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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.05.2018

Guter Stil mit überzeugendem Plot!

Krokodilwächter
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Meine Meinung zu diesem Thriller, den ich anfänglich für einen Krimi hielt, schwankte während des Lesens enorm. Die ersten 100 Seiten waren gut mit dem Gedanken: Ist wohl eher ein Krimi? Dann kamen 150 ...

Meine Meinung zu diesem Thriller, den ich anfänglich für einen Krimi hielt, schwankte während des Lesens enorm. Die ersten 100 Seiten waren gut mit dem Gedanken: Ist wohl eher ein Krimi? Dann kamen 150 Seiten die ich als etwas lahm und schleppend empfand.
Und dann nach 250 Seiten war irgendwie klar warum das Label Thriller doch irgendwie besser passt und die Spannung nahm Fahrt auf. Es hatte mich dann doch gepackt!
Das reizvolle an „Krokodilwächter“ ist neben dem finalen Plot, vor allem der niveauvolle Schreibstil. Die dänische Schauspielerin Katrine Engberg mit der eigenen persönlichen Vorliebe für Krimis, hat keinen reißerischen Schreibstil, eher eine sehr frische und offene Art zu berichten. Die Figuren werden mit viel Tiefe beschrieben. Katrine Engberg schafft es mit einer Art „Zoom in“ und „Zoom out“ das Bild auf Details zu fokussieren. Beispielsweise findet ein Krümel auf der Bluse der Kommissarin Anette Werner, den sie während des Sprechens wegwischt Erwähnung. Inhaltlich bietet das Detail keinen Mehrwert, aber es bringt die menschliche Seite zur Geltung. Diese „zoom in & zoom out-Technik zieht sich durch den gesamten Roman.
Zum Inhalt nur wenig, damit nichts vorweg genommen wird: Julie, eine junge Frau neu in Kopenhagen wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden und zunächst sind die beiden ermittelten Jeppe Koerner und Anette Werner ratlos wer dahinter steckt.
Thriller aus Skandinavien könnte den ein oder andere Leser abschrecken durch Erfahrungen mit anderen Autoren, aber es ist verhältnismäßig unblutig, trotzdem spannend und packend: eine gelungene Gradwanderung!
Kopenhagen kommt übrigens auch sehr detailliert vor mit Straßen- sowie Parkangaben. Wer die Stadt kennt, wird sich freuen!
Ich behalte die Autorin mit ihrem Ermittlerduo im Auge und werde definitiv den nächsten Fall auch lesen.

Fazit: Für alle die gerne Krimis lesen und ein Schlag obendrauf vertragen und, natürlich, Kopenhagen-Fans bzw -Reisende!

Veröffentlicht am 21.10.2016

Wie kann die Liebe die Politik überwinden?

Wir sehen uns am Meer
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„Gegenwärtig und vorrübergehend wie das Leben, vergänglich wie das alles hier.“(S. 184)

Der neue Roman von Dorit Rabinyan „Wir sehen uns am Meer“ ist eine melancholische Liebesgeschichte, die einem langwierigen ...

„Gegenwärtig und vorrübergehend wie das Leben, vergänglich wie das alles hier.“(S. 184)

Der neue Roman von Dorit Rabinyan „Wir sehen uns am Meer“ ist eine melancholische Liebesgeschichte, die einem langwierigen politischen Konflikt zum Opfer fällt. Wir befinden uns im Jahr 2003 in New York City. Die Israelin Liat lebt vorrübergehend in der Stadt und hütet die Wohnung von Freunden so lange diese durch Asien tingeln. Durch einen Zufall lernt sie den palästinensischen Künstler Chilmi kenne und beide verlieben sich ineinander.

Der erste Teil des Romans „Herbst“ ist die Kennenlerngeschichte der beiden, wie sie sich verlieben und wie die beiden sich nahe kommen.

Im zweiten Teil lebt man praktisch mit ihnen und erlebt einen sehr kalten Winter in New York und ist hautnahe bei allen Konflikten dabei die ihre Identitäten mit sich bringen. Diese innere Zerrissenheit, vor allem der Israelin, ist sehr gut beschrieben. Sie liebt Chilmi und andererseits ist sie ihrem Volk stärker verbunden als sie annahm. Man merkt wie die Prägung sich, auch so weit weg von der Heimat, nicht verleugnen lassen kann. Bei Chilmi spürt man förmlich den Starrsinn seiner Ideen.
„Warum mussten ausgerechnet wir beide, die wir uns doch so nahe waren und uns liebten, immer wieder dort scheitern, wo die ganze Welt seit Jahren ebenfalls scheitert?“ (S.213)Der dritte und abschließende Teil „Sommer“ erläutert den Beginn der Rückkehr von Liat nach Israel und wie die Geschichte zwischen den beiden weiter geht.
Sehr gut an dem Roman finde ich die Diskussionen zur Lösungen des Nahostkonflikts aus solch persönlichen Perspektiven. Eine gute Ergänzung zum sonst so sachlich Thema aus unserer mitteleuropäischen Sicht.

Dorit Rabinyan beschreibt sehr detailliert was vor sich geht. Der Roman ist eher prosaisch mit weniger wörtlicher Rede. Für mich persönlich ergeben sich dadurch an der ein und anderen Stellen zu lange beschreibende Passagen, die ich als langwierig empfand. Es ist aber zugleich sehr poetisch zum eintauchen und entschleunigen. Wie in diesem Beispiel deutlich wird: „…ich [empfinde] den gleichen seltsamen Widerspruch von Vertrautheit und Fremdheit, von Schuld und Betrug, von leicht anrüchiger Heimlichkeit“ S. 209

Fazit: Es ist eine Liebesgeschichte, aber bei weitem keine romantische Frauengeschichte. Der Roman spricht sicherlich eher Frauen an, aber es ist weder kitschig, noch romantisch noch sonst irgendwie gefühlsduselig. Der Roman ist ein gutes Stück Literatur! Es ist eher wie ein Unfall den man beobachtet und man weiß von Anfang an da kracht gleich was gegen die Wand, aber leise, fast unhörbar knackt es und bricht.

Veröffentlicht am 03.03.2026

Liebe, Blut und Filmzitate – Wenn RomCom auf Slasher trifft

A Killer Crush
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Mit ihrem Debüt A Killer Crush wagt Shailee Thompson etwas, das zunächst wie ein Drahtseilakt wirkt: eine romantische Komödie mit den Regeln eines Slasherfilms zu verschmelzen. Überraschenderweise funktioniert ...

Mit ihrem Debüt A Killer Crush wagt Shailee Thompson etwas, das zunächst wie ein Drahtseilakt wirkt: eine romantische Komödie mit den Regeln eines Slasherfilms zu verschmelzen. Überraschenderweise funktioniert genau dieser wilde Genre-Mix erstaunlich gut – und sorgt für einen Roman, der gleichermaßen schmunzeln lässt wie nervös die Seiten umblättern.
Im Mittelpunkt steht Jamie, die ausgerechnet über die Parallelen zwischen RomComs und Slasherfilmen promoviert. Eine herrlich nerdige Ausgangsidee – und eine, die plötzlich erschreckend real wird, als ein scheinbar harmloses Speed-Dating in einer alten Club-Location in Chaos, Panik und Mord umschlägt. Plötzlich steckt Jamie selbst mitten in der Art Geschichte, die sie sonst nur analysiert. Eingesperrt mit Fremden, einem Killer im Gebäude – und zwei potenziellen Love Interests, die ihr Herz ebenso durcheinanderbringen wie die Situation.
Was mir besonders gefallen hat, ist der Ton des Romans. Der Schreibstil ist lebendig, humorvoll und sehr dialoggetrieben. Die Kapitel beginnen jeweils mit leicht verfremdeten Filmzitaten – ein kleines Spiel, das beim Lesen richtig Spaß macht. Gleichzeitig kommentiert Jamie immer wieder das Geschehen mit ihrem Wissen über Genre-Regeln, was der Geschichte eine ironische Meta-Ebene verleiht. Man merkt: Die Autorin kennt ihre Filmklischees – und nutzt sie bewusst.
Der Plot selbst ist schnell, teilweise fast atemlos. Kaum hat das Speed-Dating begonnen, kippt die Atmosphäre in Richtung Horror. Von da an wechseln sich Spannung, Chaos, Flirts, Misstrauen und blutige Szenen ab. Ich konnte wirklich gut miträtseln, wer hinter den Morden steckt, und hatte mehrfach Momente, in denen ich dachte: „Okay, jetzt wird’s ernst.“ Gleichzeitig bleibt der Roman erstaunlich leichtfüßig – selbst mitten im Gemetzel blitzen Humor und romantische Dynamik auf.
Natürlich sollte man keinen strengen Realismus erwarten. Manche Situationen wirken überdreht, und die Figuren – abgesehen von Jamie und ihrer besten Freundin – bleiben teilweise eher skizzenhaft. Aber ehrlich gesagt passt das ziemlich gut zu der Idee hinter dem Buch. Slasher und RomComs leben schließlich beide von bestimmten Mustern, Tempo und Unterhaltung – und genau das liefert der Roman.
Besonders gelungen fand ich, wie Spannung und Romantik parallel aufgebaut werden. Während die Gruppe ums Überleben kämpft, entstehen trotzdem diese typischen „Meet-Cute“-Momente, die fast absurd wirken – aber genau dadurch charmant sind. Und obwohl ich nicht jede Filmreferenz erkannt habe, hat das den Lesespaß nicht geschmälert.
Unterm Strich ist das ein Buch, das weniger durch Tiefe als durch Energie überzeugt. Es ist blutig, witzig, manchmal herrlich absurd – und einfach sehr unterhaltsam. Für mich eine wirklich originelle Mischung, die ich so noch nicht gelesen habe.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

ein atmosphärischer Auftakt mit kleinen Rissen

House of Blight
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Mit House of Blight eröffnet Maxym M. Martineau ihre Threadmender-Chroniken und wirft uns direkt in eine Welt, in der Heilung ebenso gefährlich ist wie die Krankheit selbst. Eine junge Frau, die Leben ...

Mit House of Blight eröffnet Maxym M. Martineau ihre Threadmender-Chroniken und wirft uns direkt in eine Welt, in der Heilung ebenso gefährlich ist wie die Krankheit selbst. Eine junge Frau, die Leben retten kann – aber möglicherweise mit ihrer eigenen Lebenszeit bezahlt. Das sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für moralische Fragen, die die Geschichte immer wieder begleiten.
Im Zentrum steht Edira, die gezwungen ist, ihre verborgene Gabe einzusetzen, als ihre Brüder von einer tödlichen Seuche befallen werden. Doch kaum zeigt sie, was sie kann, gerät sie ins Blickfeld der rätselhaften Familie Fernglove. Ihr prachtvolles Anwesen wirkt nach außen glänzend, doch darunter liegt eine Atmosphäre aus Misstrauen, Machtspielen und unausgesprochenen Drohungen. Genau dieses düstere Setting – fast wie ein magisches, leicht unheimliches Herrenhaus voller Geheimnisse – gehört für mich zu den größten Stärken des Romans.
Martineaus Stil liest sich sehr flüssig und ist angenehm zugänglich. Besonders die Beschreibungen der Orte haben mir gefallen: Man spürt förmlich die dunklen Flure, die Spannung zwischen den Figuren und diese unterschwellige Gefahr, die über allem liegt. Es gibt viele Szenen, die fast märchenhaft wirken, während gleichzeitig ein leicht gothischer Ton mitschwingt.
Allerdings hatte ich das Gefühl, dass sich der Rhythmus des Buches im Verlauf verändert. Am Anfang konnte ich noch richtig in die Geschichte eintauchen und bin durch die Seiten geflogen. Doch je mehr Figuren und Konflikte dazukommen – vor allem rund um die Beziehungen und das entstehende Gefühlsdreieck – desto gehetzter wirkte die Handlung auf mich. Einige wichtige Entwicklungen passieren plötzlich sehr schnell, obwohl sie eigentlich mehr Raum verdient hätten.
Das Buch spielt viel mit Andeutungen und kleinen Hinweisen. Wer gerne versucht, Geheimnisse Stück für Stück zusammenzusetzen, wird hier definitiv Spaß haben.
Die Welt und das Magiesystem haben großes Potenzial. Die Idee der Threadmender, der Seuche und der Machtstrukturen innerhalb der Familie Fernglove fand ich wirklich faszinierend. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass diese Aspekte noch stärker ausgearbeitet werden – gerade die Hintergründe der Seuche bleiben teilweise etwas im Schatten.
Das Finale liefert einige Antworten, lässt aber gleichzeitig genug offen, um neugierig auf die Fortsetzung zu machen. Es fühlt sich weniger wie ein harter Cliffhanger an, sondern eher wie ein Versprechen: Die eigentliche Geschichte könnte gerade erst beginnen.
Fazit: House of Blight startet mit einer starken Idee, einer atmosphärischen Welt und einem sehr angenehm lesbaren Stil. Gleichzeitig fehlt es stellenweise an Tiefe bei den Figuren und an Ruhe für wichtige Entwicklungen. Trotzdem hat mich die Geschichte gut unterhalten – besonders wegen der düsteren Stimmung, der Intrigen und des spannenden Magiekonzepts.
⭐ 3,5 von 5 Sternen
Ein vielversprechender Reihenauftakt mit starker Atmosphäre – und der Hoffnung, dass der nächste Band noch mehr aus dieser Welt herausholt.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Wie findet man zurück ins Leben, wenn alles verschwunden scheint?

Lass uns noch bleiben
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Manchmal reicht schon ein einziger Straßenzug in Kreuzberg, um ein Gefühl von Zuhause wachzurufen – genau so erging es mir mit diesem Buch. Saskia Luka fängt diese besondere Mischung aus urbanem Chaos ...

Manchmal reicht schon ein einziger Straßenzug in Kreuzberg, um ein Gefühl von Zuhause wachzurufen – genau so erging es mir mit diesem Buch. Saskia Luka fängt diese besondere Mischung aus urbanem Chaos und stillen Rückzugsorten so zart ein, dass ich mich sofort wieder zwischen Mehringdamm und Planufer wähnte. Und mittendrin Anna, deren kleines Pflanzenrefugium wie ein grünes Herz im Asphalt schlägt.
Ihr Leben ist ins Wanken geraten, seit ihre Freundin einfach verschwunden ist – ohne Nachricht, ohne Anker, ohne Erklärung. Während draußen das Kiezleben weiterflirrt, zieht Anna sich zurück in ihr Grün, in Töpfe und Triebe, in dieses sanfte Chaos aus Erde und Hoffnung. Es ist ein stilles, verletzliches Anfangskapitel, das wunderbar zeigt, wie man sich an die Dinge klammert, die noch nicht zerbrochen sind.
Was mich sofort berührt hat, war diese liebevolle Nachbarschaftsdynamik. Henning mit seinem Antiquariat – ein Mann, der alte Bücher behandelt, als wären sie scheue Tiere – bietet eine Wärme, die nicht künstlich wirkt, sondern wie echter Kiezalltag: Menschen, die sich nicht aufdrängen und doch da sind, wenn’s dunkel wird.
Und dann wirbelt Alex hinein, so spontan, lebendig und herrlich unberechenbar, dass Anna gar nicht anders kann, als ein kleines Stück aufzutauen. Die beiden brechen schließlich gemeinsam auf, um nach der verschwundenen Freundin zu suchen – eine Reise, die ich viel sanfter, überraschender und emotionaler fand, als ich es erwartet hätte. Kein Roadmovie, eher ein vorsichtiges Wieder-zum-Leben-Finden.
Was diesen Roman für mich so besonders macht, ist seine stille Kraft. Die Geschichte rauscht nicht, sie drängt nicht – sie tastet sich vorwärts. Manchmal langsam, fast zögerlich, aber immer poetisch, warm und mit einem Blick für die kleinen Momente, die man im echten Leben so oft übersieht. Wer Tempo und Drama sucht, landet hier vermutlich nicht im richtigen Regal. Wer aber Geschichten mag, die einen leise anschubsen, statt laut zu rütteln, wird sich wunderbar aufgehoben fühlen.
Für mich ist Lass uns noch bleiben ein Buch, das wie ein Nachmittag auf einem Kreuzberger Balkon wirkt: Ganz unspektakulär – und trotzdem bleibt etwas im Herzen hängen. Eine sanfte Geschichte über Verlust, neue Wege und darüber, wie ein einzelner Mensch reichen kann, um wieder Licht ins eigene Leben zu tragen.

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