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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2019

Brasilianische Telenovela: mitreißend und melodramatisch

Die schönste und die traurigste aller Nächte
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Die Liebesgeschichte zwischen Amanda und Victor beginnt in deren Schulzeit in Brasilien. Kurz nach seinem Liebesgeständnis muss Amanda mit ihren Eltern nach Afrika ziehen. Das bricht ihm sein Herz und ...

Die Liebesgeschichte zwischen Amanda und Victor beginnt in deren Schulzeit in Brasilien. Kurz nach seinem Liebesgeständnis muss Amanda mit ihren Eltern nach Afrika ziehen. Das bricht ihm sein Herz und lässt ihn aus der Zeit fallen. Ab da an reist er Minuten bis zu Tage in die Vergangenheit, wenn er gerade sehr glücklich ist und reist in die Zukunft, wenn er unglücklich ist. Als die Beiden sich auf einem Jahrgangstreffen wiedersehen bekommt ihre Liebe eine zweite Chance. Doch ist dies für ihn auch die Gelegenheit seiner rätselhaften Gabe auf die Spur zu kommen?

Der brasilianer Mauricio Gomyde hat einen Liebesroman mit fantasischen Zügen geschrieben. Thematisch stehen die Zeitreisen der männlichen Hauptfigur, die Fragen nach dem Glück und die Liebesgeschichte im Vordergrund. Das Zeitreisen in Verbindung mit der Liebesgeschichte ist aus anderen Erzählungen bereits bekannt (z.B. Die Frau des Zeitreisenden) und deswegen thematisch nicht besonders spannend. Trotzdem haben die verschiedenen Themen einen hohen Unterhaltungswert und bilden eine gute Grundlage für den Roman vor dem Hintergrund Lateinamerikas.

Die Liebesgeschichte zwischen Victor und Amanda wird abwechselnd aus der jeweiligen Sicht beschrieben. Erst erzählt der Eine, dann erzählt die Andere die selbe Situation aus ihrer Sicht. Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge gehalten, sodass (auch durch die Wechsel zwischen den Beiden) Spannung entstehen kann. Anfänglich wirkt dies sehr mitreißend und berührend. Die Geschehnisse, die dann kommen, überfrachten den Roman jedoch.

Die Geschichte entwickelt sich zunehmend melodramatisch. Beide verpassen sich mehrmals, es ist klar: nur miteinander kann es eine glückliche Zukunft geben. Dann wird erst Amanda und dann Victor existenziell bedroht, womöglich werden sie niemals lebend zusammen treffen. Es bleibt noch das Rätsel um Victors Zeitsprünge, das geklärt werden möchte.

Scheinbar wollte der Autor zu viele bereits bekannter Themen in einem Buch unterbringen. Dadurch gerät die schöne Liebesgeschichte zwischen Amanda und Victor ins Absurde. Wenn man darüber hinweg sieht, begeistert der Roman mit einem mitreißenden Schreibstil und unterhaltsamen Wendungen.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Mit Ecken und Kanten

Ein perfider Plan
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Diana Cowper, reiche Engländerin und Mutter eines bekannten Schauspielers wird am selben Tag, an dem sie ihr eigenes Begräbnis organisiert hat, erwürgt aufgefunden. Die Polizei kommt mit diesem Fall nicht ...

Diana Cowper, reiche Engländerin und Mutter eines bekannten Schauspielers wird am selben Tag, an dem sie ihr eigenes Begräbnis organisiert hat, erwürgt aufgefunden. Die Polizei kommt mit diesem Fall nicht weiter und so wird Hawthorne, ein ehemaliger Polizist, als Berater engagiert. Er überredet den Autor Anthony Horowitz dazu ein Buch über diesen Fall zu schreiben, der als Assistent tief in das Geschehen eintaucht.

Hawthorne und Horowitz ermitteln im Stil von Holmes und Watson in diesem Fall. Dies wirkt jedoch so überspitzt, die Charaktere allesamt so unsymphatisch und die ewigen Spannungen zwischen Hawthorne und Horowitz anstrengend. Gleichzeitig hat dieses Hin- und Her zwischen den Beiden etwas sehr reizvolles. Hawthorne wird als eigenwilliger, undurchschaubarer und aufdringlicher, jedoch sehr kluger Ermittler dargestellt. Demgegenüber wirkt Horowitz, der sich als Autor aktiv mit in die Geschichte einbringt, schwach und hängt Hawthorne permanent hinterher.

Der Krimi, der eine fiktive Geschichte erzählt, bekommt durch den Part des Autors Horowitz etwas realistisches. Zu der Frage nach dem Täter (klassischer Whodonit) kommt das Zusammenwirken zwischen dem fiktiven Ermittler und dem Autor. Damit hat der Autor erneut ein ungewöhnliches Erzählformat gewählt und viel aus seinem Berufs- und Privatleben in das Geschehen eingebaut. Auffällig scheint dabei, das "Namedropping", das zeigt mit welchen bedeutsamen Persönlichkeiten Horowitz auch in seinem realen Berufsleben zu tun hat. Er hebt sich dadurch sehr aus der eigentlichen Geschichte hervor.

Ähnlich wie im vorangegangenen Krimi "Die Morde von Pye Hall" vermittelt Horowitz viel von der englischen Atmosphäre, dem Landleben und dem Leben Londons. Seine klare und kunstvolle Sprache und der Witz, der zeitweise durchkommt, machen die Geschichte zu einem amüsanten Lesevergnügen. Der Fall ist vielschichtig, merkwürdig und lange undurchschaubar. Die vielen Beteilligten werden ausführlich betrachtet, das Geschehen nach und nach aufgedröselt. Dadurch, dass Horowitz als Assistent seine Gedanken, Vermutungen und Beobachtungen darlegt, entsteht eine Verbindung zu den Lesenden. Das gemächliche Tempo, in dem der Fall untersucht wird, ermöglicht es den Lesenden zudem mitzurätseln und alles gut mitzuverfolgen. Die Lösung am Ende erscheint logisch, jedoch sehr unerwartet.

Ein ungewöhnlicher Krimi, nach dem Vorbild des Duos Holmes und Watson. Vielschichtig, gut beobachtet, aber mit einigen Ecken und Kanten.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Das Selbstvertrauen der Serena Williams

Sich selbst vertrauen
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Charles Pépin beschreibt in seinem Sachbuch/Ratgeber wie sich Selbstvertrauen entwickelt und wie man die Entwicklung von Selbstvertrauen beeinflussen kann. Seine Ausführungen schmückt er mit Erkenntnissen ...

Charles Pépin beschreibt in seinem Sachbuch/Ratgeber wie sich Selbstvertrauen entwickelt und wie man die Entwicklung von Selbstvertrauen beeinflussen kann. Seine Ausführungen schmückt er mit Erkenntnissen aus Philosophie, Psychologie und anderen Wissenschaften.

Das Buch ist in zehn Kapitel (z.B. "Pflege gute Beziehungen", "Staune", "Schreite zur Tat") unterteilt. Diese klare Strukturierung mit den konkreten Titeln wirkt einladend und interessant. Es entsteht der Eindruck, dass Theorie erfahrbar gemacht wird.

Die Theorien werden in die Praxis umgesetzt. Dies geschieht im Text durch konkrete Beispiele, vor allem Erfolgsgeschichten von Prominenten. Schade daran ist, dass die meisten LeserInnen wohl keine Prominenten sind und eher durch Beispiele aus dem eigenen Leben berührt werden können. So ist es zwar interessant zu lesen, wie Serena Williams eine großartige Sportlerin werden konnte, aber lässt sich kaum auf das eigene Leben beziehen.

Der Text liest sich fließend, wenn man mit dem kompakten wissenschaftlichen Inhalt umgehen kann. Die Erkenntnisse zu Selbstvertrauen kommen mir bekannt vor, das Buch bietet nicht viel Neues. Als grundlegende Einführung ist es auf jeden Fall geeignet.

Grundlagenwissen zum Thema Selbstvertrauen, mit prominenten Beispielen und einer hilfreichen Struktur.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Besonderes Thema, aber wirre Erzählung

Die Leben danach
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Jim Byrd ist für kurze Zeit tod. Das er in diesen wenigen Minuten keine sinngebenden Nahtoderfahrungen gemacht hat, erschüttert ihn in seinen Grundfesten. Sein Leben in der alternden Kleinstadt Shula in ...

Jim Byrd ist für kurze Zeit tod. Das er in diesen wenigen Minuten keine sinngebenden Nahtoderfahrungen gemacht hat, erschüttert ihn in seinen Grundfesten. Sein Leben in der alternden Kleinstadt Shula in den Staaten ist eintönig und scheinbar unbedeutend. Mit seinem Vater und einer früheren Freundin macht er sich auf die Suche nach dem Leben nach dem Tod. Gemeinsam überwinden sie die eine oder andere Grenze des Realen.

Dieser Roman ist anders als erwartet sehr fiktional angelegt. Neben der Geschichte, die sich zwischen Jim und Annie entwickelt, geht es vor allem um die Suche nach dem Leben nach dem Tod. Und diese Suche hat viele irreale und absurde Inhalte. Die Geschichte lässt sich als Science Fiction einordnen, hat aber auch philosophische Anteile. Jims Suche wird zu einer Road Story, auf der ihm Geister, merkwürdige Maschinen und zukunftsweisende Ideen begegnen. Vor allem stellt sich immer wieder die philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens. Die Geschichte bekommt dadurch Tiefe und wird besonders bedeutungsschwanger.

Der Roman wirkt erzählerisch insgesamt etwas wirr. Es wird zu viel von allem erzählt, viele ausführlich beschriebene Details scheinen unnötig. Der rote Faden geht immer mal wieder verloren und die Liebes- und die Geistergeschichte scheinen sich gegenseitig zu behindern. Das Ganze wirkt holprig und das Lesen wird dadurch übermäßig mühevoll. Die Ausgestaltung der Charaktere, die interessant und symphatisch wirken, ist gelungen. Spannung entsteht jedoch erst im letzten Drittel des Buches und dann sogar ein gewisser Sog.

Pierce hat eine sehr ungewöhnliche und kreative Geschichte geschrieben, die erzählerisch wirr und langatmig daher kommt.

Veröffentlicht am 04.05.2019

Mittelmäßige aber unterhaltsame Geschichte

Eine Samtpfote zum Verlieben
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Jamie zieht nach dem Tod ihrer Mutter in eine kleine Siedlung in Hollywood. Nach mehreren unglücklichen Partnerschaften genießt sie das Single-Dasein. Doch ihr Kater MacGyver hat andere Pläne mit ihr. ...

Jamie zieht nach dem Tod ihrer Mutter in eine kleine Siedlung in Hollywood. Nach mehreren unglücklichen Partnerschaften genießt sie das Single-Dasein. Doch ihr Kater MacGyver hat andere Pläne mit ihr. Er kann Einsamkeit riechen und er riecht sie nicht gerne.

Die Geschichte verläuft nach einem bekannten Muster und vorhersehbar, das Thema (romantische Liebe trotz Hindernissen) ist das Übliche. Das macht das Buch zu einem angenehmen Lesevergnügen, weil der Anspruch an die Lesenden dadurch gering bleibt.

Jamie und ihr Kater sind sehr sympathisch. Seine Versuche sie zu verkuppeln wirken drollig und machen Hoffnung. Denn scheinbar gibt es für jede einsame Person im Buch ein passendes Gegenüber, dass nur gefunden werden will. Gleichzeitig wirkt dies sehr unrealistisch und über-romantisiert.

Die Geschichte bringt warme Gefühle, lässt lachen und mitfühlen. Den Kater aus seiner Perspektive erzählen zu lassen ist interessant und ungewöhnlich. Insgesamt unterhaltsam.

Ein feel-good-Buch nach bekannten Mustern romantischer Geschichten.