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Veröffentlicht am 25.05.2019

Immer nur Laufen

Die Frau, die allen davonrannte
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Die 104jährige Aggie Smart lebt schon lange in einem Seniorenheim. Fast alle, die sie kannte sind tot und sie bekommt eigentlich nie Besuch. Versunken ist sie in ihre eigene Welt. Doch die Überraschung ...

Die 104jährige Aggie Smart lebt schon lange in einem Seniorenheim. Fast alle, die sie kannte sind tot und sie bekommt eigentlich nie Besuch. Versunken ist sie in ihre eigene Welt. Doch die Überraschung über die Ankunft zweier junger Leute, die sie zu einem Ausflug mitnehmen wollen, dringt zu ihr durch. Ein Film soll über sie gedreht werden und dazu soll sie einige Schauplätze ihres langen Lebens wiedersehen. Obwohl Aggie sich kaum noch äußern kann, ist sie angetan von der Abwechslung und der Erinnerungen, die durch die Fragen der Filmleute ausgelöst werden.

Die erfundene Aganetha Smart war einmal eine die erste kanadische Läuferin, die im 800m Lauf eine Olympische Goldmedaille holte. Sie steht für etliche Pinonierinnen, denen Laufwettbewerbe zunächst nicht erlaubt waren, die sich aber doch durchkämpften. Aggie wollte immer nur Laufen. Schon als Kind war sie die Flinkste von allen. So ein richtiger Wettkampftyp wurde sie nicht, die Freundschaft war ihr wichtiger. Sie stammte aus einer großen Familie, deren Mitglieder entweder sehr früh starben oder recht betagt wurden. Das brachte viel Leid über die Überlebenden, zu denen auch Aggie gehört, die nun als einzige übrig blieb.

Während des Ausflugs erinnert sich Aggie immer wieder an ihre Familie, ihre Kindheit, ihre sportliche Karriere, an die Lebenden und die Toten und ihr Geheimnis. Gerade zu Beginn ist es nicht ganz einfach, den Gedankensprüngen ihres alten Gehirns zu folgen. Vorwärts und Rückwärts muss man sich die Geschichte zusammensetzen, die eine nicht geringe Tragik entfaltet. Laufen ist alles für Aggie, auch Verzicht. So richtig öffnen kann sie sich nicht und so findet sie nur wenige Freunde und eine Familie bleibt ihr versagt. Obwohl man Aggie als eher schwierige nicht unbedingt Persönlichkeit empfindet, die irgendwie immer gedämpft wirkt, der die uneingeschränkte Freude fehlt, entwickelt man doch viel Sympathie für ihre Fortschrittlichkeit und die Kraft, die sie im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen hält.


Veröffentlicht am 15.05.2019

Kleiner Vogel

Der Schrei des toten Vogels
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Die Eltern von Labee und Nason sind arm. Sie leben in den Bergregionen Thailands. Trotz der Armut hält Labee immer zu ihrer kleinen Schwester. Als die beiden Mädchen irgendwann von Fremden abgeholt werden, ...


Die Eltern von Labee und Nason sind arm. Sie leben in den Bergregionen Thailands. Trotz der Armut hält Labee immer zu ihrer kleinen Schwester. Als die beiden Mädchen irgendwann von Fremden abgeholt werden, können sie nicht sofort ahnen, was ihnen blüht. Eine lange Schiffsreise in einem Container führt Labee schließlich nach Amerika. Von einem offensichtlich wohlhabenden Paar wird sie adoptiert und wird nun Livia genannt. Ihre Schwester Nason jedoch bleibt verschwunden. Auch noch während sie heranwächst, muss Livia einiges ertragen. Doch nie verlässt sie der Gedanke an ihre Schwester. Nach dem Schulabschluss beginnt Livia eine Laufbahn bei der Polizei.

Menschenhandel und Sexualdelikte sind die Verbrechen, die Livia mit allem Einsatz versucht, aufzuklären. Die, welche solche üblen Taten begehen, sind in ihren Augen die übelsten Verbrecher. Kaum noch haben sie eine Daseinsberechtigung. Geprägt von ihrer Herkunft, versucht Livia alles, um die Monster vor Gericht zu bringen und den Opfern zu einem besseren Leben zu verhelfen. Viele der Opfer stehen für Livia anstelle der Schwester, deren Schicksal unbekannt ist. Gerade darin verbirgt sich doch die vage Hoffnung, ihr kleiner Vogel, ihre kleine Schwester könnte noch am Leben sein. Livia wird die Suche nie aufgeben und so muss sie den Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit aufnehmen.

Einige Schilderungen in diesem ersten Roman um Livia Lone Thriller können für manche Leser schwer zu ertragen sein. Auch muss dahingestellt bleiben, ob man es gutheißen möchte, wie weit Livia geht, um die Monster auszuschalten. Ausgesprochen spannend ist dagegen ihre Suche nach ihrer Schwester und ihr eigenes tragisches Schicksal berührt. Wie verwerflich Menschenhandel in jeder Form und besonders wenn Kinder betroffen sind, wird eindeutig klar. In Rückblenden erfährt man von dem Weg nach Amerika und Livias Jugend bei den Adoptiveltern. Dies und der in der Gegenwart angesiedelte Teil der Handlung bildet einen ergreifenden Spannungsbogen. Livia Lones komplexe Persönlichkeit weckt trotz der Beschädigungen, die sie in früher Jugend erfahren musste, große Sympathie.

Veröffentlicht am 04.05.2019

Lauf schnell

Schattenfreundin
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Erst vor kurzem ist Katrin mit Mann und Kind nach Münster gezogen. Die Familie ist noch in der Eingewöhnung und Thomas beruflich viel unterwegs. Mit dem kleinen Leo wird es manchmal etwas viel und Katrin ...

Erst vor kurzem ist Katrin mit Mann und Kind nach Münster gezogen. Die Familie ist noch in der Eingewöhnung und Thomas beruflich viel unterwegs. Mit dem kleinen Leo wird es manchmal etwas viel und Katrin ist froh, als sie vor dem Kindergarten eine andere Mutter kennenlernt, mit der sie sich gleich versteht. Dann jedoch stirbt Katrins Vater unerwartet und die junge Mutter ist untröstlich. Wenige Tage später ist Leo verschwunden. Katrin kann es nicht fassen, wo ist ihr Junge. Kommissarin Charlotte Schneidmann und ihr Kollege Jäger beginnen sogleich mit den Ermittlungen.

Charlotte Schneidmann wirkt sofort sympathisch so wie sie sich in den Fall hineinkniet, dass sie manchmal an ihre eigene Kindheit denken muss, scheint unvermeidlich. Wenn ein Kind betroffen ist, nimmt es einen auch wenn man nur am Rande beteiligt ist, immer ganz besonders mit. Unvorstellbar, dass jemand etwas gegen ein kleines Kind gehabt haben könnte. Sie es dann die Eltern, die jemandem ein Dorn im Auge sind? Erste Hinweise gibt es, dass die Ehe von Katrin und Thomas nicht ganz ideal ist. Unter normalen Umständen und normalen Menschen sollte dies allerdings nicht unbedingt ein Grund sein. Wer allerdings kann und möchte sich schon in einen Verbrecher hineinversetzen.

Wenn man Münster hört, kommt man fast nicht umhin an Boerne, Thiel und Wilsberg zu denken. Die haben die Stadt irgendwie krimimäßig okkupiert. Dennoch braucht sich das Team Schneidmann und Jäger nicht zu verstecken. Die Kommissar ermitteln hartnäckig und gehen den Hinweisen auf den Grund. Katrins Überforderung erscheint manchmal etwas größer als nötig und Thomas lässt sich etwas schnell gehen. Katrins Sorge um ihren Sohn kann man dagegen sehr gut nachvollziehen. Für ihren Kleinen würde sie alles tun und sei es nur der Polizei zu helfen, ihren Leo endlich zu finden. In diesem ersten Band einer Reihe bekommt man gute Unterhaltung geboten, wobei Cathrin Bürger als Vorleserin des Hörbuch eine sehr passende Besetzung ist.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Der schwarze Mann

Rachemädchen- Eine ist verschwunden. Eine ist angeklagt. Wer ist das Opfer?
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Schon früh wird Sadie Mutter. Sie ist glücklich mit dem Vater ihrer kleinen Tochter, dennoch sieht sie sich gezwungen, ihre kleine Familie zu verlassen. Miles gerät sogar in Verdacht, er könne seiner Frau ...

Schon früh wird Sadie Mutter. Sie ist glücklich mit dem Vater ihrer kleinen Tochter, dennoch sieht sie sich gezwungen, ihre kleine Familie zu verlassen. Miles gerät sogar in Verdacht, er könne seiner Frau etwas angetan haben. Es gibt allerdings keinen Beweis für eine Tat und so zieht Miles seine Tochter alleine groß. Als Sadie nach sechzehn Jahren wieder auftaucht, ist das eine Sensation. Weitere zwei Jahre später hat es Sadies Tochter Amber zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Sie wird von einem Filmteam begleitet, dass einen Film über die Ereignisse produziert, die Ambers Leben so zur Gänze verändert haben.

Die Storyline hält sich an das Drehbuch der Filmcrew, so fühlt man sich tatsächlich eher wie ein Zuschauer als ein Leser. In Rückblenden erfährt man nach und nach mehr zum Hintergrund der Geschichte und erst ganz zum Schluss kann man sich zusammenreimen, was damals mit Sadie und vor zwei Jahren mit Amber geschehen ist. Dieser Aufbau des Romans ist sehr klug und mal andersartig konstruiert als bei vielen anderen Kriminalromanen. Von der Art des Aufbaus her ist dieser Thriller wirklich toll strukturiert. Man kann sich den Film oder die Miniserie direkt vorstellen, wo mit dem Voranschreiten der Handlung die Spannung gesteigert wird.

Die Handlung als solche muss man allerdings erstmal verdauen, wenn man dann noch liest, dass die Idee auf einer Zeitungsnotiz gründet, wird es noch gruseliger. Nicht jeder wird sich in die Geschichte hineinfinden können. Gerade wenn man von den verqueren Gedanken, auf die Jugendliche machmal kommen und die zu gewissen Grausamkeiten führen können, eigentlich überhaupt nichts wissen will. Zu was sind gerade junge Menschen fähig, die die Folgen ihres Handelns noch nicht richtig überblicken können? Respekt, dass sich die Autorin mit so einem Thema beschäftigt hat und ein besonders im Aufbau tolles Buch geschaffen hat.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Verzweifelt gesucht

Alexandra
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Am 21.Februar 2013 kommt Marc Southwoods Frau nicht von der Arbeit nach hause. Entgegen den ersten Beschwichtigungen der Polizei taucht sie nicht kurz darauf wieder auf. Marc ist völlig aufgelöst. Wie ...

Am 21.Februar 2013 kommt Marc Southwoods Frau nicht von der Arbeit nach hause. Entgegen den ersten Beschwichtigungen der Polizei taucht sie nicht kurz darauf wieder auf. Marc ist völlig aufgelöst. Wie nur soll er seinen beiden Töchtern erklären, dass ihre Mutter verschwunden ist. Vor fünfzehn Jahren haben sie sich in Amerika kennengelernt, sich Hals über Kopf ineinander verliebt und einige Zeit später in Marcs Heimat England geheiratet. Marc hat sein Studium beendet, promoviert und er ist die Karriereleiter aufgestiegen, auch um seine kleine Familie ernähren zu können. Alexandra hat eine Teilzeitstelle angenommen sobald die Kinder etwas größer waren.

Eine glückliche Familie, die alles hat, was man sich wünschen kann. Alle aus ihrem Freundeskreis bezeichnen sie als glücklich. Doch stimmt das wirklich? Marc glaubt fest daran, obwohl Alexandra, die gerne bildende Künstlerin geworden wäre, für ihre Familie viel aufgegeben hat. Es wäre also verständlich, wenn sie nicht ganz so zufrieden mit ihrem Leben war, wie es von außen den Anschein hatte. Aber ist das ein Grund zu verschwinden. Die Polizei findet zunächst keine Hinweise darauf, was passiert sein könnte. Doch je länger Alexandra wie vom Erdboden verschluckt bleibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht mehr am Leben ist.

Sowohl aus Sicht von Marc als auch aus der Alexandras wird berichtet. In Rückblenden erfährt man auch wie sich das junge Paar traf und wie sich die Beziehung entwickelte. Ein schönes Paar meint man, so wünscht man es sich. Doch irgendwann mehren sich die Anzeichen, dass nicht alles so war wie es schien. Zwar entwickelt sich die Geschichte zu Beginn etwas langsam, dennoch bleibt man aber gespannt und möchte erfahren, was oder wer hinter Alexandras Verschwinden steckt. Je näher man den Eheleuten kommt, desto mehr wird klar, dass Alexandra doch eine vielschichtigere Persönlichkeit hat als sie es zunächst zeigt. Und je besser man sie kennt, desto schwieriger wird es, ihre Motive zu verstehen. Was zunächst wie ein Thriller beginnt entwickelt sich nach und nach zu einem Psychogram einer Persönlichkeit, deren Bestrebungen in gewisser Weise zwar nachvollziehbar und verständlich sind, in ihrem ganzen Ausmaß aber möglicherweise doch zu weit gehen. Es ist vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack hinters Licht geführt zu werden, gelungen ist es aber allemal.