Profilbild von skaramel

skaramel

Lesejury Profi
offline

skaramel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit skaramel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2021

Großartiges Buch, absolute Empfehlung!

So wie du mich kennst
0


Zwei Schwestern, unzertrennlich - Karla und Marie. Doch was passiert, wenn eine Schwester viel zu früh stirbt. Was passiert mit all den Fragen, all dem Nichterlebten, Nichtgesagten und dem ganzen weiteren ...


Zwei Schwestern, unzertrennlich - Karla und Marie. Doch was passiert, wenn eine Schwester viel zu früh stirbt. Was passiert mit all den Fragen, all dem Nichterlebten, Nichtgesagten und dem ganzen weiteren Leben. Das muss Karla herausfinden, denn Marie ist tot. Ganz plötzlich und so muss Karla raus aus Unterfranken, rein nach New York. Eine Wohnung muss aufgelöst werden und ein Abschluss muss gefunden werden. Aber so ganz gelingt es ihr nicht. Zu viele offene Fragen und der Ordner auf Maries Laptop, der ungewöhnliche Fotografien zeigt, hilft auch nicht dabei. Immer mehr versucht Karla Maries letzte Tage zu konstruieren und hinterfragt immer mehr wie gut sie ihre Schwester wirklich kannte.
Anika Landsteiner hat für ihren Roman „So wie du mich kennst“ wechselnde Erzähler gewählt. So erzählt Karla, aber auch Marie ihre Geschichte und der Leser hat die Möglichkeit beide Perspektiven einnehmen zu können. Sowohl Karla als auch Marie erzählen von Erinnerunge, Wahrnehmungen, blicken zurück und bilden für den Leser Stück für Stück ein Gesamtbild, das den jeweiligen Schwestern bis zu einem gewissen Grad verborgen bleibt.

„Sowie du mich kennst“ ist keine leichte Kost. Es geht um Verlust, um Trauer, um Gewalt und den Tod. Doch trotz all der schweren Themen, ist das Buch selbst leicht. Es ist spannend, die Schwestern wachsen einem schnellstens ans Herz und die Seiten fliegen für den Leser einfach nur so dahin. Landsteiner bedient sich einer sehr einfachen, aber sehr direkten Sprache, verpackt wunderbar bildhaft und nicht eine Seite lässt zu wünschen übrig.

Absolut empfehlenswertes Buch, das einem eine wichtige Message mitgibt, einen wahnsinnig unterhält und einem Lust auf mehr macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.03.2021

Absolutes Highlight

Hard Land
0

Wenn wir an die Sommer unsrer Jugend denken, kommt da nicht ein bestimmtes Bild und ein bestimmtes Gefühl auf? Eine Hitze, die über den Tagen hängt, alles ist bedeutungsschwer, die Zeit scheint unendlich. ...

Wenn wir an die Sommer unsrer Jugend denken, kommt da nicht ein bestimmtes Bild und ein bestimmtes Gefühl auf? Eine Hitze, die über den Tagen hängt, alles ist bedeutungsschwer, die Zeit scheint unendlich.

Dieses Gefühl ist für mich der Dreh- und Angelpunkt von Hard Land, dem neusten Werk von Benedict Wells. Den hier geht es um Sam, der seinen Sommer zwischen Leid und Leben verbringt. Der Leser begleitet ihn und sein Spagat zwischen der Krebserkrankung seiner Mutter und dem Gefühl endlich Freunde gefunden zu habe. Eigentlich ist er der typische Außenseiter, wie wir ihn aus den typischen Coming-of-age-Romanen kennen. Ein bisschen verschroben, vor allem introvertiert und etwas einsam. Sam findet in diesem Sommer, dem Sommer seines Lebens, endlich Anschluss , einen Job und vor allem auch zu sich selbst. Wells schickt ihn durch Auseinandersetzungen, Partys und Situationen, für die er noch nicht gewachsen ist. Auf alkoholreiche Abende, folgen intensive Gespräche mit seiner Mutter und Mutproben. Als kleinen Rahmen gibt es das Werk „Hard Land“, das Sam in Literatur durchnimmt und immer wieder den tieferen Sinn in den Zeilen sucht.

Für Liebhaber von „vom Ende der Einsamkeit“ wird „Hard Land“ wohl einen anderen Ton anschlagen und nicht die gleiche Kerbe treffen. Wells kann schreiben und das Buch verfliegt nur so, aber an sich ist Hard Land anders. Für mich aber genauso perfekt, da es in mir eine kleine Sehnsucht an solche Sommer und ein Gefühl von Erinnerung hervorruft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2021

Ihr bestes Buch bisher

Aller guten Dinge sind zwei
0

Über das Verlassen werden mit Mitte 30, Selbstzweifeln und dem finden zu sich selbst.

Mhairi McFarlanes Bücher sind für mich immer ein Muss, sobald sie erscheinen und haben mich noch nie enttäuscht. ...

Über das Verlassen werden mit Mitte 30, Selbstzweifeln und dem finden zu sich selbst.

Mhairi McFarlanes Bücher sind für mich immer ein Muss, sobald sie erscheinen und haben mich noch nie enttäuscht. So auch "Aller guten Dinge sind zwei". Hier geht es um Laurie, die mit Mitte 30 alles hat: Schönes Haus, lange Beziehung, guter Job. Eigentlich könnte man jetzt mit Hochzeit und/oder Kindern, usw. planen, doch dann kommt alles anders, als ihr langjähriger Partner sie für eine andere sitzen lässt. Und was macht man dann? Sich neu orientieren und durchstarten.

Überraschenderweise wird es dann doch nicht ganz so kitschig wie es sonst immer bei McFarlane der Fall ist, sondern eigentlich ganz schön. Laurie fake-dated einen Arbeitskollegen, genießt ihre Freiheit und findet zu sich selbst.
Was mich aber wirklich positiv überrascht hat, sind all die Themen die McFarlane in ihr so seichtes, schön romantisches Buch ganz selbstverständlich einarbeitet. Laurie ist eine Poc und beschreibt in Unterhaltungen mit ihrer besten Freundin wie oft Alltagsrassismus ein Thema für sie ist. Das alles wirkt keineswegs belehrend oder unangebracht, sondern wird von McFarlane so leicht eingewoben, dass es nicht als auffällig platziert gilt, aber gleichzeitig genügt um zum Denken anzuregen. Ebenfalls spricht sie über Frauenrechte, Unterdrückung, Feminismus aber auch sexuellen Missbrauch. Das wirkt gerade wahnsinnig erdrückend und auch viel zu viel, aber es ist so selbstverständlich in den Roman eingearbeitet, dass ich ganz begeistert bin, dass McFarlane auch in einem Unterhaltungsbuch so viel Wissenswertes und Wichtiges platziert.

Das Ende ist vielleicht etwas abstrus, aber wie immer wunderbare Charaktere und gute Dialoge. Leichter Roman mit Message.

Veröffentlicht am 17.04.2019

Mitreißender Thriller

Liebes Kind
0

Lena lebt im Wald, mit ihren zwei Kindern und ihrem Ehemann – was klingt wie die perfekte Familienidylle ist ein reines Martyrium. Mahlzeiten, der Gang zur Toilette, selbst der Sauerstoff – alles ist geplant ...

Lena lebt im Wald, mit ihren zwei Kindern und ihrem Ehemann – was klingt wie die perfekte Familienidylle ist ein reines Martyrium. Mahlzeiten, der Gang zur Toilette, selbst der Sauerstoff – alles ist geplant und reicht zum Überleben. Vor die Tür kommt sie zum ersten Mal als ihr die Flucht gelingt. Doch nach der kurzen Euphorie, beginnt der Albtraum danach erst richtig.
Ganz ehrlich: Entführungen und die Geschichten dazu, die gibt es wie Sand am Meer. Daher waren die Erwartungen an „Liebes Kind“ von Romy Hausmann nicht riesig, doch die Pressestimmen waren gut und das Hörbuch gerade verfügbar. Doch schon nach den ersten Kapiteln war der Thriller fesselnd. Ist Lena wirklich Lena? Können ihre Eltern aufatmen? Wenn Lena nicht Lena ist, wer sind dann die Kinder? Und wer macht sowas?
Von der Idee erinnert Liebes Kind stark an das englische Pendant „Raum“, das auf einem ähnlichen Aufbau basiert. Doch Hausmanns Idee die verschiedenen Charaktere erzählen zu lassen, gibt dem Buch den letzten Schliff. Die unterschiedlichen Perspektiven bringen auf ihre eigene Weise den neuen Input: Hannah bringt Licht in die Zeit im Haus und gibt durch die kindliche, naive Erzählweise Gänsehautgefühl. Matthias, Lenas Vater, der lange nach seiner Tochter gesucht hat, bringt das impulsive Zeitgeschehen mit, der die Situation von außen betrachtet. Und Lena? Lena ist vor allem traumatisiert – ihre Parts sind schwer und manchmal so verwirrend wie sie es selbst zu sein scheint.
Alles in allem auf jeden Fall ein hervorragendes Buch, das durch einige perfekt gesetzte Kniffe absolut spannend ist und den Leser mitreißt. Ich empfehle hier übrigens wärmstens die Hörbuchedition, denn – auch wenn das Buch sicherlich auch so durch Aufbau und brilliante Ideen besticht – machen die unterschiedlichen Leser und gerade die monotone Stimme Hannas das Hörbucherlebnis viel, viel intensiver.
Also wer mal wieder Lust auf einen packenden Thriller hat, den kann Liebes Kind nur überzeugen.

Veröffentlicht am 26.03.2019

Der erzählende Ermittler

Ein perfider Plan
0

Eigentlich kennen wir Horowitz von seinen Sherlock-Romanen, die gekonnt in Arthur Conan Doyles Fußstapfen treten können sowie von seine Jugendbuchreihe rund um Alex Rider. Doch mit „ein perfider Plan“ ...

Eigentlich kennen wir Horowitz von seinen Sherlock-Romanen, die gekonnt in Arthur Conan Doyles Fußstapfen treten können sowie von seine Jugendbuchreihe rund um Alex Rider. Doch mit „ein perfider Plan“ ruft er nicht nur seinen neuen Ermittler Daniel Hawthorne ins Leben, sondern erzählt einen herrlich spannenden Krimi auf eine ganz neue Art. Warum? Weil Horowitz selbst der Erzähler des Buches ist, dessen Rahmenhandlung die Entstehung des Buches ist, in dem er gemeinsam mit Hawthorne einen Mord löst. DAS ist mal innovativ und gibt einen ganz anderes Lesegefühl. Dass Horowitz schreiben kann, das ist schon durch seine früheren Werke klar, doch eine Innovation zwischen all den Krimis zu finden, ist oft eine Seltenheit. Natürlich ist es nicht der Anspruch eines Krimis anders zu sein, aber wenn sich dann doch die Story, der Aufbau und die Mördersuche mal abheben, dann ist das ein wunderbarer Pluspunkt.
..und der macht hier den entscheidenden Unterschied. Denn die Aufklärung des Todes von Diana Cowper, die ihre eigene Beerdigung am Tag ihrer Ermordung geplant hat, ist spannend, jedoch auch nicht spektakulär. Ein solider Krimi, in dem Hawthorne und unser Schriftsteller das Leben der gut betuchten Witwe durchleuchten aber mehr durch sich selbst und ihre desolate Beziehung zueinander glänzen. Denn: Hawthorne, der neue Ermittler und ehemalige Polizist, ist schwierig – eben ein Protagonist wie ihn die Krimifans lieben. Er liebt mehr die Alleingänge, hat durch seine Spekulationen einen leichten Sherlocktouch und stellt das perfekte Gegenteil zu Horowitz da, der sowohl bei den Verhandlungen zum Buch als auch in seinen eigenen Überlegungen und Handlungen eher naiv und blauäugig erscheint. Trotzdem funktionieren die beiden sehr gut im Duo, alleine wahrscheinlich eher schwierig. Daher ist aber auch die Erzählweise so gut gewählt: Hawthorne wäre alleine zu unbeliebt, der Fall alleine zu langweilig ~ durch das Einklinken unseres Schriftstellers erscheint die Geschichte und auch der Ermittler in einem ganz anderen Glanz und das Lesen macht wahnsinnigen Spaß, auch wenn die eigentliche Kriminalgeschichte fast nur die Hälfte des Buches einnimmt.
Was nach viel Kritik klingt, soll eigentlich keine sein. Das Buch liest sich schnell, macht unglaublich Spaß und ist wirklich ein wunderbarer Lichtblick in den Krimineuerscheinungen. Einzig und allein der Hinblick auf eine mögliche Reihe lässt sich fragen, wie das Erzählkonstrukt weitergeführt werden soll und ob dies mit einem zweiten Buch noch die gleiche Euphorie und den gleichen Spaß auslösen würde. Für einen Horowitz-Fan jedenfalls ein großes Muss, für neue Leser und Krimifans definitiv spannende Unterhaltung.