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Veröffentlicht am 21.04.2019

Zurück in Zons

Sündenkammer: Thriller
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Ich habe die ersten Zeilen gelesen und war wieder in Zons.


In Zons 1500, wo Bastian Mühlenberg Probleme mit der Arbeitsmoral der Soldaten der Stadtwache hat, und anscheinend Geister auf dem Friedhof ...

Ich habe die ersten Zeilen gelesen und war wieder in Zons.


In Zons 1500, wo Bastian Mühlenberg Probleme mit der Arbeitsmoral der Soldaten der Stadtwache hat, und anscheinend Geister auf dem Friedhof ihr Unwesen treiben. Als am nächsten Morgen ein toter Knabe gefunden wird, ist zwar klar wer der Geist gewesen ist, aber nicht warum und woran er starb.
Im Zons der Gegenwart geht ebenfalls die Angst um. Ein Unbekannter entführt Frauen, um sie wie Hexen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Hier steht Oliver Bergmann vor der schwierigen Aufgabe den Täter zu fassen.

Die Autorin schafft es wieder wunderbar, die verschiedenen Zeitebenen miteinander zu verknüpfen. Immer abwechselnd folgt der Leser dem Geschehen im Heute und in der Vergangenheit. Beide Handlungsstränge haben auf den ersten Blick keinerlei Berührungspunkte, außer dem Ort. Im Verlauf der Geschichte werden dann aber doch Zusammenhänge erkennbar, die beide Zeitebenen am Ende zusammen führen.

Obwohl jede Zeit für sich eine eigenständige Geschichte erzählt, gibt es keine harten, oder störenden Übergänge. Die Wechsel von einer Zeit zur Anderen sind immer so gewählt, dass man nicht aus der Geschichte herausgerissen wird. Verbindendes Detail zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist die Sünde. Heute wie Damals ist der Täter der Meinung, es wäre seine Aufgabe die Sünden zu ahnden und die Opfer zu bestrafen. Was ihre Sünde ist, liegt dabei ganz in seinem Ermessen.

Die Bücher um die Stadt Zons sind als Reihe angelegt und es gibt schon einige Vorgänger. Man kann die Bücher durchaus auch unabhängig voneinander lesen. Vorkenntnisse zu einem Detail, dass sich durch die kompletten Bücher zieht, erklären den Umstand, warum die Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart aufgespalten ist. Hat man diese nicht gleich, tut das meiner Meinung nach, dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Ermittlung in Serie

Ostseeangst
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Mit Ostseeangst liefert die Autorin bereits den 14. Fall um ihre Ermittlerin Pia Korittkis von der Lübecker Mordkommission. Ich kannte die Bücher bisher noch nicht, bin aber auch ohne Vorkenntnisse gut ...

Mit Ostseeangst liefert die Autorin bereits den 14. Fall um ihre Ermittlerin Pia Korittkis von der Lübecker Mordkommission. Ich kannte die Bücher bisher noch nicht, bin aber auch ohne Vorkenntnisse gut durch die Geschichte gekommen.


Im aktuellen Fall findet eine Gruppe Jugendliche während eines Ausflugs, eine abgetrennte Hand in den Resten eines Lagerfeuers. Kurz danach verschwindet die Betreuerin der Gruppe spurlos, und bei ihrer Suche stolpert die Kommissarin über eine Drogenplantage in einer alten Scheune.

Die Autorin beschreibt die verschiedenen Handlungsstränge, die sich alle irgendwie um eine Familie drehen, sehr spannend. Der Leser kann die teils schwierigen Ermittlungen verfolgen, genauso wie die Unstimmigkeiten innerhalb verschiedener Polizeiabteilungen, die nun gezwungenermaßen zusammen arbeiten müssen. Zwischendurch ist da auch noch das Gefühlschaos der Kommissarin zu spüren, die noch immer nicht den Tod ihres Freundes überwunden hat, und ihr schwieriger Spagat zwischen Familie und Beruf.

Das Buch ist sehr vielschichtig, die Autorin öffnet gleich mehrere Schauplätze, ohne genau zu verraten, ob und wie das Ganze in Verbindung zueinander steht. Sie macht das sehr geschickt, ohne das es dem Leser zu unübersichtlich wird. Man wird förmlich zum Spekulieren eingeladen, um am Ende doch wieder überrascht zu werden. Es ist spannend zu lesen, wie sich alle Puzzleteile zu einem Bild formen.

Einen wichtigen Anteil am funktionieren der Geschichte haben die speziellen, aber absolut glaubhaften Nebencharaktere. Hier hat die Autorin ganze Arbeit geleistet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 16.03.2019

Ein Kind wird entführt

Hundsbua
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Die Regionalkrimis aus dem Gmeiner Verlag sind immer ein Garant für spannendes Lesevergnügen. So auch in diesem Fall.


Im Buch pendelt die Geschichte zwischen München und Hamburg, bei den Ermittlungen. ...

Die Regionalkrimis aus dem Gmeiner Verlag sind immer ein Garant für spannendes Lesevergnügen. So auch in diesem Fall.


Im Buch pendelt die Geschichte zwischen München und Hamburg, bei den Ermittlungen. In München wird der Alptraum aller Eltern Realität, die kleine Tochter wird aus dem Kindergarten entführt. Eine Lösegeldforderung gibt es nicht, keine heiße Spur, keine Zeugen, dafür aber äußerst unkooperative Eltern, die ein befremdliches Benehmen an den Tag legen.

Der Autor konstruiert seinen Entführungsfall mit einigen Überraschungen für Leser und Ermittler. Nichts ist so wie es scheint. Nach und nach erhascht man einen Blick hinter die gutbürgerliche Fassade und kommt so einem perfiden Plan auf die Spur.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt, rund um die Eltern und die Ermittler auf der Suche nach der kleinen Sophia, und mit Blick auf den Entführer und sein Handeln. Das sorgt dafür, dass es spannend bleibt.

Die Figuren im Buch sind teils sehr speziell. Allen voran die Eltern, die sich ganz anders verhalten, als man es in einer solchen Situation erwarten würde. Sie lösen beim Leser sehr verschiedene Emotionen aus. Ebenso ein verdächtiges Päärchen, das die Arbeit der Beamten nicht ganz ernst zu nehmen scheinen, oder ein Ermittler mit einem sehr ausgeprägtem Dialekt.

Das Ende überrascht, ich hatte diese Wendung vielleicht in ähnlicher Form erhofft, aber nicht erwartet. Es hinterlässt leicht gemischte Gefühle bei mir.

Veröffentlicht am 10.03.2019

Krimi aus dem hohen Norden

Mord in Zimmer 11
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Eva Sturm, Ermittlerin auf Langeoog, ist nur eine Figur aus dem umfangreichen Krimiuniversum von Autorin Moa Graven. Ich lese von ihr nicht zum ersten Mal, allerdings ist bereits einige Zeit seit dem letzten ...

Eva Sturm, Ermittlerin auf Langeoog, ist nur eine Figur aus dem umfangreichen Krimiuniversum von Autorin Moa Graven. Ich lese von ihr nicht zum ersten Mal, allerdings ist bereits einige Zeit seit dem letzten literarischen Zusammentreffen vergangen. Mittlerweile ermittelt sie in ihrem 15. Fall und in der Zwischenzeit ist viel passiert. Viel hat sich im Leben von Eva Sturm verändert, trotzdem ist es wie nach Hause kommen, das Treffen mit einem guten alten Freund. Ich konnte quasi den Wind ums Häuschen pfeifen hören, während ich mit einer guten Tasse Ostfriesen Tee auf dem Sofa gesessen und gelesen habe.


Ich mag den Stil der Autorin sehr gern. Sie schreibt unaufgeregten, sehr nah a!m Alltag, nachvollziehbar, unterhaltsam, ohne wilde Verfolgungsjagden und übertrieben blutige Tatortbeschreibung. Viel Raum nimmt in ihren Krimis immer die Persönlichkeit des jeweiligen Ermittlers ein.

In diesem Fall bekommt es Eva mit dem Mord an einem wohlhabenden Ehepaar zu tun, das offensichtlich im Liebesurlaub auf Langeoog ist, in tietelgebendem Zimmer 11.
Parallel zu ihren Ermittlungen sind aber auch privat einige Ungereimtheiten in ihrer Beziehung zu Robert aufzuklären, der sich seit einiger Zeit nicht mehr gemeldet hat.

Die Verwirrungen im Fall sind gut mit der Achterbahn der privaten Gefühle vernetzt. Die Geschichte entwickelt sich stetig voran, bis am Ende Alles irgendwie ganz anders ist, als es zu Anfang den Anschein hatte. Langeweile kommt beim Lesen keine auf.

Handfeste Krimikost aus dem hohen Norden. Genau das Richtige für Leser, die ihre Figuren gern über einen langen Zeitraum begleiten.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Düster

Der Augenmacher
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Klara Frost ist optisch und menschlich so gar nicht vereinbar mit dem Bild des typischen, deutschen Kriminalisten, oder biederen Tatortkommissar. Dieser Umstand macht sie aber, für mich als Leser, interessant. ...

Klara Frost ist optisch und menschlich so gar nicht vereinbar mit dem Bild des typischen, deutschen Kriminalisten, oder biederen Tatortkommissar. Dieser Umstand macht sie aber, für mich als Leser, interessant. Der Autor hat nun aber die schwierige Aufgabe, sie mir auch glaubhaft zu verkaufen, denn schließlich lesen wir einen Thriller und keine Science Fiction.


Elias Haller schafft das aber sehr gut, wie ich finde, denn er beschreibt nicht nur die kontroverse Persönlichkeit seiner Ermittlerin, sondern auch die Probleme und Vorurteile, denen sie in ihrer täglichen Arbeit begegnet. Er hat bei ihrer Figur und ihrem Hintergrund eine gute Balance geschaffen. Sie ist genau im richtigen Maße speziell und durchgeknallt, aber eben nicht zu abgedreht, um glaubwürdig und praktikabel für den Polizeialltag zu sein.

Die Geschichte ist angelegt um einen Serienkiller, der schon seit langem gefasst ist, dessen Taten sich aber auf grausame Weise wiederholen. Die, für die Ermittler, einzige Verbindung zwischen den Taten, damals und heute, ist die Tochter des Täters, die als Kind den Mord an ihrer Mutter miterleben musste, bevor sie von ihrem Vater entführt und gefangen gehalten wurde. Leider ist sie keine große Hilfe, denn sie ist stumm, kommuniziert nur über kindliche Bilder mit der Außenwelt und lebt abgeschottet in einem Kloster.

Die Beschreibungen des Autors sind oft sehr brutal, direkt und auch blutig. Nicht unbedingt was für eher zartere Leser. Die Geschichte bietet interessante, liebenswert schrullige Figuren, von denen man unbedingt mehr lesen möchte, eine düstere Story mit mysteriösem abergläubischem Einschlag, ein kompliziertes Rätsel, bei dessen Lösung der Leser genau wie die Ermittler lange im Dunkeln tappen und falschen Spuren folgen, eben alles was das Herz des Thrillerlesers höher schlagen lässt.