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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2019

Ein forderndes, spannendes und gelungenes Stück Literatur

Montauk
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Inhalt:
Max Frisch beschreibt in diesem wunderschönen Stück Literatur ein Wochenende, welches der Protagonist mit einer jungen Frau in Montauk verbringt. Er beschreibt aber nicht einfach zwei Figuren und ...

Inhalt:
Max Frisch beschreibt in diesem wunderschönen Stück Literatur ein Wochenende, welches der Protagonist mit einer jungen Frau in Montauk verbringt. Er beschreibt aber nicht einfach zwei Figuren und erfindet eine Geschichte dazu, sondern er erzählt auch einen grossen Teil seiner eigenen Geschichte. Natürlich sind auch viele andere Erzählungen von Frisch autobiografisch geprägt, hier ist es aber sogar so, dass der Protagonist auch Max Frisch heisst und dass es dieses Wochenende in Montauk gegeben haben muss. Anhand der Beziehung, die er mit dieser jungen Frau führt, blickt der Autor zurück auf seine eigenen Liebesbeziehungen zu anderen Frauen, seine Familiengeschichte und stellt auch viele Paralellen her zu seinem bisherigen Werk.

Lesegefühl:
Einige Szenen aus Homo faber lassen sich in Montauk erahnen, wenn auch in veränderter, erweiterter oder erklärter Form. Eine Zeittafel am Ende des Buches gibt Aufschluss über die Stationen im Leben von Max Frisch und lässt viele Zusammenhänge zu erzählten Begebenheiten herstellen. Aber nicht nur gescheiterte und beendete Liebesbeziehungen werden in aller Offenheit dargelegt, der Autor philosophiert in diesem Werk auch über sein eigenes Verhältnis zum Alter, seiner Familie, dem Tod und seinen bisherigen Fehlern und geht sehr selbstkritisch, wenn auch rational gegen sich selber vor.

Meine Meinung:
Montauk ist ein Stück Literatur, eine Erzählung, welche man erst ganzheitlich verstehen kann, wenn man Max Frisch als Autor und auch einen grossen Teil seiner Lebensgeschichte kennt. Ich selber habe noch nicht sehr viel von ihm gelesen und musste deshalb einige Male nachforschen und meine Ideen und Erkenntnisse mit der Zeittafel abgleichen, um die manchmal sehr sprunghaften Gedankengänge, Erinnerungen und Beschreibungen zu verstehen.
Alles in allem ein grosses Werk welches dem Leser sehr viel abverlangt und auch eine gewisse Kenntnis des Gesamtwerkes von Frisch voraussetzt.

Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr überzeugte Empfehlung für dieses wertvolle Stück Literatur und ich möchte euch ausserdem ermuntern, euch generell intensiver mit Max Frsich zu befassen. Das lohnt sich meiner Meinung nach sehr.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Brillant und sehr unterhaltsam

Schriftsteller!
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Inhalt:

"Schriftsteller!" habe ich aufgrund von Cover, Titel und natürlich Verlag aus dem offenen Bücherschrank mitgenommen. Wie sehr oft habe ich den Klappentext nicht gelesen und wusste deshalb nicht, ...

Inhalt:

"Schriftsteller!" habe ich aufgrund von Cover, Titel und natürlich Verlag aus dem offenen Bücherschrank mitgenommen. Wie sehr oft habe ich den Klappentext nicht gelesen und wusste deshalb nicht, was mich erwarten würde. Um so mehr hat mich dann das kleine Büchlein überrascht und begeistert. Jessica Durlacher gelingt es nämlich, mit viel Witz und Charme die Geschichte der Autorin Tirza Danz, die nach einem grossen Erfolg mit ihrem ersten Roman nun krampfhaft auf der Suche nach weiteren Inspirationen ist, zu erzählen. Dabei lässt Durlacher tief aber auch sehr selbstironisch in eine künstlerische Scheinwelt blicken und beginnt ihre Erzählung mitten im Leben, nach einer kläglich gescheiterten Dinnerparty. In den ersten Kapiteln erfahren wir zuerst schemenhaft und dann immer klarer, was sich an dieser Party zugetragen hat und weshalb die Protagonistin einen Groll auf gewisse Menschen und vor allem auch auf sich selber hegt. Nach und nach dröseln sich diese einzelnen Erinnerungsfäden auf und ein Gesamtbild, in dem die von Selbstzweifeln geplagte Tirza Danz sich mit einer skurrilen Interviewanfrage und einem störrischen Schüler konfrontiert sieht, während sie verzweifelt nach Worten für ihren nächsten Roman ringt, entsteht...


Lesegefühl:

Dieses Buch habe ich nur so inhaliert und auf einer Zugfahrt heute Vormittag gelesen. Die Unsicherheit der Autorin, aber auch die Absurdität der ganzen Handlung waren in jeder Zeile spürbar und obwohl teilweise sehr beklemmende Gefühle aufgekommen sind, hat mich dieses Buch in erster Linie unterhalten und immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Grandiose und sehr überzeugende Beschreibungen von Figuren, die wir alle so oder ähnlich zu kennen glauben, ein wenig überspitzte Charakterstudien der Protagonistin und ihren vermeintlichen Widersachern und vor allem auch ein paar Einblicke in die Welt der Schriftsteller machen dieses Buch zu einem mitreissenden, spannenden und kurzweiligen Lesevergnügen.


Meine Empfehlung:

Für den erfrischenden Stil, die authentische und zugleich verzweifelte als auch geniale Protagonistin und die humorvolle, mitreissende, beklemmende und irrwitzige Handlung gibt es von mir eine ganz klare Leseempfehlung für "Schriftsteller!" von Jessica Durlacher.

Veröffentlicht am 02.06.2019

Eine märchenhafte, skurrile und abenteuerliche Geschichte

Kafka am Strand
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Inhalt und Lesegefühlt:
Erinnert an "Mister Aufziehvogel" von Murakami, startete auch beim Buch "Kafka am Strand" bei mir schon nach wenigen Seiten das wilde Spekulieren und Abwägen und ich liess mich ...

Inhalt und Lesegefühlt:
Erinnert an "Mister Aufziehvogel" von Murakami, startete auch beim Buch "Kafka am Strand" bei mir schon nach wenigen Seiten das wilde Spekulieren und Abwägen und ich liess mich von meiner Fantasie zu den verrückstesten Ideen und Erklärungen hinreissen. Aber was war denn nun alles zu erlesen? Abschliessend kann man es vielleicht gar nicht so genau definieren. Aber ganz kurz gesagt geht es um den 15-jährigen Kafka Tamura, der sich aufmacht, um Antworten auf grosse Fragen in seinem Leben zu finden. Es geht um das Erwachsenwerden, das Entdecken von eigenen Grenzen und Möglichkeiten, um Menschen, die sich immer wieder neu erfinden, um das Sterben und den Tod, verschiedene Zugänge zur Sexualität und der Liebe und darum, wie und als was wir uns definieren. Ebenfalls spielen Katzen (leider tot und lebendig) eine grosse Rolle, sowie Mysterien, unsere Kommunikation, eine grosse Bibliothek, das Lesen an sich, Rätsel, Musik und die Welt, die wir betreten, wenn wir schlafen.
Beim Lesen flog ich nur so durch die Seiten, amüsierte mich köstlich, ekelte mich, litt und fieberte mit und staunte über so viel sprachliche Schönheit, die atmosphärischen Beschreibungen und diese ganz eigene Welt, in der Traum und Wirklichkeit mühelos verschmelzen.

Schreibstil und Handlung:
Von der ersten bis zur letzten Seite war ich gefangen in einem Sog und einer Leichtigkeit, die ich von "Mister Aufziehvogel" nicht kannte. Was war anders? "Mister Aufziehvogel" habe ich nicht in einer Übersetzung von Ursula Gräfe, sondern in einer Übersetzung aus dem Amerikanischen gelesen. Also: wenn möglich, dann lest unbedingt eine Übersetzung der Grossmeisterin Ursula Gräfe, die Murakami direkt aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt hat. Was da nämlich an sprachlicher Möglichkeit entsteht und genutzt wird, kann man sonst gar nicht erfassen.
Schillernd, sehr leicht, wie ein Traumgebilde oder ein Märchen wird eine Geschichte aus verschiedenen Strängen gewoben. Die Geschichte um den klugen und trainierten Kafka Tamura, der sich aufmacht, um eine Prophezeiung zu erfüllen, aber auch die Geschichte um Nakata, der mit Katzen sprechen kann und sich selber als dumm bezeichnet. Es prallen Vergangenheiten und Gegenwarten aufeinander (zeitweilig fühlte ich mich an die Serie "Dark" erinnert) und immer mal wieder berühren die Fäden sich, laufen zusammen und entfernen sich wieder voneinander. In typischer Murakami-Manier werden alltägliche Handlungen bis ins kleinste Detail beschrieben und es werden Figuren immer wieder mit ganz neuen Versionen von aus den Fugen geratenen Welten konfrontiert. Dabei werden die schrägsten Metaphern konstruiert und nach und nach zeigt sich auf, wie alles zusammenhängt oder zusammenhängen könnte...
Zudem lässt sich in diesem skurrilen Roman auch einiges an Gesellschaftskritik finden. Da gibt es Passagen, in denen die Protagonisten (insbesondere Nakata, den ich sehr, sehr, sehr ins Herz geschlossen habe) über die Sinnlosigkeit des Kriegs, über die Liebe, Erinnerungen, das Verzeihen von Fehlern und das persönliche Glück philosophieren und ich habe oft einige Sätze mehrmals gelesen, weil sie einfach so schön waren.

Meine Empfehlung:
"Kafka am Strand" hat mich berührt und begeistert und in eine ganz eigene Welt entführt, auf die man sich einlassen muss, die aber - sobald man die Logik unserer Welt gedanklich ausser Kraft setzt - mit ganz eigenen Regeln und sehr spannenden Ereignissen überzeugen kann. Neben den äusserst detaillierten und stimmungsvollen Beschreibungen von Orten und Gebäuden, sind es vor allem auch die kunstvoll kreierten Figuren, die dieses Buch so lesenswert machen. Von mir gibt es deshalb eine nach wie vor überwältigte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Ein Klassiker, der alle abholen kann

Homo faber
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Inhalt:
Walter Faber, ein Ingenieur aus der Schweiz, sitzt im Flugzeug nach Venezuela, um dort eine Montage zu beaufsichtigen. Er reist im Auftrag der UNESCO und macht sich während des Fluges einige Gedanken ...

Inhalt:
Walter Faber, ein Ingenieur aus der Schweiz, sitzt im Flugzeug nach Venezuela, um dort eine Montage zu beaufsichtigen. Er reist im Auftrag der UNESCO und macht sich während des Fluges einige Gedanken über sich und sein Leben. Aber sein Sitznachbar Herbert Hencke lässt ihm keine Ruhe. Der eigentlich liebenswürdige Mann, ein Deutscher, ist ständig dabei, Faber in ein Gespräch zu verwickeln und stört diesen damit in seinen Gedanken. Doch irgendwann hält es Faber nicht mehr aus und er beginnt, sich auf seinen Gesprächspartner einzulassen. Es stellt sich heraus, dass dieser der Bruder eines Studienfreundes von Faber ist. Und als zwei Motoren der Maschine ausfallen und so den Pilot zu einer Notlandung zwingen, verbringen die beiden Männer ihre Zeit bis zur Rettung aus der Wüste mit einigen Schachpartien. In dieser Zeit des endlos langen Wartens entschliesst sich Faber, seine Reiseroute zu ändern und Herbert Hencke zu begleiten, der seinen Bruder suchen will. Es stellt sich heraus, dass der Bruder, Joachim, die ehemalige Geliebte Fabers geheiratet hat. Als Faber nach New York zurückkehrt, wartet seine Geliebte Ivy, welche ihm den letzten Nerv raubt, auf ihn und so reist Faber so schnell wie möglich mit dem Schiff nach Europa. Unterwegs lernt er die junge und schöne Sabeth kennen und der Kreis aus Verandtschaft, Freundschaft und Vertrauen schliesst sich immer mehr um Faber. Bis er seiner Vergangenheit und seiner Zukunft und somit auch dem Leben eines jeden Menschen ins Auge blicken und sich damit arrangieren muss.

Meine Meinung:
Ich habe Homo faber von einer lieben Freundin ans Herz gelegt bekommen und ich muss sagen, dass mich die Geschichte und vor allem der extrem durchdachte Schreibstil auf höchstem literarischen Niveau begeistert und überzeugt hat. So viel Tiefe, Weisheit und Philosophie wie dieses Buch beinhaltet, kann man fast gar nicht beim ersten Lesen erfassen und trotzdem schien es mir in keiner Weise von oben herab geschrieben oder gar unverständlich. Vielmehr holt es jeden Leser dort ab, wo er sich in seinem Leben gerade befindet.

Meine Empfehlung:
Max Frsich mag einige abschrecken, aber das ist komplett unbegründet. Lasst euch ein auf dieses tolle und nach wie vor sehr aktuelle Buch. Die Sprache hat mich überzeugt, die Handlung war spannend und der Protagonist ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, was ihn uns nahbar macht. Auch nach Jahren gerate ich ins Schwärmen, dieses Buch ist wirklich ein Schatz.

Veröffentlicht am 25.05.2019

Ein liebevoll erzählter Sommerroman

Die Katze im Lavendelfeld
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Inhalt:
Auf knapp dreihundert Seiten wird eine Geschichte erzählt, die uns direkt in die Provence katapultiert. Nicht nur lernen wir die leidenschafliche Foodbloggerin Alice kennen, die sich mit ihren ...

Inhalt:
Auf knapp dreihundert Seiten wird eine Geschichte erzählt, die uns direkt in die Provence katapultiert. Nicht nur lernen wir die leidenschafliche Foodbloggerin Alice kennen, die sich mit ihren "Genussberichten" bereits ins Herz zahlreicher Gourmets geschrieben hat, sondern wir erfahren auch einiges aus dem Leben ihrer Mitmenschen. Alice lebt nämlich eingebettet in einen kunterbunt durchmischten und hilfsbereiten Freundeskreis und ist gerade dabei, sich ein neues Zuhause zu suchen, als sich die Umstände plötzlich ändern. Plötzlich sind nicht nur zwei, sondern gleich drei Vierbeiner zu versorgen und Alice muss sich immer intensiver um ihre langsam dement werdende Freundin Jeanine kümmern und im Restaurant ihres guten Freundes Georges aushelfen.

Meine Meinung:
Hermien Stellmacher begleitet mich schon seit vier Jahren. Durch ihr Buch "Cottage mit Kater" (2015) bin ich auf sie aufmerksam geworden und habe vor zwei Jahren auch "Katzenglück und Dolce Vita" (2017) gelesen und geliebt. Auch im vorliegenden Buch ist es der Autorin wieder gelungen, ganz viele Stränge zusammenfliessen und eine sommerliche Stimmung entstehen zu lassen. "Die Katze im Lavendelfeld" hat mich berührt, mit feinsinnigem Humor unterhalten, hungrig gemacht, mich ein paar Tränchen verdrücken lassen und mich am Ende mit einem positiven Gefühl zurückgelassen.

Alle Figuren haben eine Vorgeschichte, die nach und nach in die Handlung einfliesst und Hermien Stellmacher schafft es dabei, sehr einfühlsam mit dem Thema Demenz umzugehen, immer wieder für viele humorvolle Situationen zu sorgen, ganz tiefe Gefühle entstehen zu lassen und immer auch noch das kulinarische Wohl ihrer Figuren im Auge zu behalten. Die Provence ist ausserdem in diesem Buch nicht nur eine (traumhaft schöne) Region und perfekte Kulisse für die Handlung, es ist auch eine Stimmung, eine Lebenseinstellung, die in der Gestalt von Marktbesuchen, Lavendelfeldern, Kräutergärten, gutem Wein und französischer Eleganz in die Geschichte einfliesst und bei mir einen Hauch von Sommer in die trüben Maitage gebracht hat.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr, sehr herzliche Leseempfehlung für dieses tiefgründige, berührende aber sehr positive Wohlfühlbuch, das euch in eine sommerliche Provence und mitten in einen liebenswerten Freundeskreis mit einem Herz für Katzen und alte Gebäuden entführt. Schaut, dass ihr für diese Reise unbedingt mit genügend Proviant und dem einen oder anderen Glas Wein ausgerüstet seid.