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Veröffentlicht am 05.06.2019

Anfangs unterhaltsam, aber .....

Schatz, wir werden reich! (vielleicht)
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„Ein einfallreiches Paar lässt uns humorvoll an seinen Anläufen zum großen Geld teilhaben – mit 20 verschiedenen Methoden, die alle den großen Geldregen versprechen....“

Dieses Zitat aus der Buchbeschreibung ...

„Ein einfallreiches Paar lässt uns humorvoll an seinen Anläufen zum großen Geld teilhaben – mit 20 verschiedenen Methoden, die alle den großen Geldregen versprechen....“

Dieses Zitat aus der Buchbeschreibung fasst eigentlich am Besten zusammen, was uns in diesem Buch erwartet.

Zu Beginn, ich würde sagen, während der ersten Hälfte,t ist wirklich äußerst unterhaltsam und amüsant. Mit welcher Beharrlichkeit und Naivität die beiden Autoren jede Methode, die verspricht reich zu machen, verfolgen ist schon bemerkenswert. Dabei weiß man meist schon beim ersten Satz über die auszuprobierende Methode, dass das garantiert nicht erfolgversprechend ist, aber es ist köstlich Christine und Gideon bei ihren Feldversuchen zu begleiten.

Beide sind so alltäglich und normal in ihrer Vorgehensweise, dass man sich in ihnen immer wieder selber wiederfindet. „Es dauert also einen Tag, bis wir in Schubladen, Ordnern und alten Kisten die wichtigsten Unterlagen entdeckt haben, die unsere regelmäßigen Ausgaben dokumentieren.“ Dieser Hinweis könnte auch aus meiner Familie stammen.

Interessant war für mich der Besuch des Frankfurter Börsenparketts. Die Informationen waren für mich genauso neu und unverständlichen (definitiv gibt es keinen Handel mehr auf dem Börsenparkett) wie für Gideon.

Lehrreich war auch der Besuch des Geldmuseums.

Gegen Mitte des Buches wechselte die Stimmung aber immer mehr vom Unterhaltsamen ins Lehrreiche und Theoretische. Die Messe für Finanzen und Geldanlage verdeutlichte zwar den Irrsinn mit dem um Anleger geworben wird. Die Informationen über Anlageberatung bei Anleihen waren zwar informativ, aber auch belehrend und weniger unterhaltsam.

Fazit: Gute Idee, guter unterhaltsamer und amüsanter Anfang, aber dann verlor sich der Humor in einer Informationsflut, in der er hin und wieder aufflackerte, aber nie mehr dominierte.

Veröffentlicht am 30.05.2019

Unerwartet

Mine | Erotischer SM-Roman
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Dr. Jonathan Campling, Jahrgang 1974, Vorstandsvorsitzender der MRS-Holding, will keine Beziehungen eingehen. Seinen Durst nach körperlicher Befriedigung stillt er bei jungen, ästhetischen Frauen aus entsprechenden ...

Dr. Jonathan Campling, Jahrgang 1974, Vorstandsvorsitzender der MRS-Holding, will keine Beziehungen eingehen. Seinen Durst nach körperlicher Befriedigung stillt er bei jungen, ästhetischen Frauen aus entsprechenden Etablissements, die er bei Bedarf bestellt. Er lebt allein in einem riesigen mit allen Annehmlichkeiten bestückten Penthouse-Appartement, seinem Reich über der Stadt.
Auf einem seiner Streifzüge begegnet ihm Isabelle, jung, mittellos, ohne Wohnung. Sie versucht ihr künftiges Studium durch Prostitution zu finanzieren. Jonathan wäre ihr erster Kunde. Noch ist sie Jungfrau.
Dieses Zusammentreffen ändert beider Leben.


Dieser Roman hat mich schon überrascht. Ich hatte wegen der 2. Netgalley-Challange ein Buch aus einem mir fremden Genre angefragt, aber ich hatte ganz andere Vorstellungen.

Nach anfänglicher Erleichterung darüber, dass sich im Buch nicht eine Sexszene an die andere reiht, fielen mir aber die ständigen, gebetsmühlenartigen Wiederholungen von Isabelles Kindheit auf.

Mir scheint, mehr als die Hälfte des Romans beinhaltet eh schon die Lebensläufe beider Protagonisten. Prinzipiell finde ich es sehr interessant, verfolgen zu können, wie es zu bestimmten Situationen oder auch wie in diesem Fall zu einem bestimmten Vertrag kommen konnte, aber wenn die Beteiligten darüber ständig reflektieren müssen, will ich das nicht unbedingt immer wieder lesen.

Die Sexszenen sind für mich als 62-jährige, nicht prüde Leserin angenehm zu lesen. Sie sind plastisch, aber bis auf ein, zwei Ausnahmen, nicht übermäßig krass beschrieben und beleuchten sehr viel der Gefühlswelt der Beiden.

Im Mittelteil beginnt ein längerer philosophischer Diskurs, der sicherlich ungewöhnlich für ein Buch mit erotischer SM-Thematik ist. Laut Impressum verarbeitet Myriam Brixton in ihren Büchern zum Teil ihre eigenen Erlebnisse, was die philosophische Aufbereitung der Beziehung zueinander sicher begründet.

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht so recht, wie ich diesen Roman bewerten soll. Ich kann anmerken, dass ich den Roman bis zum überraschenden Ende gelesen habe. Ich fühlte mich unterhalten. Ich habe über einige widerliche Sexszenen gelesen, die die Protagonisten auch widerlich und erschreckend erlebten. Durch den philosophischen Teil konnte ich das Gefühlsgemenge der Beiden etwas genauer betrachten und nachvollziehen.

Aber an einen erotischen SM-Roman hatte ich andere Erwartungen.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Ein ruhiger und beschaulicher Krimi

Nachts schweigt das Meer
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Detective Inspector Benesek Kitto, 34, Polizei London, zieht sich auf Bryher, der Insel seiner Kindheit zurück. Er braucht eine Auszeit um Entscheidungen über seine berufliche Zukunft zu treffen. Bryher ...

Detective Inspector Benesek Kitto, 34, Polizei London, zieht sich auf Bryher, der Insel seiner Kindheit zurück. Er braucht eine Auszeit um Entscheidungen über seine berufliche Zukunft zu treffen. Bryher ist die kleinste der Scilly-Inseln vor der Küste Cornwalls. Auf dieser Insel kennt jeder jeden und Kitto wird mit offenen Armen von den Bewohnern empfangen.
Am Tag seiner Ankunft geschieht aber das Unvorstellbare, ein junges Mädchen, Laura Trescothicks, wird vermisst. Einige Tage später wird ihre Leiche in einer Bucht angeschwemmt.
Kittos Auszeit ist beendet. Er muss einen Mörder unter den ihm sehr vertrauten Inselbewohnern ermitteln.

Wie bereits im Titel erwähnt empfinde ich den Krimi ruhig und beschaulich. Mir war er etwas zu beschaulich.
Er wird größtenteils aus der Perspektive des ermittelnden und mit seinen Gefühlen kämpfenden Detective Kitto erzählt. Auf mich wirkt er verunsichert und verzagt. Er mag nicht bei seinen ehemaligen Schulfreunden und Nachbarn ermitteln. Die Befragten schweigen wahlweise, lügen oder verheimlichen die Wahrheit egal ob sie in Kitto einen Sohn der Insel sehen oder nur den Polizisten. Ich hatte oft den Eindruck, dass er nicht richtig nachhakt und sich nur im Kreis dreht.
Zielstrebig steuert er aber auf Nina Jackson zu. Sie sucht genau wie er Ruhe und Neuorientierung. Ich finde, sie lenkt unnötig ab.
Kate Penrose hat viel Naturbeschreibung und Insel-Feeling in diesen Krimi gepackt. Wären nicht zwei Morde, Häusliche Gewalt und Drogenschmuggel thematisiert worden, hätte ich das Gefühl gehabt einen Rosamunde Pilcher Roman zu lesen.

Schlussendlich fühlte ich mich von diesem Buch gut unterhalten, aber für einen Krimi fehlte mir doch die Spannung.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Düsteres und brutales Stockholm in 1793

1793
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Klappentext:
Stockholm im Jahr 1793: Ein verstümmeltes Bündel treibt in der schlammigen Stadtkloake. Es sind die Überreste eines Menschen, fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Ruf nach Gerechtigkeit ...

Klappentext:
Stockholm im Jahr 1793: Ein verstümmeltes Bündel treibt in der schlammigen Stadtkloake. Es sind die Überreste eines Menschen, fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Ruf nach Gerechtigkeit spornt zwei Ermittler an, diesen grausamen Fund aufzuklären: den Juristen Cecil Winge, genialer als Sherlock Holmes und bei der Stockholmer Polizei für »besondere Verbrechen« zuständig, und Jean Michael Cardell, einen traumatisierten Veteranen mit einem Holzarm. Schon bald finden sie heraus, dass das Opfer mit chirurgischer Präzision gefoltert wurde, doch das ist nur einer von vielen Abgründen, die auf sie warten …


Ich liebe gut recherchierte Historische Romane. Neben den geschichtlichen Hintergrund werden dem Leser die Lebensbedingungen einer längst vergangenen Zeit vor Augen geführt. Aber auf das Jahr 1793 in Stockholm war ich nicht vorbereitet.

Auf 496 Seiten eröffnet sich uns ein düsteres, brutales, eiterndes und alkoholgeschwängertes Szenario.

In einem nach Kloake und giftigen Substanzen stinkendem Gewässer wird eine grausam zerstückelte Leiche gefunden. Alle Gliedmaßen sind dem Mann im lebenden Zustand entfernt worden. Er hat keine Augen und keine Zunge. In diesem außergewöhnlichen Mordfall ermitteln ein todkranker Jurist und ein traumatisierter Kriegsveteran. Ich hatte große Schwierigkeiten das nachzuvollziehen.

Bei soviel Brutalität, Schmutz und krankhaftem Verhalten musste ich Pausen einlegen um das Buch zu Ende lesen zu können.

Niklas Natt och Dag hat lange Zeit umfangreich recherchiert um die Ereignisse so wahrheitsgetreu wie möglich beschreiben zu können. Er hat detailverliebt Wetterbedingungen, Kleidung, Atmosphäre in den Unterkünften und Schänken, Moralvorstellungen, Gerichtsbarkeit, Mimik und Gedankengänge der einzelnen Protagonisten und Gerüche geschildert, beleuchtet und so gut erklärt, dass ich das Buch einfach zu Ende lesen musste. Jetzt weiß ich, wie sich das Leben in Stockholm im Jahre 1793 anfühlte.

Der Kriminalfall zog sich mit einem großen Spannungsbogen durch den ganzen Historischen Roman, hat mich aber leider nicht überzeugt. Beide ermittelnden Protagonisten waren für mich nicht glaubwürdig.



Zum Autor:

Niklas Natt och Dag, geboren 1979, arbeitet als freier Journalist in Stockholm. Der Spiegel-Bestsellerautor entstammt der ältesten Adelsfamilie Schwedens. Nicht zuletzt deshalb hat er eine besondere Verbindung zur schwedischen Geschichte. Sein historischer Kriminalroman »1793« wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt. Wenn er nicht schreibt oder liest, spielt er Gitarre, Mandoline, Geige oder die japanische Bambuslängsflöte Shakuhachi.
(der Piper-Autoren-Biographie entnommen)

Veröffentlicht am 17.04.2019

Spätfolgen

Blutmond
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Alpha Bartholdy, Modezar und Fashionpapst, ist auf unvorstellbar grausame Weise ermordet worden. Während oder im Anschluss an einer Szeneparty wurde er mit Abflussreiniger vergiftet. Keiner hat es gesehen, ...

Alpha Bartholdy, Modezar und Fashionpapst, ist auf unvorstellbar grausame Weise ermordet worden. Während oder im Anschluss an einer Szeneparty wurde er mit Abflussreiniger vergiftet. Keiner hat es gesehen, keiner hat bemerkt, dass es Alpha schlecht ging und keiner hat gesehen wann, wie und mit wem Alpha die Party verlassen hat.
Das Ermittlerteam um Jeppe Korner tut sich schwer Verdächtige und vor allem ein Motiv zu finden.
Einen Tag, eine Party später wird auf dieselbe Art und Weise ein Mordanschlag auf die Sängerin Christel Toft verübt.
Wie hängen die beiden Anschläge zusammen? Wo ist das Motiv?



Eigentlich hatte ich aufgrund der Leseprobe und der Mode-Szene, in der der Mord geschah, mehr Ermittlungen und Backstage-Szenen aus der Modebranche und Laufsteg-Atmosphäre erwartet. Stattdessen konnten wir großen Anteil am privaten Liebeschaos und Gesundheitsproblemen des Ermittlerteams nehmen.
Während einer Krimireihe ist es interessant mehr Privates von den Ermittlern zu erfahren, aber Krimihandlung und Privatleben sollten schon in einem ausgewogenen Verhältnis sein. War hier meiner Meinung nach nicht der Fall.
Ich hätte mir mehr Fashion-Atmosphäre gewünscht. Neid, Hass und falscher Ehrgeiz hinter der Fassade der glitzernden Modewelt. Missgunst, Lügen und Angeber-Tiraden wären möglich gewesen. Stattdessen hatte ich den Eindruck, dass die Ermittler mit allem Möglichen beschäftigt und abgelenkt waren.
Hätten nicht Ester und Gregers unverdrossen in eine Richtung, ihrem Bauchgefühl folgend, recherchiert, wäre es langweilig geworden.
Das halbwegs offene Ende ist ein klares Zeichen, dass es weitergehen wird mit Jeppe, Anette, Sara, Thomas, Ester und Gregers.
Trotz einiger Mängel in diesem Krimi freue ich mich auf eine Fortsetzung. Die einzelnen Charaktere sind liebevoll und ausführlich ausgearbeitet und ich glaube, jedem Leser ans Herz gewachsen.