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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2019

Verspricht zu viel

Die Mauer
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"John Lanchester geht in seinem neuen Roman alle Herausforderungen unserer Zeit an – Flüchtlingsströme, wachsende politische Differenzen und die immer größer werdende Angst in der Bevölkerung – und verwebt ...

"John Lanchester geht in seinem neuen Roman alle Herausforderungen unserer Zeit an – Flüchtlingsströme, wachsende politische Differenzen und die immer größer werdende Angst in der Bevölkerung – und verwebt diese zu einer hochgradig spannenden Geschichte über Liebe und Vertrauen sowie über den Kampf ums Überleben."

Mit solchen volltönenden Worten wird "Die Mauer" beworben. Um Migration, Klimawandel und Brexit soll es gehen. Der Roman der Stunde soll es sein.

Ja, diese Themen werden im Buch kurz angeschnitten und irgendwie schwingen sie hintergründig mit, erscheinen aber eher wie eine blasse Fatamorgana am fernen Horizont des Meeres, auf das Joseph Kavanagh 12 Stunden am Tag während seiner Wachschichten auf der Mauer starrt.

Großbritannien hat sich vom Rest der Welt abgekapselt, indem es eine Mauer entlang seiner Küsten errichtet hat und keinen der "Andere" mehr ins Land lässt. Gleichzeitig ist es, dank eines nicht näher definierten Wandels, der das Abschmelzen der Pole und damit einen Meeresspiegelanstieg zur Folge hatte, das scheinbare gelobte Land, für dessen Erreichen die Menschen sogar ihren eigenen Tod oder ihre Versklavung in Kauf nehmen.

Die Geschichte wird dominiert durch einen recht trockenen Schreibstil und wird aus Sicht des jungen Kavanagh erzählt, der seinen 2-jährigen Pflichtdienst auf der Mauer antritt. Mal abgesehen davon, dass dieser junge Mensch überragend unsympathisch und egozentrisch erscheint, werden die groß beworbenen wichtigen Themen dank seiner Kurzsichtigkeit kaum angeschnitten und verschwinden schnell in der Belanglosigkeit der Geschichte. Man erfährt weder genaueres über die Umstände, die zu dieser aktuellen Situation geführt haben, noch erhält man großen Einblick in die " wachsenden politischen Differenzen", die ja angeblich zu den Hauptthemen des Buches gehören sollen.

Auch die Figuren, von denen es neben Kavanagh nicht gerade wenige gibt, bleiben blass und sind kaum mehr als Namen in der Geschichte.

Insgesamt bleibt es ein Buch, von dem ich mir viel erhofft habe, das mir aber letztendlich mehr aufgrund seines ansprechenden Covers als wegen seines Inhalts im Gedächtnis bleiben wird.

Veröffentlicht am 18.03.2019

Etwas fehlt

Agathe
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Tatsächlich fällt es mir sehr schwer, meine Meinung über dieses Buch in Worte zu fassen.

Es liest sich schnell und gut, was nicht zuletzt an der Kürze der Kapitel und der insgesamt geringen Seitenanzahl ...

Tatsächlich fällt es mir sehr schwer, meine Meinung über dieses Buch in Worte zu fassen.

Es liest sich schnell und gut, was nicht zuletzt an der Kürze der Kapitel und der insgesamt geringen Seitenanzahl des Buches liegt. Auch der Schreibstil und die Geschichte an sich wissen zu fesseln:

Es geht um einen namenlosen Psychiater, der kurz vor seiner Pensionierung steht. Er führt ein recht abgeschiedenes Leben und hat auch im Alltag eher die Rolle des Beobachters eingenommen. Nur seine neue Patientin Agathe vermag es, zu ihm durchzudringen und aus seiner Lethargie herauszureißen.

Das klingt auf den ersten Blick interessant und verspricht doch etwas mehr als man letztendlich bekommt. Die Erzählung ist mehr eine Aneinanderreihung von Annekdoten aus dem Leben des Psychiaters, wobei ich oft nicht genau unterscheiden konnte, ob er frühere Erfahrungen und Erlebnisse wiedergibt oder ob sie aus der Gegenwart stammen. Sie zeichnen mehr oder weniger das Bild der persönlichen Entwicklung des Psychaiters ab und doch lässt mich das Ganze etwas ratlos zurück.

Wie bei einer Kurzgeschichte kann ich weder einen klaren Anfang noch ein befriedigendes Ende erkennen, irgendwie habe ich permanent das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Die Geschichte enthält viele schöne, berührende Momente und doch bin ich nach der Lektüre seltsam unbefriedigt.

Veröffentlicht am 03.03.2019

Erstaunlich anders

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Von diesem Buch hatte ich mir etwas vollkommen anderes erwartet und es entspricht ziemlich genau seinem Titel: Ein wirklich erstaunliches Ding ist es mit Sicherheit.
April May ist eine der ersten, die ...

Von diesem Buch hatte ich mir etwas vollkommen anderes erwartet und es entspricht ziemlich genau seinem Titel: Ein wirklich erstaunliches Ding ist es mit Sicherheit.
April May ist eine der ersten, die eine der 64 überlebensgroßen, roboterähnlichen Figuren entdeckt, die plötzlich an verschiedenen Orten über den gesamten Globus verteilt auftauchen. Aus Spaß veröffentlicht sie ein kleines Video, das sie im "Interview" mit Carl (den Namen hat sie der Figur gegeben) zeigt, und wird über Nacht zur gefragten Expertin.
.
Was für mich nach einem klassischen Out of Space-SciFi-Abenteuer klingt, legt den Fokus aber auf einen völlig anderen Schwerpunkt. Nicht Carl sondern April ist der wortwörtliche Star der Geschichte. Hank Green zeigt an ihrem Beispiel, wie sich eine Social Media-Karriere verselbstständigen kann und wie sich die Menschen dadurch verändern können. Für mich las sich die Geschichte ziemlich beängstigend, wenn auch auf eine andere Weise, als ich dachte. April May ist nicht als Sympathieträgerin angelegt, sie kann sich ja selbst manchmal nicht leiden, aber trotzdem hat sie mich mit ihren unüberlegten Entscheidungen und Äußerungen des Öfteren einfach nur genervt. Die Message hinter der Geschichte ist bei mir angekommen,aber sie hätte gerne ein wenig gefälliger verpackt sein dürfen.

Veröffentlicht am 07.02.2019

Enttäuschend dünn

Träume & Hoffnung
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Dass man von einem Prequel (das zudem auch noch kostenlos angeboten wird) keine komplexe, ausgefeilte Geschichte erwarten darf, war mir schon klar, bevor ich zu diesem kleinen Werk gegriffen habe. Allerdings ...

Dass man von einem Prequel (das zudem auch noch kostenlos angeboten wird) keine komplexe, ausgefeilte Geschichte erwarten darf, war mir schon klar, bevor ich zu diesem kleinen Werk gegriffen habe. Allerdings war ich dann doch sehr enttäuscht von der Kürze der Geschichte. Das Ebook zählt insgesamt 47 Seiten, wovon mehr als die Hälfte für eine Leseprobe zum eigentlichen Roman "Gold & Schatten" draufgehen.

Dass die restlichen rund 20 Seiten nun keine wirklich aussagekräftige, vor Handlung strotzende Geschichte enthalten können, ist somit wohl klar.

Natürlich sind die zwei kleinen Abschnitte in einem sehr ansprechenden Schreibstil gehalten und der Einblick in die Welt von Maél (der späteren männlichen Hauptfigur des oben erwähnten Romans) hat Spaß gemacht.

Aber für mich gab es zu viele Andeutungen, mit denen man ohne Vorkenntnisse nur wenig anfangen kann, weshalb ich dieses Prequel eher als Appetizer bezeichnen würde. Entweder man liest es, um sich vor Erscheinen des eigentlichen Buches noch mehr Appetit zu holen oder um einige zusätzliche Szenen zu schmökern, während man auf den zweiten Band der geplanten Dilogie wartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Geschichte
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 23.01.2019

Schleichender Auftakt

Der Welten-Express 1 (Der Welten-Express 1)
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Mit diesem Buch startet die aufregende Reise des Weltenexpress!

Der Weltenexpress ist eine fahrende Schule für Kinder auf der ganzen Welt, zu der man nur über ein besonderes Ticket Zugang findet. Eine ...

Mit diesem Buch startet die aufregende Reise des Weltenexpress!

Der Weltenexpress ist eine fahrende Schule für Kinder auf der ganzen Welt, zu der man nur über ein besonderes Ticket Zugang findet. Eine Ausnahme bildet die junge Flinn, die sich auf ihrer Suche nach ihrem verschwundenen Bruder Jonte eines Nachts plötzlich als blinder Passagier in Zug wiederfindet.

Die Grundidee ist wirklich zauberhaft: wer hat sich als Kind nicht immer eine ganz besondere Schule gewünscht, in der Magie eine große Rolle spielt; auf die nur besondere Kinder mit großem Potential gehen dürfen?
Und auch Flinns verzweifelte Suche nach ihrem Bruder bietet viel Potential für Geheimnisse, Intrigen, Fallen und Feinde aller Art.

Allerdings liest sich die Geschichte doch recht ruhig, die Handlung nimmt nur sehr langsam Fahrt auf. Auch habe ich mich oft an kleineren Logiklücken gestört. Die größte Frage allerdings, die mich das ganze Buch über beschäftigt hat und mir deshalb das lesevergnügen ziemlich verhagelt hat: Warum zum Teufel fragt sie nicht einfach nach ihrem Bruder? Warum macht sie aus ihrer Suche ein solches Geheimnis? Wirklich, ich habe es bis zum Schluss nicht begriffen; die einzige Erklärung wäre wahrscheinlich, weil das Buch sonst nicht zustande gekommen wäre.

Das Buch wird oft mit "Harry Potter" und "Der goldene Kompass" verglichen, da ist mit Sicherheit etwas dran. Man kann die Parallelen schon erkennen, ich finde den Vergleich aber doch etwas hochgegriffen. An das Niveau einer J.K. Rowling oder eines Philip Pullman reicht Anca Sturm (noch) nicht heran. Vielleicht kann sie sich mit den folgenden Bänden noch steigern.