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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2019

leidenschaftlich; tolle, schlagfertige Protagonisten

British Knight
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Alexander Knightly ist ein Karrieremensch. Als Anwalt ist er angesehen, doch das ist ihm nicht genug. Er will nur eines: der Beste sein. Dafür opfert Alexander alles- seine Freizeit, seinen Schlaf, seine ...

Alexander Knightly ist ein Karrieremensch. Als Anwalt ist er angesehen, doch das ist ihm nicht genug. Er will nur eines: der Beste sein. Dafür opfert Alexander alles- seine Freizeit, seinen Schlaf, seine Kontakte zu Freunden. Dass sein Büro dabei im Chaos versinkt und die Buchhaltung auf seine Zuarbeit wartet, stört ihn dabei nur wenig. Doch als Violet King als seine neue Assistentin eingestellt wird, ändert sich einfach alles. Denn die Assistentin, die Knightly eigentlich gar nicht will, lässt sich nicht so einfach verscheuchen.

Durch den angenehmen, flüssigen Schreibstil fällt der Einstieg in die Geschichte sehr leicht. Man wird direkt in die Handlung geworfen und lernt dann nach und nach die Charaktere kennen. Dabei bin ich direkt neugierig geworden, was es da noch alles zu erfahren geben wird und vor allem, wie die Zusammenarbeit der Protagonisten nach dem sehr temperamentvollen Einstieg verläuft. Ich kenne die anderen Bände der Reihe nicht und hatte nicht das Gefühl, dass mir etwas an Wissen fehlt, um diesem Buch folgen zu können.

Durch die zwei Ich-Perspektiven erhält man sehr intensive Einblicke und kann sowohl Violet als auch Alexander gut kennen lernen. In ihre Gedankenwelt eintauchen zu können, eröffnet dabei einen ganz anderen Blick auf die Geschehnisse, denn beide halten einiges vor ihrem Gegenüber geheim. Besonders Alexander ist oft sehr mürrisch, stur und manchmal nicht gerade freundlich, nur mit seiner Leistung kann er glänzen und das scheint auch das Einzige zu sein, was für ihn zählt. Doch Violet lässt sich von seiner schroffen Art und dem Chaos in seinem Büro nicht einschüchtern. Sie hält dagegen, kontert und sucht sich Mittel und Wege, um ihren Job trotzdem irgendwie machen zu können. Die Herausforderung nimmt Violet nur zu gern an, besonders wenn alle glauben, sie wäre nicht zu meistern. Es gibt aber auch immer wieder Momente, in denen die zweifelt und doch ein wenig eingeschüchtert ist, auch wenn sie das Alexander gegenüber niemals zugeben würde.
Eine Kombination aus Versteckspiel, verbalem Schlagabtauch, Provokation und körperlicher Anziehung beginnt zwischen den Protagonisten und beschäftigt sie auch nach dem Aufenthalt im Büro. Obwohl Alexander und Violet so unterschiedlich sind, waren sie mir doch recht schnell sympathisch. Besonders gemeinsam ergeben sie eine sehr spannende, temperamentvolle Mischung, bei der man nie so genau weiß, was als nächstes passiert. Auch wenn es den Charakteren selbst vielleicht nicht so geht, ich habe häufiger schmunzelnd vor dem Buch gesessen und mich sehr über die schlagfertigen, teils frechen oder witzigen Antworten gefreut.

Umso weiter man im Buch voranschreitet, umso mehr fallen die Mauern der Charaktere. Langsam und sehr behutsam öffnen sie sich einander und tauchen in die Welt ihres Gegenübers ein. Dabei kann man auch als Leser entdecken welche Facetten die Figuren noch an den Tag legen und dass so viel mehr hinter ihren Masken steckt, als sie sonst zeigen. Die persönliche Entwicklung der Protagonisten hat mir gut gefallen. Man kann mit ihnen einen kleinen Wandel durchlaufen und sie dabei begleiten, wie sie neue Dinge über sich selbst lernen und ihr bisheriges Leben überdenken. Immer wieder wird es auf verschiedene Weise emotional, sehr leidenschaftlich und erotisch. Obwohl mir die erotischen Passagen an sich gut gefallen haben, gab es einige Ausdrücke, die aus meiner Sicht irgendwie nicht so recht zu den Charakteren und ihrer sonstigen Ausdrucksweise passen wollten. In einem anderen Personenkreis bzw. bei anderer Konstellation hätte ich mich daran vermutlich nicht gestört, aber irgendwie empfand ich es als unpassend für die beiden. Die Szenen haben sich sonst allerdings sehr gut in das Gesamtbild eingefügt und waren immer wieder kleine Höhepunkte der Provokation und des gegenseitigen Anheizens.

Fazit
Eine schöne Liebesgeschichte, die vor allem mit den temperamentvollen, schlagfertigen Protagonisten und ihren Entwicklungen im Verlauf der Geschichte punkten kann. Beide sind durch die veränderte Situation gezwungen, sich neu zu orientieren und öffnen sich für Möglichkeiten, die sie vorher vielleicht nie in Betracht gezogen hätten. Neben diesen nachdenklichen Momenten wird es immer wieder sehr leidenschaftlich und auf unterschiedlichen Ebenen emotional.

Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 14.05.2019

schöner Auftakt, bei dem noch viel offen bleibt

Rise & Doom 1: Prinzessin der blutroten Wüste
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Abgeschottet vom Rest des Reiches lebt Rise hinter weißen Schlossmauern in trügerischem Frieden. Auch wenn ihre Wachen ihr das Gefühl geben sollen, sich innerhalb ihrer Grenzen frei und ungezwungen bewegen ...

Abgeschottet vom Rest des Reiches lebt Rise hinter weißen Schlossmauern in trügerischem Frieden. Auch wenn ihre Wachen ihr das Gefühl geben sollen, sich innerhalb ihrer Grenzen frei und ungezwungen bewegen zu können, hat sie eigentlich kaum Möglichkeit, sich zu entfalten und selbst zu entschieden. Als sie dann vor vollendete Tatsachen gestellt wird und von ihrer arrangierten Zwangsehe erfährt, bricht für sie eine Welt zusammen. Und doch hätte Rise niemals für möglich gehalten, wie viel sich durch diese Entscheidung wirklich ändern wird…

Der Schreibstil von Ina Taus hat mir gut gefallen. Man kann sich schnell in die Handlung einfinden und bekommt nach und nach ein umfangreiches Bild über die Personen, Schauplätze, die Pläne und Intrigen. Die verschiedenen Charaktere, die man während der Geschichte in Ich-Perspektive begleitet, machen es leicht, die Welt und die Protagonisten kennen zu lernen, Macken und Geheimnisse zu erfahren, ohne dass sie zwingend durch denjenigen selbst verraten werden. Durch die gewählten Perspektiven ist man nah am Geschehen und kann hinter die Mauern und in die Gefühlswelten der Figuren gucken. Zusätzlich wird die Dynamik in der Geschichte erhöht, da immer wieder weggeblendet und die Handlung aus einer anderen Sicht bzw. an einem anderen Ort beleuchtet wird. Die parallel laufenden Handlungssträng haben viele Berührungspunkte, verbinden sich immer wieder, bevor sie teilweise dann doch wieder getrennt voneinander fortgesetzt werden.

Die Kombination an Charakteren ist abwechslungsreich und gut gewählt. Einige sind einem sofort sympathisch, bei anderen ist man misstrauisch, manch einer entwickelt sich im Laufe des Buches doch noch zum Hoffnungsträger, andere möchte man auch am Ende noch an die Wand klatschen – langweilig wird es auf jeden Fall nicht. Immer wieder muss man sich, genau wie die Figuren, fragen, wem man wirklich trauen kann, wer zu naiv und gutgläubig ist und wer doch einfach ein gutes Gespür hat. Einige Charakterzüge der Protagonisten sind wohl auch einfach ihrem Leben bzw. ihrem Aufwachsen und den bisherigen Erfahrungen geschuldet, so kann man sich schon erklären, wieso sie nicht immer so bedacht handeln, wie es in den misslichen Lagen, in die sie teilweise geraten, sinnvoll wäre. Aber wie soll man auch anders handeln, wenn man die Welt um sich herum gar nicht kennt?

Manche Entwicklungen sind für den Leser allerdings nicht ganz so überraschend gewesen, wie für die Charaktere im Buch. Das liegt zum einen an den wechselnden Perspektiven, die einem einen umfangreicheren Blick auf die Ereignisse geben, zum anderen deuten sich einige Dinge auch einfach an. Trotzdem ist die Geschichte interessant zu verfolgen und besonders durch die ganzen Intrigen, Bündnisse und Geheimnisse werden immer wieder neue Aspekte aufgeworfen, die Änderungen für die Handlung mit sich bringen.

Der Aufbau der Welt klingt vielversprechend und ich vermute, da wird es noch einiges zu entdecken geben. Während es bei Rise im ehemaligen Australien ziemlich mittelalterlich zugeht und es nur wenig Technik und Fortschritt gibt, sieht es auf den anderen Kontinenten ganz anders aus. Die Verknüpfung dieser unterschiedlichen Welten und Wesen, die in ihnen leben, werden sicher noch für einiges an Turbulenzen und Spannungen sorgen.
Auch an Gefühlen mangelt es in der Geschichte nicht. Immer wieder sind die Charaktere ordentlich aufgewühlt und müssen versuchen, mit sich und den neu aufkommenden Emotionen klar zu kommen, ohne ihr eigentliches Ziel aus dem Blick zu verlieren. Für die meisten kein besonders leichtes Unterfangen. Besonders zum Ende des Buches wird es ziemlich hektisch und turbulent. Man wird ziemlich ratlos zurück gelassen und ich bin gespannt, wie es weitergehen wird und wer sich wirklich als vertrauensvoll erweisen wird.

Fazit
Ein interessanter Auftakt, der einem schon die ersten Bereiche der veränderten Welt und der in ihr Lebenden Wesen zeigt. Die facettenreiche Charaktermischung sorgt für Turbulenzen, aufgewühlte Gefühle, Konfliktpotenzial und reichlich Raum für Intrigen und Geheimnisse. Das offene Ende lässt einen neugierig zurück, ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergehen wird.

Veröffentlicht am 27.04.2019

intensive Gefühle, köstliche Schokoträume

Taste of Love - Zart verführt
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3. Band: Die Liebesgeschichte an sich dreht sich zwar um neue Figuren, die Freunde von ihnen bzw. Bekannte und Arbeitskollegen kennt man zum Teil jedoch schon aus den ersten beiden Bänden. Wenn man diese ...

3. Band: Die Liebesgeschichte an sich dreht sich zwar um neue Figuren, die Freunde von ihnen bzw. Bekannte und Arbeitskollegen kennt man zum Teil jedoch schon aus den ersten beiden Bänden. Wenn man diese noch lesen/hören will, sollte man lieber am Anfang der Reihe anfangen, um sich nichts vorweg zu nehmen, auch wenn die Beziehungsentwicklungen nicht übermäßig überraschend sind.

Liz hat sich einen Traum erfüllt und ihre eigene Chocolaterie eröffnet. Zwar hat sie einige Kunden, insgesamt könnte das Geschäft mit den süßen Versuchungen aber besser laufen. Als sie die Chance bekommt, in einer TV-Show Werbung für ihren Laden zu machen, freut sich sie sehr. Aber als ihr dann Adam Stone gegenübersteht, der gemeinsam mit ihr in der Sendung auftreten soll, verändert sich ihre Laune schlagartig. Neben dem Sportfreak, der gesunde Smoothies vorstellt, fühlt sie sich deplatziert und nur wenig schlagfertig. Dennoch ist es eine Begegnung, die ihr Leben gehört auf den Kopf stellt.

Liz und ihre köstlichen Schokoladenkreationen sind einem bereits vorher begegnet, doch jetzt steht sie mit ihrem Laden im Mittelpunkt und man bekommt einen intensiven Einblick in ihr Leben, ihre Wünsche und ihre Gefühle, die besonders nach der Begegnung mit Adam ziemlich durcheinander gewirbelt sind. Obwohl sie ein ziemlicher Sportmuffel ist, lässt sie sich, unter Vortäuschung falscher Tatsachen, darauf ein, in Adams Sportclub zu gehen. Dort ist sie ihm und ihren Gedanken ausgeliefert.
Liz war mir von Beginn an sympathisch. Sie ist ein liebevoller Mensch und auch wenn sie sich nicht unbedingt in den Mittelpunkt drängt, ist sie nicht auf den Mund gefallen. Ihre Gedankengänge sind nachvollziehbar geschildert und machen sie auf der einen seite zwar verletzlich, auf der anderen aber auch authentisch. Anstatt Kalorien zu zählen, zaubert Liz lieber zuckerhaltige Sünden und erfreut sich am Genuss ihrer Gäste, wenn diese ihre Meisterwerke verspeisen. Spätestens am Ende des Buches möchte man dann aber leider selbst auch unbedingt ein bisschen Schokolade, eine Praline oder einen leckeren Kuchen…
Adam und Liz scheinen auf den ersten Blick nicht so viel gemeinsam zu haben. Das macht ihre Zusammentreffen aber umso interessanter. Die Neckereien, Provokationen und Wortgefechte sind sehr schön zu verfolgen und haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Von der Protagonistenkombination haben mir die beiden in der Taste of Love- Reihe bisher am besten gefallen. Sie harmonieren auf eine ganz eigene Art und durch ihre Charakterzüge werden Witz, Charme und die wachsende Leidenschaft lebendig rüber gebracht.
Ich habe auch den dritten Band wieder als Hörbuch genossen und fühlte mich wieder von Beginn an gut mitgenommen. Die Stimme ist sehr angenehm und ausdrucksstark, besonders die Gefühle werden intensiv transportiert. Es gibt zwar auch im dritten Band keine nennenswerten Überraschungen in der Entwicklung der Handlung, aber es ist trotzdem sehr schön Adam und Liz zu begleiten und zu verfolgen, wohin ihr Weg sie bringt.

Fazit
Eine sehr schöne, im doppelten Sinne süße Geschichte bei der mir besonders die schlagfertige Kombination der Protagonisten gut gefallen hat. Neben den sündigen Leckereien bieten die Entwicklungen zwischen Adam und Liz eine gute Unterhaltung und lenken ein wenig von der Lust auf Süßigkeiten ab, die unweigerlich beim Hören entsteht.

Veröffentlicht am 22.10.2025

atmosphärisch erzählt

Joshua Jackelby
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In London im Jahr 1851 hat man es als Straßenjunge, der versucht, sich mit dem Verkauf von Zeitungen über Wasser zu halten, nicht besonders leicht. Joshua Jackelby gibt aber niemals auf, er kämpft jeden ...

In London im Jahr 1851 hat man es als Straßenjunge, der versucht, sich mit dem Verkauf von Zeitungen über Wasser zu halten, nicht besonders leicht. Joshua Jackelby gibt aber niemals auf, er kämpft jeden Tag wieder für seine Träume, die er nicht ziehen lassen möchte, wie unmöglich es auch erscheinen mag, sie wahr werden zu lassen. Gemeinsam mit seinen Freunden Charlotte und Leroy schlägt sich der Junge Tag für Tag durch, immer auf der Hut vor den lauernden Gefahren. Verfeindete Banden, Intrigen, Dreck, Armut, rücksichtslose Menschen – Probleme lauern an jeder Ecke und doch hat Josh sich sein gutes Herz erhalten, ist hilfsbereit, mutig und stellt sich Herausforderungen. Die Diebe einer Erfindung von einem Professor zu finden und ihm sein Projekt zurück zu bringen, bevor die Ausstellung stattfindet, auf der er es vorstellen wollte, lässt die Freunde tiefer in die dunklen Geheimnisse und Machenschaften der Londoner Gesellschaft eintauchen und immer wieder bringen sie sich dabei selbst in Gefahr.

Mir hat der Ausflug ins historische London gut gefallen, auch weil es einem die damaligen Zeiten näherbringt und damit aufzeigt, wie viel sich seitdem verändert hat – und dass manche Sachen sich vermutlich nie ändern werden. All die Gefahren, Ängste und Sorgen, mit denen man im 19. Jahrhundert täglich zu kämpfen hatte, fließen immer wieder in die Handlung des Buches mit ein. Nicht nur die gesellschaftliche Strukturen und Krankheiten, die überall lauern, machen es schwer, sich durchzuschlagen. Wagt man sich zu weit aus seinem eigenen Revier raus, drohen einem schmerzhafte Begegnungen mit verfeindeten Banden. Und doch sind Josh und die anderen immer wieder gezwungen, sich auch in andere Ecken Londons vorzuwagen, wenn sie etwas herausfinden wollen. Dadurch entstehen immer wieder kleine Spannungsbögen und Momente, in denen man mit den Figuren mitfiebern kann. Zusätzlich gibt es auch noch mehr Einblicke in die Strukturen, die sich die Freunde aufgebaut haben bzw. in die sie innerhalb der Handlung dann hineinwachsen durch neue Bekanntschaften. Zusammenhalt und Freundschaft sind wichtige Themen, besonders für die Straßenkids. Sie erhalten jedoch auch Unterstützung von anderen, die nicht auf der Straße leben und damit das Spektrum an Möglichkeiten für Recherchen und kleine Vorstöße deutlich vergrößern.

Die historischen Aspekte empfand ich als gut in die Gesamthandlung integriert, man bekommt eine anschauliche Vorstellung davon, wie das Leben von Josh und seinen Freunden aussieht, in welchen Gegenden sie sich herumtreiben und welche Ecken sie lieber meiden. Jedes Kapitel beginnt mit einem möglichen Szenario, mit dem die Zeitungsjungen ihre Waren anbieten könnten und einem kleinen „Spoiler“ auf die Dinge, die in der Tageszeitung stehen. Da die Freunde im Verlauf der Handlung mit reichlich anderen Dingen beschäftigt sind und nicht ständig nur Zeitungen verkaufen, hält das präsent, womit sie sich eigentlich über Wasser gehalten haben, verdeutlicht ein Stück weit ihr Leben und zeigt gleichzeitig auf, was sie Stadt am jeweiligen Tag bewegt. Ich fand das einen tollen Einstieg in die Kapitel. Als Orientierungshilfe dienen die Angaben von Uhrzeiten und dem Datum, um mitzuverfolgen, wie viel Zeit zwischendurch vergeht. Am Ende jedes Kapitels gibt es dann eine kleine Illustration, die zur Handlung der Geschichte passt. Richtig schön sind auch die farbig gestalteten Seiten zu Beginn und am Ende des Buches, die zum einen eine Stadtkarte von London zeigen, um einen besseren Überblick zu haben und zum anderen Josh, mit seiner Hündin und dem „Prinzen“, der in der Geschichte ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Die Buchseiten sind auf alt gemacht, was total gut zur Zeit passt, in der die Handlung spielt.

Der Schreibstil ist angenehm und mitnehmend, manche Ausdrücke der damaligen Zeit fließen in das Geschehen mit ein, es ist jedoch alles gut verständlich und nicht sehr auf „alt getrimmt“. Durch die anschaulichen Formulierungen entsteht beim Lesen eine schöne Atmosphäre, die einen gut in das 19. Jahrhundert eintauchen lässt. Man begleitet im Buch den Protagonisten Joshua Jackelby und lernt damit ihn am besten kennen. Auch ohne Ich-Perspektive erhält man Einblicke in seine Gedankengänge. Auch seine engsten Freunde lernt man über die Zeit recht gut kennen. Manchmal hätte ich mir noch etwas intensivere Einblicke gewünscht, um die Truppe noch besser kennenzulernen und besser einschätzen zu können, was sie prägt und bewegt. Mit der Zeit setzen sich jedoch einige Puzzlestücke zusammen, so dass sich manches erklärt und man einige Hintergründe zu ihnen erfährt.

Die Geschichte des Buches ist interessant zu verfolgen, immer wieder gibt es Momente, in denen das Tempo ein bisschen angezogen wird und eine Portion Spannung und Dramatik in die Handlung einzieht. Oft führen diese Augenblicke dann auch zu kleinen Wendungen, durch neue Erkenntnisse oder erschütternde Momente, die die Charaktere dazu zwingen, sich neu zu orientieren. Weite Strecken der Handlung sind allerdings auch ruhiger gestaltet und beschäftigen sich eher mit der Suche nach Informationen, der Art, wie die Freunde dabei vorgehen, wie sie sich im allgemeinen durchschlagen und auch damit, wie das Leben ihrer Helfer so ausschaut, wobei es hier eher um spezielle Aspekte geht und es nicht zu ausschweifend einfließt. Sich gegenseitig beizustehen, Mut zu machen und zusammen zu halten, das ist immer wieder Thema. Auch spürt man, dass die Straßenkids noch ein wenig mehr zusammenrücken, weil sie bereit sind, sich kleine Schwächen und Ängste zu gestehen, die ihnen zuvor zu peinlich waren, um sie zuzugeben, die für ihr aktuelles Abenteuer nun aber von Bedeutung sind. So hat man neben all den Entwicklungen rund um den Diebstahl, bei denen man mit der Zeit mehr über die Zusammenhänge und manche Intrige erfährt, auch eine gewisse Entwicklung er Figuren enthalten.

Fazit

Ein schöner, atmosphärisch erzählter, schön gestalteter Abenteuerroman, der einen nach London ins Jahr 1851 mitnimmt. Manche Entwicklungen hätten für meinen Geschmack etwas rascher gehen können, bei anderen Themen hätte ich gern ein paar mehr detailliertere Einblicke gehabt, insgesamt hat es jedoch Spaß gemacht, Joshua und seine Freunde zu begleiten, mitzuerleben, wie sie sich auf den Straßen durchschlagen, wie sie mit viel Mut und Geschick versuchen, den Diebstahl aufzuklären und welche neuen Herausforderungen und Gefahren dabei auf sie lauern.

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Veröffentlicht am 20.06.2024

guter Auftakt, facettenreiche Traumwelt

Die Traumgänger - Aufbruch nach Deseo
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Wenn Finn jemandem von seinen tollen Träumen berichtet, dann glaubt man ihm meistens nicht. Wer kann schon seine Träume so gestalten, wie er es selbst gern hätte und jede Nacht die tollsten Abenteuer erleben? ...

Wenn Finn jemandem von seinen tollen Träumen berichtet, dann glaubt man ihm meistens nicht. Wer kann schon seine Träume so gestalten, wie er es selbst gern hätte und jede Nacht die tollsten Abenteuer erleben? Doch Finn weiß, dass er es sich nicht einbildet und bekommt unverhofft die Bestätigung von einem fremden Mädchen, das eines Nachts in seinen Träumen auftaucht- obwohl er nicht dafür gesorgt hat, dass sie da ist. Sanja sucht ihre Eltern und benötigt die Hilfe von Finn und seiner Gabe. Neugierig aber auch skeptisch macht Finn sich auf den Weg zu Sanja, um zu erfahren, was ihr Plan ist.
Die Reise ins Traumreich Deseo ist für den Jungen sehr aufregend und spannend, es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. Doch bald muss Finn feststellen, dass es auch einige Gefahren mit sich bringt und er nicht so einfach entkommen oder die Umgebung ändern kann, wie er es in seinen Träumen könnte. Kann er Sanja wirklich vertrauen, wo sie ihm doch offensichtlich nicht alles erzählt hat?

Der Einstieg in die Geschichte ist toll gewählt. Man begleitet Finn direkt bei einem seiner spannenden Träume, der ganz nach seinen Wünschen verläuft. Kein Wunder, das er gern schläft und sich schon am Tag darauf freut, sich ein neues Abenteuer zusammenzuspinnen für die nächste Nacht. Im Verlauf des Buches erlebt man Finn dann noch öfter in Traumwelten und bekommt Einblicke, was er für eine Gabe hat und wie er sie einsetzt. Manchmal ist er dabei jedoch auch ein wenig voreilig, da er es nicht gewohnt ist, schlimme Traumlandschaften aushalten zu müssen, wenn er doch in der Lage ist, es zu ändern und für alle angenehmer zu machen.
Ich mochte die Ausflüge in die verschiedenen Träume und auch ins Traumreich sehr gern. Es stecken viele fantasievolle Ideen in dem Buch und man kann wohl gespannt sein, was einen dort noch so erwartet, denn dass man noch nicht alles gesehen hat, erscheint doch ziemlich offensichtlich. Vielleicht hat mich der Gedanke, wie die Träume zusammengestellt werden auch deswegen so besonders fasziniert, weil ich selbst sehr viel und oft auch ziemlich schräg träume. Da hätte ich gern Finns Gabe, um das einfach etwas nach meinen Wünschen abzuändern.

Finn ist im wahren Leben durch einen Unfall im Moment eingeschränkt. Ich bin gespannt, ob dieser Aspekt im weiteren Verlauf der Reihe dann noch eine wichtigere Rolle spielen wird oder ob es nur zeigt, dass im Traumreich andere Regeln gelten. Da man den Dreizehnjährigen durch die Handlung begleitet, kann man miterleben, wie sich seine Gedanken verändern, sobald er über gewisse Aspekte mehr erfährt, kleine Unwahrheiten ans Licht kommen oder Dinge, die ihm verschwiegen wurden. Es gibt zwar keine Ich-Perspektive, aber man bekommt dennoch gute Einblicke in das Empfinden des Jungen. Er ist zwar neugierig und fasziniert von allem Neuen, was er erlebt und erfährt, teilweise aber auch nicht ganz so mutig, wie er es gern wäre. Finn ist unsicher, wie sehr er Sanja wirklich vertrauen kann, besonders als er erfährt, dass sie nicht ganz ehrlich gewesen ist.
Sanja ist auf Finns Hilfe angewiesen, um Hinweise zu bekommen, wo ihre Eltern sich gerade aufhalten und was passiert ist. Dafür müssen sie in verschiedene Träume und ins Traumreich reisen und hoffen, dass sie die versteckten Hinweise dann auch finden und richtig deuten. Dabei wird es zeitweise auch etwas gefährlicher und turbulenter. So bekommt die Handlung einen schönen Spannungsfaktor und man wird neugierig auf die Verschwörung, die bisher eher angedeutet wird.

Der Schreibstil ist insgesamt angenehm und flüssig. Durch die vielen bildhaften Beschreibungen kann man sich die toll aufgebaute Welt gut vorstellen. Sprachlich empfand ich es für das Alter als angemessen, die etwas „komplizierteren“ Aspekte rund um die Traumwelt und die Regeln, die es dort so gibt, werden in der Handlung erklärt, da Finn diese ja selbst auch noch nicht kennt. Nach und nach erschließt sich dort also mehr, auch wenn noch nicht alles offenbart wurde. Hin und wieder gab es kleine Passagen, die ich als etwas holprig beim Lesen empfand, weil es dort viele kurze Sätze gab, die nicht ganz so schön verknüpft wirkten, wie im Rest des Buches. Ein wenig Jugendsprache fließt in die Dialoge mit ein, allerdings nur, wenn Finn mit seinem Schulfreund spricht, was bisher nicht so häufig in der Geschichte vorkommt. Dadurch empfand ich es für mich nicht als störend.
Ich fänd es auch schön, im Verlauf der Reihe noch etwas mehr über die Figuren selbst zu erfahren, ihre Abenteuer und Herausforderungen stehen hier aber im Fokus, was für die Handlung ja auch wichtiger ist. Sanja und Finn mochte ich als Protagonisten auf jeden Fall gern und bin neugierig, was sie noch so erleben werden.
Fazit

Ein schöner Auftakt, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Ich mochte die fantasievollen Ideen, die besonders in den Traumwelten eingewoben sind und hoffe da auf noch mehr spannende Passagen im Verlauf der Reihe.

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