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Steffi58

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2019

Starke Erkenntnis

Ein anderer Takt
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Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht ...

Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes.
Fassungslos verfolgen die weißen Bewohner den Exodus. Was bringt Caliban dazu, Sutton von einem Tag auf den anderen zu verlassen? Wer wird jetzt die Felder bestellen? Wie sollen die Weißen reagieren?

Kelleys wiederentdeckter Roman, er erschien bereits 1962 in New York, ist heute ebenso aktuell wie damals. Rassistische Gedanken prägen auch heute noch das Leben vieler Amerikaner, vor allem auf dem Lande und in den kleinen Städten des Südens. Michelle Obama hat das in ihren Buch „Becoming“ klar nachgewiesen.
Das Cover schlicht schwarz/weiß, ist eindrucksvoll gewählt.
Tucker , der vermeintliche Protagonist kommt selbst nicht zu Wort kommt, obwohl der Anstoß des Romans ist und den „Takt“ vorgibt. Nun ändert sich dieser Takt.
Reflektiert wird dieser Taktwechsel durch den Perspektivwechsel , den Kelley verwendet. Aus der jeweiligen Perspektive verschiedener Weißer – ausschließlich Weißer !- beleuchtet er die Ereignisse – eine eindrucksvolle Idee . Ein schwarzer Schriftsteller betrachtet sachlich , aber manchmal auch mit leichtem Spott, die Reaktionen des weißen Amerikas.
Der letzte Teil des Romans rundet den entstandenen Eindruck ab und macht brutal deutlich, welche rassistische Stimmung herrschte und auch heute noch herrscht.
Aber in den Tagebucheintragungen davor (S.267f)erfahren wir eine starke Erkenntnis , die auch unser Leben bestimmen sollte :“Man hat nur eine einzige Chance: wenn man kann und wenn man will. Wenn eins davon fehlt, braucht man’s gar nicht erst zu versuchen. …“

Veröffentlicht am 14.08.2019

Brisantes Südstaatendrama

Verratenes Land
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Ein ziemlich dickes Buch – aber es ist ja auch eine große Aufgabe , die sich der Autor Greg Iles da gestellt hat . Und es gelang ihm schon in der Leseprobe die Themen Macht, Korruption, Mord gut anzureißen. ...

Ein ziemlich dickes Buch – aber es ist ja auch eine große Aufgabe , die sich der Autor Greg Iles da gestellt hat . Und es gelang ihm schon in der Leseprobe die Themen Macht, Korruption, Mord gut anzureißen. Das macht er in einer sehr nüchterne aber anschaulichen Art , teilweise mit lakonischen Einwürfen…
Marshall McEwan kehrt nach fast 30 Jahren wieder in seine Heimatstadt Bienville, Mississippi zurück. Der »Bienville Pokerclub« lenkt wie eh und je alle Vorgänge in Wehe der Stadt. Dieser Zusammenschluss von Reichen und Mächtigen – einer der schon immer bestehen zu scheint – ist der Ausgangsort für Marshalls Nachforschungen. Und der Anlass ist der mysteriöse Tod von Marshalls Ziehvater Buck Ferris. Der Archäologe ist den Mitgliedern des Pokerclubs mit seinen Ausgrabungsplänen ein Dorn im Auge…
Greg Iles gelingt ein eindrückliches Bild der Südstaaten-Atmosphäre zu zeichnen. dabei legt er nicht nur Wert auf die Handlung, sondern auch auf die tolle Landschaft.
Meisterhaft gelingt es ihm auch die Zerrissenheit des Protagonisten darzustellen , der sich schuldig fühlt am Tod seines älteren Bruders. Dabei ist die Ich-Perspektive des Autors gut gewählt und sucht direkte Nähe zum Leser.
Dabei ist das Buch viel mehr als ein Thriller; ein glaubwürdiges Aufzeichnen der Atmosphäre in den Südstaaten und zudem über alle Seiten hinweg spannend.
Ich habe noch keine Bücher der sogenannten Natchez-Trilogie gelesen, aber nach „Verratenes Land“ werde ich das definitiv tun.

Veröffentlicht am 05.06.2019

Ein ungleiches Paar

Wilder Winter
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Hap Collins und Leonard Pine sind Freunde, könnten aber ungleicher nicht sein . Mir gefallen sie gut, ebenso wie Cover und Titel.
„Wilder Winter“ ist nicht der einzige Krimi in der Serie mit den beiden ...

Hap Collins und Leonard Pine sind Freunde, könnten aber ungleicher nicht sein . Mir gefallen sie gut, ebenso wie Cover und Titel.
„Wilder Winter“ ist nicht der einzige Krimi in der Serie mit den beiden Protagonisten Hap & Leonard , ich habe aber noch keine anderen gelesen. das wird sich wahrscheinlich jetzt ändern.
Hap Collins: weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer.
Leonard Pine: schwarz, schwul, Vietnamveteran.
Die beiden Freunde sind dankbar für das Geschäft, das Haps Ex-Frau Trudy ihnen vorschlägt – denn mehr als Gelegenheitsjobs haben sie selbst nicht zu bieten. Aber wie gedacht läuft die Sache schief und ein wilder Winter beginnt.
Der Krimi ist nicht nur spannend und zugleich unterhaltsam. Der schwarze Humor und die Spitzen auf die Gesellschaft sind das wirklich Tolle daran. Der Schreibstil ist außergewöhnlich, selbst Details werden skurril und originell präsentiert. Die Dialoge sind nur so gespickt mit Sticheleien und wirken dennoch sehr authentisch.
Die Beschreibung der Natur der texanischen Moorlandschaft schwächt den Humor ab und trägt zur teilweise bedrohlichen Grundstimmung des Krimis bei.

Der Krimi – der viel mehr als ein Krimi ist -hat eindeutig das Potential zu einer Kultserie.



Veröffentlicht am 31.03.2019

Eine tröstliche Botschaft für uns alle?

Der Wal und das Ende der Welt
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Eines Morgens retten die Bewohner des idyllischen Fischerdorfs St. Piran einen jungen Mann aus dem Wasser. Alle kümmern sich rührend um ihn: der pensionierte Arzt Dr. Books, der Strandgutsammler Kenny ...

Eines Morgens retten die Bewohner des idyllischen Fischerdorfs St. Piran einen jungen Mann aus dem Wasser. Alle kümmern sich rührend um ihn: der pensionierte Arzt Dr. Books, der Strandgutsammler Kenny Kennet, die Romanautorin Demelza Trevarrick und Polly, die hübsche Frau des Pastors. Doch keiner von ihnen ahnt, wie existenziell ihre Gemeinschaft vermutlich bedroht ist. Denn Joe ist aus London geflohen, wo er einen Kollaps in Gang gesetzt hat. Aber steht wirklich das Ende der ganzen Zivilisation bevor? Und was ist mit dem Wal, der in der Bucht von St. Piran viel zu nah am Strand schwimmt?
Das ist die Ausgangssituation für das kleine Dorf in Cornwall, das in eine große Geschichte über die Menschlichkeit hineingezogen wird. Eigentlich ein idyllischer kleiner Ort , aber auch hier macht die Fehlentwicklung der letzten Jahrzehnte nicht halt. der Mensch hat weit gebracht in seiner Zerstörungswut , in seiner Gedankenlosigkeit. Uns wird schmerhaft bewusst,. dass es „den Menschen“ an sich nicht gibt , sondern dass wir das sind , die endlich nachdenken müssen , die sich endlich von ihrem Egoismus lösen müssen und die Gemeinschaft , unsere Gemeinschaft stärken müssen.
Es sind in letzter Zeit viele dystopische Romane geschrieben worden, die uns zeigen , wie nah wir an einer Katastrophe sind. John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“ ist ein Endzeitroman mit optimistischer Aussage. Gut so.


Veröffentlicht am 23.03.2019

Wie der Westen seine demokratischen Werte verrät

Die große Heuchelei
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Jürgen Todenhöfer stellt uns schonungslos , offen und ehrlich der Wahrheit und deren erschütternden Hintergründen gegenüber. Selten habe ich dieser Zeit des Populismus , der fake News, des wachsenden ...

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Jürgen Todenhöfer stellt uns schonungslos , offen und ehrlich der Wahrheit und deren erschütternden Hintergründen gegenüber. Selten habe ich dieser Zeit des Populismus , der fake News, des wachsenden Rassismus und Nationalismus solche klaren und gut recherchierten Aussagen gelesen.
Während verschiedenster reisen in die Krisen- und Kriegsgebiete diese Welt sucht er nach der Wahrheit über sinnlose Kriege und Konflikte, deren Hintergründe , in denen die westliche Zivilisation seit jeher eine gewaltige Rolle spielt. Dabei beleuchtet er die Selbstherrlichkeit des Westens und stößt uns direkt auf Aussagen, die wir eigentlich alle kennen: Mit Krieg und Terror lässt sich die Welt nicht verbessern und Macht macht korrupt, egal von welcher Seite aus betrachtet.
Der Autor spricht dabei mit ganz verschiedenen Personen, hört Terroristen genauso aufmerksam zu wie Politikern und ganz einfachen Menschen , die nur friedlich mit ihrer Familie leben wollen
Dazu kommen Bilder der Zerstörung in verschiedenen Gegenden der Welt, aufgenommen von seinem Sohn Frederic , die und erschüttert zurücklassen .
Ein wichtiges Sachbuch , das uns sprachlos macht .Aber wenn wir nachdenken , werden wir nicht sprachlos bleiben dürfen.