Profilbild von Talisha

Talisha

Lesejury Star
online

Talisha ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Talisha über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2019

Positiv überrascht

Komme, was Wolle
0

Das sehr pinke Cover wird der Geschichte um Franzi und der Neueröffnung der Wunderkiste nicht gerecht. Das Cover ist zwar auffällig, aber stellt euch eine Reihe Fachwerkhäuser vor, die im Erdgeschoss Geschäfte ...

Das sehr pinke Cover wird der Geschichte um Franzi und der Neueröffnung der Wunderkiste nicht gerecht. Das Cover ist zwar auffällig, aber stellt euch eine Reihe Fachwerkhäuser vor, die im Erdgeschoss Geschäfte beherbergen. Vor dem Haus mit dem Kurzwarenladen steht eine einladende Bank, auf dem sich Protagonistin Franzi oft mit Jan, dem Coiffeur von nebenan, hinsetzt und den Arbeitstag ausklingen lässt. So das Setting in diesem netten Roman.

Das Haus, das Franzi von ihrer Grosstante Gerlinde erbte, liegt eine Strassenzeile hinter der Einkaufsstrasse von Westersum. Mit der Bäckerin versteht Franzi sich gut, nur nicht mit der Besitzerin des altmodischen Herrenausstatters. Ob diese Hinrichsen wohl etwas mit den Farbanschlägen und den aufgeschlitzten Autopneus zu tun hat?

Wer etwas gegen Franzis Einzug hat, ist nicht klar; auch auf die Lauer legen bringt keine Erkenntnisse. Schade, denn bis auf die Geldsorgen gefällt es Franzi immer mehr in Westersum. Sie wird unterstützt von Jan, von Gerlindes Freunden und findet selbst welche in Joost und Rieke, die ihr beim Umbau helfen. Mit Sönke, der im Auftrag seiner Firma das Haus kaufen wollte, trifft sie sich gerne privat zum Auswärts essen zu gehen oder Ausflüge zu unternehmen.

Es ist ein Abenteuer, auf dass sich Franzi einlässt - fast täglich sieht sie sich neuen Überraschungen und Herausforderungen ausgesetzt. Und genau deshalb ist "Komme, was wolle" nicht nur ein sehr passender Titel, sondern auch viel mehr als nur ein "Häkelroman".

Vielfältige und originelle Figuren, wie etwa der griesgrämige Onno mit seinen Eseln, warten in diesem Roman auf. Sie tragen viel zum Gelingen der Geschichte bei, dessen Ende mir fast ein wenig zu abrupt kam.

Am Schluss warten einige Ideen auf die bastelwütigen Leser, auf die auch am Ende eines jeden Kapitel hingewiesen wird. Mich störten diese Hinweise im eBook, sie passten nicht zu den spannenden Kapitelenden. Bei Stellen wie "Sie wollte gerade zum Auto laufen, als eine knochige Hand sie kräftig an der Schulter packte und zurückriss" wollte ich nur weiterlesen und nicht nach zwei Zeilenumbrüchen mit "Flip-Flops kann man nicht genug haben. Im Anleitungsteil des Buches erfahren sie, wie...." aufgehalten werden.

Besonders in der ersten Hälfte störten mich auch die vielen "selbstgemacht"-Hinweise im laufenden Text, sie wirkten aufgesetzt, zu betont DIY. Auch gehe ich davon aus, dass ein "Müesli mit frischem Obst" zubereitet wird. Interessanter wäre die konkrete Bezeichnung ihrer Fruchtwahl gewesen: "sie machte sich ein Müesli und schnitt einen Apfel mit rein" hätte sich normaler angehört. Nach der Hälfte passen die Hinweise viel besser, da sie mit der Ladengestaltung oder mit dem Laden zu tun haben.

Ohne die von mir kritisierten Stellen ist der Roman schnell, fliessend und spannend zu lesen. Steffi Hochfellners erster Roman gefällt und unterhält.

Fazit: Lustig und packend erzählte Geschichte um eine Ladenrenovierung, die mich positiv überrascht hat.
4 Punkte.

Veröffentlicht am 04.05.2019

Sorgt für Fernweh

Rückkehr nach Mandalay
0

Ich liebe die Romane von Juliet Hall - der Name ist übrigens ein Pseudonym der englischen Autorin Rosanna Ley ist, welcher anscheinend aber nur im deutschsprachigen Raum verwendet wird. Ihre ersten Bücher ...

Ich liebe die Romane von Juliet Hall - der Name ist übrigens ein Pseudonym der englischen Autorin Rosanna Ley ist, welcher anscheinend aber nur im deutschsprachigen Raum verwendet wird. Ihre ersten Bücher sind in Italien angesiedelt, eins in Kuba und zwei in Asien, wie der vorliegende Roman, der hauptsächlich im faszinierenden Land Burma (Myanmar) spielt.

In "Rückkehr nach Mandalay" soll Eva anstelle ihrer Chefin nach Myanmar reisen und dort die Antiquitätengeschäfte überprüfen, die ihre Bristoler Firma mit einheimischen Unternehmen abschliesst. Evas Grossvater bittet sie eine kleine Statue, einen Chinthe, mitzunehmen, und sie einer bestimmtem Familie zurückzubringen. Der Chinthe birgt ein Geheimnis, und Grossvater Lawrance ebenso.

Lawrence und Mayas Geschichte wird in einem zweiten Erzählstrang erzählt und erklärt die wichtige Bedeutung des Chinthes. Es liest sich wie eine Reise in Burmas Vergangenheit, die kurz vor dem zweiten Weltkrieg beginnt.

Mit Eva erlebt der Leser das aktuelle Geschehen in Myanmar mit, macht Sightseeing mit Eva und Mayas Neffen Ramon und erhält Einblicke in die reiche burmesische Kultur und dem leider damit verbundenen Schmuggel einheimischer Kulturgüter. Eva weiss oft nicht, wem sie wirklich trauen kann und gibt sich in grosse Gefahr.

Es ist eigentlich eine sehr schön und liebevoll erzählte Geschichte. Doch zwischendurch passiert lange nicht viel, ein bisschen Geplänkel hier und da. Wahrscheinlich wollte die Autorin die Leser damit noch ein wenig auf die Folter spannen, aber es bewirkte bei mir das Gegenteil: es zog sich in die Länge und ich wartete sehnsüchtig auf das Finale.

Trotzdem überzeugte mich die facettenreiche und geheimnisvolle Familiengeschichte über Traditionen, Lebensentscheidungen und Schicksalsschlägen. Der wunderschöne Schauplatz im Land der Edelsteine und des Teak-Holzes ist Exotik pur.

Fazit: "Rückkehr nach Mandalay" ist trotz Langatmigkeit im zweiten Drittel spannend und lässt den Leser mit Fernweh zurück.
4 Punkte.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Aus dem Leben gegriffen

Spätsommerliebe
0

Ganz so gemütlich ist es gerade nicht mehr im Geniesserdorf Maierhofen. Während die Besucher nach wie vor begeistert sind, schlägt der Alltag bei den bereits bekannten Paaren aus den ersten drei Bänden ...

Ganz so gemütlich ist es gerade nicht mehr im Geniesserdorf Maierhofen. Während die Besucher nach wie vor begeistert sind, schlägt der Alltag bei den bereits bekannten Paaren aus den ersten drei Bänden gnadenlos zu.

Bei Magdalena und Apostoles läuft es nicht rund. Es kommt soweit, dass Magdalena ihn aus der Wohnung schmeisst, was sie schon am nächsten Morgen bereut, aber den ersten Schritt tun? Fehlanzeige. Auch Apostoles wagt es nicht, doch dann hat er eine Idee, wie er Magdalena zurück gewinnen könnte.

Vincent bekommt Post von seiner Ex-Freundin aus Kanada, ein gemeinsames Grundstück kann endlich verkauft werden. Doch dazu muss er nach Kanada fliegen um die Verträge zu unterschreiben. Greta ist eifersüchtig.

Michelle, eine neue Figur, nimmt sich eine Auszeit um einen Roman zu schreiben. So einfach wie sie denkt, ist das nicht. Michelle wohnt bei Christine, die ihre Zeit mit der Pension, der Betreuung einer älteren Nachbarin und Reinhard aufteilen muss und an den Anschlag kommt. Reinhards Hilfe will sie nicht annehmen.

Die Autorin wollte mit diesem vierten Band aufzeigen, dass das Leben auch nach einem Happyend weitergeht und es weit mehr Arbeit ist, dass die Liebe im Alltag überlebt. Leider scheitert es oft an Kleinigkeiten - aus Liebe wird schnell Kleinkrieg.

Mir kamen die Differenzen zwischen den Paaren zu rasch. Ich verstehe aber den Ansatz, diese zeitlich ziemlich unmittelbar nach dem dritten Band anzusetzen und mag auch die "Der-Alltag-holt-die-Liebe-ein"-Idee. Dennoch habe ich die Charaktere, nach allem was sie schon durchgemacht haben und wie sie in den ersten drei Büchern dargestellt wurden, anders eingeschätzt: bewusster, einsichtiger, nicht so stur - sodass es eben gar nicht so weit gekommen wäre oder zumindest noch nicht so schnell.

Abgesehen davon ist es Petra Durst-Benning gut gelungen, auf wenigen Seiten verschiedene Beziehungskiller anzusprechen. Toll ist, dass die Autorin es trotz den vielen Streitigkeiten schafft, eine heitere Atmosphäre zu bewahren.

Der Roman ist relativ kurz gehalten, dafür gibt es am Ende ganz viele Rezepte.

Fazit: Aus dem Leben gegriffen - ein netter und unterhaltender Abschluss der Maierhofen-Serie.
4 Punkte.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Blödes Ende

Sommer der Versöhnung
0

Da mir "Sehnsucht nach Mill River" extrem gut gefallen hat und ich mich auch nach einigen Jahren nach dem Lesen des Buches noch gerne daran erinnere, freute ich mich den neuen Roman von Darcie Chan zu ...

Da mir "Sehnsucht nach Mill River" extrem gut gefallen hat und ich mich auch nach einigen Jahren nach dem Lesen des Buches noch gerne daran erinnere, freute ich mich den neuen Roman von Darcie Chan zu lesen.

Auch "Sommer der Versöhnung" ist in Mill River angesiedelt, zeitlich ein halbes Jahr nach dem ersten Teil angesetzt. Schon auf den ersten Seiten liest man von alten Bekannten wie Father O'Brien, Daisy Delaine oder von den Polizisten Kyle und Fitz.

Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Einer beginnt 1983, als Josie mit ihren kleinen Töchtern zu ihrer Tante Ivy nach Mill River zieht. Ein Brand in New York nahm ihnen ihr Haus und ihren Ehemann und Vater. Josy muss ganz von vorne beginnen und so wundert es Leser des ersten Bandes nicht, als sie plötzlich einen weissen Briefumschlag bekommt, in der ihr Hilfe angeboten wird. Es wird erzählt, wie sie sich in Mill River eingelebt haben, wie die beiden Mädchen erwachsen wurde und was schlussendlich zum Zwist zwischen den beiden führte. Eine tragische Geschichte.

Der Gegenwartsstrang beginnt mit der Gedenkfeier für die verstorbene Josy. Sie hinterlässt ihren zerstrittenen Töchtern ein Erbe, doch zuerst müssen sie es sich verdienen, indem sie für zwei Monate nebeneinander wohnen und gemeinsam nach einem Schlüssel suchen sollen. Leider passt das Cover nicht gut zur Geschichte, anstatt des Waldsee-Szenario würde ein Foto von zwei Häusern mit Vorgärten viel besser passen. Keine einfache Sache, die Suche nach dem Schlüsselschatz, denn die Schwestern sind wie Hund und Katze - zusammen geht gar nicht.

Eigentlich ein ganz tolles Buch - bis kurz vor dem Ende etwas geschieht, das zwar zu Darcie Chans Schreibstil passt, aber nicht nachvollziehbar ist, zu überraschend und abstrakt. Irgendwie verdarb mir dieses Ereignis das ganze Lesevergnügen, das ich bis dahin hatte.

Denn die Figuren sind gut charakterisiert, die Gegensätzlichkeit der beiden Schwestern klar aufgezeigt: Rose, die Alkoholikerin, die aus ihrer Sicht kein Problem hat, so selbstgefällig, dass man ihr am liebsten das Jugendamt auf den Hals hetzen würde; Emily, die nette und bodenständige Handwerkerin; Tante Ivy, wie auch Father O'Brien, die für alle da sind und Daisy, die nie aufgibt. Alex, der hochbegabte elfjährige Sohn von Rose, war neben Emily mein Lieblingscharakter.

Dagegen hätte ich auf Claudias Eifersuchtsstory verzichten können. Die Autorin wollte wohl den Suchtaspekt aus einer anderen Sicht reinbringen, ich fand es unnötig und hätte Claudia eher als Emilys Freundin gesehen.

Fazit: Wäre der Schluss nicht, wäre es erneut ein toller Roman geworden, so bleibt einfach eine bis auf die letzten paar Kapitel schön und intensiv erzählte Geschichte und die Freude am Wiedersehen mit den bekannten Figuren aus dem ersten Teil.
4 Punkte.

Veröffentlicht am 24.04.2019

Feinfühliger Roman

Veranda zum Meer
0

Willow Longville mag ihr Leben. Meistens. Sie kellnert im Comfort Food Café und putzt, hat ihre eigene Reinigungsfirma und kümmert sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Lynnie. Als Willow im ehemaligen ...

Willow Longville mag ihr Leben. Meistens. Sie kellnert im Comfort Food Café und putzt, hat ihre eigene Reinigungsfirma und kümmert sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Lynnie. Als Willow im ehemaligen Kinderheim Briarwood eine Grundreinigung für den neuen Besitzer vornimmt, lernt sie Tom Mulligan kennen, den sie schon einmal gesehen hat. Damals war sie acht Jahre alt. Auch Tom kann sich an die Begegnung erinnern. Die zwei freunden sich an, bald ist mehr da. Aber Willow redet sich ein, keine Zeit für eine feste Beziehung zu haben.

Der vierte Teil der Comfort Food Café kommt im Schreibstil wie bisher gewohnt flüssig und mit viel Wortwitz daher. Beim Lesen halten wir uns mehr bei Willow zu Hause auf und weniger im Café als in den ersten drei Bänden. Deshalb kann "Veranda zum Meer" viel besser als die Vorgänger als Stand Alone gelesen werden. Willow gibt Tom eine Einführung in die Verhältnisse vor Ort, die auch für Neueinsteiger dienlich ist.

Tom ist ein scheuer Erfinder und somit der perfekte Kandidat für die Budburytruppe. Schnell ist Tom dem Comfort Food Café Virus und Willows Charme erlegen. Bloss ihre Familiensituation macht es ihr nicht leicht.

Bisher spielten Willow und Lynnie nur Nebenfiguren, hier lernt man sie nun richtig gut kennen. Debbie Johnson schafft es, die Gefühle und Nöte von Alzheimer-Angehörigen sehr gut rüberzubringen. Dabei erfährt man auch den praktischen Aspekt von Willows rosafarbenem Haar.

Willow hat sich ideenreich einen lebbaren Alltag mit ihrer Mutter aufgebaut, der sich bewährt hat. Auch auf die Hilfe von ihren Freunden aus dem Café kann sie zählen. Dennoch: kann Willow es wagen, einmal über Nacht wegzubleiben oder stresst das Lynnie zu sehr? Immer nur Rücksicht nehmen ist nicht leicht. Willows Wünsche, Ängste und Befürchtungen - vielleicht mal zwei Tage alleine irgendwohin fahren, die Betreuung aufzuteilen oder abzugeben, was passiert dann mit ihrer Mutter? - fand ich nachvollziehbar beschrieben. Trotz aller Ernsthaftigkeit schafft es die Autorin wie immer einen locker-leichten Ton anzuschlagen, begleitet von viel Humor, der Willow zum Glück nie abhanden gekommen ist.

Fazit: Feinfühliger Roman über den Alltag als Hauptbetreuungsperson eines an Alzheimer erkrankten Familienmitglieds.
4 Punkte.