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Veröffentlicht am 02.05.2019

Über eine Stimme, die gehört werden will und sollte

On The Come Up
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Da mir die Thematik und der Schreibstil von "The Hate U Give" ausgesprochen gut gefallen haben, war es keine Frage, dass ich auch das neue Buch der Autorin lesen wollte. Dabei ist "On the Come Up" keine ...

Da mir die Thematik und der Schreibstil von "The Hate U Give" ausgesprochen gut gefallen haben, war es keine Frage, dass ich auch das neue Buch der Autorin lesen wollte. Dabei ist "On the Come Up" keine Fortsetzung und auch kein Spin-off. Es spielt zwar in dem gleichen Stadtteil und an ein paar Stellen wird ein Bezug zu dem anderen Buch der Autorin genommen, aber ansonsten ist es eine komplett eigenständige Geschichte.

Im Zentrum steht die junge Bri, die in ärmlichen Verhältnissen groß wird und davon träumt einmal Rapperin zu werden. Nachdem sie in der Schule von zwei Sicherheitskräften zu unrecht auf den Boden geworfen und festgehalten wird, nimmt sie dies als Anlass, um über Vorurteile gegenüber Afro-amerikanern zu rappen. Doch nicht jeder versteht ihr Lied so, wie er es sollte und nicht jeder mag, dass sie ihre Stimme erhebt.

In meinen Augen verpackt dieses Buch ganz viele wichtige Botschaften, die sich jeder einmal oder noch einmal zu Herzen nehmen kann. Wie schnell urteilen wir über andere Menschen nur aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft? Wie oft verstehen wir Dinge, wie wir sie verstehen wollen, und fällen rasch unsere Meinung? Da braucht man vielleicht noch einmal ein Buch wie dieses, das einem da einen Spiegel vorhält und aufzeigt, dass es zwei Seiten einer Medaille gibt.

Ganz besonders ist hier auch die Entwicklung der Charaktere. Hier haben für mich Bri und ihre Mutter herausgestochen. Beide haben es nicht unbedingt leicht sowie auf ihre Art mit Vorurteilen zu kämpfen und finden im Verlauf der Geschichte einen super Weg. Es wird auch immer wieder verdeutlicht, dass es egal ist, was irgendwer über dich sagt. Es kommt nur darauf an, dass man sich selber treu bleiben kann und was die Menschen, die einem Nahe stehen, über einen denken. Es wird wahrscheinlich deutlich, wie begeistert ich von den Botschaften bin und für wie wertvoll ich das Buch halte.

Anders als bei "The Hate U Give" hatte ich bei diesem Buch keine Schwierigkeiten in die Geschichte einzusteigen und war von der ersten Seite an in der Handlung drinnen. Hier gibt es keine komplizierten Familienverhältnisse oder Gangstrukturen. Das mit ein Grund, warum ich dieses Buch hier stärker finde. Außerdem war - vor allem auch durch die Nebencharaktere - hier die Handlung abwechslungsreicher. Es geht nicht nur um Rassendiskriminierung, sodass das Buch auch hierdurch spannender war.

Ein kleiner Kritikpunkt ist hier in meinen Augen nur, dass die Songtexte nirgendwo übersetzt werden. Bri rappt in einer englischen Jugendsprache und der ein oder andere Text ist hier auch abgedruckt. Es ist schon gut für die Handlung, wenn der Leser die Texte versteht, aber durch den englischen Slang ist dies gar nicht so leicht. Da wäre es hilfreich, wenn es nach dem Glossar (für Jugendsprache) auch eine deutsche Übersetzung geben würde.

Alles in allem ist dies ein super, gehaltvolles Jugendbuch, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Die eigentlich anspruchsvolle Thematik wird in einer fesselnden sowie abwechslungsreichen Geschichte verpackt.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Sherlock Holmes trifft auf Fantasy

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Es gab selten ein Buch, das mich so positiv überrascht hat wie „Witchmark“. Von dem Klappentext her konnte ich mir noch nicht so richtig vorstellen, wovon die Geschichte handeln soll. Da ich gerne Überraschungen ...

Es gab selten ein Buch, das mich so positiv überrascht hat wie „Witchmark“. Von dem Klappentext her konnte ich mir noch nicht so richtig vorstellen, wovon die Geschichte handeln soll. Da ich gerne Überraschungen mag und mich auch einfach in das Cover verliebt habe, wollte ich ihm gerne eine Chance geben.

Der Einstieg in die Geschichte ist wirklich schwer gewesen. Das kann ich leider nicht beschönigen und das ist auch für mich der Grund für den einen Stern Abzug. Der Leser wird mehr oder weniger in die Geschichte hineingeworfen. Es fehlt irgendwie eine Einleitung, eine Vorstellung der Welt oder auch der Hauptperson. Das erste Kapitel war wirklich verwirrend, da ich noch nicht einmal wusste in welcher Zeit die Geschichte spielt. Ich schätze es ist kein zu großer Spoiler, wenn ich verrate, dass sie zurzeit der allerersten Autos spielt und es auch das ein oder andere elektrische Gerät gibt.

Miles als Charakter ist da deutlich mysteriöser und rückblickend finde ich sogar gut, dass der Leser erst nach und nach alles über ihn erfährt. Er ist vielschichtig, komplex gestaltet und mir auch definitiv sympathisch. Es kommt nicht allzu häufiger vor, dass eine männliche Hauptperson zurückhaltend und eher unterordnend ist. Man könnte in der ein oder anderen Szene sogar meinen, dass er gar nicht die Hauptperson in seinem eigenen Leben ist. Das hat ihn auch faszinierend und einzigartig gemacht.

Zu Beginn trifft Miles auf Tristan. Die beiden haben mich ein bisschen an Sherlock Holmes und Dr. Watson erinnert. Es wirkt durch den Kriminalfall, der jedoch nicht allzu stark im Vordergrund steht, zum Teil wie ein Fall von Sir Arthur Conan Doyle. Es sind interessante Aspekte aus diesem Genre in die Geschichte eingeflossen und gleichzeitig enthält das Buch auch alle Vorteile eines Fantasy Romans. Die Welt ist komplex mit Magie, verschiedenen Wesen und eigenen Regeln. Auch wenn der Einstieg nicht der leichteste war, fand ich es spannend jeden Aspekt hiervon kennenzulernen.

Ein kleines Highlight ist auch, dass Cover optisch nicht nur wunderschön aussieht, sondern es auch magisch ist. Ich kann nur empfehlen sich das Buch einmal im Dunklen anzuschauen. Es ist außergewöhnlich, aber die Schriftzüge können dann sogar leuchten. Für mich zeigt dies nur noch mehr, mit wie viel Liebe zum Detail dieses Werk geschaffen wurde.

Zwischenzeitlich hätte ich nicht gedacht, dass die Geschichte in sich abgeschlossen ist, aber am Ende ist sie sehr rund geworden. Es wird zwar eine Fortsetzung geben, aber es gibt keinen Cliffhanger und der Leser kann zufrieden die letzte Seite umschlagen. Ich habe es in jedem Fall getan und werde bestimmt auch den zweiten Teil lesen. Bis dato war „Witchmark“ die größte Überraschung in 2019 und definitiv ein fantastisches Highlight. Wenn euch der Einstieg ebenfalls nicht direkt überzeugt, dann haltet durch. Es lohnt sich!

Veröffentlicht am 22.04.2019

Ein kurzer, ruhiger Abstecher ins Dorfleben

Bleib doch, wo ich bin
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„Jedenfalls hat der Herr Lehrer es geschafft, mich ordentlich durcheinanderzurütteln. Ich will gar nicht mehr die coole Kaya sein, die abschleppt, wen sie will, ohne ihr Herz zu verlieren. Ich mag die ...

„Jedenfalls hat der Herr Lehrer es geschafft, mich ordentlich durcheinanderzurütteln. Ich will gar nicht mehr die coole Kaya sein, die abschleppt, wen sie will, ohne ihr Herz zu verlieren. Ich mag die Kaya, die ich bin, wenn ich bei ihm bin. Und ich mag ihn. Ich mag ihn nicht mehr hergeben.“

Manche Buchcharaktere wachsen einem direkt an Herz, sodass man einfach nur weiterlesen möchte, um zu sehen, dass sie glücklich werden. So war es bei mir mit Kaya. Sie ist außergewöhnlich lebensfroh, im Dorfleben komplett verwurzelt und die beste Tante, die man sich vorstellen kann. Schön ist auch, dass sie ein paar kleine Macken hat und noch nicht zu erwachsen ist. Ein Mensch, den ich gerne auch in meinem Freundeskreis hätte.

Bei Lasse ist das etwas schwieriger. Er scheint häufig selbst noch nicht zu wissen, was er eigentlich vom Leben möchte. Nach einer gescheiterten Beziehung zieht er aufs Land und wird Vertretungslehrer. Wirklich glücklich mit dem Landleben ist er jedoch erst einmal nicht. Auch ist sein Verhalten an der ein oder anderen Stelle nicht so schlüssig. Hier kann es durchaus passieren, dass er einfach mal Reißaus nimmt und flieht.

Vom Wesen her sind die beiden somit ziemlich unterschiedlich. Das macht das erste Aufeinandertreffen nur noch amüsanter. Es gibt hier mehrere lustige Stellen, Verwechslungen und Missverständnisse. Dabei bleibt ein großes Drama glücklicherweise aus. Auf mich wirkte das Kennenlernen authentisch und nicht zu überstürzt. Ich war gerne dabei, als die ersten Schmetterlinge im Bauch aufgetaucht sind.

Insgesamt ist das Buch aus Kayas und aus Lasses Sicht geschrieben, was besonders bei den Missverständnissen praktisch ist, sodass man hier die verschiedenen Auffassungen mitbekommt. Der Schreibstil bei beiden Sichten ist zwar recht ähnlich, aber durch das Wesen der Charaktere doch unterschiedlich genug, dass der Leser mitbekommt, aus wessen Sicht gerade erzählt wird.

Darüber hinaus lebt das Buch auch von den Nebencharakteren, wie den Tierarzt Bob oder Kayas Nichte. Sie sind ebenfalls so vielschichtig wie die Hauptcharaktere und bringe noch mehr Spannung in die Geschichte.

Für mich ist „Bleib doch, wo ich bin“ ein schöner Ausflug oder Abstecher in das Landleben. Ein amüsanter, authentischer Liebesroman mit vielen großartigen Charakteren.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Teilweise extrem, aber äußerst faszinierend

Too Late
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Wenn man einen Blick auf die Jugendbuchbestsellerliste wirft, dann taucht hier immer wieder der Name Colleen Hoover auf. Bis dato hatte ich dennoch kein einziges Buch von ihr gelesen. Da die Rezensionen ...

Wenn man einen Blick auf die Jugendbuchbestsellerliste wirft, dann taucht hier immer wieder der Name Colleen Hoover auf. Bis dato hatte ich dennoch kein einziges Buch von ihr gelesen. Da die Rezensionen überwiegend positiv waren, hatte ich schon ziemlich hohe Erwartungen. Ich habe mich auf ein tiefgründiges sowie einzigartiges Buch gefreut.

Bereits der erste Blick auf das Buch zeigt, dass es nicht durchschnittlich ist. Die Farben sind ziemlich grell und der Farbkontrast ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack. So strahlt es etwas Gefährliches aus. Ich persönlich finde das Cover nicht besonders schön, aber zum Glück ist es kein Indikator für den Inhalt. Positiv ist, dass es so in jedem Fall heraussticht.

Bereits nach wenigen Seiten wird deutlich, dass die Geschichte sehr fesselnd geschrieben ist. Der Leser lernt hier drei Sichten kennen, sodass die Dreiecksbeziehung aus jedem Blickwinkel betrachtet werden kann. So haben wir einmal Carters, einmal Sloans und auch Asas Perspektive. Ein sprachliches Highlight war hier, dass ich bewusst das erste Mal eine Handlung aus Sicht eines unzuverlässigen Erzählers lesen durfte. Das hat die ganze Entwicklung nur noch spannender gemacht.

Als Leser muss man sich jedoch bei dem Buch auch darauf einstellen, dass es an der ein oder anderen Stelle etwas extrem ist. Es wird keine rosarote Liebesbeziehung dargestellt, sondern eine mit Sicherheit ungesunde Beziehung mit Unterdrückung, Abhängigkeit und zum Teil auch Gewalt. Wer hier eher zart besaitet ist, sollte von dem Buch Abstand nehmen.

Interessant ist auch zu wissen, dass das Buch ein privates Schreibprojekt der Autorin war. Sie hat hier ein Kapitel nach dem anderen im Internet veröffentlicht und auch in genau dieser Reihenfolge sind nun die Kapitel in dem Buch. Zunächst war die Geschichte deutlich kürzer geplant, sodass der Leser sich nicht wundern darf, dass nach etwa zwei Drittel das Wort „Ende“ auftaucht. Da die Handlung die Autorin noch lange beschäftigt hat, folgen darauf noch weitere Epiloge und ein Prolog. Man könnte meinen, dass die Autorin somit gegen jede Regel über den Aufbau eines Buches verstößt, aber irgendwie ist das auch faszinierend. Das Ende ist eben noch kein Ende und es ist schön zu erfahren, wie es noch mit den Charakteren weitergeht.

Es gibt somit viele Aspekte, durch die sich das Buch von anderen abhebt. Meine Erwartung, eine außergewöhnliche Geschichte zu lesen, wurde damit voll und ganz erfüllt. Es ist teilweise extrem, aber die unterschiedlichen Sichten auf die gleiche Handlung sind faszinierend. Für mich wird es mit Sicherheit nicht das letzte Buch gewesen sein, das ich von der Autorin gelesen habe.

Veröffentlicht am 15.04.2019

Eine schöne Charakterentwicklung und kein übertriebenes Drama

Maybe this Love - Und plötzlich ist es für immer
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„Sie riss die Augen auf und bekam rote Wangen, und ein Blick in ihr Gesicht verriet ihm alles, was er wissen wollte. Sie hatte auch gespürt, wie der Funke zwischen ihnen übersprungen war. Statt diese brodelnde ...

„Sie riss die Augen auf und bekam rote Wangen, und ein Blick in ihr Gesicht verriet ihm alles, was er wissen wollte. Sie hatte auch gespürt, wie der Funke zwischen ihnen übersprungen war. Statt diese brodelnde Spannung zwischen ihnen zu lösen, hatte der Kuss das Feuer nur noch geschürt… ein Feuer, das er dringend unter Kontrolle bekommen musste.“

Rein optisch gehören die Bücher der Reihe eindeutig zusammen und auch die Hauptpersonen der einzelnen Teile haben Gastauftritte in den anderen Bänden. Das schöne ist jedoch, dass der Leser sich hier nicht an die Reihenfolge halten braucht. Die Kurznovelle "Maybe This Kiss" kannte ich bereits, aber ansonsten hatte ich bis dato wenig Berührungspunkte mit den Eishockey-Spielern aus Colorado. Das werde ich nach diesem Buch jedoch schleunigst ändern und habe schon den ersten Teil Zuhause liegen. Ich zäume somit quasi das Pferd von hinten auf.

Der Klappentext des Buches ist dabei leider in meinen Augen ein bisschen abschreckend geschrieben. Der NHL-Star heiratet zufällig im betrunkenen Zustand in Vegas und bereut dies anschließend sofort. Als die Scheidung vor Gericht geht, verguckt er sich in die Anwältin der Gegenseite. Das klingt relativ oberflächlich und nach sehr viel Drama. Hier war ich extremst positiv überrascht, dass es das nicht ist. Natürlich sind in die Geschichte Gefühle mit involviert, aber es ist nicht überzogen. Im Gegenteil an vielen Stellen wirkte die Handlung sehr authentisch auf mich, was mir ausgesprochen gut gefallen hat.

Mit der Hauptperson Ben Westmore musste ich erst etwas warm werden. Es ist eben schwer zu verstehen, wie es kommt, dass ein Mann, der eigentlich nicht viel trinkt betrunken in Vegas heiratet. Sein Verhalten war an vielen Stellen nicht durchsichtig und ich habe einige Kapitel gebraucht bis er mir ans Herz gewachsen ist. Bei Olivia, der weiblichen Hauptperson, ging es mir da ähnlich. Sie ist sehr unabhängig und nimmt ihr eigenes Glück gerne selber in die Hand. Bei ihr passte mir zunächst nicht, dass eine Karrierefrau, die gerne bis spät in die Nacht im Büro sitzt und nicht die Anstalten macht, daran etwas ändern zu wollen, eigene Kinder haben möchte. Der Gedankengang mag so oberflächlich klingen, aber mir erschien sie nicht wie der mütterliche Typ.

Durch die anfängliche Distanz zu den Hauptpersonen hat es bestimmt ein Drittel wenn nicht sogar die erste Hälfte des Buches gedauert, bis ich komplett in die Geschichte eingetaucht bin. Ab da wurde es für mich ein wundervolles Buch. Die Charaktere durchlaufen eine schöne, realistische Wandlung, die der Leser Stück für Stück nachvollziehen kann. Wer von den ersten Seiten also nicht direkt begeistert ist, sollte definitiv durchhalten. Das Buch ist ein Ausdauersport, aber einer der sich voll und ganz lohnt. Also wagt euch aufs Eis und genießt das Spiel!