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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2019

Anstrengend

Die großen Vier
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In diesem Roman geht die Autorin mit ihrem Helden Hercule Poirot mal etwas andere, wie ich finde gewöhnungsbedürftige Wege. Es geht hier nicht um die klassische Jagd nach einem Mörder, sondern um den Kampf ...

In diesem Roman geht die Autorin mit ihrem Helden Hercule Poirot mal etwas andere, wie ich finde gewöhnungsbedürftige Wege. Es geht hier nicht um die klassische Jagd nach einem Mörder, sondern um den Kampf gegen ein weltweit operierendes Verbrechersyndikat, das aus dem Untergrund heraus nichts geringeres als die Weltherrschaft anstrebt. Was genau die Intention der Autorin zu diesem Roman war, bleibt mir verborgen, ich kann allerdings nachvollziehen, dass das Buch nicht zu ihren persönlichen Lieblingen gezählt hat.


Hercule Poirot tanzt hier nicht leichtfüßig durch die Geschichte, er kann nur wenig durch seine kleinen, grauen Zellen überzeugen. Er tut sich meist ebenso schwer wie der Leser. Die Geschichte ist verworren und unübersichtlich, die Hintergründe scheinen weit hergeholt und stecken voller Klischees. Das Geschehen zieht sich über einen ungewöhnlich langen Zeitraum. Erklärt wird dies durch die Tatsache, dass der Roman ursprünglich aus mehreren Kurzgeschichten bestand.

Poirot und sein guter Freund Hastings quälen sich durch den Fall. Nach kleinen Erfolgen gibt es immer wieder Rückschläge. Poirot scheint tatsächlich seinen Meister gefunden zu haben, er arbeitet verbissen an der Aufdeckung der Drahtzieher. Ähnlich wie bei Sherlock Holmes und Moriaty wird eine Art Erzfeind kreiert, der Poirot immer einen Schritt voraus ist. Natürlich lässt die Autorin ihren Helden am Ende, wenn auch etwas haarsträubend und auf für Poirot gänzlich untypische Art, triumphieren, aber selbst bei eingefleischten Fans hinterlässt das Buch am Ende allgemeines Stirnrunzeln.

In diesem Fall ziehe ich die Verfilmung eindeutig vor, obwohl auch diese etwas langatmig ist.

Veröffentlicht am 09.06.2019

Kindheitserinnerungen

Düsternbrook
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Ich mag Axel Milberg als Person, als Schauspieler sehr gern. Beim Lesen hatte ich oft seine Stimme im Kopf, obwohl er ja aus seiner Kindheit erzählt. Das Buch schreibt er als Roman, nicht als Biografie, ...

Ich mag Axel Milberg als Person, als Schauspieler sehr gern. Beim Lesen hatte ich oft seine Stimme im Kopf, obwohl er ja aus seiner Kindheit erzählt. Das Buch schreibt er als Roman, nicht als Biografie, es sind sowohl tatsächliche, als auch fiktive Geschichten Bestandteil der einzelnen Kapitel. Es ist nicht erkennbar, welche Teile echte Erinnerungen sind, und welche der Phantasie des jungen Axel entspringen. Mich hat das manchmal etwas verwirrt.


Der Autor hat ein großes erzählerisches Talent, ich mag seine verschmitzte Art zu sprechen. Leider kommt das im Buch nicht ganz so rüber. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, humorvoll, ernst, kindlich naiv, voller Leidenschaft, scharfsinnig, liebevoll, aber oft auch irgendwie teilnahmslos, ohne erkennbare Gefühlsregung, neutral, wie von einem unbeteiligten Beobachter erzählt. Worin sich diese Diskrepanz gründet vermag ich nicht zu sagen, allerdings hat es bei mir für einige Verwirrung gesorgt.

Das Buch folgt nur recht grob einer gewissen Zeitlinie, wann die einzelnen Geschichten spielen kann man meist nur raten, konkrete Zeit- oder Altersangaben zur Orientierung des Lesers gibt es selten. Mir fehlte so ein bisschen der rote Faden, etwas, das die einzelnen Abschnitte verbindet. Die Geschichten, so schön sie auch sein mögen, sind unzusammenhängend, scheinen willkürlich aneinandergereiht. Natürlich kann man das als künstlerisches Stilmittel betrachten, das die kindlichen Erinnerungsfetzen verdeutlicht, ich habe es aber einfach als unrund empfunden. Für mich fehlte das Leseempfinden, welches ich mit einem Roman in Verbindung bringe. Wenn ich das Buch einer Kategorie zuordnen sollte, dann am ehesten einer Sammlung von Kurzgeschichten, oder Anekdoten.

Ich denke ich bin an dieses Buch mit völlig anderen Erwartungen heran gegangen und daher hat sich mir die Botschaft des Autors wohl nicht gänzlich erschlossen. Trotz allem war der Einblick in die behütete Kindheit des Autors unterhaltsam. Er vermittelt ein sehr klares Bild des Zeitgeschehens und der vorherrschenden Lebensweise, gerade innerhalb der Familie. Der kindliche Blick auf die Welt der Erwachsenen ist sehr echt und schnörkellos.

Es steckt sicher viel persönliches, Persönlichkeit von Axel Milberg in diesem Buch, allerdings kratzt der Autor dabei nur ein bisschen an der Oberfläche.

Veröffentlicht am 18.05.2019

Mord im schönen Bayern

Hannas Leichen
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Bei den Leichen, von denen im Buchtitel gesprochen wird, handelt es sich um den Softwareentwickler Brinkmann, dessen, mit seinem Geschäftspartner verheirateten Geliebten und später auch noch um die Putzfrau ...

Bei den Leichen, von denen im Buchtitel gesprochen wird, handelt es sich um den Softwareentwickler Brinkmann, dessen, mit seinem Geschäftspartner verheirateten Geliebten und später auch noch um die Putzfrau des Toten. Hanna ist die Hauptkommissarin, die diesen verzwickten Fall aufklären soll. Blöd nur, dass sie Schwierigkeiten hat den Fall und ihr Privatleben zu trennen, ist doch der gutaussehende Geschäftspartner von Brinkmann, gleichzeitig einer der Verdächtigen.


Der Autor baut um seine Hauptfiguren ein umfangreiches Netz aus liebenswert schrulligen Familienangehörigen, unkorrekten Arbeitskollegen und mehr oder weniger nützlichen Zeugen. Diese ganzen Nebenschauplätze waren mir teils zu konstruiert, unnötig weitschweifend, fast als wären sie Füllmaterial, das die Geschichte strecken soll. Nur in wenigen Situationen diente es dazu, die Hintergründe einer Figur näher zu beleuchten und so ihr Handeln nachvollziehbarer zu machen. Generell fand ich die Figuren oberflächlich und blass, ihr Tun teils überzogen und nicht stimmig.

Die Geschichte ist in ihren Grundzügen durchaus gut. Es wurden schon Menschen wegen weitaus weniger umgebracht. Allerdings hatte ich auch hier etwas Probleme. Das Motiv und der Täter waren mir relativ früh klar, die Auflösung am Ende dann aber dünn und nicht plausibel genug. Das Ganze wurde relativ schnell abgearbeitet. Hier haben es die Figuren und ihre Hintergründe nicht geschafft mich zu überzeugen. Schade!

Eine kurzweilige Lektüre für ein verregnetes Wochenende, mit einigen Schwächen.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Nichts wie es scheint

Alexandra
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Ich war ziemlich gespannt auf diesen Thriller. Nach der Beschreibung hatte ich mit einem Buch im Stil von Gone Girl gerechnet und war nun begierig zu erfahren, wie die Autorin ihre Version des Themas anlegt. ...

Ich war ziemlich gespannt auf diesen Thriller. Nach der Beschreibung hatte ich mit einem Buch im Stil von Gone Girl gerechnet und war nun begierig zu erfahren, wie die Autorin ihre Version des Themas anlegt.


Der Stil des Buches war für mich anfangs etwas verwirrend, denn Alexandra, die verschwundene Ehefrau, erzählt die Geschichte. Sie erzählt wie sie sich die Reaktion ihres Ehemannes auf die Geschehnisse vorstellt, wie er auf das Verschwinden reagiert, wie er und die Töchter die Suche erleben, die Zeit danach, wie sie mit der Erkenntnis umgehen, Alexandra nicht mehr wiederzusehen. Die Story pendelt zwischen Szenen, die Alexandra in Gefangenschaft zeigen und den Szenen, die sie sich über das Leben ihrer Familie nach dem Verschwinden vorstellt. Während des Lesens habe ich die Tatsache ausgeblendet, die Autorin erinnert den Leser aber immer wieder daran, dass er nicht den tatsächlichen Geschehnissen folgt. Ein neues, interessantes Konzept, aber eben auch verwirrend.

Die Figuren sind sehr vielschichtig, gerade Alexandra ist extrem, widersprüchlich, zerrissen und polarisierend. Ihr Ehemann bildet den kompletten Gegenpol zu ihrer Person. Er wird sehr sensibel und liebevoll dargestellt, leidet unter dem Verschwinden seiner Frau und ist erstmal völlig hilflos was die alltäglichen Familiendinge angeht. Er bedient hier ein ziemliches Klischee.

Generell spielt das Buch mit einigen Klischees, und der Auflehnung dagegen. Ein großes Thema ist der Spagat von Frauen zwischen Karriere und Familie, die Zurückstellung ihrer Bedürfnisse und Pläne hinter denen des Ehemannes.
Ein weiteres großes Thema ist die Kunst, kontroverse Sichtweisen darauf, wie sie auf den Einzelnen wirkt, und die Frage, wie weit Kunst, der Künstler gehen darf. Die Autorin widmet sich diesem Punkt sehr intensiv, ist er doch wichtiger Bestandteil von Alexandras Leben und Wesen.

Über die Trauer des Ehemannes, die Rückblicke in die Vergangenheit des Paares und die Ansichten zur Kunst legt das Buch eine große Strecke zurück. Ich habe während der Lektüre die ganze Zeit auf eine spektakuläre Enthüllung gewartet, ein finsteres Geheimnis. Das Buch nähert sich seinem Ende eher subtil und unaufgeregt, ich hatte bald eine Ahnung von der Auflösung. Tja, und dann schafft es die Autorin tatsächlich noch auf den letzten Seiten eine Überraschung einzubauen. In diesem Buch ist eben nichts wie es scheint.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Lügen

Am Ende wird einer die Nerven verlieren
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Der Titel des Buches erschien mir etwas lang, auch die Formulierung war irgendwie komisch für einen Krimi, fand ich. Nach der Lektüre passt er allerdings gut zum Buch, den letztendlich hat jemand die Nerven ...

Der Titel des Buches erschien mir etwas lang, auch die Formulierung war irgendwie komisch für einen Krimi, fand ich. Nach der Lektüre passt er allerdings gut zum Buch, den letztendlich hat jemand die Nerven verloren und das mit schlimmen Folgen.

Mit diesen Folgen bekommen es dann die Kommissare Arnstedt, Freiwald und Gutbrot zu tun. Erstere sind schon länger Kollegen und Freiwald weiß inzwischen gut mit seinem grantigen Chef umzugehen. Monika Gutbrot kommt durch den aktuellen Fall zu den Ermittlungen und muss nun mit dem ständig übelgelaunten Arnstedt zurechtzukommen.

Die Figuren des Krimis sind mal was anderes, in Teilen dann aber doch ein wenig stereotyp. Gerade die Figur des Kommissar Arnstedt hat mich manchmal total genervt mit seiner Art, ich hätte mir da von den anderen Figuren mehr Kontra gewünscht. Das Zusammenspiel der Personen wäre dadurch vielleicht spannender geworden.

Mit der Spannung geht es im Buch eher langsam voran. Es gibt gleich zu Beginn einen Bombenanschlag auf einen Möbelfabrikanten, der nach Aussage Aller ein Heiliger gewesen zu sein scheint und keinerlei Feinde hatte. Langsam und stetig kommen die Ermittler aber auch hier den Hintergründen auf die Spur, während der Täter dem Opfer immer näher kommt, um seine Arbeit zu beenden.

Die Geschichte kommt nicht nervenaufreibend und blutrünstig daher, eher hintergründig und subtil. Der Leser blickt, auch durch die spezielle "Verhörtechnik" von Kommissar Arnstedt, hinter die Kulissen der gutbürgerlichen Familie. So erfahren wir Leser, was eine Ehefrau so alles tut, aus Langeweile, oder um die Aufmerksamkeit ihres Gatten zu erhalten, und welche Folgen aus einer "Notlüge" erwachsen können, wenn man sie in ein labiles Hirn pflanzt.

Solider Krimi für ein kurzweiliges Wochenende.