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Veröffentlicht am 04.06.2019

Ein rasantes Wochenende

Paradise Valley 1
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Lena bekommt an ihrem 16. Geburtstag einen mysteriösen Brief. Sie soll etwas bei einem Anwalt abholen, das vor zwölf Jahren von ihrer Mutter für sie hinterlegt wurde. Seit sie vier war hat sie auch keinen ...

Lena bekommt an ihrem 16. Geburtstag einen mysteriösen Brief. Sie soll etwas bei einem Anwalt abholen, das vor zwölf Jahren von ihrer Mutter für sie hinterlegt wurde. Seit sie vier war hat sie auch keinen Kontakt zu ihrer Mutter gehabt. Das Geheimnis um das Verschwinden ihrer Mutter wurde nie gelöst. Ihr Vater weiß sicher einiges, aber er spricht nicht darüber.

Die Sendung enthält eine Videokassette und ein Amulett. Schon bald wird ihr das Amulett jedoch entrissen. Welches Geheimnis verbirgt es? Und kann Lena es zurückbekommen?

Ein neuer Freund hat das passende Gerät, um das Video abzuspielen. In dem kurzen Clip bekommt Lena erste Hinweise zum Aufenthaltsort ihrer Mutter. Nun möchten sie und ihre jüngere Schwester auf jeden Fall die Mutter finden. Zum Glück haben sie gute Freunde an ihrer Seite.

Die ganze Handlung spielt sich an einem einzigen Wochenende ab. Die kurzen Abschnitte werden mit Tag- und Datumsangabe eingeleitet. Das Buch spielt in Kalifornien, was aber erst am Ende des Buchs deutlich wird.

Dieses Buch ist schnell gelesen. Die Sätze sind kurz und wirken oft wie Szenen aus einem Film. Der Nachteil ist, dass die Charaktere dadurch ein wenig vage bleiben; der Leser lernt sie auf diesen Seiten nicht so gut kennen.

Lenas neue Freunde gehören einer kirchlichen Jugendgruppe an. Für Lena ist diese Welt fremd, aber sie ist beeindruckt von ihrer liebevollen und vertrauenswürdigen Art. Diese Freunde bilden eine Filmcrew, und mit ihrem Hobby haben sie genau die richtigen Fertigkeiten, um Lena zu helfen.

Der Autor, Carlo Meier, schreibt gerne gemeinsam mit Jugendlichen, so auch bei diesem Buch. Dadurch wird die jugendliche Welt gut eingefangen. Einige aktuelle Themen werden angesprochen, beispielsweise Elektrosensibilität, der Missbrauch von verschickten Bildern im Netz oder die Verschwendung von Lebensmitteln.

Fazit: Im schnellen Tempo beginnt mit diesem ersten Buch einer Trilogie die Suche Lenas nach ihrer Mutter. Mit einer jugendlichen, knappen Schreibweise, ist es spannend und unterhaltsam, und vermittelt wichtige Werte.

Veröffentlicht am 03.06.2019

Vom Sinn einer sinnlosen Flucht

Murmeln und Granaten
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Eckhart zur Nieden lebt mit Verwandten Anfang 1945 in einem kleinen Ort in der Nähe von Kassel. Er ist fast sechs Jahre alt und hat einen älteren und einen jüngeren Bruder. Aus Angst vor den Alliierten ...

Eckhart zur Nieden lebt mit Verwandten Anfang 1945 in einem kleinen Ort in der Nähe von Kassel. Er ist fast sechs Jahre alt und hat einen älteren und einen jüngeren Bruder. Aus Angst vor den Alliierten beschließt seine Familie zu fliehen. Vier kleine Kinder und vier Frauen machen sich auf den Weg zur „Festung Harz“. Wegen der Propaganda des Reichs meinen sie, dort wären sie sicherer als in ihrem heimatlichen Dorf.

Auf dem schwierigen Weg freuen sie sich über jedes kleine Zeichen der Hilfsbereitschaft. In St. Andreasberg endet die Reise. Hier warten sie das Ende der nahen Gefechte ab. Als endlich klar wird, dass die Deutschen den Krieg verloren haben, stellen sie fest, dass die feindlichen Amerikaner nicht so hartherzig und beängstigend sind wie erwartet.

Dieser Bericht beschreibt, wie eine Familie „vor dem Krieg davonlaufen“ will. Die Reise stellt sich im Nachhinein als vergeblich heraus, denn die gerühmte Festung bietet nicht mehr Sicherheit als das heimatliche Dorf. Und doch erweist sich die Reise im Nachhinein als ein einschneidendes Erlebnis auf dem Glaubensweg des Autors.

Dieser authentische Bericht stützt sich auf die eigenen Erinnerungen des Autors, die Erinnerungen seiner Tante und Geschwister, und den Tagebuchaufzeichnungen seiner Mutter.

Das Format des Buchs ist klein und handlich. Die Schrift ist groß und für Senioren geeignet. Die Erzählung ist nicht in Kapiteln eingeteilt. Abwechselnd wird in der Vergangenheitsform aus der Sicht eines erwachsenen Erzählers, und im Präsens aus der Sicht des kleinen Eckharts, erzählt.

Die Sprache ist schlicht und einfach. Der Leser kann sich gut in die Verwunderung des kleinen Kindes hineinversetzen, das versucht die Ereignisse zu begreifen. Anders als die Erwachsenen, kann er sich an Kleinigkeiten freuen; dem kleinen Wohnraum, das Sammeln von Granatsplittern oder das Übernachten im Wald. Durch die zweispurige Erzählweise wird aber auch die Angst und Verzweiflung der Erwachsenen deutlich.

Fazit: Schnell gelesen, erlebt der Leser mit diesem kleinen Band das Ende des zweiten Weltkriegs aus der Perspektive eines Kindes und eines Erwachsenen. Diese Erzählung zeigt, wie Gott Irrwege gebrauchen kann, um sein großes Ziel in Menschenleben zu erreichen. Empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für authentische, historische Geschichten interessieren, aber auch gut geeignet zum Vorlesen im Seniorenkreis.

Veröffentlicht am 01.06.2019

Zusammenhalt von Alt und Jung

Gemeinsam besser
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Früher waren Mehrgenerationenhaushalte selbstverständlich. Oma half mit bei der Versorgung der Kinder, und alle waren für die ältere Generation da. Heute lebt oft jede Generation für sich. Dabei könnten ...

Früher waren Mehrgenerationenhaushalte selbstverständlich. Oma half mit bei der Versorgung der Kinder, und alle waren für die ältere Generation da. Heute lebt oft jede Generation für sich. Dabei könnten Alt und Jung voneinander profitieren.

Dieses Buch plädiert für ein liebevolles und verständnisvolles Miteinander der Generationen, ob Zuhause, in der Gemeinde, oder an anderen Orten. Drei Hauptabschnitte beleuchten diesen wichtigen Zusammenhalt. Im ersten Teil geht es um das Sehen und Wahrnehmen, im zweiten Teil um Übungen zum besseren Verständnis, und im dritten Teil um Wertschätzung.

Zu den Themen Verständnis, Kommunikation, Begegnungen und mehr finden sich viele praktische Vorschläge und sozialpädagogische Übungen. Fabeln und Märchen helfen oft die Probleme zu verstehen, die zwischen den Generationen herrschen. Das Ziel ist ein Miteinander „auf Augenhöhe“. Niemand schaut auf den anderen herab.

Neben der Autorin, kommen auch andere in Form von Interviews oder Berichten zu Wort. Ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt wird ebenso vorgestellt, wie eine Theatergruppe von Alt und Jung. Außerdem berichten Menschen vom positiven Miteinander in der Großfamilie oder in der Gemeinde.

Viele Vorschläge beziehen sich auf Gemeindegruppen, sie können aber ebenso gut in anderen Bereichen umgesetzt werden.

Da, wo es zwischen Alt und Jung Konflikte gibt, kann dieses Buch helfen; ob in der Gemeinde oder in der Familie. Für viele Menschen ist aber ein problemloses Miteinander selbstverständlich. Wo das der Fall ist, ist dieses Buch weniger relevant.

Fazit: Zu empfehlen für alle, die sich ein besseres Miteinander von Alt und Jung wünschen. Mit praktischen Vorschlägen zur besseren Verständigung und vielen Impulsen zum Gespräch, kann dieses Buch bei festgefahrenen Konflikten helfen.

Veröffentlicht am 30.05.2019

Gelebter Glaube im Alltag

Lebendig!
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Der Theologe, Michael Herbst, zeigt in diesem Buch wie der christliche Glaube lebendig und mündig werden kann. Er richtet sich gegen einen Glauben, der nur Formsache oder Gewohnheit ist, denn Nachfolge ...

Der Theologe, Michael Herbst, zeigt in diesem Buch wie der christliche Glaube lebendig und mündig werden kann. Er richtet sich gegen einen Glauben, der nur Formsache oder Gewohnheit ist, denn Nachfolge bedeutet so viel mehr. So geht er auf verschiedene Lebensbereiche ein, und zeigt wie Christsein im Alltag konkret aussieht.

Sein Glaubensweg begann im CVJM. Auf seinem weiteren Weg prägten ihn Gedanken von Dietrich Bonhoeffer. Inzwischen ist er Professor der Theologie an der Universität Greifswald und engagiert sich bei „GreifBar“, einem neuen Gottesdienst, ganz nach den Wünschen der Bewohner ihrer Heimatstadt.

Das Buch hat sechs Teile. Im ersten Teil geht es um die Grundlage des Glaubens, Gnade. Zuerst geht Gott auf den Menschen zu. So beginnt das Christsein. Der zweite Teil beschreibt die Veränderung, wenn Gott ins Leben einzieht. Im dritten Teil werden verschiedene Bereiche beschrieben, in denen lebendiges, mündiges Christsein im Alltag praktiziert werden kann. Dazu gehört das Gebet, das Hören auf Gott und die Gemeinschaft mit anderen Christen. Im nächsten Teil wird es noch konkreter. Michael Herbst geht der Frage nach, wie Glaube im Alltag gelebt wird. Wichtige Bereiche des Lebens werden angesprochen, wie Sexualität, Beruf, Zeit und Geld. Danach wendet er sich Problemfeldern zu, z.B. unerhörte Gebete, Enttäuschungen oder unsere Schwächen. Im sechsten Teil geht es schließlich um Sendung. Wie und warum gebe ich das weiter, was mir wichtig geworden ist?

Die Überlegungen des Autors sind von einigen bekannten Predigern und Theologen geprägt. Immer wieder wird verwiesen auf Predigten und Büchern von beispielsweise Timothy Keller, Bill Hybels oder John Ortberg. Der Schreibstil ist lebendig, teilweise auch humorvoll. Viele Beispiele sind der Welt des Fußballs entnommen, einer besonderen Leidenschaft des Autors.

Neben Erklärungen, die sich eher an Neulinge im Glauben richten, wird auch der langjährige Christ herausgefordert. So überlegt der Autor mit welcher Motivation wir in den Gottesdienst gehen – um gut unterhalten zu werden, oder um Jesus zu ehren? Immer wieder wird deutlich, Glaube muss wachsen, sonst stimmt etwas nicht.

„Man kann manchmal ‚bei Kirchens‘ den Eindruck haben, dass alle zufrieden sind, solange die Leute da sind und nicht weglaufen. Kirche hat dann etwas unermüdlich Bestätigendes an sich: ‚Es ist okay, wie du bist. Und es ist auch okay, wenn du so bleibst, wie du bist.“ Ich sehe das nicht so. Ich glaube: Es ist völlig normal zu wachsen. Gesundes Leben wächst.“

Fazit: Eine gute Erklärung über die Grundlagen eines Glaubens, der im Alltag Spuren hinterlässt. Der Autor zeigt an konkreten Beispielen wie lebendiges und mündiges Christsein aussieht. Zu empfehlen für alle, die mehr über gelebte Nachfolge wissen wollen.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Wenn ein Kriegsheld in Friedenszeiten tötet

Das Bekenntnis
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Pete hat im Zweiten Weltkrieg Schreckliches erlebt. Was ihn durchtrug war der Gedanke an seine Familie in der Heimat. Aber als er zurückkehrt ist manches anders als erwartet. Für ihn steht fest, er muss ...

Pete hat im Zweiten Weltkrieg Schreckliches erlebt. Was ihn durchtrug war der Gedanke an seine Familie in der Heimat. Aber als er zurückkehrt ist manches anders als erwartet. Für ihn steht fest, er muss einen Mann töten. Er lässt sich nach der Tat widerstandslos festnehmen, schweigt jedoch hartnäckig als er nach dem Motiv gefragt wird. Das Urteil lautet Todesstrafe. Welches Geheimnis nimmt er mit sich in den Tod?

Dieses Buch ist in drei Teilen aufgeteilt, die sich stark voneinander unterscheiden. Im ersten Teil geht es um den Mord und die Folgen. Der Leser lernt Pete einerseits als geachteten Kriegshelden und Grundbesitzer kennen, wundert sich andererseits über diesen durchdachten Mord und Petes Schweigen. Da Pete selbst wenig Interesse daran hat sich zu verteidigen, kann sein Anwalt ihm auch nicht helfen, und er muss für seine Tat sterben.

Während der Leser im ersten Teil nicht viel über Petes Innenleben erfährt, wird sein Leben im zweiten Teil, „Der Knochenacker“, aufgerollt. Man spürt seine große Liebe zu seiner Familie und zu seinem Land. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, wird er eingezogen. Ungern lässt er alles zurück, um auf den Philippinen zu dienen.

Der Einsatz der US Armee endet schon bald in einer großen Katastrophe. Die Männer erleben unvorstellbare Grauen und Demütigungen. Und doch findet Pete einen Weg seinem Land weiterhin zu dienen. Durch diesen umfangreichen Teil des Buchs versteht der Leser besser, was für ein Mensch Pete ist. Aber der Einschub ist zu lang, denn der Leser kommt der Auflösung der aufgeworfenen Rätsel nicht näher.

Der dritte Teil führt den Leser zurück in die Zeit nach dem Tod Petes. Seine zwei liebenswerten Kinder, beides junge Erwachsene, haben nicht nur ihren Vater verloren. Durch Petes Tat stehen sie in Gefahr ihr Zuhause und alles, was ihnen lieb ist, zu verlieren. Und dann endlich, auf den allerletzten Seiten des Buchs wird das große Rätsel gelöst. Wer bis dahin mitgefiebert hat, wird vermutlich vom Ende enttäuscht sein. Die Spannung wurde solange aufrechterhalten, mit nur sehr wenigen Hinweisen auf den Ausgang. Danach wäre eine ausgefallenere Auflösung befriedigender gewesen.

Fazit: Ein wenig Justiz-Thriller, ein wenig Kriegsdrama, und ein wenig Familiensaga; eine ungewohnte Mischung. Wie immer bei Grisham, ist dieses Buch gutgeschrieben, mit sympathischen Charakteren. Stellenweise lässt die Spannung nach und die Auflösung enttäuscht, aber trotzdem ist es ein Buch, das man gerne liest.