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Veröffentlicht am 10.10.2016

Romantisch und tragisch

All die verdammt perfekten Tage
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MP3 CD
Laufzeit: ca. 8 h 25 min
Verlag: Random House Audio; Auflage: Gekürzte Lesung (28. Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3837131444
Originaltitel: All the bright places
Sprecher: Annina Braunmiller-Jest ...

MP3 CD
Laufzeit: ca. 8 h 25 min
Verlag: Random House Audio; Auflage: Gekürzte Lesung (28. Dezember 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3837131444
Originaltitel: All the bright places
Sprecher: Annina Braunmiller-Jest und Patrick Mölleken

Romantisch und tragisch

Inhalt:

Theodore Finch, 17, Schüler der Bartlett Highschool, spielt mit dem Gedanken, sich vom Glockenturm der Schule zu stürzen. Doch ist er an diesem Tag nicht allein da oben. Auch Violet Markey will nicht mehr leben. Doch das kann Theodore nicht zulassen. Er dirigiert das Mädchen von der Brüstung weg in Sicherheit – und umgekehrt. Das ist zwar noch lange nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, aber irgendwann wird es so weit sein. Denn Violet geht Theodore nicht mehr aus dem Kopf. Als die Schüler für ein Projekt interessante Orte in Indiana aufsuchen sollen, sorgt Theodore dafür, dass er mit Violet ein Team bildet. Sie erleben wundervolle Dinge zusammen. Dabei findet Violet immer mehr ins Leben zurück, während sich Theodore immer schwerer tut.

Meine Meinung:
Der Anfang des Buches schien mir fast zu locker und zu witzig, dafür dass es um Selbstmordabsichten und die Probleme dahinter geht. Während Violet zuerst durchgehend deprimiert wirkt, war ich mir bei Theodore nie sicher, ob seine Selbstmordabsichten wirklich ernst sind oder ob er einfach mal was ausprobieren will, andere Leute schockieren, Aufmerksamkeit erregen. Nicht von ungefähr ist er als der Freak der Schule bekannt, der sich mit allen anlegt und gerne mal über die Stränge schlägt.

Violet leidet unter dem Tod ihrer großen Schwester, der sie sehr nahestand. Sie fühlt sich schuldig an deren Tod und weiß nicht mehr, wie sie damit umgehen soll. Und sie vermisst ihre Schwester wahnsinnig. Doch Theodore zeigt ihr nach und nach, dass das Leben schön sein kann, auch für Violet. Sie erleben wunderbare Momente an ganz besonderen Orten und verlieben sich schließlich auch, obwohl Violet Theodore zuerst überhaupt nicht mag, da er doch einen gewissen Ruf hat und keiner so recht etwas mit ihm zu tun haben will.

Jennifer Niven erzählt die Geschichte mit einer beachtlichen Leichtigkeit. Sie spielt mit Worten und Sätzen. Es werden Zitate erwähnt, die einem zu Herzen gehen. Sowohl Theodore als auch Violet sind sehr empfindsame Menschen, was von ihrer Umwelt leider nicht unbedingt beachtet wird. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, wie sie in diese prekäre Situation gekommen sind.

Die Perspektive wechselt ständig zwischen Violet und Theodore, wobei beide in der Ich-Form erzählen. Das fand ich sehr gelungen, denn so ist man nah an beiden Protagonisten dran und erfährt ihre Gedanken und Gefühle, ihre Zweifel, ihre seelischen Probleme und auch ihre Hoffnungen aus erster Hand.

Mir waren sowohl Theodore als auch Violet von Anfang sehr sympathisch, auch wenn Violet zuerst ein wenig zickig ist. Aber auch dafür hatte ich Verständnis. Ich habe mit ihnen mit gelitten und mit gebangt, dass es zu einem guten Ende kommt.

Während ich das erste Drittel des Buches ein klein wenig zu seicht fand, habe ich den Mittelteil mit seiner Romantik sehr genossen. Durch die feinfühlige Erzählweise der Autorin wirkt die Liebesgeschichte kein bisschen kitschig. Und zum Schluss hin wurde es dann noch richtig spannend. Hier nimmt die Geschichte eine für mich unerwartete, tragische Wendung.

Die Sprecher:
Die Sprecher haben ihre Sache wirklich sehr gut gemacht. Sie haben sehr angenehme Stimmen, betonen gut, verstellen ihre Stimmen, um andere Personen zu spielen. Man kann ihnen beiden problemlos über längere Zeit zuhören. Es wird nie eintönig. Annina Braunmiller-Jest dürfte vielen als die deutsche Stimme von Bella Swan in den Twilight-Verfilmungen bekannt sein oder auch als Sprecherin der entsprechenden Hörbücher.

Fazit:
„All die verdammt perfekten Tage“ ist ein berührender Roman, in dem sich viele Jugendliche, aber auch Erwachsene auf der ein oder anderen Seite wiederfinden dürften. Ein wenig mehr Tiefgang, vor allem am Anfang, hätte nicht geschadet. Trotzdem finde ich das Buch oder Hörbuch sehr empfehlenswert.

★★★★★

Mein Dank gilt dem Bloggerportal und Random House Audio, die mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar überlassen haben.

Veröffentlicht am 09.10.2016

Eine tolle Neuentdeckung!

Über den Dächern wir zwei
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Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
Verlag: Oetinger 34 ein Imprint von Verlag Friedrich Oetinger (25. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3958821187
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 16 Jahre
Preis: ...

Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
Verlag: Oetinger 34 ein Imprint von Verlag Friedrich Oetinger (25. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3958821187
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 16 Jahre
Preis: 9,99 €

Eine tolle Neuentdeckung!

Inhalt:

Theo zieht sich gerne aufs Dach zurück, um nachzudenken, um einfach dem Alltag zu entfliehen. Bis vor drei Jahren hat ihm dabei seine Nachbarin und beste Freundin Mina gerne Gesellschaft geleistet. Aber dann ignorierte sie ihn plötzlich und ging ihm aus dem Weg, und nicht nur Theo, sondern auch ihren Mitschülern. Sie igelte sich in ihrem Schneckenhaus ein, um nicht mehr verletzt zu werden. Doch als Theos Bruder Mike einen Unfall hat, nimmt Mina all ihren Mut zusammen und wagt einen Schritt auf Theo zu …

Meine Meinung:
Angela Kirchner hat einen wunderschönen Schreibstil, so geschmeidig, dass das Lesen absolut mühelos geht. Ich hätte mich am liebsten in die Worte reingelegt. Wenn das Badewasser gewesen wäre, hätte man mich nicht mehr aus der Wanne bekommen.? Ich mochte die bildhaften Beschreibungen. Ich mochte auch die leicht melancholische Stimmung. Und ich mochte die Protagonisten. Mina und Theo waren mir beide auf Anhieb sehr sympathisch. Ich konnte ihre Handlungsweisen absolut nachvollziehen, habe vieles davon auch selbst schon erlebt und getan. Auf mich wirkten sie hundertprozentig authentisch.

Grinsen musste ich immer, wenn Mina mal wieder etwas sagte und es im selben Moment noch bereute, weil sie damit alles nur noch schlimmer machte. Diese witzigen Szenen sorgen dafür, dass einen die Melancholie nicht runterzieht.

Als Leser erlebt man diese wundervolle Geschichte aus der Sicht der siebzehnjährigen Mina. Sie erzählt in der 1. Person Präsens. Man ist dadurch ganz nah an dieser Figur dran, bekommt ihre Gefühle und Gedanken, ihre Zweifel, ihre Unsicherheiten und ihre Hoffnungen hautnah mit. Und es ist so schön, mitzuerleben, wie es zwischen Mina und Theo knistert, auch wenn die beiden das selbst noch gar nicht merken.

Kleine Funken aus Ungeduld explodieren in seinen Augen. Ich ignoriere, wie attraktiv ihn das macht. (S. 108)

Ganz sachte entwickelt sich die Liebesgeschichte. Die beiden ergänzen sich so wunderbar und passen einfach gut zueinander. Theo hilft Mina, sich aus ihrer Abgeschiedenheit zu befreien. Und Mina steht Theo bei seinen familiären Problemen zur Seite.

Das Blau seiner Augen flammt auf, während er mich eindringlich mustert. Ich kann bis auf den Grund sehen. All sein Sarkasmus und sein schwarzer Humor sind aufgebraucht, die schützende Wolke aus Selbstsicherheit hängt in Fetzen herab. (S. 198)

Leider ist der Roman mit gut 200 Seiten ziemlich kurz – ich hätte gerne noch weitergelesen. Sicher hätte man die ein oder andere Szene noch ausbauen oder noch zusätzliche Szenen einbauen können, um die Geschichte etwas aufzublähen. Aber es ist auch so alles gesagt, und manchmal liegt eben in der Kürze die Würze.

Über das Ende kann man sich vielleicht streiten – für mich war es perfekt. Ich empfinde es als rund und abgeschlossen, auch wenn einige Fäden der Nebenhandlung nicht toterzählt wurden. Man kann sich leicht ausmalen, wie es weitergehen könnte.

Fazit:
„Über den Dächern wir zwei“ ist der Debütroman von Angela Kirchner. Sie hat damit mein Herz eingefangen und mich mit einer gefühlvollen Handlung und einem genialen Schreibstil vollkommen begeistert. Ich freue mich schon auf weitere Bücher dieser jungen Autorin.

★★★★★

Herzlichen Dank an Oetinger34 für das Rezensionsexemplar. Ich durfte das Buch in einer Leserunde auf LovelyBooks lesen.

Veröffentlicht am 09.10.2016

Fesselnder 1. Teil einer Dystopie-Reihe

Die Überlebenden
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Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3442479085
Originaltitel: The Darkest Minds
Preis: 12,99 €

Fesselnder 1. Teil einer Dystopie-Reihe

USA. ...

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (18. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3442479085
Originaltitel: The Darkest Minds
Preis: 12,99 €

Fesselnder 1. Teil einer Dystopie-Reihe

USA. Ein Virus grassiert und tötet viele Kinder. Diejenigen, die überleben, haben unterschiedliche paranormale Fähigkeiten. Kein Wunder, dass die Erwachsenen Angst vor ihnen haben. Um die Psi-Kinder unter Kontrolle zu haben, werden sie in Lager gesperrt. Diese sind alles andere als angenehm. Die Children’s League befreit die 16-jährige Ruby aus dieser Hölle. Doch hat Ruby kein Vertrauen zu ihren Befreiern und flieht. Sie kann sich drei anderen Kindern anschließen, die gemeinsam auf der Flucht sind.

Das Buch ist einfach toll geschrieben. Es ist von Anfang an spannend und geheimnisvoll und steigert sich bis zum Ende immer mehr. Ich wollte gar nicht, dass es aufhört. Dass es schließlich mit einem fiesen Cliffhanger endet, macht die Sache nicht besser ?

Die Charaktere haben mir gut gefallen. Sie wirken authentisch und sind von ihrer Art her sehr unterschiedlich. Dadurch ergänzen sie sich gut, bieten aber auch immer wieder Raum für Konflikte. Keiner weiß, ob er dem anderen wirklich trauen kann, alle haben Geheimnisse. Auch welchen anderen Gruppierungen man trauen kann, ist unklar. Hier ergibt sich so manche Überraschung. Es war schön, mit Ruby zusammen herauszufinden, wer welche Ziele verfolgt.

Eine sanfte Liebesgeschichte rundet die Handlung perfekt ab.

Die Reihe:
1. Die Überlebenden
2. Die Überlebenden – Furchtlose Liebe
3. Die Überlebenden – Blut und Feuer

★★★★★

Veröffentlicht am 09.10.2016

Eine magische Verbindung zwischen zwei Seelen

Mit uns der Wind
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Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: script5 (9. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3839001608
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 17,95 €

Eine magische Verbindung zwischen zwei ...

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: script5 (9. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3839001608
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Preis: 17,95 €

Eine magische Verbindung zwischen zwei Seelen

Inhalt:

Die achtzehnjährige Mona wird von ihrer Familie auf Schritt und Tritt bewacht. Denn sie leidet unter Narkolepsie. Immer wieder schläft sie ohne Vorwarnung im Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen ein, womit natürlich eine gewisse Verletzungsgefahr einhergeht. Doch in ihren Träumen sieht Mona dann Bilder von einem Drachen, zu dem sie sich auf magische Weise hingezogen fühlt. Im Internet verfolgt sie den YouTube-Kanal von Han-Ryu, der immer wieder Videos von seinen Kite stunts einstellt. Für Mona sind Han-Ryu und der Drache in ihren Träumen ein und dieselbe Person. Als Han-Ryu postet, dass er mit seinen Freunden zu Rock am Ring fahren will, setzt Mona alles daran, auch zu dem Festival gehen zu können. Doch wie soll sie unter 80.000 Besuchern diesen einen finden?

Meine Meinung:
„Mit uns der Wind“ hat keine rasante Handlung. Klar, es gibt Spannung. Man bangt mit und um die Protagonisten. Aber viel mehr ist es ein Buch der leisen Töne. So habe ich es zumindest empfunden. Wir erleben viel Mystisches, die Grenzen von Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, jeweils in der ersten Person Singular. Beide Perspektiven hatten für mich ihren Reiz, ließen sie mich doch die Protagonisten sehr gut kennenlernen.

In Monas Abschnitten spielt natürlich ihre Krankheit eine herausragende Rolle. Mona ist dadurch stark vor allem in ihren sozialen Kontakten eingeschränkt. Das will die junge Frau aber nicht auf Dauer hinnehmen. Sie fühlt sich wie in einem Käfig, sicher und wohl behütet, aber eben eingesperrt. Kein Wunder, dass es ausgerechnet ein Drachenflieger ist, zu dem sie sich hingezogen fühlt, ein junger Mann, der sich vom Wind in die Luft heben lässt, der dabei scheinbar unendliche Freiheit genießt.

Doch auch Han-Ryu hat seine Probleme. Sie schienen mir nicht ganz so groß wie die von Mona. Aber nur dadurch, dass auch er in gewisser Weise besonders ist, ein bisschen Außenseiter, kann er Mona verstehen. Ihr seht also, die beiden finden sich auf dem Rockfestival, nicht direkt und nicht gleich, aber auf wunderbare Weise. Und die Szenen mit den beiden zusammen fand ich einfach nur toll, so emotional, so randvoll mit Gefühlen. Dabei versteht es Bettina Belitz hervorragend, die Besonderheiten der beiden jungen Leute herauszuarbeiten und dem Leser zu vermitteln. Für mich war es dadurch überhaupt kein Problem, die manchmal verquere Denkweise der Protagonisten nachzuvollziehen.

Auch einige der Nebencharaktere sind wunderbar gelungen und runden die Geschichte perfekt ab. Die Autorin beschreibt die Festivalatmosphäre so plastisch, dass man quasi die Musik hört und die Menschenmenge um sich herum fühlt. Ich fühlte mich beim Lesen direkt dorthin versetzt.

Die Geschichte von Mona und ihrem Drachen hat mich direkt ins Herz getroffen.

★★★★★

Veröffentlicht am 09.10.2016

Unbedingt lesenswert!

Die schützende Hand
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Broschiert: 384 Seiten
Verlag: KiWi-Paperback (12. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3462046663
Preis: 14,99 €

Unbedingt lesenswert!

Inhalt:
Georg Dengler erhält anonym einen neuen Auftrag. ...

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: KiWi-Paperback (12. November 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3462046663
Preis: 14,99 €

Unbedingt lesenswert!

Inhalt:

Georg Dengler erhält anonym einen neuen Auftrag. Er soll herausfinden, wer die Mitglieder des NSU-Trios Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die angeblich im November 2011 Selbstmord begangen haben, tatsächlich getötet hat. Schnell stößt Dengler auf Widersprüche und Lücken in den Ermittlungsunterlagen, die immer mehr Zweifel an der offiziellen Darstellung aufkommen lassen.

Meine Meinung:
Wolfgang Schorlau verarbeitet in seinen Romanen ja immer auch Fakten, tatsächliche Fälle. Ergänzt durch erfundene Handlung, Fiktion, ergeben sich so gut lesbare Bücher, die aber auch immer eine politische Aussage haben und die einem oft die Frage aufdrängen: „In was für einem Land leben wir hier eigentlich?“

Der bereits achte Band der Krimi-Reihe um den Stuttgarter Privatermittler und ehemaligen Zielfahnder beim BKA Georg Dengler beinhaltet einen hochaktuellen und brisanten Fall. Hauptsächlich geht es darum, dass die Behauptung, die NSU-Mitglieder Mundlos und Böhnhardt hätten sich selbst erschossen, nicht haltbar ist. Bei seinen Recherchen stößt Dengler immer wieder auf den Verfassungsschutz und seinen alten Widersacher beim BKA, Harry Nopper. Mit Hilfe seiner ehemaligen Kollegin beim BKA Marlies, seiner Freundin Olga und seinen Freunden Martin, Mario und Leo, die ihm immer wieder neue Denkanstöße geben, tastet sich Dengler Schritt für Schritt vor und entdeckt haarsträubende Zusammenhänge, die man als Leser womöglich gar nicht wissen will, als mündiger Bürger aber unbedingt wissen muss.

Mit dem NSU-Komplex hat Schorlau sich so intensiv befasst, dass er sogar vor den Baden-Württembergischen NSU-Untersuchungsausschuss geladen wurde. Mit „Die schützende Hand“ legt der Autor dar, dass die Vorfälle vom November 2011 nicht so abgelaufen sein können, wie die Behörden uns glauben machen wollen. Ob es tatsächlich so geschehen ist, wie Schorlau es im Roman darstellt, lässt sich nicht sagen, es ist aber eine von mehreren plausiblen Möglichkeiten und bei weitem glaubwürdiger als die offizielle Version.

Wer die bisherigen Dengler-Romane nicht kennt, kann dieses Buch durchaus als Stand alone lesen. Zwar spielen immer wieder dieselben Personen mit, doch was man über sie wissen muss, wird auch in diesem Band noch einmal kurz gesagt. Hilfreich mag auch das Personenverzeichnis am Anfang des Buches sein.

Im Anhang werden die Quellen aufgeführt. Außerdem findet man hier Fotos vom Tatort und zum Teil auch noch nähere Erläuterungen.

Anfangs hat es mir ein wenig Probleme bereitet, dass das Buch mit den vielen Auszügen aus Polizeiberichten streckenweise eher an ein Sachbuch erinnert als an einen Roman. Außerdem gibt es viele Perspektivwechsel, Zeitwechsel, Rückblenden, sodass man schon sehr konzentriert lesen muss. Doch schon bald hatte ich mich in das Geschehen eingefunden und war nur noch von dem Roman gefesselt.

Fazit:
Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand ich das Buch wirklich klasse. Ich habe einiges daraus gelernt und wurde gleichzeitig hervorragend unterhalten. Das Thema ist hochaktuell und geht jeden was an. Ich finde es sehr wichtig, dass diese ganzen Missstände endlich einmal an die Öffentlichkeit kommen!

Die Reihenfolge von Denglers bisherigen Fällen:
1. Die blaue Liste
2. Das dunkle Schweigen
3. Fremde Wasser
4. Brennende Kälte
5. Das München-Komplott
6. Die letzte Flucht
7. Am zwölften Tag
8. Die schützende Hand

★★★★★

Herzlichen Dank an Kiepenheuer & Witsch und wasliestdu für das Rezensionsexemplar!