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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2019

Eine echte Entdeckung

Usedom
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Seit 20 Jahren fahren mein Mann und ich fast jeden Sommer und auch einige Winter nach Usedom. Kann uns ein Buch da wirklich noch neue, unbekannte Kleinode auf „unserer Insel“ nennen? Ja, Autorin Claudia ...

Seit 20 Jahren fahren mein Mann und ich fast jeden Sommer und auch einige Winter nach Usedom. Kann uns ein Buch da wirklich noch neue, unbekannte Kleinode auf „unserer Insel“ nennen? Ja, Autorin Claudia Pautz hat es geschafft, uns zu überraschen. Mit ganz viel Liebe zum Detail schreibt sie über ihre Heimat und teilt neben (uns) bereits bekannten, auch ihre geheimen Tipps. Dabei orientiert sie sich an der Insel selbst. An der Grenze Ahlbeck beginnend und in Swinemünde endend, nimmt sie den Leser auf eine Rundreise mit. Zur besseren Übersicht gibt es zu Beginn des Buches eine Karte, in der die Nummern der Sehenswürdigkeiten verzeichnet sind – so kann man sich einen schnellen Überblick verschaffen, wo man sein ausgesuchtes Ziel findet oder was noch in der Nähe ist. Sie empfiehlt z.B. Eisdielen und Restaurants, Museen und Galerien, versteckte Kirchen und abgelegene Naturschönheiten, besondere Aussichtpunkte und Orte der Ruhe. Hier sollte sich wirklich für jeden Geschmack und jede Stimmung etwas finden lassen. Außerdem gibt es zu jedem Ziel noch einen kleinen Zusatz-Tipp. Illustriert werden diese von sehr stimmungsvollen Fotos, welche die Sehnsucht nach Usedom schüren.
Bei unserem nächsten Besuch werde ich mir z.B. den Bücherbaum in Zempin ansehen, wo man die ausgelesene Urlaubsliteratur tauschen kann, aber auch die Kirche im Walde, der Kur- und Heilwald in Heringsdorf und der Sieben-Seen-Blick in Neu Sallenthin haben uns neugierig gemacht.
5 Sterne und meine Empfehlung für alle neuen und altgedienten Usedom-Urlauber.

Veröffentlicht am 03.04.2019

Ein Feldpostbrief für Martha

Honigduft und Meeresbrise (Neuauflage)
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... ist es, der die Geschichte ins Rollen bringt.

Anna steckt gerade in einer Lebenskrise. Ihre beste Freundin Mona ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und kurz darauf starb auch noch ihr ...

... ist es, der die Geschichte ins Rollen bringt.

Anna steckt gerade in einer Lebenskrise. Ihre beste Freundin Mona ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und kurz darauf starb auch noch ihr Opa. Ihr Freund Jens hat kein wirkliches Verständnis für ihre anhaltende Trauer, weil er gerade mitten in seiner Doktorarbeit steckt. Also verkriecht sich Anna bei ihrer Oma Johanna in Lüdinghausen. Schon der Duft des frisch geschleuderten Honigs, den ihre Oma selber erntet und verarbeitet, lässt Anna etwas zur Ruhe kommen.
Da steht der Postbote mit einer Reporterin und einem alten Feldpostbrief vor Johannas Tür. Der Brief wurde 1941 auf Jersey von einem gewissen Johann Kranichberg an Johannas Mutter Martha, wohnhaft in Ahrenshoop, geschrieben. Johanna glaubt erst an eine Verwechslung, ihre Mutter war ihres Wissens nach nie in Ahrenshoop und auch der Absender sagt ihr nicht. Trotzdem lässt sie sich von Anna überreden und öffnet den Brief - und erfährt ein altes Familiengeheimnis. Um zu erfahren, was damals wirklich passiert und aus Johann geworden ist, fahren Anna und Oma Johanna spontan nach Ahrenshoop. Vielleicht können sie dort mehr über die Vergangenheit erfahren?
Der Darß hält wirklich so einige Geheimnisse für Anna bereit. Warum kennt sich Johanna in dem gemieteten Haus so aus, wenn sie noch nie da war? Wieso sieht eine junge Frau dort Johannas Vater so ähnlich? Und was hat es mit der Muschel auf ihrer Fensterbank auf sich, die der ihrer Uroma so ähnlich sieht?

„Honigduft und Meeresbrise“ ist nach „Apfelkuchen am Meer“ und „Drei Schwestern am Meer“ bereits der 3. Roman von Anne Barns mit echter Meeres-Wohlfühlgarantie. Ganz schnell ist man auf dem Darß und im Buch angekommen. Mir gefällt, dass Anne Barns Protagonisten immer sehr vielschichtig und aus dem Leben gegriffen sind.
Anna hat mir sehr leid getan. Sie gibt sich die Schuld an Monas Tod, weil diese damals auf dem Weg zu ihr war, als der Unfall passierte. Auch Timo, Monas Partner, ist noch nicht darüber hinweg. Er war damals der erste Mann, für den Anna und Mona gemeinsam geschwärmt haben. Mona hat ihn bekommen, doch jetzt entwickeln sich zwischen ihm und Anna zarte Bande. Wäre das nicht Betrug an Mona?! Und was ist mit Jens? Ihre Beziehung läuft zur Zeit zwar nicht so toll, aber daran könnte man ja arbeiten.
Dann taucht auch noch Annas beste Freundin Peggy aus Kindertagen wieder auf. Mona hat Peggy damals abgelöst, man hatte sich aus den Augen verloren. Trotzdem verstehen sich die beiden jetzt auf Anhieb wieder. Aber so ganz kann Anna ihre Vorbehalte gegenüber Peggy noch nicht fallen lassen. Die Auszeit am Meer kommt Anna da gerade recht. Auf dem Darß fallen ihr die Entscheidungen plötzlich viel leichter: „Über Ahrenshoop liegt ein Zauber, dem du dich nicht entziehen kannst.“ (S. 207)
Ihre Oma Johanna habe ich sofort gemocht. Sie ist eine Frau mit einem großen Herzen und tollem Humor, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Sie ist immer für andere da, obwohl sie selbst um ihren Mann trauert. Johanna fängt Anna auf, versorgt sie mit Honig(Schnaps), guter Hausmannskost, Lebensweisheiten und lenkt sie mit der Suche nach der Vergangenheit von ihrer Trauer ab.

„Honigduft und Meeresbrise“ ist ein wunderbarer Roman über Geheimnisse, Freundschaft, Liebe, Familie und Mee(h)r, bei dem man den Sand zwischen den Zehen, den Honig im Mund und Wind und Wellen auf der Haut spüren kann.

Veröffentlicht am 01.04.2019

Kleine große Édith Piaf

Madame Piaf und das Lied der Liebe
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Es gibt wohl kaum jemanden, der den von Édith Piaf gesungenen Chanson „La vie en Rose“ noch nie gehört hat. Aber welche Geschichte steht hinter dem Text, den sie selbst geschrieben hat? Es ist das Lied ...

Es gibt wohl kaum jemanden, der den von Édith Piaf gesungenen Chanson „La vie en Rose“ noch nie gehört hat. Aber welche Geschichte steht hinter dem Text, den sie selbst geschrieben hat? Es ist das Lied von Édiths Liebe zu Yves Montand.

Die beiden lernen sich 1944 kennen. Der Krieg in Frankreich ist gerade vorbei und die „Säuberungsaktionen“ laufen – auch Édith wird der Kollaboration mit Deutschen verdächtigt, weil sie in deutschen Kriegsgefangenenlagern gesungen hat. Édith hat Angst vor einer Verhaftung. Aber sie ist auch berühmt, soll in wenigen Wochen bei der Wiedereröffnung des Moulin Rouge auftreten und braucht noch einen „Anheizer“. Man schlägt ihr Yves Montand vor. Als sie sich zum ersten Mal sehen, sind sie sich sofort unsympathisch. Er nennt sie „Weltschmerzheulsuse“. Sie findet ihn talentlos, grotesk, albern und peinlich – kurzum: unmöglich. Bis er anfängt, Chansons zu singen ...

Selten gab es ein ungleicheres Liebespaar als Édith und Yves. Sie ist nicht mal 1,50 m, er fast 1,90 m, sie ist keine klassische Schönheit, er ein Frauenschwarm, sie katholisch und politisch eher unbedarft, er sehr engagiert, sie hat keine richtige Familie, er eine große italienische. Außerdem ist Édith 6 Jahre älter als Yves und hat eine großen Verschleiß an Liebhabern, nie hält sie es lange mit ihnen aus: „Manchmal schien es ihr, als wolle sie nicht glauben, dass sie der Liebe wert war.“ (S. 170)

Michelle Marly erzählt die Geschichte einer kleinen Frau mit einem riesengroßen Herzen, die gern lebt, liebt, lacht, genießt und ihr Geld mit vollen Händen für sich und ihre Freunde ausgibt. Dabei stammt sie von ganz unten. Die Mutter hat die Familie verlassen, als sie gerade mal 2 Monate alt war. Ihr Vater hat ihr früh klar gemacht, dass sie Geld verdienen muss. Nur „... die Tonfolgen ... schenkten ihr Geborgenheit. Die Musik vermittelte ihr eine Wärme, die sie vergessen ließ, dass sie keine zärtlichen von Mutter oder Vater kannte.“ (S. 15)
Erinnerungen und Ängste verdrängt Édith erfolgreich. Ihren Alltag meistert sie mit Hilfe ihre Entourage, zu der u.a. ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Simon zählt, die das (oft nicht vorhandene) Geld verwaltet, Sekretärin Dédée, Komponistin Marguerit Monnot (Guite) und Texter und Liebhaber Henri Content. Sie alle sorgen dafür, dass „die Marke Piaf“ funktioniert: „Schon von klein auf war sie auch süchtig nach dem Beifall des Publikums. Die Zuwendung, die sie durch den Applaus erhielt, hatte ihr stets die Liebe einer fürsorglichen Familie ersetzt.“ (S. 54)

Und jetzt kommt da Yves. Der Sohn italienischer Einwanderer stammt auch aus ärmsten Verhältnissen, hatte im Gegensatz zu ihr aber eine behütete Kindheit und ist Teil einer großen liebevollen Familie. Schnell wird aus ihm und Édith ein Paar. Ihn scheint sie zum ersten Mal wirklich zu lieben – was nicht heißt, dass sie Henri sofort aus ihrem Bett oder Leben wirft. Aber für Yves nimmt sie sich zurück, protegiert und unterstützt ihn, bis er ihre Erwartungen übererfüllt. „Manchmal habe ich das Gefühl, er ist der Bühnenlöwe, der mich eines Tages frisst. Seine Präsenz ist unglaublich.“ (S.342) Jetzt müssen sich ihre künstlerischen Wege trennen, sagen die Veranstalter.
Auch ihre Liebe wird immer komplizierter, Yves immer besitzergreifender. „Ich werde dich heiraten, und deshalb darf es keinen anderen mehr in deinem Leben geben.“ (S. 244) Nur einen richtigen Antrag macht er ihr nie.

Michelle Marly hat es nach „Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ auch hier wieder geschafft, dass Édith, Yves und die anderen historischen Personen vor meinem inneren Auge lebendig wurden. Sehr bildlich schildert sie die damalige Lebensart, das französische Flair, welches auch kurz nach dem Krieg schon wieder zu spüren ist. Die schwierige Zeit zwischen Krieg und Frieden, die von Hunger und Ängsten, aber auch der Sehnsucht nach der guten alten Zeit und Unterhaltung geprägt ist.
Ja, Édith erscheint oft egoistisch, trotzdem mochte ich sie sehr. Ihren trockenen Humor und dass sie für ihre Freunde da ist, dass sie aus dem unbekannten Yves Montand einen Star macht und ihn nicht klein hält. Fesselnd und gespickt mit vielen Hintergrundinformationen erzählt die Autorin die große Liebe der „kleinen großen Édith Piaf“, in die ich eintauchen und den Alltag ringsum vergessen konnte.

Veröffentlicht am 28.03.2019

Wenn eine Auszeit am Meer Kopf und Herz so richtig durchpustet

Sterne sieht man nur im Dunkeln
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„Ich finde, wir sollten heiraten.“ (S. 21) – jede andere Frau würde nach 10 Jahren Beziehung in Freudentränen ausbrechen, aber für Anni fühlt sich Thies Antrag falsch an. Sie lieben sich, keine Frage, ...

„Ich finde, wir sollten heiraten.“ (S. 21) – jede andere Frau würde nach 10 Jahren Beziehung in Freudentränen ausbrechen, aber für Anni fühlt sich Thies Antrag falsch an. Sie lieben sich, keine Frage, aber sie sind doch auch ohne Trauschein glücklich. Außerdem hat ihr Chef ihr gerade das Angebot gemacht, die neue Niederlassung in Berlin zu leiten. Anni hat schon während des Studiums als Gamedesignerin gearbeitet und ist dort hängengeblieben, hat ihren Abschluss nie gemacht. Aber seit einiger Zeit ist sie nicht mehr ganz so glücklich im Job. Sie hat sich ein zweites Standbein geschaffen, indem sie Kunstdrucke als Poster und Postkarten entwirft und online verkauft.
Als Thies eine berufliche Veränderung nicht mal in Betracht zieht, kracht es zwischen ihnen. „Mein Thies, den ich immer für meinen Seelenverwandten gehalten hatte und den ich in letzter Zeit immer weniger verstand.“ (S. 49)
Und plötzlich ist da die Postkarte von ihrer ehemals besten Freundin Maria aus Norderney. 10 Jahre herrschte Funkstille zwischen ihnen. Kurzentschlossen nimmt sich Anni 6 Wochen frei und fährt zu ihr. Sie muss ihr Leben überdenken und entscheiden, wie es weitergehen soll ...

Obwohl das Debüt „Sterne sieht man nur im Dunklen“ von Meike Werkmeister als Liebesgeschichte angepriesen wird, steht diese für mich nicht im Vordergrund. Das Buch sagt sehr viel mehr aus, die Geschichte geht viel tiefer.
Anni ist Mitte 30 als sie merkt, dass sie und ihr Freund sich immer mehr auseinander leben. Nach dem Erfolg im Job sollen jetzt also Hochzeit, Kinder, Hund, Haus und Garten kommen. Dabei haben sie gerade die Freiheit, die sie sich gegenseitig gewährt haben, immer genossen.
Auf Norderney muss sie sich zusätzlich noch mit ihrer Herkunft und Vergangenheit auseinandersetzen, denn es gab einen guten Grund für die jahrelange Funkstille zwischen Marie und ihr – ihre Jugendliebe Jan. Wegen ihm kann Anni nur noch schwer vertrauen und ist sich unsicher in ihrer Beziehung zu Thies: „Ich trau dem Glück nur nicht mehr so recht über den Weg.“ (S. 155) Dabei war der bisher immer ihr sicherer Hafen, ihr Fels in der Brandung.

Das Buch ist eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle und hat mich mehrfach überrascht, sprachlos gemacht und ja – ich musste auch 2-3 Tränchen wegdrücken. Einmal angefangen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen und habe es in einer Nacht durchgelesen. Es zeigt, was Liebe alles sein kann, dass man auch verzeihen können, sein Schicksal annehmen und auf seine innere Stimme hören muss. „Manchmal braucht es eine Veränderung von außen, damit sich innen was bewegt.“ (S. 112)

Norderney bildet das perfekte Setting für diese Geschichte. Man kann den Sand zwischen den Zehen und Zähnen und den Wind und das Meerwasser im Gesicht förmlich spüren.

Veröffentlicht am 27.03.2019

Der Deal mit dem Tod

Tante Poldi und die Schwarze Madonna
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Beim Exorzismus einer Frau in Rom behauptet deren Dämon plötzlich auf bayrisch, er sei Poldi: „Isolde Oberreiter aus Torre Archiafi, hast mi?!“ (S. 9). Wenige Stunden später stürzt sich die junge Nonne, ...

Beim Exorzismus einer Frau in Rom behauptet deren Dämon plötzlich auf bayrisch, er sei Poldi: „Isolde Oberreiter aus Torre Archiafi, hast mi?!“ (S. 9). Wenige Stunden später stürzt sich die junge Nonne, die dieser Beschwörung assistiert hat, vom Dach der päpstlichen Wohnung zu Tode. Da ist es nicht verwunderlich, dass ein Commissario der vatikanischen Gendarmerie und ein päpstlicher Padre vor Poldis Tür stehen, um sie zu befragen. Und obwohl Poldi weder die Besessene noch die Nonne kennt und der Fall für sie damit eigentlich erledigt wäre, macht sie sich natürlich selbst auf den Weg nach Rom, um zu ermitteln. Dabei bringt sie anscheinend ganz Torre Archiafi gegen sich auf, denn es werden Drohungen an ihre Hauswand gesprüht und die Signora Cocuzza kündigt ihr die Freundschaft.
Doch auch der Neffe hat ein Problem. Irgendwas ist im Urlaub mit Valérie schief gegangen, aber er will (noch) nicht drüber reden.

Tante Poldi steckt wieder mal in Schwierigkeiten. OK, das ist für den Neffen jetzt nichts Neues, auch nicht, dass er in den Fall mit reingezogen wird. Neu ist allerdings, dass er sich jetzt (endlich) als ihr offizieller „Krimiograf“ versteht – er dokumentiert und schreibt mit und wird aus ihren Fällen ein Buch machen. Mit seiner großen Familiensaga kommt er nämlich nicht wirklich weiter.
Aber es gibt ein klitzekleines Problem – der Tod hat der Poldi ein Geschäft vorgeschlagen (welches, verrate ich hier natürlich nicht). Doch es sieht nicht so aus, als ob sich die Poldi an ihren Teil der Abmachen würde halten können ...
Also wird wieder ermittelt, geflucht, gestritten, geliebt, geschrieben und die Perücke autgetufft.

Ich liebe Tante Poldi und ihren Neffen einfach – den Humor, die Sprüche, die Spannung und das Zwischenmenschliche. Er hat bei ihr aber auch wirklich nichts melden. Außerdem warte ich inzwischen immer schon gespannt auf den Auftritt der Berühmtheiten, die Donna Poldina kennt – neben dem Papst sind es diesmal Gianna Nannini, Adiano Celentano (Danke für die Ohrwürmer lieber Mario Giordano) und Steve Jobs. Poldi ist eben einfach ein Original: gewitzt, erfahren, weit rumgekommen und sehr schlau. In ihren Commissario Vito Montana ist sie immer noch sehr verliebt – welches Vollweib könnte seiner „zyklopischen Virilität“ schon widerstehen?! Aber auch Russo scheint sich ja sehr für sie zu interessieren und es ist lange nicht klar, ob und wie er in diesen Fall involviert ist.

Mario Girodanos Erzählstil ist einzigartig. Er zelebriert die deutsche Sprache geradezu, wirft mit Aufzählungen, Adjektiven und Superlativen nur so um sich – vor allem, wenn es um „Dings“ geht .

Die Handlung ist extrem spannend, mit mehr als einem echten Cliffhanger und einem filmreifen Showdown. Apropos: Die Bücher sollen nicht zufällig verfilmt werden? Also ich würde das Kino stürmen.
Mich fasziniert, wie gekonnt immer wieder Details der Vorgängerbände integriert werden – hier taucht z.B. Kigumbe aus „Tante Poldi und der schöne Antonio“ wieder auf. Die Geschichte scheint nie abschließend auserzählt, alles ist miteinander verwoben. Ich hoffe, dass Poldi 100 wird und bis zum bitteren Ende ermittelt!

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