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Veröffentlicht am 04.06.2019

Behördenwillkür gegenüber Unmündigen

Die verlorene Schwester
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Anna Volkmann ist die Hauptperson in dem Buch DieVerloreneSchwester. Sie lebt in Zürich in einer Bank, ist nicht verheiratet und ohne festen Freund. Ihre Mutter ist Witwe und wohnt in Konstanz. Sie ruft ...

Anna Volkmann ist die Hauptperson in dem Buch

DieVerloreneSchwester. Sie lebt in Zürich in einer Bank, ist nicht verheiratet und ohne festen Freund. Ihre Mutter ist Witwe und wohnt in Konstanz. Sie ruft eines Tages an. Die Mutter hatte einen Unfall und bittet Anna um Hilfe. Das lässt Anna sich nicht zweimal sagen und fährt in ihr Elternhaus. Nach einem Telefonat mit ihrer Mutter sucht sie nach einer Versicherungspolice zu einer Unfallversicherung. Dabei macht sie eine für sie selber schlimme Entdeckung: Sie ist nicht das leibliche Kind ihrer Eltern, sondern sie wurde adoptiert. Verstört und fassungslos will sie darüber mit ihrer Mutter sprechen. Die kann und will ihr nicht viel dazu sagen. Anna muss für sich selbst Klarheit haben und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.

Das Buch

DieVerloreneSchwester berichtet die Geschichte in zwei unterschiedlichen Zeiten und mit verschiedenen Personen. Das ist zum Einen im Jahr 2008, wo Anna die Entdeckung macht und ihre leibliche Mutter sucht. Zum Anderen ist es die Zeit zwischen 1969 und 1974, wo vom Schicksal von Lena und Marie, zwei „Verdingkindern“ erzählt wird. Die beiden sind Schwestern und lebten bei ihrer Mutter. Nach dem Tod des Vaters litt diese an schweren Depressionen und die Nachbarschaft machte sich „Sorgen“, dass die beiden Mädchen verwahrlosen. Das Jugendamt wurde eingeschaltet und Lena und Marie kamen in ein Heim und später dann als Verdingkinder zu fremden Familien. Sie wurden getrennt und beide wussten nichts mehr voneinander.

Verdingkinder gab es in der Schweiz bis etwa 1980. Dieses dunkle Kapitel des Landes wird dort nicht gerne berührt und Betroffene kämpfen heute noch um Anerkennung ihres Leides. Guilette Geiger war eine von ihnen und setzt sich noch immer für die Belange der traumatisierten Menschen ein. Unbegreiflich aber wahr: Die Regierung der Schweiz sah es erst im Jahr 2013 als notwendig an, sich bei den Kindern zu entschuldigen.

Das Frauengefängnis Hindelbank spielt in

DieVerloreneSchwester ebenfalls eine Rolle. Hier kamen junge Frauen hin, die „schwer erziehbar“ waren oder einen „lasterhaften Lebenswandel“ führten. Das Urteil über sie wurde ohne Prozess gefällt und sie hatten niemals die Möglichkeit, sich zu verteidigen.

DieVerloreneSchwester ist ein Buch, welches ich auch als Mahnung für Mitarbeiter von Behörden, wie etwa dem Jugendamt betrachte. Die Willkür dieser Mitarbeiter von öffentlichen Ämter ist teilweise noch immer haarsträubend. Das Buch hat einige Längen und die Liebesgeschichte von Anna passt meiner Meinung nach in dieser Ausführlichkeit nicht dazu. Da hätte die Autorin lieber ein wenig mehr über Guilette Geiger oder das Haus Hindelbank schreiben können. Das Ende war mir persönlich zu abrupt. Das Thema ist aber gut recherchiert und daher gebe ich auch eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Sauerbruch und der Widerstand

Die Spionin der Charité
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Die Spionin der Charité ist wieder ein gelungener Roman des Autors Christian Hardinghaus. Als Historiker befasst er sich eingehend mit der Zeit um den 2. Weltkrieg und schon das Buch Ein Held dunkler Zeit ...

Die Spionin der Charité ist wieder ein gelungener Roman des Autors Christian Hardinghaus. Als Historiker befasst er sich eingehend mit der Zeit um den 2. Weltkrieg und schon das Buch Ein Held dunkler Zeit zeugte von akribischer Recherche.

Lily Hartmann ist eine junge Frau, die mit ihren Eltern in Danzig wohnt. Als Krankenschwester zieht es sie nach Berlin und hier an das renommierte Krankenhaus, die Charité. Dort ist Dr. Sauerbruch Chefarzt und stellt Lily als seine private Sekretärin ein. Sie lernt ihn als sympathischen und geradlinigen Menschen kennen, der nichts von den Machenschaften Hitlers und seiner Anhänger hält.

Lily Hartmann lernt hier auch den Professor und Leiter der psychiatrischen Station kennen. Sie ist naiv und fällt zunächst auf sein Werben herein. Glücklicherweise merkt sie bald, dass er ein Playboy ist. Und nicht nur das. Er ist der Meinung, dass lebensunwertes Leben zu beenden ist und handelt strikt danach. Lily kommt zufällig dahinter, wie dieses Ende aussieht und ist entsetzt. Es dauert nicht lange, bis sie sich einer kleinen Gruppe anschließt, die dem Hitlerregime Widerstand bietet.

Die Spionin der Charité zeigt einmal mehr, dass Sauerbruch von einigen Menschen falsch eingeschätzt wurde. Nein, er war kein Anhänger der Nazis. Das Gegenteil ist der Fall. Und es gab damals etliche mutige Menschen, die sich im Widerstand zusammenschlossen. Schlimm fand ich den Bericht von Lily, der von der Zeit nach dem Krieg handelt. Dass Verbrecher wenn überhaupt nur lapidar bestraft wurden und Menschen, die gegen das damalige Regime kämpften alleine gelassen wurden.

Das Töten von Behinderten gehörte zu Hitlers Plan, eine gesunde Rasse zu „züchten“. Behinderte Kinder und ältere Menschen wurden oft nicht sofort getötet. Sie wurden ebenfalls als Versuchsobjekte für neue Medikamente missbraucht. Es war eine schreckliche Zeit und es ist gut, dass es Autoren wie Herrn Hardinghaus gibt. Auch Die Spionin der Charité ist ein Buch gegen das Vergessen. Und das ist heute wichtiger denn je, dass wir niemals vergessen. Zudem bietet der Roman ein großes Maß an Spannung sowie Berichte über Widerstandskämpfer, die den Tatsachen entsprechen.

Veröffentlicht am 28.05.2019

Gutes Debuet mit Luft nach oben

Jagdtrieb
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Rechtsanwalt Oscar Colossa stirbt und sein Neffe Paul erbt die Kanzlei. Vor seinem Dienstantritt hat er die unschöne Aufgaben, den Weg zur letzten Ruhe des Onkels mitzugehen. Am offenen Grab werden Reden ...

Rechtsanwalt Oscar Colossa stirbt und sein Neffe Paul erbt die Kanzlei. Vor seinem Dienstantritt hat er die unschöne Aufgaben, den Weg zur letzten Ruhe des Onkels mitzugehen. Am offenen Grab werden Reden gehalten und ein Sprecher fängt an und wirft sein Handy in die Grube und auf den Sarg. Viele Teilnehmer machen es ihm nach. Warum das so ist und welche Bedeutung diese Aktion hat, erschließt sich mir nicht. Zumal wenige Tage nach der Beisetzung Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Kanzlei anriefen. Sie forderten Paul auf, endlich das Gebimmel abzustellen, welches dunkel aus dem Grab des Onkels tönt.

Neffe Paul findet sich rasch in den Arbeitsalltag ein und fragt sich, womit Oscar denn tatsächlich sein Geld verdiente. Die langjährige rechte Hand des Verstorbenen klärt ihn auf und Paul ist nicht gerade angenehm überrascht. Ihm bleibt keine Zeit, länger darüber nachzudenken, weil eine Mandantin seine Hilfe braucht. Die äußerst hübsche Maja wendet sich völlig verzweifelt an ihn. Sie würde von einem Stalker verfolgt und hätte sogar Angst um ihr Leben. Paul nimmt sich ihres Falles an und gerät in eine Folge von unvorhersehbaren Abenteuern.

Der Autor schreibt in einem Nebensatz, dass weniger oft mehr ist. Also reden ist Silber und Schweigen Gold. Das hätte er sich meiner Meinung nach auch selber sagen können. Für mich glänzte das Buch mit zu vielen Floskeln und hätte ruhig viele Seiten kürzer sein können. Das Ende versöhnte mich dann aber ein wenig, weil es so für mich nicht vorauszusehen war. Jagdtrieb ist der erste Band einer Reihe, bei der Paul Colossa die Hauptperson ist. Der Autor ist Anwalt und kennt sich mit der Materie bestens aus. Das fällt beim Lesen angenehm auf.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Führt ihr letzter Wunsch ihn zurück ins Leben?

Die Gabe der Liebe
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Nach Der Winter der Wunder ist dies mein zweiter Besuch in der Blossom-Street. Dieses Mal geht es zwar auch um Die Gabe der Liebe, aber der Hintergrund ist ernst. Eine junge Frau, Hannah, stirbt und hinterlässt ...

Nach Der Winter der Wunder ist dies mein zweiter Besuch in der Blossom-Street. Dieses Mal geht es zwar auch um Die Gabe der Liebe, aber der Hintergrund ist ernst. Eine junge Frau, Hannah, stirbt und hinterlässt ihren verzweifelten Mann, Michael. All ihre Träume zerplatzten wie Seifenblasen und auch ein Jahr nach dem Tod sieht Michael kein Licht am Horizont. Kinder haben die beiden auch nicht, da die Krankheit Hannas dieses verhinderte.

Am ersten Jahrestag des Todes wird Michael von seinem Schwager zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Kurz vor dem Abschied gibt dieser ihm einen Brief, den Hannah als letzten Gruß für Michael schrieb. Darin schreibt sie, dass er sich erneut verlieben und sein Leben nicht mit Trauer vergeuden soll. Sie schreibt sogar, welche Frauen sie sich als künftige Partnerinnen Michaels vorstellen kann. Zunächst ist Michael entsetzt und glaubt nicht, dass sein Herz irgendwann einmal frei für eine neue Liebe sein wird.

Gelingt es Michael, den letzten Wunsch seiner toten Frau zu erfüllen? Und noch wichtiger, kann er sich wieder verlieben und eine Zukunft mit dieser neuen Liebe aufbauen? Das ist schwer und Debbie Macomber versteht es wie kaum eine Zweite, diese Schwierigkeiten in Worte zu verpacken. Das macht ihre Bücher so lebendig und realistisch. Es gefiel mir wieder sehr gut, dass ich einen Besuch in der Blossom-Street machen durfte.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Im Dunkeln bist du nie allein
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Im Dunkeln bist du nie allein ist ein Thriller des Autors Andrew Hart. Eine junge Frau wird von ihren Bekannten zu einer Wiedersehensfeier auf die Insel Kreta eingeladen. Hier lernten sich vor 5 Jahren ...

Im Dunkeln bist du nie allein ist ein Thriller des Autors Andrew Hart. Eine junge Frau wird von ihren Bekannten zu einer Wiedersehensfeier auf die Insel Kreta eingeladen. Hier lernten sich vor 5 Jahren diese Frau mit Namen Jan, ihr damaliger Freund Marcus, das Paar Simon und Melissa sowie ein anderes Paar Kristen und Brad kennen. Sie verbrachten eine tolle Woche miteinander und beschlossen damals, dass sie sich in 1999 Tagen auf Kreta wiedersehen. Jan und Marcus müssen mit ihrem Geld haushalten während Simon und Melissa scheinbar im Geld schwimmen, sich alles erlauben können. Das ist eigentlich auch kein Problem. Aber nur eigentlich, weil beide ihren Reichtum zur Schau stellen und ihr Gegenüber damit brüskieren.

Jana lügt ständig und das veranlasste Marcus, sie zu verlassen. Der Grund war ein Erlebnis, welches Marcus erst das Ausmaß von Janas Lügerei vor Augen führte. Auch zu Beginn dieses Aufenthalts auf Kreta und dem Treffen mir ihren Bekannten verstrickt sie sich in Lügen. Gretchen, die ebenfalls an diesem Treffen teilnimmt, weiß das und zeigt es ihr. Doch, woher kennt Gretchen diese Schwäche?

Die Story ist in zwei Stränge aufgeteilt. Zum einen, in kursiver Schrift, wird Jana als Gefangene beschrieben. Ihre Ängste und das langsame Erkennen der Gefahr in der sie schwebt, wird vom Autor authentisch erzählt. Dann ist da noch der andere Strang, der das Zusammensein der Freunde schildert. Wo sie hinfahren, was sie dort erleben und worüber sie sich unterhalten. Dass hierbei sogar noch historische Begebenheiten einfließen, fand ich recht interessant.

Trotz einiger Längen und keiner atemberaubender Spannung gefiel mir Im Dunkeln bist du nie allein. Es zeigt unter anderem, dass Vertrauen die Grundlage jeder Gemeinschaft ist. Aber ebenfalls, dass viel Geld und Angeberei häufig nur Augenwischerei sind und von Problemen ablenken.