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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2019

Kann mit den Vorerfolgen des Autors nicht mithalten

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Schade, auch der Name Joel Dicker ist kein Garant für gelungene Spannungsromane. Jedenfalls kann der neue Roman nicht mit dem vielgepriesenen „Die Wahrheit über den Fall Harry Québert“ mithalten.
Das ...

Schade, auch der Name Joel Dicker ist kein Garant für gelungene Spannungsromane. Jedenfalls kann der neue Roman nicht mit dem vielgepriesenen „Die Wahrheit über den Fall Harry Québert“ mithalten.
Das Grundmuster ist ähnlich. Aber die ganze Geschichte wirkt wie ein großes Durcheinander. Allein die mehr als 30 Romanfiguren, die zum Glück kurz am Ende des Buches erklärt werden, machen alles unübersichtlich. Viele von ihnen bergen eigene Geheimnisse, sind exzentrisch und werden klischeehaft dargestellt. Zudem spielen die Nachforschungen auf zwei Zeitebenen (1994 und 2014). Die drei Ermittler folgen irgendwie planlos einer zu großen Anzahl von Spuren, die sich schnell als falsch erweisen. Viele Passagen und Szenen sind weit hergeholt und surrealistisch. Nach einer Weile jedenfalls verlor sich meine Lust am Weiterlesen und ich wollte nur noch das Ende wissen.

Veröffentlicht am 23.03.2019

Tote erzählen

Das Feld
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Dieser Roman ist in Kapitel unterschiedlicher Länge unterteilt, in denen verstorbene und auf dem Friedhof (genannt „das Feld“) der fiktiven Kleinstadt Paulstadt begrabene Einwohner Ereignisse aus ihrem ...

Dieser Roman ist in Kapitel unterschiedlicher Länge unterteilt, in denen verstorbene und auf dem Friedhof (genannt „das Feld“) der fiktiven Kleinstadt Paulstadt begrabene Einwohner Ereignisse aus ihrem vergangenen Leben erzählen. Zwischen den Menschen, deren Namen den Kapiteln die Überschriften geben, gibt es mehr oder minder enge Verknüpfungen. Über die Zeit nach ihrem Tod wird nichts erzählt mit Ausnahme des Umstands, dass sie noch immer in ihrem Grab auf dem Feld liegen.
Was uns der Autor sagen will, hat sich mir nicht erschlossen. Das Erzählte wirkt auf mich recht banal und abstrakt. Dass es Tote sind, die zu Wort kommen, und diese zuweilen auch Details über ihr zu Tode kommen thematisieren, stimmt melancholisch, was noch dadurch verstärkt wird, dass die wenigsten Personen zu Lebzeiten glücklich gewesen sind.
Für mich hat der Autor schon bessere Bücher geschrieben.

Veröffentlicht am 21.03.2019

Traurig stimmend

Die Angehörigen
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Nach der durchaus gefälligen Leseprobe hat mich das Buch insgesamt etwas enttäuscht zurückgelassen. Ältere, trauernde oder depressiv veranlagte Leute sollten von der Lektüre besser Abstand nehmen.
Der ...

Nach der durchaus gefälligen Leseprobe hat mich das Buch insgesamt etwas enttäuscht zurückgelassen. Ältere, trauernde oder depressiv veranlagte Leute sollten von der Lektüre besser Abstand nehmen.
Der Roman beleuchtet recht unbarmherzig die Themen Alter und körperlichen Verfall am Beispiel des Protagonisten Gene Ashe. Er wird eingeführt kurz nach dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau Maida, mit der er 49 Jahre verheiratet war. Ihr Tod und sein Kummer darüber sind Anlass für ihn, über sein Leben und seine Beziehungen zu sinnieren. Fast endlos reflektiert er, verloren wirkend, über sein Verhältnis zu seiner Frau, zu seiner ihm eher fremden einzigen Tochter und zu seinem engsten Freund, was in Verdächtigungen zu einem Verhältnis zwischen Frau und Freund sowie dem Anzweifeln seiner Vaterschaft mündet. Am Ende bleiben mehr Fragen offen, als dass es Antworten gibt.

Veröffentlicht am 20.02.2019

Eintauchen in die indische Kultur

Wir, die wir jung sind
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Um dieses Buch zu lesen, sollte man viel Lesezeit einkalkulieren. Das ist nicht allein auf den Umfang von über 600 Seiten zurückzuführen. Die vielen verwendeten indischen Vokabeln erschweren vielmehr das ...

Um dieses Buch zu lesen, sollte man viel Lesezeit einkalkulieren. Das ist nicht allein auf den Umfang von über 600 Seiten zurückzuführen. Die vielen verwendeten indischen Vokabeln erschweren vielmehr das Lesen. Längst nicht alle sind im abschließenden Glossar erläutert und ihr Sinn erschließt sich nicht ohne weiteres. Unbedingt sollte man auch Interesse an Indien mitbringen. Denn thematisiert wird Landestypisches wie das Kastenwesen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Traditionen, Religionen und der rapide wirtschaftliche Fortschritt des Schwellenlandes.

Vorrangig ist es eine Familiengeschichte. In ihr rankt sich alles um Devraj, schwerreicher und mächtiger Chef eines Firmenimperiums. Jetzt im Alter steht er vor der Verteilung seines Erbes. Mögliche Nachfolger sind seine drei Töchter, von denen die beiden älteren der „Company“ nützliche Ehemänner geheiratet haben, während die jüngste aufbegehrt und sich als Umweltaktivistin engagieren will, was zum Machtkampf eskaliert.

Zunächst wirkt die Geschichte sehr real und erinnert an indische Spielfilme. Soweit habe ich sie gern gelesen. Irgendwann geht der reale Bezug aber verloren und sie artet ins Groteske aus, zumal auch Devraj geradezu irre wird. Alle Beteiligten spinnen Intrigen und die Entwicklung nimmt brutale Ausmaße an. Es gibt sogar eine Reihe Toter.

Ein zunächst vielversprechender Roman mit zusehends merkwürdiger werdender Handlung.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Ein distanziertes Buch über die Liebe

Die zehn Lieben des Nishino
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In dem Buch erzählen uns zehn Frauen von ihrer Liebesbeziehung zu Nishino. Es sind völlig unterschiedliche Frauen – Hausfrau, Chefin, Nachbarin, Kollegin, sogar völlig Fremde. Aus der Perspektive dieser ...

In dem Buch erzählen uns zehn Frauen von ihrer Liebesbeziehung zu Nishino. Es sind völlig unterschiedliche Frauen – Hausfrau, Chefin, Nachbarin, Kollegin, sogar völlig Fremde. Aus der Perspektive dieser Frauen - und nur durch sie - lernen wir Nishino als einen rätselhaften, attraktiven, beliebten Liebhaber kennen. Alle Frauen sind stolz, Nishino gekannt und geliebt zu haben. Dieser selbst ist stets gewiss, dass alles enden würde, weshalb keine der Frauen zögert, ihn aufzugeben.
Für mich handelt es sich um den typischen Roman einer japanischen Autorin, von denen ich gerade in letzter Zeit mehrfach welche gelesen habe. Der Erzählstil bleibt zu distanziert und kalt, was so gar nicht zum Thema Liebe passt, um das es doch geht. Mit allen Romanfiguren bin ich nicht so recht warm geworden.