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Veröffentlicht am 10.05.2019

Was lange währt..

Up All Night
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„Der Schmerz ist immer noch da, keine Frage. Aber was mich mehr ärgert, ist der Verrat an sich. Die Gefühle, die Sehnsucht sind nur ein schwacher Schein, während der Zorn lichterloh brennt.“ (aus „Up All ...

„Der Schmerz ist immer noch da, keine Frage. Aber was mich mehr ärgert, ist der Verrat an sich. Die Gefühle, die Sehnsucht sind nur ein schwacher Schein, während der Zorn lichterloh brennt.“ (aus „Up All Night“ von April Dawson)

Was für Taylor als ganz normaler Tag beginnt, endet in einem Desaster: Sie verliert nicht nur ihren Job und lässt sich das Auto direkt vor der Nase wegstehlen, sondern erwischt ihren Freund am selben Abend auch noch in flagranti mit ihrer Nachbarin. Plötzlich obdach-, job- und mutlos könnte es nicht gelegener kommen, dass Taylor ihren Schulfreund Daniel Grant wieder trifft, der ihr prompt einen Platz in seiner WG anbietet. Aber so süß und charmant Dan auch ist, von Männern hat Taylor erstmal die Nase voll und zum Glück ist Daniel ja schwul.
..Oder?

„Still Broken“ war das erste und bis vor kurzem einzige Buch, was ich von April Dawson gelesen habe. Leider war ich nicht besonders begeistert und daher skeptisch, was diese Reihe betrifft, doch die Leseprobe konnte mich überzeugen und so freute ich mich ungemein, dass ich im Rahmen einer Leserunde diesen Titel lesen durfte.
Das Cover ist natürlich an sich schon ein kleines Highlight. Die zarten Farben harmonieren wunderschön miteinander und die Dächer der Stadt im Hintergrund passen auch super dazu, sodass ich im Buchladen wohl kaum an diesem Buch vorbei gehen könnte, ohne neugierig auf den Inhalt zu werden.

Zu lesen ist die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Taylor und Daniel, welche beide aus ihrer Ich-Perspektive erzählen. Dadurch geben sie dem Geschehen eine persönliche Note und man fiebert mehr mit ihnen mit, als es bei einer neutralen Perspektive der Fall gewesen wäre. Dennoch war es teilweise auch ziemlich anstrengend, dass man die Gedanken der beiden zu jeder Zeit verfolgen konnte, besonders die von Taylor.
Der Schreibstil ist modern und umgangssprachlich, passend zur Leserzielgruppe, man kommt durch die lockere und leichte Sprachweise anfangs problemlos in das Buch rein und kann der Story gut folgen. Wenn man ein Schnellleser ist, kann man „Up All Night“ innerhalb weniger Tage beenden, also kein Werk mit dem man sich lange aufhält, was man von New Adult aber auch nicht unbedingt erwarten würde.

Die Charaktere betreffend war dieses Buch.. schwierig. Taylor, kurz Tae, hat am Anfang der Geschichte gleich die volle Breitseite des Schicksals entgegen geschmettert bekommen , und zu diesem Zeitpunkt war ich noch voll und ganz bei ihr. Ich habe mit ihr gelitten, war mit ihr zerstört und habe mich mit ihr gefreut, als Daniel sie aus ihrer Misere befreit. Doch da hörte es dann auch auf mit der Sympathie, denn MEIN GOTT ist dieses Ding naiv. Taylor scheint bis kurz vor Ende des Buches blind für etwas zu sein, was außer ihr wirklich jeder, also absolut JEDER rafft. Jeder. In der Leserunde wurde darüber diskutiert und ich kann mich der Meinung anschließen, dass ihre ahnungslose Art ziemlich anstrengend war und es genervt hat, wie blind sie war.

Daniel hingegen, der knuffige, teddige (Ich liebe Neologismen!), umsichtige, gefriendzonede beste Freund von damals, der zudem, wie von Tae geschätzte zehntausend Mal betont wird, auch noch einen ansehnlichen Körper hat, macht sich anfangs beim Leser direkt unbeliebt, indem er Taylor gleich bei der ersten Begegnung ins Gesicht lügt und im Laufe des Geschehens sämtliche Familienmitglieder und Freunde in seine Scharade mit hineinzieht. Doch natürlich will er seine gebrochene Freundin, seine einzig wahre Kindergartenliebe damit nur schützen, wie sollte es auch anders sein. Schwer verdaulich und etwas gruselig, aber dennoch irgendwie verkraftbar und fast schon süß, sodass zumindest Dan aus dem Schneider ist, was meine schlechte Laune betrifft.

Wer Stimmung immer etwas gerettet hat, waren Addison, die rotzig freche Schwester von Daniel sowie deren beste Freundin Grace, ein kleiner Wirbelwind und wirklich süßer Schatz. Über die beiden würde ich noch mehr lesen wollen und wenn ich das richtig gesehen habe, ist tatsächlich schon ein Band über Addy angekündigt. (freu!)

Abgesehen davon, dass das Buch voller Klischees ist, was mich aber keinesfalls stört, entwickelt sich die Beziehung der beiden Protagonisten nicht in rasend schnellem Tempo, wie ich es gern kritisiere, sondern dieses Mal gefühlt fast rückwärts. Irgendwann wollte man sie nur noch packen und zusammen in einem Zimmer einsperren, bis sie endlich übereinander herfallen, damit die Geschichte ihren gewohnten Gang bis zum nächsten Drama weitergehen kann. Fast Dreiviertel des Buches schleichen Tae und Dan umeinander herum, bis dahin ist die Lesergeduld dann auch aufgebraucht.

Was mir ebenfalls ganz übel aufgestoßen ist, sind neben zahlreichen Phrasen- und Ausdruckswiederholungen, die hoffentlich in der finalen Version noch einmal überarbeitet wurden, einige platte bis schon geschmacklose oder teils auch sehr unglücklich gewählte Formulierungen, die der Geschichte einen miesen Beigeschmack geben, den sie eigentlich gar nicht verdient hätte.
Einige Dialoge wirken wie aus dem Drehbuch eines dubiosen Schmuddelfilms, andere Textstellen bezüglich behinderter Verwandten von Dan und Addy rücken Taylor in ein schlechtes Licht, und bei einem völlig sinnfreien Telefonat von den beiden Hauptpersonen wurde im 2-Sätze-Takt entweder gekeucht oder geschnurrt, sodass mir nichts anderes blieb, als innerlich resigniert mit dem Kopf zu schütteln.

Mein Fazit:
Anfangs noch vielversprechend, doch es geht stetig weiter bergab. Anstrengende Protagonisten, kaum Charakterentwicklung und viele Patzer in der Wortwahl.. da können auch die sympathischen Nebencharaktere und der im Grunde genommen eigentlich sehr angenehme Schreibstil es nicht mehr rausreißen.
Ich hatte mir definitiv einiges mehr von diesem Buch versprochen, doch nach „Still Broken“ hat mich auch „Up All Night“ von April Dawson nicht begeistern können. Dennoch werde ich die Reihe weiter verfolgen, für Addy. Nur für Addy.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Gefühl
Veröffentlicht am 26.04.2019

Verwirrend und nicht, was ich erwartet hatte

My Dead Sister's Love Story (Roman)
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Von einen Tag auf den anderen ist Antonia Einzelkind. Gestern noch kleine Schwester, heute steht Toni ohne Zoe, ihre coole große Schwester da, die immer alle Regeln gebrochen hat und pure Lebensfreude ...

Von einen Tag auf den anderen ist Antonia Einzelkind. Gestern noch kleine Schwester, heute steht Toni ohne Zoe, ihre coole große Schwester da, die immer alle Regeln gebrochen hat und pure Lebensfreude war. Für ihre Hinterbliebenen fühlt es sich fast an, als hätten sie sich nicht gekannt, denn Zoe und Max, der Musiker mit dem sie unterwegs war, stellen sich nach und nach als ein wandelndes Geheimnis heraus. Antonia und Theo, Max' Bruder, versuchen, dem Autounfall ihrer Geschwister auf den Grund zu gehen und stöbern in deren gemeinsamer Vergangenheit, wobei sie nicht nur über die Liebe der beiden so einiges herausfinden, sondern auch über sich selbst.

Ich muss sagen, dass mich der Klappentext sofort neugierig gemacht hat. Die Geschichte um Toni und Theo klingt sehr interessant und die Idee, sich mit Hilfe eines Tagebuchs auf die Spuren ihrer verstorbenen Geschwister zu machen, mochte ich ebenfalls.
Der Schreibstil ist angenehm und durch die moderne, jugendliche Sprache lässt sich das Buch leicht und flüssig lesen, doch ich muss gestehen, dass ich die Entwicklungen des Geschehens nicht immer ganz nachvollziehen konnte.

Ehrlich gesagt, wüsste ich nicht mal, wie genau ich das für mich seltsame Verhalten der Charaktere anders begründen sollte als mit grenzenlosem Kummer. Antonias Vater ist vor Trauer außer sich und gibt Max und somit seiner Familie die Schuld für den Tod von Zoe. Regelmäßig rastet er aus, was man von einem vernünftigen Erwachsenen nun nicht gerade erwarten würde, Tonis Mutter dagegen leidet still, was ich schon eher nachvollziehen kann. Theo scheint der Tod seines Bruders komplett egal zu sein, dafür interessiert er sich umso mehr für Zoes, und Antonia dreht im Laufe der Geschichte, sorry, komplett am Rad.
Einerseits ist es ihr Wunsch, nicht nur die Schwester der Toten zu sein, andererseits unternimmt sie nur Schritte, die sie in die entgegengesetzte Richtung führen, vermischt ihr Leben mit Zoes, ihre eigenen Gegenwart mit Zoes Vergangenheit. Es ist für mich höchst verwirrend und ich verstehe nicht, was sie damit bezwecken will. Die Erinnerung an ihre Schwester erhalten, indem sie ihren Platz einnimmt? Erscheint mir ziemlich schräg und vor allem nicht besonders sinnvoll.

Das Aufrollen von Zoes und Max' Liebesgeschichte, das zumindest verspricht der Titel, hatte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie emotionaler, liebevoller, aufschlussreicher, nicht so verquer und verwirrend.
Dadurch, dass nur Antonia die Geschichte erzählt, weiß man kaum was über Theos Gedankengänge und ich konnte ihn bis zuletzt kaum einschätzen. Generell habe ich zu den Charakteren keine Verbindung aufbauen können, habe mich mit ihnen nicht wohl gefühlt und war ehrlich gesagt dann auch froh, als ich die Geschichte beendet hatte.
Ich hatte mir sehr viel versprochen, wurde am Ende aber grübelnd zurückgelassen. Vielleicht habe ich nicht aufmerksam genug gelesen, doch dieses Buch und ich kommen so oder so nicht auf einen grünen Zweig, wenn man zum Schluss noch genauso schlau ist wie am Beginn.

Mein Fazit:
Angenehmer Schreibstil, tolle Idee, aber mit der Umsetzung bin ich nicht glücklich geworden. Vielleicht tue ich der Autorin Unrecht, aber in Zukunft werde ich erst Rezensionen anderer abwarten und dann entscheiden, ob ich zu einem weiteren Buch greifen werde.


Gut gemeinte 2,5, bzw. aufgerundete 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 12.04.2019

Die kleine Athletin und der perverse Wüstling

Scandal Love
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„Sie konnte sich als mein Verhängnis entpuppen, trotzdem bekam ich wie ein Cracksüchtiger nicht genug von ihrem Gift.“ (aus „Scandal Love“ von L. J. Shen)

Sie ist blutjung, führt ihn aber trotzdem in ...

„Sie konnte sich als mein Verhängnis entpuppen, trotzdem bekam ich wie ein Cracksüchtiger nicht genug von ihrem Gift.“ (aus „Scandal Love“ von L. J. Shen)

Sie ist blutjung, führt ihn aber trotzdem in Versuchung..
Edie Van Der Zee ist gerade mal volljährig und genügt in den Augen des erfolgreichen und skrupellosen Geschäftsmanns Trent Rexroth nicht mal für die Stelle als Assistentin, die ihr Vater ihr in deren Firma aufzwingt. Als hätte Trent nicht genug mit seiner vierjährigen Tochter zu tun, die nicht mehr spricht, seit ihre Mutter die beiden vor einigen Jahren im Stich gelassen hat, muss er sich jetzt auch noch mit einem Teenager rumschlagen. Einem Teenager, der überraschenderweise einen Weg ins Herz seiner Tochter gefunden hat und in ihm verbotenen Gefühle weckt..

Scandal Love ist der dritte Teil der Sinners-of-Saint-Reihe von L. J. Shen. Die Bücher können aber auch unabhängig voneinander gelesen werden, nur dass man sich dann vielleicht bezüglich einiger Paarungen in der Geschichte spoilert. Ich kenne die ersten zwei Teile noch nicht, das hat das Verständnis dieses Teils aber nicht beeinträchtigt.

Erzählt wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Edie und Trent, so konnte man ihre inneren Konflikte und Gedanken gut nachvollziehen. Ich muss allerdings sagen, dass ich aufgrund von fehlender Sympathie hier und dort eher den Kopf über das geschüttelt habe, was sich die die beiden manchmal gedacht haben.
Der Schreibstil ist entsprechend des Genres einfach, anschaulich und unkompliziert, zudem sehr umgangssprachlich und damit an die Zielgruppe angepasst. Wenn einen die Geschichte fesselt, kann man das Buch sehr flüssig lesen, da bin ich sicher. Mir hat der Inhalt allerdings nicht so sehr zugesagt, sodass ich mich ein wenig gequält habe.

Edie ist innerlich zu alt für ihr Alter. Damit meine ich, dass sie trotz ihrer 18 Jahre bereits eine beträchtliche Verantwortung innerhalb ihrer Familie trägt und sie das in gewisser Weise sehr schnell hat reif werden lassen. Allerdings gab es auch Situationen, in denen sie sich wie ein typischer provozierender, frecher Teenager verhält, der mich an einer Schülerin erinnert hat, die ihren Lehrer zu verführen versucht. Sie ist schamlos und flirtend dem fast 20 Jahre älteren Trent gegenüber, was ich persönlich einfach nur geschmacklos finde. An und für sich finde ich die kontroverse Beziehung der beiden sehr spannend und auch mal was Neues. Jedoch wäre es für mich überzeugender gewesen, hätten die beiden sich nicht von der ersten Begegnung an gegenseitig gereizt, sondern wäre die Verbindung langsamer, unschuldiger und trotz innerem Widerwillen entstanden.

Trent ist ein Mann in den Dreißigern, hat bereits eine Tochter und seine wildesten Aufreißerzeiten eigentlich schon hinter sich. Doch Edie scheint den Jagdinstinkt und damit das Arschloch in ihm anzusprechen, trotz ihrer im Verhältnis zu ihm kükenhaften 18 Jahre Lebenserfahrung. Er sagt sich immer wieder halbherzig, sie sei ja noch ein Teenager und es sei absolut gegen alle Sitten, mit einem Kind was anzufangen, verhalten tut er sich aber komplett gegenteilig. Er zieht sich nicht aus der Affäre, wenn Edie mit ihm flirtet, liefert sich heiße Wortgefechte mit ihr und reizt sie bis aufs Blut, und das nicht nur mit Worten. Er spielt mit ihr und das obwohl er sie ja angeblich noch als Kind sieht. Ich hätte mir bei ihm mehr innere Zerrissenheit gewünscht bezüglich des riesigen Altersunterschieds, allerdings hat es ihm die meiste Zeit viel mehr zu schaffen gemacht, dass sie die Tochter seines Geschäftspartners ist.

Ich fand die Beziehung von Edie und Trent nicht gerade berührend oder angenehm. Man hätte den Konflikt des Altersunterschieds viel besser und intensiver ausbauen können, aber leider wurde das immer nur in einem Halbsatz erwähnt und beim nächsten Blick auf Edies Körper schon wieder vergessen.
Von der wahl-stummen Tochter von Trent hätte ich mir mehr Szenen gewünscht, sie war ein spannender Bestandteil der Geschichte, der leider für meinen Geschmack etwa zu kurz kam.

Mein Fazit:
Kein Meisterwerk, der Fokus auf das Wichtige ist ein wenig verrutscht, wie ich finde. Okay zu lesen, aber mehr auch nicht.
2,5 von fünf Sternen

Veröffentlicht am 16.03.2019

Wenn Nick einzieht

Wenn das Schicksal einzieht
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„Sie nahm nur noch die Leere wahr, die sich anfühlte wie das eisige Wasser Irlands, das sie immer tiefer hinabzog, bis alles um sie herum verschwand.“ (aus „Wenn das Schicksal einzieht“ von Teresa Wagenbach“)

Nach ...

„Sie nahm nur noch die Leere wahr, die sich anfühlte wie das eisige Wasser Irlands, das sie immer tiefer hinabzog, bis alles um sie herum verschwand.“ (aus „Wenn das Schicksal einzieht“ von Teresa Wagenbach“)

Nach einem Unfall ist Lola nicht mehr dieselbe. Zeitgleich mit jeglichem Gefühl in den Beinen ist ihr auch der Lebensmut abhanden gekommen und sie ist zu einem Schatten ihres früheren Ichs geworden. Was sie nicht weiß, ist, dass ihr der Unfall auch Erinnerungen genommen hat, nämlich die an ihre erste große Liebe Nick, der unerwartet nach fast einem Jahrzehnt wieder in ihr Leben tritt. Im Gegensatz zu ihr hat er sie und die Gefühle, die sie einst füreinander hatten, nie vergessen können und so nutzt er die Chance, ihr eingestellt von Lolas Vater wieder ein Stück ihrer Lebensfreude zurückzugeben. Gibt es für die beiden eine Zukunft oder wird es bei der gemeinsamen Vergangenheit bleiben?

Zuerst muss ich sagen, dass das Cover gepaart mit dem Verlag, in dem das Buch erschienen ist, eine geradezu magische Sogwirkung auf mich ausgeübt hat. Es ist einfach so hübsch anzusehen! Auch wenn ich nicht unbedingt einen Bezug zum Inhalt erkennen kann, vielleicht fehlt mir dazu die Fantasie.
Der Klappentext klingt im ersten Moment sehr tragisch und berührend, eine solche Geschichte hat gut umgesetzt bestimmt emotionales-Tränchen-Potential. Leider muss ich sagen, dass es etwas anders war, als ich es mir erhofft hatte.

Es wird aus den verschiedensten Sichten erzählt, sowohl auf Nick und Lola als auch auf Lolas Vater und deren Haushälterin, auch wenn es bei denen meist nur kurze Momente sind. Durch die fehlende Ich-Perspektive geht, wie ich finde, einiges an Gefühl verloren, man betrachtet das ganze Spiel zu distanziert, anstatt direkt in den Köpfen der Protagonisten drin zu stecken. Das finde ich sehr schade, da wäre glaube ich mehr Emotion möglich gewesen.

Zum Aufbau des eBooks muss ich sagen, dass es bei diesem eh schon recht kurzen Buch wirklich unglücklich ist, wenn einem suggeriert wird, man hätte noch 18% zu lesen, und auf einmal ist die Geschichte zu Ende und eine Leseprobe für ein anderes Buch beginnt. Beim Print-Exemplar hat man immer bessere Übersicht über die Rest-Seitenanzahl und gerade in diesem Fall hätte ich mir gewünscht, wenn die Länge des eBooks auch besser zur Länge der tatsächlichen Geschichte gepasst hätte.

Auch mit den Charakteren hatte ich so meine Probleme. Lola ist bereits 24, fast 25, ihre Einstellung und ihre Trotzanfälle passen aber besser zu einer 16-Jährigen. Gerade weil sie so einem Schicksalsschlag ausgeliefert war, hätte ich etwas mehr Reife erwartet und bin mit ihr einfach nicht warm geworden.
Genau wie ich zu ihr keine Beziehung aufbauen konnte, fehlte mir auch das gewisse Etwas bei Nick. Ich kann ehrlicherweise gar nicht spezifizieren, was das Problem war, ich mochte ihn schlichtweg nicht. Allerdings muss ich sagen, dass es bewundernswert ist, wie er sein Leben umgekrempelt hat, während er bei Lola und ihrem Vater gelebt hat. Er hat sich ungeachtet seiner schwierigen Kindheit aufgerappelt und was aus sich gemacht, zumindest wenn man außer Acht lässt, dass das alles nur mit Hilfe von Lolas Geld geschehen ist.

So traurig und berührend Lolas und Nicks Geschichte auch hätte sein können, ich bin einfach nicht reingekommen. Die (mit anderen Büchern verglichen wenigen) Seiten flogen nur so dahin und es ließ sich auch wunderbar leicht und flüssig lesen, doch ich habe auf den Moment gewartet, in dem mein Herz angesprochen wird und ich irgendwie mit den Beteiligten mitfühlen kann. Aber dieser Moment kam nicht, die Handlung war relativ vorhersehbar und so konnte auch das kleine Drama kurz vor dem Ende mich nicht schocken.
Es hat einfach noch mehr Tiefe gefehlt, der Funke konnte nicht wirklich überspringen.

Mein Fazit:
Ich bin relativ enttäuscht, muss ich sagen. Von der Geschichte hatte ich mir eindeutig mehr versprochen, mich konnte sie nicht berühren. Aber abgesehen vom Quäntchen Gefühl, was ich vermisse, war die Idee für die Story gut umgesetzt und die Handlung ordentlich. Für alle zu empfehlen, die eine leichte Nachmittagslektüre suchen und nichts allzu tiefgreifendes erwarten, Leuten mit Anspruch dagegen würde ich abraten.

Veröffentlicht am 11.03.2019

Magisches Gekritzel

Die Runenmeisterin
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„Du kannst nicht zu den Ochsen schielen, die du schützen willst, wenn ein Riese schon dabei ist, ihren Stall zu zertrampeln.“ (aus „Die Runenmeisterin“ von Torsten Fink)

Ayrin und ihr Zwillingsbruder ...

„Du kannst nicht zu den Ochsen schielen, die du schützen willst, wenn ein Riese schon dabei ist, ihren Stall zu zertrampeln.“ (aus „Die Runenmeisterin“ von Torsten Fink)

Ayrin und ihr Zwillingsbruder Baren haben ihr Leben lang nichts anderes gesehen als das Dorf, in dem sie als Babys auf einer Schwelle abgelegt wurden. Doch als sie gefährlichen Besuch erhalten, offenbart sich den beiden ihr Schicksal: Sie werden mit einem Runenmeister als dessen Schüler reisen und gerade Ayrin beweist dabei außerordentliches Talent. Wird sie die nahende, dunkle Bedrohung, die die Truppe verfolgt, abwenden können?

Ich war mir zu Beginn des Buches nicht sicher, ob mir diese Art von Fantasy wirklich gefällt, nun habe ich meine Antwort. Runen sind an und für sich zwar spannend, aber ich habe mich irgendwie nicht wohl in der Geschichte gefühlt.

Begonnen hat dieses Gefühl damit, dass nicht aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, sondern aus verschiedenen Sichten auf unterschiedliche Charaktere, unter anderem Ayrin und die Hexe Ragne von Bial. Ich habe keine Beziehung zu den Personen aufbauen können, so sehr ich es auch versucht habe, mir war einfach keiner wirklich sympathisch, sie haben mich eher kalt gelassen.
Gut gelungen fand ich jedoch den Aufbau des Buches, begonnen mit einem Prolog, in dem eine Person spricht, die zu Beginn jedes der drei Teilen, in die das Buch gegliedert ist, erneut einen einleitenden Auftritt hat. So hat man immer mal einen Eindruck von der gefährlichen, dunklen Seite bekommen, die Ayrin und ihren Begleitern entgegen steht.

Probleme hatte ich auch mit dem Schreibstil, er war mir einfach zu altbacken. Die Art und Weise der Sprache ist der Zeit, in der das Buch spielt, definitiv angemessen, das streite ich auf keinen Fall ab. Aber besonders gefallen hat er mir nicht, ich musste mich am Anfang ganz schön dran gewöhnen, da ich sonst eher moderne Bücher lese. Wenn man allerdings erstmal drin war in der Geschichte, dann ging es, finde ich, und man kam gut voran.

Die Charaktere waren mir alle etwas zu nichtssagend. Ayrin pendelt die ganze Zeit irgendwo zwischen aufmerksam, clever und gelehrig auf der einen und oberflächlich, herrisch und konsumorientiert auf der anderen Seite, was sich allerdings erst im späteren Verlauf des Buches zeigt und im Gegensatz zu ihrem früheren Verhalten steht. Eigentlich schade, denn sie hatte Potenzial.
Baren spielt von Anfang an eine Nebenrolle. Obwohl er und Ayrin Zwillinge sind, wirkt es eher so, als wäre er der kleine Bruder, der sich herumkommandieren und bevormunden lässt. Zudem macht er keinen besonders schlauen Eindruck und stellt sich nicht selten ziemlich ungeschickt an, was ihn zusätzlich dümmlich wirken lässt, wobei er das gewiss nicht ist.

Abgesehen davon, dass ich mit den Protagonisten nicht warm geworden bin, hatte das Buch die Handlung betreffend auch einige Hänger. Die Spannung lässt bis zum Ende des letzten Drittels auf sich warten, davor plätschert die Geschichte eher leicht als dass sie fließt. Die Gruppe um Ayrin verfolgt eigentlich kein anderes Ziel als die Zutatensuche für Zauberei, was jetzt nicht gerade der Stoff für Legenden ist, während auf der feindlichen Seite Pläne geschmiedet werden. Aber wie gesagt, packen konnte es mich leider nicht.

Vielleicht hat mir einfach die Liebe gefehlt. Nicht, dass es keine gegeben hätte, aber es war vielleicht einfach zu wenig. Wenn ich daran denke, dass Ayrin statt von ihrem Bruder vielleicht von einem gutaussehenden, düsteren Knecht des Runenmeisters begleitet werden könnte oder dergleichen, dann gefällt mir die Geschichte sehr viel besser. Ich sage ja gar nicht, dass jede Fantasy-Geschichte Liebe braucht, aber dieser hätte sie zumindest in meinen Augen gut getan.

Mein Fazit:
Leider nicht so gut wie erwartet. Ich hatte mir mehr erhofft, ob ich eine Fortsetzung lesen würde, weiß ich nicht.
Wer reine Fantasy gern liest, mag hier gut aufgehoben sein, Romantasy-Fans könnten enttäuscht werden.