sie Frau Fiedler als Haushälterin engagiert. Diese ist eine ausgezeichnete Köchin und liebt belgische Pralinen, aber Tiere mag sie nicht und die stehen auch nicht in ihrem Vertrag. Katze Frau Morgenschön findet zum Glück Gnade in ihren Augen, doch das 413,5 Jahre alte Gespensterpony Belle, das Mira schon kurz nach dem Einzug entdeckte, darf sie auf keinen Fall kennenlernen. Doch Belle hat schon seit über 100 Jahren niemanden mehr zum Spielen gehabt und sich so lange gelangweilt, daß sie nun zu Übermut neigt. Mira und Frau Morgenschön haben alle Hände und Pfoten voll zu tun, ihre Schäden zu beseitigen und Spuren zu verwischen. Denn sollte Frau Fiedler kündigen, muss Mira ins Internat. Mit ihrem vergeistigten, lebensuntüchtigen Vater kann sie unmöglich alleine in dem großen Haus leben. Belle muss dringend Regeln lernen, damit Mira nicht weg muss. Doch zuerst muss Mira mehr über Belle erfahren. Zum Glück macht sie in ihrem Zimmer eine aufregende Entdeckung.

Ein unsichtbares Pony, das man Füttern, Streicheln und Striegeln kann, nur für sich allein, das klingt doch super! Zu dumm, daß es ein Geheimnis bleiben muss, weshalb Mira wirklich alle Hände voll zu tun hat. So bleibt kaum Zeit zu verschnaufen, oder ihr Gespensterpony zu genießen. Zu schnell folgt eine Katastrophe auf die nächste. Glücklicherweise können die Tiere untereinander sich verstehen, wenn auch Mira lediglich mit Belle sprechen kann. Aber auch wenn Frau Morgenschön ein wenig verstimmt ist, weil Mira dem Pony so viel Aufmerksamkeit schenkt, ist sie Miras engste Verbündete und sorgt immer mal wieder für Rettung in letzter Sekunde! Kaum zu glauben, daß auch diese Geschichte lediglich den Zeitraum von 2 Tagen umspannt, so viel wie in der Villa gerade los ist! Mira kommt kaum zum Atmen, die jungen Leserinnen haben dafür aber umso mehr Grund zu kichern. Für Langeweile bleibt da keine Zeit. Es ist aber super, wie Kinder beim Lesen merken, daß ohne Regeln das reinste Chaos ausbricht und zwar in einem Maße, daß es einfach keinen Spaß mehr macht. Nicht nur Kinder brauchen Regeln, auch Tiere ;) Eine Erkenntnis, die Mira ganz von alleine kommt und über die ihre Katze, als Stimme der Vernunft sehr erfreut ist. Auch wenn Frau Morgenschön so vernünftig und auch etwas überheblich ist, immerhin ist sie eine Schnurrkatze von Welt, muss man sie einfach gerne haben. Egal wie angefressen gerade ihr Ego sein mag, sie steht ihrer Mira treu zur Seite und rettet sie aus den schlimmsten Miseren. Doch zwischen all den Katastrophen hat Mira auch einen geheimen Lichtblick auf den es sich freuen kann. Im Möbelhaus hat sie ein Mädchen in ihrem Alter kennen gelernt, das sie zu einem Mondscheinturnier eingeladen hat. Oh je, bis dahin muss sie noch viel darüber lernen, wie man Belle sichtbar und wieder unsichtbar macht und noch manch anderes Geheimnis lüften. Bislang ist sie auf Belle ja noch nicht einmal geritten. Aber das ist das Abenteuer für mindestens Band 3.

Das Cover von Stéffie Becker ist wunderschön mit UV-Lackierung für den Titel und die Buchhelden auf matten Grund. Gespensterpony Belle glitzert sogar, um zu verdeutlichen, daß sie durchscheinend ist, wenn sie zu zwei Vierteln sichtbar ist. (uiuiui, wann und wie sie sichtbar bzw. unsichtbar ist, ist wirklich eine Wissenschaft für sich!). Auch innen ist das Buch durchgehend 3 farbig illustriert. Mit süßen kleinen Blümchenvignetten, pinken Geräuschchaoswörtern und auch mit Bilder von der empörten Frau Fiedler, der verzweifelten Mira oder der trotz allem hinreißenden Belle. Zusammen mit den größeren Drucktypen, dem großen Zeilenabstand und den kurzen Kapiteln ist es ideal für junge Leserinnen ab 8 Jahren. Sprachlich ist die Ausdrucksweise dem Lesealter angepasst, ohne Anglizismen oder recht ungebräuchliche Begriffe. So können sie sich schnell über Leseerfolge mit einer witzigen Pferdeabenteuergeschichte freuen. Für die Eltern hat es den Vorteil, daß es kein klassisches Pferdebuch ist. Ein Gespensterpony kann man nicht kaufen, da kann man die Geschichte mehr genießen, ohne gleich selbst die Eltern zu bestürmen, daß man doch dringend selbst ein Pony braucht (Mira darf ja auch keines haben). Da hat Autorin Karin Müller, die auch Autorin der wunderbar magischen Nordlicht-Reihe ab 12 Jahren, ein Herz für Eltern und Kinder bewiesen. Eine vergnügliche Mädchenreihe ab 8 Jahren, für alle jungen Leserinnen, die vergeblich von einem Pony träumen und Chaos und Spuk lieben!

Veröffentlicht am 28.02.2019

Es gibt auch sagenhafte Heldinnen!

Deutsche Heldensagen. Teil 2
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Teil 2 der Deutschen Heldensagen bilden die Sagen von Elsa und dem Schwanenritter Lohengrin, Gudrun und Wieland dem Schmied.
Elsa sagte mir irgendwas, aber bei Lohengrin regte sich mein Gedächtnis noch ...

Teil 2 der Deutschen Heldensagen bilden die Sagen von Elsa und dem Schwanenritter Lohengrin, Gudrun und Wieland dem Schmied.
Elsa sagte mir irgendwas, aber bei Lohengrin regte sich mein Gedächtnis noch mehr. Nach dem Tod ihrer Mutter wird Elsas Vater von unsäglicher Melancholie heimgesucht und sucht sein Glück im Heiligen Land mittels eines Kreuzzuges. Der Verwalter soll solange die Geschicke des Reiches lenken. Als der Vater stirbt, zeigt der Verwalter sein wahres Gesicht und will sie zur Ehe zwingen, doch auch ihr Onkel erhebt Ansprüche auf das Reich. Elsa ist verzweifelt, sie will weder den Verwalter heiraten, noch das Reich an den Onkel abgeben. In ihrer Not ruft sie Gott um Hilfe an und über den Fluss kommt Lohengrin, auf einem von Schwänen gezogenen Schiff.
Die Schönheit der zeeländischen Königstochter Gudrun ist so legendär, daß der Sohn des Königs der Normannen sich unsterblich in sie verliebt und um ihre Hand anhält (ohne sie je gesehen zu haben). Doch Gudrun lehnt ab, liebt sie doch schon einen anderen, den Freund ihres Bruders Ortfried (oder Ortwin? Die damaligen Namen innerhalb der Clans werfe ich gerne durcheinander), dem sie die Ehe versprochen hat. Die Normannen entführen daraufhin Gudrun, ihre Hofdame und 60 weitere Frauen….
Wieland der Schmied findet bereits in Teil 1 immer wieder Erwähnung, als Schmiedelehrling mit Siegfried und dessen Feind, als Schmied des einzig wahren Wunderschwertes außer des vom Zwergenkönig Alberich und auch bei Dietrich von Bern taucht Wieland auf. Willi Fährmanns Deutsche Heldensagen basieren sowohl auf dem Nibelungenlied, als auch auf der Edda. Beide haben Überschneidungen, als auch Unterschiede, das macht die Wiederbegegnung mit Wieland und der Ungerechtigkeit, die diesem Enkel des schwedischen Königs widerfährt, so faszinierend.
Dieses Hörbuch erklärt für mich, was mich bei Teil 1 verwirrte. Das Booklet erklärt die Rüstung der Ritter im 13. Jahrhundert. Die Nibelungen spielten aber bereits zu Zeiten der Völkerwanderung also rund 500 n. Chr. Allerdings wurde das Nibelungenlied ebenso wie die Edda erst später im 13. Jahrhundert aufgeschrieben, damals, als die Rüstungen wie abgebildet aussahen. In der Geschichte Gudruns, die tatsächlich auch später, erst im 13. Jahrhundert spielt, wird auf immer wieder auf die Brünne Bezug genommen. Da wären wohl nicht nur Kinder beim Zuhören überfordert, auch ich hätte nicht gewusst was es ist. Auch wenn ich es interessant finde, daß sich mit Wieland dem Schmied der Heldenkreis zu schließen scheint, so sind mir persönlich Elsa und Gudrun die Liebsten. Elsa, die Aufrechte, die nicht den einfachen Weg wählt, sondern an ihrer Überzeugung festhält. Elsa, die für ihre Rechte als Frau und Königstochter einsteht und sich nicht einfach als Heiratsgut betrachten lassen will, ist ebenso eine Heldin wie ihr Lohengrin. Der edle Ritter unbekannter Herkunft, der nicht nach dieser befragt werden darf. Immer wieder kommen in diesen Heldensagen biblische Themen vor, so erinnert mich Elsa an die Frau Lots. Sie kennt die Regeln, doch vermag sie sie nicht einzuhalten, um ihrer Söhne Willen. Es regt zum Nachdenken an über die Frage, was macht einen Menschen aus, seine Herkunft oder seine Person?
Gudrun hingegen ist treu und standhaft und nicht bereit ihr Eheversprechen zu brechen, um in Gefangenschaft ein einfacheres Leben zu haben. Bei ihr musste ich immer an die heilige Ursula und ihre 80 Jungfrauen von Köln denken, wobei ja auch die Sabinerinnen geraubt wurden, oder die schöne Helena… Während mich nicht nur ihre Standhaftigkeit anrührt gefällt mir auch, daß die Schwester des Räubers stets gut zu ihr war.
Die Sagen von Teil 2 empfinde ich als weniger kriegerisch und dafür milder. Es werden sie Schwerter gezückt, aber es rollen nicht so viele Köpfe. Auch sind die weiblichen Helden einfach sympathischer als die rachsüchtige Kriemhild. Elsa und Gudrun sind deutlich gerechter. Doch sie sind sehr modern in ihren Ansichten, besonders Elsa. Bei Wieland hat mich fasziniert, daß ein Königssohn eigentlich keine Alternative hatte als Ritter und somit Krieger zu werden. Die Idee nicht in den Krieg ziehen zu wollen, schien absurd zu sein. Auch dass der Beruf des Schmiedes so hochangesehen war, war mir neu…
Ein wirklich vielschichtiges Hörbuch, daß man unbedingt mehrfach hören sollte.
Mittlerweile habe ich festgestellt, daß Willi Fährmanns Werk immer noch das Standardwerk der deutschen Sagen ist, auch wenn der Autor schon längst verstorben ist. So kam es, daß die ehemalige Klassenlehrerin meiner Tochter nach einer Klassenfahrt nach Xanten, die Kindern der 4. Klasse anschließend Siegfried und Kriemhild aus dem zugrunde liegenden Buch vorlas. Die Viertklässler fanden es nicht zu brutal, sondern haben gebannt gelauscht.
Vielleicht mag meine Tochter deshalb den Sprecher Peter Kaempfe nicht so gerne, er klingt nicht wie die Ursprecherin (aus ihrer Sicht) Frau Müller, bei Sprecherwechseln ist sie sehr eigen. Ihrer Freundin, die nicht mit ihr in der Grundschule war, findet Peter Kaempfe als Sprecher gut. Allerdings versucht er auf diesem Hörbuch Gudrun und Elsa eine weibliche Stimme zu verleihen. Das ist nicht ganz so gelungen, mir wäre weiterhin sein Sagenonkelvortrag lieber. Er hat in der Tat die passende Stimme zum Vortrag von Sagen und Märchen, die ja bisweilen miteinander verschmelzen. Er spricht sehr klar und deutlich.
Auf diesem Hörbuch sind die Clans nicht ganz so weit verzweigt wie bei den Nibelungen, Burgundern, Hunnen, …. in Teil 1, das erhöht das Verständnis beim erstmaligen Hören ungemein.
Auch wenn meine Tochter immer noch ein großer Siegfried-Fan ist, hat mir der 2. Teil der deutschen Heldensagen deutlich besser gefallen. Er verdient das mehrmalige Hören ebenso wie Teil 1, ist aber leichter verständlich für Ersthörer.

Veröffentlicht am 26.02.2019

Wieder sehr witzig und wunderschön illustriert

Zombert und die Zahnfee Pupsinella
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Zombert, der kleine Zombie, der seine Arme, Beine, Kopf und Nase abnehmen kann, ist gerade in seiner Gruft und jongliert. Da fliegen schon mal die Gliedmaßen, als sein Freund Konrad zu Besuch kommt. Der ...

Zombert, der kleine Zombie, der seine Arme, Beine, Kopf und Nase abnehmen kann, ist gerade in seiner Gruft und jongliert. Da fliegen schon mal die Gliedmaßen, als sein Freund Konrad zu Besuch kommt. Der hat gerade einen Wackelzahn, der trotz aller Bemühungen von Konrad, einfach nicht ausfallen will. Kein Problem für Zombert und seine Zahnziehmaschine! Die hilft sofort und schon taucht ein kleines stinkendes Etwas auf: Zahnfee Pupsinella! Die ist eigentlich eine Rosenfee, aber weil sie unerlaubten Schabernack getrieben hat, muss sie nun Milchzähne einsammeln. Mit Konrads verlorenem Zahn, ist ihr Beutel nun aber so schwer, daß sie nicht mehr fliegen kann. Was nun? Die zwei können sie nicht riechen und wollen sie nur loswerden!

Nein, keine Sorgen, hier geht es nicht um Feenmobbing, es ist einfach eine sehr lustige Leseanfängergeschichte, die mit alten Klischees aufräumt! Die Zahnfee ist nicht niedlich, sie stinkt, weil sie ständig pupsen muss. So sehr, daß es noch nicht mal ein kleiner Zombie erträgt! Pupsinella ist natürlich rosa und niedlich, aber sie müffelt eben auch und findet Konrad zu alt für Geschenke von der Zahnfee! (hihi, ein tolles Argument für die Eltern, sollten sie mal eins vergessen haben. Steht ja sogar im Buch, dann muß es ja auch stimmen!) Leider ist Pupsinella nicht so lustig, wie Fußballspiele oder Verstecken auf dem Friedhof. Da müssen die zwei mal ganz kräftig nachdenken, was sie da machen können. Hier kommen nun auch die übrigen üblichen Zombert Mitspieler zum Zug. Papagei Plapperkai und Hund Waldi machen sich gemeinsam mit ihnen auf zum Friedhofswächter Ignaz, möglichst weit weg mit den Püpsen von Zomberts Gruft....

Meine Tochter liest auch mit 9 Jahren total gerne Zombert, dann aber in einem Rutsch, auch wenn diese Leseanfängergeschichte in mehrere Kapitel unterteilt ist, damit die Anfänger nicht überfordert werden. Wer aber schon gut lesen kann, kann natürlich auch mal ganz schnell ein ganzes Buch lesen. Die Geschichte ist wirklich lustig. Sie greift altbekannte Kindermythen und Gruselgeschichten (klar, ein Zombie) auf und stellt die Klischees mal locker flockig auf den Kopf! Eine rosa pupsende Fee, die für eine dicke Libelle gehalten wird... Solche Scherze lieben Kinder, da merkt man vor lauter Kichern gar nicht, daß man ja immer weiterliest und empfindet es gar nicht so anstrengend. Klar, daß auf Anglizismen und wirklich schwierige Wörter hier verzichtet wird. Dennoch klingt es sprachlich nicht platt, sondern kindgerecht. Dieses Buch ist durchgängig farbig illustriert und zwar auf jeder Seite! Dabei sind die Bilder nicht nur farbig sondern auch fröhlich und bisweilen witzig, wenn z.B. Zombert beim Jonglieren aus Versehen seine Arme mit durch die Luft wirbelt oder die Zahnfee die Luft in der Gruft vernebelt. Plapperkai reisst wieder reimende Scherze, die nicht nur Spass machen, sondern auch das Sprachgefühl schulen. Dabei ist die Schrift schöne deutliche Fibelschrift in einem größeren Schrifttypus und mit nur wenig Textanteil pro Seite. So bleibt schon viel Raum für die herrlichen Illustrationen des Autors, der Malerei und Film in Köln studierte. Heute arbeitet er als Autor, Illustrator und Trickfilmer. Wem Zombert gefällt, es aber zu kurz findet, dem legen wir gerne die Reihe um Spinne Karl-Heinz und Stubenfliege Bisi ans Herz, beginnend mit „Du spinnst wohl!“.

Ach so, auch wenn hier eine rosa Zahnfee mitspielt, es ist kein Mädchenbuch, sondern definitiv für beide, aber wenn schon, dann eher Jungs als Mädchen, denn die Fee ist alles andere als kitschig süß ;) Dies ist bereits das 3. Zombert-Abenteuer, aber durchaus auch eigenständig lesbar.

Eine ganz tolle Reihe für Leseanfänger, auf die sich meine lesemuffelige jüngste Tochter immer wieder bei jedem neuen Band stürzt. Dicke Leseempfehlung von der Jüngsten mit 5 Sternen.