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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2019

Fesselnde Fortsetzung

Spiegelriss
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Der zweite Teil der „Spiegel-Trilogie“ zeigt eine völlig veränderte Protagonistin. Juli, die in ihrer Gesellschaft als eine Normale aufgewachsen und erzogen worden ist, muss sich nach dem Verschwinden ...

Der zweite Teil der „Spiegel-Trilogie“ zeigt eine völlig veränderte Protagonistin. Juli, die in ihrer Gesellschaft als eine Normale aufgewachsen und erzogen worden ist, muss sich nach dem Verschwinden ihrer Mutter und ihrer verzweifelten Suche nach ihr (Teil 1) nun mit einer Existenz in der Gesellschaftsschicht der Freaks arrangieren, wenn sie überleben will. Vertrauensvoll wendet sie sich an ihre alte Freundin Ksü und deren Bruder Ivan um Hilfe. Doch beide haben sich erschreckend verändert und Juli gerät in Lebensgefahr …
Auch in dieser Fortsetzung von Julianes Suche nach ihrer wahren Herkunft schafft es Alina Bronsky mühelos, den Leser zu fesseln, ihn mit der Romanheldin leiden und hoffen zu lassen. Äußerst spannend schildert die Autorin die Veränderung einer diktatorischen Gesellschaft, deren Ordnung nicht nur durch die Rebellion einer unterdrückten Schicht bezwungen wird, sondern auch durch die zuvor verdrängte Natur.
Wird es Juli in der dritten Folge schließlich gelingen, das Geheimnis um ihr wahres Ich zu lüften?

Veröffentlicht am 04.04.2019

Thriller mit kritischer Botschaft

Thalamus
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Nur mit viel Glück überlebt Timo einen schweren Verkehrsunfall mit seinem Roller. Allerdings hat er fatale Folgen: ein schweres Schädel-Hirn-Trauma verursacht extreme Schäden. Um wieder gehen und sprechen ...

Nur mit viel Glück überlebt Timo einen schweren Verkehrsunfall mit seinem Roller. Allerdings hat er fatale Folgen: ein schweres Schädel-Hirn-Trauma verursacht extreme Schäden. Um wieder gehen und sprechen zu lernen, wird er in den Markwaldhof aufgenommen, eine ziemlich abgelegene Rehaklinik. Während Timos Gesundung langsam fortschreitet und er sich mit anderen jugendlichen Patienten anfreundet, macht er vorwiegend nachts äußerst merkwürdige Beobachtungen an anderen schwerstkranken Patienten. Da sein Sprachzentrum noch nicht wiederhergestellt ist, kann er sich seiner Umwelt nicht in dem Maße mitteilen, wie er es gerne möchte, und so forscht er zunächst auf eigene Faust weiter, bis er schließlich selbst in große Gefahr gerät, als er ein Geheimnis entdeckt …
Poznanski ist ein wirklich spannend und stilistisch gut geschriebener Jugendroman gelungen, der ohne Brutalitäten auskommt. Gekonnt verpackt die Autorin das Thema technischer Fortschritt und die damit verbundenen ethischen Fragen in einen spannungsgeladenen Thriller. Gänzlich unkompliziert stellt sie die Zusammenhänge in der modernen medizinischen Forschung und entsprechenden Tests dar und gibt gut verständliche Erklärungen. Hier wird auf sehr unterhaltsame Weise dazu angeregt, einmal kritisch über Wissenschaft nachzudenken, speziell über die medizinischen Möglichkeiten der Zukunft.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung

Meine Mutter, ihre Liebhaber und mein einsames Herz
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Ihre ganze Kindheit und Jugend hindurch ist Cristina auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Sie wächst in unterschiedlichen Familien auf: bei der Großmutter, bei Vater und Stiefmutter, im Heim, endlich ...

Ihre ganze Kindheit und Jugend hindurch ist Cristina auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Sie wächst in unterschiedlichen Familien auf: bei der Großmutter, bei Vater und Stiefmutter, im Heim, endlich auch bei ihrer geschiedenen Mutter. Diese ist nicht in der Lage, ihrem Kind Nähe und Wärme zu vermitteln; sie geht ganz in ihrem eigenen Leben auf. Trotz der Kühle ihrer Mutter versucht Cristina eine gute Beziehung zu ihr herzustellen - was ihr ironischerweise am besten gelingt, als die Mutter nach ihrer Alzheimer-Diagnose selbst wieder zum Kind wird.
Die Journalistin und Reporterin Karrer berichtet in zwei Zeitebenen aus ihrem Leben. Aktuell stehen die Pflege und Sorge um ihre Mutter im Vordergrund. Doch immer wieder erzählt sie Erlebnisse aus der Vergangenheit und erinnert sich mit Wehmut, ohne nachtragend zu sein.
Dieses Buch ist die sensible Geschichte einer Tochter, die als Kind den Beistand ihrer Mutter schmerzlich vermisst, als Erwachsene jedoch Verständnis für sie entwickelt und einen Zugang zu der mittlerweile dementen Frau findet. Mein Fazit: Cristina Karrer hat eine sehr ehrliche Erzählung verfasst, ohne Bitterkeit und stets optimistisch.

Veröffentlicht am 29.03.2019

„Im Grunde sind wir mutterseelenallein“ -

Katzenzungen
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- eine schmerzliche Erkenntnis am Ende einer Reise guter Freundinnen!
Alljährlich zelebrieren drei Frauen eine gemeinsame „Mädelsfahrt“, als Ausdruck ihrer seit Schulzeiten bestehenden Freundschaft. ...

- eine schmerzliche Erkenntnis am Ende einer Reise guter Freundinnen!
Alljährlich zelebrieren drei Frauen eine gemeinsame „Mädelsfahrt“, als Ausdruck ihrer seit Schulzeiten bestehenden Freundschaft. Doch diesmal läuft etwas anders. Was relativ harmonisch und mit guten Vorsätzen beginnt, steuert auf eine Katastrophe zu…
Durchaus echt und für jeden nachvollziehbar entwickeln hier zwei Autorinnen die Geschichte um Dodo, Claire und Nora, drei recht unterschiedliche Freundinnen aus Pinneberg. Abwechselnd geben sie die Perspektive jeder einzelnen der Beteiligten wieder und rollen nach und nach deren Lebensweg, Gefühle und Geheimnisse auf, so dass sich für uns schließlich ein detailliertes Bild ergibt. Was der Leser auf diese Art stückweise erfährt, bleibt den jeweils anderen Freundinnen allerdings verborgen, bis es am Ende zu einem Eklat kommt.
Sehr geschickt nutzt das Autorinnen-Duo Martina Borger und Maria Elisabeth Straub das Stilmittel der inneren Monologe und Gedanken der einzelnen Frauen, um die Sichtweise auf andere Personen und Geschehnisse wie durch ein Kaleidoskop zu zeigen und zu verändern. Dabei schreiben sie spannend, zu keinem Zeitpunkt kommt Langeweile auf. Treffsicher legen sie Schwachpunkte frei und stellen Fragen wie: Bedeutet Freundschaft, dass jede sich ganz auf die andere einlässt, sich ihr vorbehaltlos anvertrauen kann? Oder hat Nora recht mit ihrer Meinung “Kennt überhaupt irgend jemand einen anderen Menschen wirklich? Und vor allem: Kennen wir uns selber?“

Veröffentlicht am 29.03.2019

Fantasy + Gesellschaftskritik

Spiegelkind
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Ein traumatisches Erlebnis wirbelt das bislang beschauliche Leben der 15jährigen Juliane durcheinander. Es ist ihr unbegreiflich, wie ihre geliebte Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwinden ...

Ein traumatisches Erlebnis wirbelt das bislang beschauliche Leben der 15jährigen Juliane durcheinander. Es ist ihr unbegreiflich, wie ihre geliebte Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwinden kann; sie stellt unbequeme Fragen und versucht, auf eigene Faust nachzuforschen. Zum erstenmal beschäftigt sie sich ernsthaft mit den Bedingungen und Regeln der Gesellschaft, die sie umgibt, und stößt dabei auf die Frage nach dem Wesen von Pheen. Hier kommt ihr die etwas rätselhafte, unangepasste neue Mitschülerin Ksü zu Hilfe, die vom wirklichen Leben viel mehr versteht als Juli und sie in die Magie der Quadren, ganz besonderer Bilder, einführt …
Alina Bronsky lässt ihre jugendlichen Leser eintauchen in eine ganz spezielle soziale Gesellschaftsordnung, die von scharfen Ab- und Ausgrenzungen geprägt ist: Ein krasses Nebeneinander (wenn auch in getrennten Stadtteilen) von Reich und Arm in der Stadt, benachteiligten Freaks und chancenreichen Normalen, wobei die Natur von den Menschen ganz zurückgedrängt worden ist. Die junge Autorin schreibt äußerst spannend und sehr eindringlich von Julis verzweifelter Suche nach ihrer Mutter und der gleichzeitigen Suche nach Antwort auf ihre Fragen - nach ihrer eigenen Herkunft. Besonders gut gefällt mir, wie spielend und unterhaltsam es Bronsky in „Spiegelkind“ gelingt, Fantasy mit Gesellschaftskritik zu verbinden.