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Veröffentlicht am 11.10.2016

bildgewaltig und fesselnd

Unter dem Banner des Kreuzes
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Astrid Fritz entführt ihre Leser in das Jahr 1212: Anna lebt mit ihren Eltern in Freiburg, sie ist das älteste Kind und wird von ihrem Vater immer wieder gezüchtigt, worunter sie sehr leidet.

Als eines ...

Astrid Fritz entführt ihre Leser in das Jahr 1212: Anna lebt mit ihren Eltern in Freiburg, sie ist das älteste Kind und wird von ihrem Vater immer wieder gezüchtigt, worunter sie sehr leidet.

Als eines Tages ein Knappe vor einer Menschenmenge spricht und von einem Kreuzzug der Kinder ins Heilige Land berichtet, schließt sie sich zusammen mit weiteren Kindern dem jungen Adeligen Gottschalk von Ortenburg an. Der jüngere Christian, die Mädchen Margret und Sanne sowie der freche Tagelöhner Jecki gehören zu der kleinen Gruppe, zu der auch bald Konrad stößt. Konrad ist angehender Pfarrer und versucht sein möglichstes auf die kleine Gruppe aufzupassen.

"Unter dem Banner des Kreuzes" ist ein fesselnder Historischer Roman, der wunderbar bildhaft geschrieben ist und die damalige Zeit lebendig aufleben lässt. Beim lesen konnte ich tief in die Geschichte eintauchen, zumal die Figuren wunderbar gezeichnet sind, allen voran Anna und Konrad.

Man begleitet die Kinder auf ihrer schweren Reise und erlebt, wie sie anfangs in jeder Ortschaft gefeiert werden. Die Menschen jubeln ihnen zu, geben ihnen zu Essen und Obdach und der Führer des Kreuzzuges, der Hirtnjunge Nikolaus, wird fast wie ein Heiliger verehrt. Doch langsam ändert sich die Stimmung. Der heiße, trockene Sommer bringt Missernten und den Menschen bleibt nur wenig zum leben, so dass irgendwann keiner mehr bereit ist, das Wenige mit der Schar der Pilger zu teilen. Die Stadttore bleiben verschlossen, in manchen Orten warten die Menschen mit allerlei Waffen um ihre Feldfrucht zu verteidigen.

Der Autorin gelingt es, diese langsame und schleichende Änderung der Stimmung sehr gut einzufangen, man erlebt wie aus der gläubigen, einst bejubelten Truppe ein abgerissener Haufen aus Plünderern und Dieben wird, die ums nackte überleben kämpfen müssen. Doch auch innerhalb der Pilger gibt es Gewalt, im Kampf ums Überleben wird auch vor Diebstahl und Schlimmeren nicht zurückgeschreckt. Und Anna, Konrad und die Kinder sind schutzlos inmitten dieser Menschenmenge.

Beim lesen ist man hautnah an Anna dran, die anfangs noch sehr naiv wirkt, sich im Verlauf aber entwickelt und erwachsener wird. Irgendwann wird auch ihr klar, wie strapaziös diese Reise werden wird, die ersten der Pilger sind der Belastung nicht gewachsen und sterben. Doch der Glaube der Menschen damals war stark, alle hofften auf ein Wunder. Ich war von der Geschichte regelrecht gebannt und beim lesen nicht mal ansprechbar, hatte hier fast durchweg Kopfkino.

Fazit: Ein sehr gut recherchierter Historischer Roman über die Kinderkreuzzüge, verknüpft mit der fiktiven Handlung. Packend, spannend und bildgewaltig. Für Fans des Genres unbedingt zu empfehlen.

Veröffentlicht am 06.10.2016

geniale Fortsetzung

Küstenbrut
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"Küstenbrut" ist der zweite Fall für den sympathischen Kunsthistoriker Richard Gruben. "Stumme Wasser" hatte mich als Debüt schon überzeugt, aber "Küstenbrut" hat mich auf ganzer Linie begeistert.

Seit ...

"Küstenbrut" ist der zweite Fall für den sympathischen Kunsthistoriker Richard Gruben. "Stumme Wasser" hatte mich als Debüt schon überzeugt, aber "Küstenbrut" hat mich auf ganzer Linie begeistert.

Seit dem letzten Fall ist einige Zeit ins Land gezogen, Richard hat inzwischen einen kleinen Sohn, aber die Beziehung zu Charlotte ist in die Brüche gegangen. Der Spagat zwischen Job und Familienvater fordert seinen Tribut, Richard leidet nach einem Hörsturz unter Tinnitus und erwägt eine Auszeit. Urlaub hat er dringend nötig.

Genau hier erreicht ihn ein Anruf seines alten Freundes Mulsow. Er ermittelt im Fall eines Tötungsdelikts, in den Unterlagen des Mordopfers fand sich eine Visitenkarte mit einer privaten Notiz von Richard. Nur Richard kann sich beim besten Willen nicht an die Frau erinnern. Da es sich bei der Toten um eine Galeristin handelt bittet Mulsow Richard um fachliche Unterstützung, kurzerhand verbindet er das Nützliche mit einem Urlaub an der Ostseeküste. Nichtsahnend, in welchen Strudel aus Gewalt er gezogen wird.

Wow, wieder einmal hat es ein Krimi geschafft mich auf ganzer Linie zu begeistern, von der ersten Seite bis zum Schluss in seinen Bann zu ziehen. Angefangen bei Richard, der als Protagonist ein absoluter Sympathieträger ist, der Eindruck aus dem ersten Band hat sich hier nur verstärkt. Er hat das Herz auf dem rechten Fleck, ist menschlich und empfindsam, eine Figur mit der ich so richtig mitfiebern konnte.

Mit einem Prolog aus Sicht des aktuellen Mordopfers beginnt diese verzwickte, völlig undurchsichtige Geschichte, die dicht gewebt ist und menschliche Abgründe zeigt. Eine Geschichte über Gier, Freundschaft, Schuld und bittere Rache. Aus zumeist Richards Sicht verfolgt man das Geschehen, aus seinen Gesprächen mit Bert Mulsow erfährt man wie die Ermittlungsarbeit der Polizei läuft. Alles ich dicht verwoben und bis fast zum Ende undurchschaubar. Die Aufklärung hat mich sprachlos gemacht!

Dazu der anspruchsvolle sowie atmosphärische Schreibstil, der die Gegend und die Menschen vor meinem inneren Auge aufleben lässt. Ein für mich rundum perfekter Krimi und ein Jahreshighlight 2016

Fazit: Liebevoll ausgearbeitete Charaktere, eine komplexe Geschichte und viel Spannung. Perfekt!

Veröffentlicht am 27.09.2016

Eine Story über Verlust, Veränderung und die erste Liebe

Für dich soll's tausend Tode regnen
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Was für ein geniales Jugendbuch, ich habe die Lektüre so genossen. Aber worum geht es? Emi zieht mit ihrem Vater und Bruder aus dem sonnigen Heidelberg ins kühle und regnerische Hamburg. Nicht freiwillig, ...

Was für ein geniales Jugendbuch, ich habe die Lektüre so genossen. Aber worum geht es? Emi zieht mit ihrem Vater und Bruder aus dem sonnigen Heidelberg ins kühle und regnerische Hamburg. Nicht freiwillig, das ist klar. Sie vermisst ihre beste Freundin und in der Schule findet sie erst mal keinen Anschluss. Ganz im Gegensatz zu ihrem Bruder, der ein richtiger Sonnyboy ist.

Emi ist eigentlich ein ganz natürliches Mädchen, wäre da nicht ihr schwarzes Buch, in dem sie Zeitungsausschnitte über ungewöhnliche Todesfälle sammelt. Seit ihre Nachbarin auf makabre Weise den Tod gefunden hat betreibt Emi dieses Hobby, schaut sich auch die Menschen in ihrer Umgebung an und spekuliert, wie deren Ende wohl aussehen könnte.

Doch Emi ist nicht die einzige Außenseiterin in ihrer Klasse. Erik, über den viele Gerüchte kursieren ist genauso außen vor wie sie. Ausgerechnet mit ihm gerät sie aneinander, explosiv im wahrsten Sinn des Wortes. Denn im Chemieunterricht, bei dem die beiden an einem Experiment arbeiten, kommt es zu einem Zwischenfall, der sie zum Rektor zitiert. Strafarbeit ist angesagt, gemeinsames Beseitigen von Graffiti.

"Für dich soll's Tausend Tode regnen" ist vom Design her schon ein echter Hingucker. Das Cover ziert ein Sugarskull und die einzelnen Seiten haben eine schwarze Umrandung, wie man sie von Trauerkarten kennt. Definitiv ein Buch das aus der Masse heraus sticht. Und die Geschichte steht dem Cover in nichts nach. Der Schreibstil ist jugendlich, locker lässig und liest sich fast von selbst. Emi ist eine Protagonistin, die mir sofort sympathisch war. Typisch Teenager, mit einem Bruder geschlagen, der bei allen gut ankommt und einem Therapeuten als Vater, der seine Kinder regelmäßig analysiert. Berufskrankheit sozusagen. Als wäre es nicht schlimm genug dass sie ihre Freundin nicht mehr sehen kann und sich in der neuen Schule und Stadt erst noch zurechtfinden muss, hat ihr Vater auch noch eine neue Freundin, die er den Kindern vorstellen will. Definitv etwas, das Emi nicht braucht.

Als ihr dann auch noch die Strafarbeit mit Erik aufgebrummt wird ist das Maß voll. Die beiden zoffen sich, beide sind störrisch und keiner gibt auch nur ein stückweit nach. Da Emi keine Lust hat jeden Samstag Graffiti abzuwaschen schlägt sie eine Challenge vor. Der Gewinner muss den Dienst des anderen mit übernehmen. Und ab hier wird's richtig witzig, denn die Challenges die sich die beiden für den jeweils anderen ausdenken, haben es in sich. Jede Aufgabe bringt sie an ihre Grenzen, Grenzen die sie überwinden müssen. Irgendwann stellen die beiden fest, dass sie sich gar nicht so unähnlich sind und es entwickelt sich eine zarte Lovestory.

Ich habe hier wirklich jede Seite genossen und musste viel lachen, einfach herrlich welche skurrilen Todesarten sich Emi für ihre Mitmenschen ausdenkt. Dabei hat auch diese Story einen tieferen Sinn, erzählt von Verlust, Veränderung und der ersten Liebe. Die Protas sind toll skizziert, angefangen bei Emi und ihrer Familie und den Schülern aus ihrer Klasse. Man merkt während des lesens, wie sich Emi langsam verändert und weiterentwickelt. Genauso wie Erik. Beiden fällt es schwer Vertrauen zu fassen und sich einem anderen zu öffnen, aber die Challenges sind der beste Weg dazu.

Fazit: Ein rundum perfekter Jugendroman, ich hoffe es wird eine Fortsetzung mit den beiden sympathischen Protagonisten geben.

Autor: Anna Pfeffer

Veröffentlicht am 27.09.2016

komplexer Plot und brisantes Thema

Wintertod
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Schauplatz Berlin. Im zweiten Teil der Reihe um Kommissar Arne Larsen wechselt der Schauplatz von Schleswig Holstein in die Hauptstadt, wohin er sich nach seinem letzten dramatischen Fall versetzen ließ. ...

Schauplatz Berlin. Im zweiten Teil der Reihe um Kommissar Arne Larsen wechselt der Schauplatz von Schleswig Holstein in die Hauptstadt, wohin er sich nach seinem letzten dramatischen Fall versetzen ließ. Da er über wenig Großstadterfahrung verfügt wird ihm eine jüngere Kommissarin, Mayla Aslan, als Chefin vorgesetzt. Schon sein erster Arbeitstag beginnt mit einem Leichenfund. In einem aufgegebenen Friedhof im Norden Berlins wird die nur oberflächlich verbuddelte Leiche einer Frau gefunden. Das Tuch in das sie gewickelt ist, gibt den Ermittlern Rätsel auf, zudem weist die Leiche keine Zeichen von Gewaltanwendung auf, alles deutet auf einen Selbstmord.

In einem weiteren Strang lernen wir die Grundschullehrerin Lea Zeisberg kennen, die nach traumatischen Erlebnissen eine sechsmonatige Auszeit nahm und jetzt wieder in den Schuldienst zurückkehrt. Es fällt ihr schwer, sich wieder auf die Kinder ihrer Klasse einzulassen. Als sie das Heft einer Schülerin genauer in Augenschein nimmt, sie sie einen stummen Hilfeschrei.

Neben diesen beiden Strängen gibt es noch eine Handlungsebene, die in der Vergangenheit spielt. Martin erinnert sich an seine Kindheit in den 70er Jahren in der damaligen DDR. Drei Stränge, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, die der Autor aber gekonnt zu einem dichten und atmosphärischen Ganzen webt.

Arne Larsens Leben hat sich seit dem Umzug verändert. Er ist vorübergehend in eine WG gezogen, doch so richtig wohl fühlt er sich nicht. Es mangelt an Privatsphäre und das Bad scheint ständig besetzt zu sein. Der Einstand in der neuen Abteilung läuft nicht wirklich rund, die Zusammenarbeit mit seiner Vorgesetzten und Kollegin gestaltet sich anfangs schwierig, die beiden müssen sich erst mal zusammenraufen. Keine optimalen Bedingungen, um an einem brisanten Fall zu ermitteln.

Arne war mit schon aus dem ersten Teil bekannt, er gewinnt hier noch mehr an Tiefe, auch die anderen Figuren sind sehr gut gezeichnet, vor allem seine Partnerin Mayla. Sie wirken lebendig und authentisch, sind Figuren mit Ecken und Kanten.

Was mir bei "Ein Dunkler Sommer" schon so gut gefallen hat ist der wunderbar atmosphärische und anspruchsvolle Schreibstil, der sich auch in diesem Teil wiederfindet. Mein Kopfkino hatte keine Probleme anzuspringen, ich konnte tief in die Handlung eintauchen und hatte sowohl Orte als auch Personen bildlich vor Augen. Keine Selbstverständlichkeit, oftmals bleiben Charaktere zu blass und ich bin nur ein oberflächlicher Beobachter am Rande. Ganz anders hier! Ich war an Arnes Gedanken und Gefühlen hautnah dran, konnte meine eigenen Vermutungen anstellen und überlegen, wie Martin in die Geschichte passt.

Das Buch erzählt eine Geschichte von Kindern, die von Erwachsenen in falsche Bahnen gelenkt werden. Über Gewalt in der Famlilie sowie an Schulen. Eine Geschichte die unter die Haut geht und die die Abgründe der menschlichen Seele offenbart. Thomas oOmmensen zieht hier gekonnt die Fäden und webt einen komplexen Plot, dem es nicht an Spannung fehlt. Das Ende ist schlüssig geklärt, so dass keine Fragen offen bleiben.

Fazit: Packender Krimi mit einem brisantenThema den ich jedem Krimifan nur empfehlen kann. Auf den nächsten Fall für den sympathischen Kommissar darf man gespannt sein.

Veröffentlicht am 22.09.2016

komplex und spannend

Märchenwald
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"Märchenwald" von Martin Krist ist schon der fünfte Fall für Ermittler Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth. Auch diesmal beschäftigt ihn ein brisanter Fall bzw. mehrere Fälle, die irgendwie zusammenzuhängen ...

"Märchenwald" von Martin Krist ist schon der fünfte Fall für Ermittler Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth. Auch diesmal beschäftigt ihn ein brisanter Fall bzw. mehrere Fälle, die irgendwie zusammenzuhängen scheinen.

Bei einem Einbruch in einen Frisiersalon stirbt einer der Täter an seinen Verletzungen, die er sich am zerschlagenen Fenster zugezogen hat. Doch kaum ist der Tatort besichtigt kommt auch schon der nächste Fall rein, und der hat es in sich. Kalkbrenner wundert sich, denn offensichtlich ist der Mann eines natürlichen Todes gestorben. Herzinfarkt beim Mittagessen. Doch seine Kühltruhe birgt einen schrecklichen Inhalt.

Es hat nur wenige Seiten gebraucht, bis ich von diesem Thriller wieder total gefesselt war. Kalkbrenner und sein Team war mir schon aus den Vorgängern bekannt, so war es ein leichtes den Überblick über die einzelnen Protagonisten und die jeweiligen Erzählstränge zu behalten. In gewohnter Weise zeichnet sich der Aufbau durch kurze Kapitel, mehrere Handlungsstränge, die parallel laufen und schnelle Szenenwechsel aus. Dadurch entsteht eine ganz eigene Dynamik, die Cliffhanger am Ende der Kapitel verleiten dazu mehr zu lesen, als geplant.

Spannend fängt die Story an, wir Leser beobachten zwei kleine Kinder, die mitten in der Nacht von ihrer Mutter geweckt und im Wandschrank versteckt werden. Wie passen die beiden in die Story? Eine junge Frau hat ihr Gedächtnis verloren, sie irrt durch Berlin und wird verfolgt. In einem weiteren Strang verfolgen wir die Ermittlungen von Kalkbrenner und seinen Kollegen, die in ihrem Fall nicht so richtig vorwärts kommen.

All diese Stränge haben Berührungspunkte, es gibt Zufallstreffen zu einem Zeitpunkt als noch keiner ahnt, dass sich ihre Wege nochmals kreuzen werden. Genau diese zufälligen Szenen machen die Story authentisch. Die Spannung ist von Anfang an sehr hoch und bleibt auch konstant auf hohem Niveau. Ich bin atemlos durch die Seiten gerauscht, zumal das Thema wirklich brisant und schockierend ist. Martin Krist verwebt die Stränge gekonnt zu einem stimmigen Ganzen, in einem spannenden Showdown klärt sich am Ende fast alles auf. Einige wenige Fragen bleiben unbeantwortet, hier kann sich der Leser seine eigenen Gedanken machen.

Fazit: Wieder ein perfekter Thriller aus der Feder von Martin Krist. Kann ich jedem empfehlen, der komplexe und spannende Thriller liebt. Verdiente 5 Sterne.