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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2019

Entwurf statt fertigem Produkt

Dragon Hunter Diaries - Drachen bevorzugt
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Liebe Frau MacAlister,

als ein großer Fan Ihrer Bücher möchte ich sagen: Das können Sie besser!

Über viele Jahre hinweg haben Sie sich eine große Fangemeinde aufgebaut mit Ihren zahlreichen Büchern über ...

Liebe Frau MacAlister,

als ein großer Fan Ihrer Bücher möchte ich sagen: Das können Sie besser!

Über viele Jahre hinweg haben Sie sich eine große Fangemeinde aufgebaut mit Ihren zahlreichen Büchern über Drachen, Dämonen und diverse andere Gestalten der übernatürlichen Gemeinde.

Mit diesem Buch sollte nun eine neue Reihe eröffnet werden, in der es um Kreuzungen aus Drachen und Dämonen gehen sollte, sogenannten Drachenjäger, die als Krieger für die Sicherheit in der Anderswelt sorgen sollen.

Folgt man nun aber der Geschichte um Ronnie, die von ihrer sterbenden Schwester mehr schlecht als recht in ihr übernatürliches Erbe eingeweiht wird, und Ian, der scheinbar mit seiner dämonischen Seite und anderen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat, bekommt man doch schnell den Eindruck, dass hier gewaltig was schief läuft.

Mal abgesehen davon, dass die Kommunikation zwischen sämtlichen Figuren Ihrer Geschichte katastrophal daneben geht und alle permanent aneinander vorbei reden, fühlt man sich auch von den konfusen Handlungssprüngen überfordert.

Insgesamt wirkt die ganze Geschichte seltsam unfertig, als ob Sie sich zwischendurch nicht ganz sicher gewesen wären, in welche Richtung sich das Buch überhaupt entwickeln sollte. Auch die Charakterentwicklung der Figuren wirkt irgendwie unausgereift, besonders in Bezug auf die weibliche Hauptfigur.

Den Plot als Tagebuch/ Romanentwurf Ronnies zu entwerfen schien für mich auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein, wird aber leider nicht stringent durchgezogen, was den Leser nur zusätzlich verwirrt (Thema seltsame Überschriften).

Der gewohnte MacAlister-Charme scheint zwar ab und zu durch, geht aber oftmals in den übertrieben schrulligen Dialogen unter. Außerdem fehlen besonders für Quereinsteiger wichtige Erläuterungen und Hinweise, um die Handlungsweise bzw die Geschichte an sich überhaupt verstehen zu können.

Fazit:

Ich bin mir sicher, Frau MacAlister, Sie können das wesentlich besser; Ihre vorherigen Bücher haben es ja gezeigt. Möglicherweise wurde ja anstelle des fertigen Skripts ein Rohentwurf in Druck gegeben?

Falls nicht, lassen Sie sich in Zukunft bitte nicht von Lektoren oder Verlegern stressen, nehmen Sie sich lieber die nötige Zeit, um ein spannendes, lustiges, in ganzer Linie unterhaltsames Buch zu schreiben und nicht nur den blassen Schatten eines solchen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 10.06.2019

Gemeinsam verloren

Niemals ohne sie
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"Niemals ohne sie" ist das große Motto, das die 21 Kinder der Familie Cardinal ihr Leben lang zu verfolgen scheint. Aufgewachsen in einer verwahrlosten Bretterbude in einem kleinen Kaff im Nirgendwo Kanadas, ...

"Niemals ohne sie" ist das große Motto, das die 21 Kinder der Familie Cardinal ihr Leben lang zu verfolgen scheint. Aufgewachsen in einer verwahrlosten Bretterbude in einem kleinen Kaff im Nirgendwo Kanadas, machen sie schon früh Bekanntschaft mit Entbehrung und ständigem Kampf. Der Vater lebt für seine Erzsuche und bleibt mehr ein fernes Glanzbild, das die Kinder anhimmeln, die Mutter führt ein aufopferungsvolles Leben hinter ihren Kochtöpfen im ständigen Kampf, iher Rasselbande zu ernähren. Die Kinder führen ein zügelloses Leben, kümmern sich umeinander und regieren dank ihrer schieren Überzahl den Ort.

Und doch zeigt die Geschichte, die nacheinander aus der Sicht von sieben der Geschwister erzählt wird, dass dieser übermächtige Zusammenhalt, dieses strikte Gemeinschaftsdenken auch seine Schattenseiten hat. Dass die Kinder in der Masse ihrer Geschwister unterzugehen drohen, es für jedes ein Kampf ist, sich selbst zu entdecken und zu verwirklichen.

Die Geschichte ist eine Schilderung der Extreme, die die Liebe der Familie ausbilden kann, erzählt in einer fast schon poetischen Sprache. Und doch bleibt mir "Niemals ohne sie" seltsam fern. So wie sich die Cardinals gegen ihre Umwelt abschirmen, so verwehrt sich dieses Buch mir und gestaltet das Lesen dadurch schwierig.

Fazit:
Auch wenn ich mit diesem Buch nicht hundertprozentig warm geworden bin, so hat es doch einen seltsamen Sog entwickelt, welcher mich mit Sicherheit sehr bald zum nächsten Buch von Jocelyne Saucier greifen lassen wird.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Handwerklich verbesserungswürdig

Was uns erinnern lässt
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Wie sehr habe ich diesem Buch entgegen gefiebert, behandelt es doch mit der DDR für mich literarisches Neuland und spielt zudem auch noch in meiner Heimat.

Beleuchtet wird die Geschichte der Familie Dressel ...

Wie sehr habe ich diesem Buch entgegen gefiebert, behandelt es doch mit der DDR für mich literarisches Neuland und spielt zudem auch noch in meiner Heimat.

Beleuchtet wird die Geschichte der Familie Dressel und ihres Hotels Waldeshöh am Rennsteig, die dank eines Ereignisses in ein Davor und Danach gespalten ist:
Ab Ende des Zweiten Weltkrieges begleiten wir die ersten beiden Generationen der Dressels, die um den Erhalt ihres Hotels kämpfen.
Gleichzeitig in der Gegenwart ist die junge Mutter Milla auf der Suche nach "Lost Places" im Thüringer Wald unterwegs und entdeckt die Überreste des Hotels. Um mehr darüber zu erfahren, sucht sie den Kontakt zu den letzten Familienmitgliedern der Dressels.

Die Geschichte an sich finde ich schön umgesetzt, abwechselnd erfährt bekommt man Informationshäppchen aus beiden Epochen zugeworfen und kann so das Schicksal dieses stellvertretend für die ganze DDR-Bevölkerung stehenden Hauses verfolgen. Allerdings gefällt mir der in der Vergangenheit verlaufende Erzählstrang wesentlich besser.

Das liegt zum großen Teil an der auf mich vollkommen unsympathisch wirkenden Milla. Nicht nur, dass ich mich frage, wie es diese Frau ohne Durvchsetzungsvermögen geschafft hat, ihren Sohn alleine großzuziehen. Ich finde es auch vollkommen unmöglich, wie sie sich, nur auf der Suche nach einer guten Story für ihren Instagram-Account, in das Leben einer fremden Familie drängt und das, obwohl sie ganz klar merkt, dass das gar nicht erwünscht ist. Zudem wirken die Dialoge seltsam hölzern und der ganze Plot etwas zu konstruiert, was dazu führt, dass das ganze Buch seltsam distanziert bleibt. Ich vermisse das Einfühlungsvermögen, dass es braucht, um solch ein Familienschicksal glaubhaft zu erzählen.

Fazit:
Ich wollte dieses Buch so sehr mögen und habe ihm immer wieder eine Chance gegeben, aber sowohl die unmögliche Protagonistin als auch der Erzählstil haben das immer wieder versaut.

Veröffentlicht am 24.05.2019

Belletristisches Sachbuch

An den Ufern der Seine
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Wenn man diesen 450-Wälzer in der Hand hält, glaubt man kaum, dass er "nur" 10 Jahre im Leben der Pariser Künstlerszene behandelt. Allerdings muss man dabei auch neidlos anerkennen, dass Paris schon immer ...

Wenn man diesen 450-Wälzer in der Hand hält, glaubt man kaum, dass er "nur" 10 Jahre im Leben der Pariser Künstlerszene behandelt. Allerdings muss man dabei auch neidlos anerkennen, dass Paris schon immer eine Sammelstelle für die ganz großen Namen ist und war. Camus, Sartre, de Beauvoir und Picasso sind wohl jedem ein Begriff, egal ob man sich nun für Philosophie oder Malerei interessiert oder nicht.

Dem Buch merkt man die Unmenge an Recherchearbeit sofort an. Von der Fülle an Informationen und Annekdoten wird man förmlich erschlagen. Genau hier liegt für mich auch der Knackpunkt des Buches: Poirier will einfach zu viel. Zu viele namhafte Personen erwähnen und beleuchten, zu viele Infos liefern. Man verliert schnell den Über- bzw Durchblick; für mich wurde das Lesevergnügen teilweise zu einer sehr anstrengenden Sache. Gerettet haben es dann doch die unterhaltsamen "Einblicke durchs Schlüsselloch". Zudem liefert das Buch erfolgreich Hilfestellungen in Form von Personenverzeichnis, Chronologie und einer Karte der wichtigsten Künstler-Hot Spots.

So viel kann gesagt werden: Agnes Poirier ist es zumindest gelungen, eine gute Mischung aus Unterhaltung und Informationsfluss zu schaffen, perfekt aufbereitet für jeden frankophilen Hobbyliteraten.

Veröffentlicht am 17.05.2019

Buch der Gegensätze

Die Leben danach
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Was kann man sich unter einem Buch mit dem vielsagenden Titel "Die Leben danach" wohl so alles vorstellen?

In erster Linie sollte es eine lebensbejahende Geschichte sein, hat der Protagonist Jim Byrd ...

Was kann man sich unter einem Buch mit dem vielsagenden Titel "Die Leben danach" wohl so alles vorstellen?

In erster Linie sollte es eine lebensbejahende Geschichte sein, hat der Protagonist Jim Byrd doch einen Herzstillstand überlebt.
Allerdings verbringt er sein weiteres Leben aber nicht damit, selbiges zu genießen, sondern eher mit der Ergründung des Todes.

Das Buch beschäftigt sich also mit einem doch eher ernsten Thema, greift dieses aber dank des lockeren Schreibstils auf eine erfrischende Weise auf. Auch finde ich die Herangehensweise, das ganze nicht auf die Esoterik-Schiene abgleiten zu lassen, mal etwas Neues.

Der Grundsatzfrage, was nach dem Tod mit uns geschieht, stellt Thomas Pierce eine beginnende Liebesgeschichte entgegen. Davon hätte ich mir leider etwas mehr versprochen. Was die Lebensbejahung unterstreichen sollte, geht doch angesichts der ständigen Beschäftigung mit dem Tod etwas unter.

Trotzdem fand ich das Buch sehr abwechslungsreich: die ernsten, manchmal fast wissenschaftlich anmutenden Passagen werden oft durch skurrile Einschübe aufgelockert.

Der Nachteil dabei ist leider, dass man gerade im Mittelteil den roten Faden vermisst und sich die Lektüre dadurch in die Länge zieht und etwas zäh wirkt.

Fazit:

"Die Leben danach" ist definitiv ein besonderes Buch, auf das man sich einlassen muss und das einen überraschen kann, wenn man es lässt; man braucht nur etwas Geduld dafür.