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Veröffentlicht am 21.05.2019

Siegt die Gerechtigkeit?

Hurentochter - Die Distel von Glasgow
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Eine Distel ziert nicht nur das Wappen von Schottland es ist auch seine Nationalpflanze. Sie steht ebenfalls für Unabhängigkeit und Kraft und wird daher von der Hauptfigur des Romans Hurentochter - Die ...

Eine Distel ziert nicht nur das Wappen von Schottland es ist auch seine Nationalpflanze. Sie steht ebenfalls für Unabhängigkeit und Kraft und wird daher von der Hauptfigur des Romans Hurentochter - Die Distel von Glasgow so sehr geschätzt. Das Cover gefällt mir besonders gut. Die Distel ist perfekt wiedergegeben. 

Emiliy, so heißt die Hauptperson des Romans, wächst in einem Bordell auf. Sie lebt dort zwischen den Huren und die umsorgen sie so gut sie können. Als Prostituierte möchte sie niemals tätig sein und ihre Mutter Ines unterstützt sie bei diesem Wunsch. Ja, sie geht im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Als Ines und mit ihr sämtliche Bewohner des Bordells ermordet werden, muss Emily fliehen und dabei hilft ihr der Freund aus Kindertagen, Liam. Auch er ist das Kind einer Dirne und wuchs ebenfalls im Bordell auf.

Hurentochter – Die Distel von Glasgow beschreibt die Jahre nach der Flucht, welche vom Auf und Ab des Lebens geprägt sind. Hunger, Verzweiflung und schwere Erkrankungen machen das Dasein der beiden zu einem gefährlichen Abenteuer. Sehr gefährlich wird es, als Emily dem Mörder ihrer Mutter begegnet. Die Liebe kommt in dem Buch nicht zu kurz, ist aber meiner Meinung nach gut dosiert eingebaut.

Das Buch gefiel mir sehr gut, weil ich vieles über Land und Leute erfuhr. So kannte ich zum Beispiel das Fest Beltane nicht. In Hurentochter – Die Distel von Glasgow erfuhr ich, dass es die symbolische Geburt des Sommers bedeutet. Wie es gefeiert wird hat die Autorin in eindrucksvoller Weise beschrieben. Auch die Tatsache, dass viele Bauern aus den Highlands vertrieben wurden und diese Aktion unter dem Begriff „Clearances“ zusammengefasst ist, kannte ich nicht.

Am Schluss des Buches führt die Autorin an, welche beschriebenen Ereignisse historisch belegt und anhand von Jahreszahlen festzumachen sind. Für alle Leser, die Schottland mögen und sich auch für die Geschichte interessieren, empfehle ich das Buch ganz besonders. Zwei weitere Bände rund um die Hurentochter werden ebenfalls im Verlag Piper erscheinen.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Was ist "lebensunwertes Leben"?

Mehr als die Erinnerung
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Mehr als die Erinnerung ist ein weiterer Roman aus der Feder von Melanie Metzenthin. Die Autorin zeichnet sich durch Fachwissen und Empathie aus und aus dem Grund lese ich ihre Bücher sehr gerne.

In dem ...

Mehr als die Erinnerung ist ein weiterer Roman aus der Feder von Melanie Metzenthin. Die Autorin zeichnet sich durch Fachwissen und Empathie aus und aus dem Grund lese ich ihre Bücher sehr gerne.

In dem Buch Mehr als die Erinnerung geht es unter anderem um die Frage, was gewisse Leute unter lebensunwertem Leben verstehen. Es wird auf das Buch von Hoche und Pietsch hingewiesen, welches ja auch eine der Grundlagen für die spätere Euthanasie im Hitlerreich war.

Die junge Friederike von Aalen lebt mit ihrem Mann in der Anstalt ihres Vaters. Dabei handelt es sich um ein Novum der damaligen Zeit. Hier wurden nicht Schwerstbehinderte weggesperrt und hinter Mauern versteckt. Nein, sie lebten in einer Gemeinschaft und als Selbstversorger auf einem großen Hof. Herr von Aalen wollte beweisen, dass sogenannte „Irre“ Aufgaben brauchen und dabei ihren Wert in der Gesellschaft erkennen. Trotz etlicher Vorbehalte und Anfeindungen von Außen zog er sein Projekt erfolgreich durch.

Friederike wollte eigentlich Ärztin werden, brach aber kurz vor dem Abschluss ihr Studium ab. Der Grund dafür war die schwere Verletzung ihres Mannes Bernhard. Durch die Explosion eines Munitionslagers wurde ein Teil seines Gehirns zerstört und er befindet sich auf dem Niveau eines Kindes. Friederike sorgt sich liebevoll um ihn und ihr Bemühen wird bis zu einem gewissen Grad auch belohnt.

Mehr als die Erinnerung zeigt, wie schnell über das Leben von psychisch Kranken geurteilt wird. Damals wurden zum Beispiel auch junge Frauen als hysterisch abgeurteilt, wenn sie von Vätern, Brüdern oder anderen Männern missbraucht wurden. Dazu ein Satz aus dem Buch:
„Manche Geheimnisse sind so erschütternd und grausam, dass unser Verstand sie mit Bedacht in einer finsteren Kammer weggesperrt hat.“

Das Buch hallt lange nach. Auch heute stellt sich für werdende Eltern mitunter die Frage, ob sie ihr behindertes Baby nicht doch abtreiben sollen. Wer hat das zu entscheiden? Wer darf sagen, dass jemand „besser gestorben wäre als so weiterzuleben“? Niemand. Ich danke Frau Metzenthin für dieses Buch und hoffe sehr, dass es von vielen Menschen gelesen wird.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen gesühnt werden

Hannah und ihre Brüder
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HannahUndIhreBrüder Es geschah im September 2004 als Ben Salomon sich für den Besuch der Oper in Chicago fertig macht. Neben anderen Dingen steckt er auch eine Luger P08 ein. Im Foyer erhebt er plötzlich ...

HannahUndIhreBrüder Es geschah im September 2004 als Ben Salomon sich für den Besuch der Oper in Chicago fertig macht. Neben anderen Dingen steckt er auch eine Luger P08 ein. Im Foyer erhebt er plötzlich seine Stimme und stellt sich vor einen berühmten Bürger der Stadt. Er behauptet, dass dieser Eliot Rosenzweig der NS-Verbrecher und Hauptscharführer Otto Piontek sei. Er richtet seine Waffe gegen den Mann und wird von weiteren Besuchern überwältigt. Er wird verhaftet und ihm droht entweder das lebenslange Zuchthaus oder die Sicherheitsverwahrung.

Der Geschädigte Rosenzweig zieht seine Anklage zurück und Salomon beharrt auf seiner Feststellung. Was ist dran an seiner Behauptung? Ist er tatsächlich ein verwirrter alter Mann oder Herr seiner Sinne? Er will gegen Rosenzweig klagen und nach langem Zögern will ihm die junge Anwältin Catherine Lockhart bei der Überführung des angeblichen Hauptscharführers helfen.

„Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen gesühnt werden, ganz gleich, wie lange sie zurückliegen.“ So sehe ich das auch und es gilt nicht nur für Verbrechen der deutschen Nazis. Das Buch hat mich aufgewühlt weil hier sehr eindringlich die Machenschaften der Anhänger Hitlers beschrieben werden. Das Leid der jüdischen Bürger Polens, ihre Flucht vor den Schergen sowie die ständige Furcht vor dem Abtransport ins KZ. Alles wird von der Autorin erfasst.

Das Buch

HannahUndIhreBrüder ist in drei Abschnitte unterteilt und handelt im Heute und in der Vergangenheit. Der Stil ist so, dass es sich leicht lesen lässt. Die Erlebnisse der Akteure lassen aber kein schlichtes Hinweglesen zu. Es ist ein Roman, der eine weitere Sicht von den Ereignissen rund um den Zweiten Weltkrieg vor Augen führt.

Veröffentlicht am 15.05.2019

Spannend bis zum Schluss, toll

Nur wer die Hölle kennt
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Melody hat sich von ihrem Freund getrennt und zieht mit ihrem kleinen Sohn an den Ort ihrer Kindheit. Hier erlebte sie vor 20 Jahren ein Trauma, welches sie bis heute nicht verarbeiten konnte. Ihre Mutter, ...

Melody hat sich von ihrem Freund getrennt und zieht mit ihrem kleinen Sohn an den Ort ihrer Kindheit. Hier erlebte sie vor 20 Jahren ein Trauma, welches sie bis heute nicht verarbeiten konnte. Ihre Mutter, die einen Reiterhof besaß und ihr kleiner Bruder kamen durch ein Feuer ums Leben. Die Ermittler stellten damals fest, dass jemand das Feuer legte und drei Menschen (eine Mitarbeiterin des Reiterhofes war ebenfalls im Haus) ermordete.

Schon damals gab es etliche Verdächtige und auch Melody war darunter. Ebenfalls ihr damaliger Freund und noch einige andere Einwohner des Dorfes. Jetzt, wo Melody wieder in ihrem Heimatdorf lebt, kommt die Geschichte von damals wieder ins Gedächtnis aller Bewohner. Viele sind noch immer der Meinung, dass die junge Frau damals das Feuer legte. Dazu gehört auch der Vater ihres kleinen Bruders, der den Tod des Jungen nicht verwinden kann.

Das Buch berichtet abwechselnd aus der Gegenwart und der Vergangenheit. Die jeweiligen Kapitel sind mit Überschriften versehen, die sehr genau darauf hinweisen. Das ist gut, da der Leser nicht erst lange rätseln muss, zu welchem Zeitpunkt das Geschriebene spielt. Von Anfang an wird ein Spannungsbogen erzeugt, der nie abnimmt. Immer wieder dachte ich, ja, jetzt weißt du wer der/die Mörder/in ist. Und dann? Zack, schon wieder kommen neue Erkenntnisse dazu. Auch wenn ich die vorherigen Bände nicht las, kam ich gut in die Geschichte rein und werde die vorherigen Bücher auch lesen.

Die Autorin hat alle Charaktere sehr gut beschrieben. Dadurch lenkte sich mich auch auf Motive für die Morde, die aber im Endeffekt nicht richtig waren. Sehr fein durchdacht von ihr. Die Beschreibung über den Umgang mit Pferden gefiel mir ebenfalls sehr gut. Auch hier erkannte ich, dass Frau Wendelken weiß, wovon sie schreibt. Von mir gibt es eine ausdrückliche Empfehlung für diesen spannungsgeladenen Krimi.

Veröffentlicht am 14.05.2019

Eine Steinigung im Kiez

Schöneberger Steinigung
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Schöneberger Steinigung ist der erste Kriminalroman des Autors Peter Fuchs. Der Krimi spielt in Berlin und ist ein gelungenes Abbild der Situation im Kiez. Mit spitzer Feder zeichnet Herr Fuchs sehr realistisch ...

Schöneberger Steinigung ist der erste Kriminalroman des Autors Peter Fuchs. Der Krimi spielt in Berlin und ist ein gelungenes Abbild der Situation im Kiez. Mit spitzer Feder zeichnet Herr Fuchs sehr realistisch auf, wie AfD und weitere Rechte Gruppierungen liebend gerne ein Unglück für ihre propagandistischen Zwecke missbrauchen.

Ein junger Mann wird tot in einem Park gefunden. Er wurde übel zugerichtet, ja es scheint als sei er zu Tode gesteinigt worden. Schnell wissen die Ermittler, dass es sich bei dem Toten um einen ehemaligen Priester handelt. Er war auf Facebook äußerst aktiv und hetzte dort gegen Muslime, die aus ihrem Heimatland flüchten mussten. Zudem bekannte er sich öffentlich dazu schwul zu sein und das war den ach so gläubigen Christen in der AfD natürlich gar nicht recht. Es gibt also viele Verdächtige und der junge Kriminaloberkommissar Max Kühn hat die schwere Aufgabe, den Täter zu überführen.

Nicht alleine die Tatsache, dass der Krimi bis zum Schluss sehr spannend ist, macht ihn in meinen Augen so lesenswert. Auch die unterschiedlichen Strömungen der politischen Szene beschreibt der Autor sehr detailliert. Sofort nach dem Mord gibt es Mahnwachen vor einem Flüchtlingsheim, bei denen es zu Ausschreitungen von linken und rechten Gruppen kommt. Dann der Hinweis der Hinweis auf die „geheimen Gruppen“ bei Facebook, wo sich die Elite der AfD-Anhänger im wahrsten Sinne des Wortes „auskotzt“. Sie denken, dass sie unter sich seien und werden doch häufig unterwandert. Genau und richtig erfasst und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Es gibt so viele Verdächtige, aber bis zum Schluss keinen Hinweis auf den oder die Mörder/in. Waren es die jungen Flüchtlinge, die oft im Park sind, oder doch die homophoben Männer aus Berlin? Ein guter Krimi mit sehr viel Anschauungsunterricht zum Vokabular der rechten Szene. Selbst Bärgida, die ja zum Glück kaum noch eine Rolle spielt, wird in der Schöneberger Steinigung erwähnt. Ja, ich freue mich schon jetzt auf einen weiteren Kriminalroman von Peter Fuchs.