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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2019

Versteckte leise Töne

Der Zopf meiner Großmutter
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Ich habe den Sommer mit meinem ersten Bronsky-Buch eingeläutet und bin zu 95% begeistert. Dieses Buch ist tiefschwarze Gesellschaftskritik und hat mich mit seiner Geschichte über eine extrem unangepasste ...

Ich habe den Sommer mit meinem ersten Bronsky-Buch eingeläutet und bin zu 95% begeistert. Dieses Buch ist tiefschwarze Gesellschaftskritik und hat mich mit seiner Geschichte über eine extrem unangepasste Großmutter, die kein Blatt vor den Mund nimmt und mit ihren Aussagen die Leute permanent vor den Kopf stößt und überrumpelt sehr erschüttert.

Wie eine graue (wenn auch absolut nicht stille) Eminenz überwacht sie das Leben ihrer Familie und ganz besonders ihren Enkel und steuert (nicht nur) sein Leben nach Belieben. Obwohl man merkt, dass sie es nur zu seinem Besten tut, fühlt man sich von ihrer Art schockiert und abgestoßen; ihre überbehütende Art grenzt beinahe an Misshandlung. Verstärkt wird diese Wirkung noch dadurch, dass die Geschichte aus Sicht des jungen naiven Enkels Mäxchen erzählt wird, der nicht immer die Intention aller Handlungen und Gespräche versteht, die er wiedergibt.
Obwohl die Großmutter fast übermenschlich stark wirkt, scheint im Laufe des Buches auch ihre Unsicherheit und Zerbrechlichkeit durch, die sie hinter ihren Mauern verbirgt. Frau Bronsky zeichnet ein sehr komplexes Gesellschaftsbild, dem ich zwar nicht immer ganz folgen kann, das mich aber trotzdem vollkommen beeindruckt.

Fazit:
Auch wenn ich mit dem Ende des Buches nicht ganz zufrieden bin, hat es doch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen erobert.

Veröffentlicht am 10.06.2019

Mehr als ein Krimi

Ein perfider Plan
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Anthony Horowitz, bekannt durch seine Sherlock Holmes-Geschichten, hat mit diesem Buch ein interessantes Experiment gestartet: Eine auf True Crime getrimmte Kriminalgeschichte mit ihm selbst als Erzähler ...

Anthony Horowitz, bekannt durch seine Sherlock Holmes-Geschichten, hat mit diesem Buch ein interessantes Experiment gestartet: Eine auf True Crime getrimmte Kriminalgeschichte mit ihm selbst als Erzähler und Hauptfigur.

Er begleitet den Privatermittler Hawthorne bei seinen Ermittlungen zu dem Fall um die erdrosselte Witwe Cowper, die erst sechs Stunden vor ihrem gewaltsamen Tod ihre eigene Beerdigung geplant hatte.
Das Duo Hawthorne/ Horowitz erinnert dabei sehr stark an ihr literarisches Vorbild Holmes/ Watson, wobei ersterer genauso wortkarg und beobachtungsstark ist und zweiterer ebenso überflüssig für die Lösung des Falles scheint.

Als Leckerbissen serviert der Autor immer wieder Einschübe aus seinem Autorenleben; Begegnungen mit Stars der Literatur- und Cineastenszene ebenso wie Gespräche mit seiner Agentin und das Hadern mit seiner Rolle als stiller und zahlender Beobachter.

Fazit:
Mit persönlich hat die Mischung aus bodenständiger Mordermittlung a la cosy crime und Lifestyle-Bericht eines Sternchens am Unterhaltungsbranchen-Himmel gut gefallen. Die Erzählung ist unterhaltsam, kurzweilig und hat mir genau das geboten, was ich mir dank Cover und Klappentext erhofft habe.

Veröffentlicht am 24.05.2019

Sehr menschliche Fantasy

Das gefälschte Siegel
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Wie kann man einem Dämonenfürsten besser bannen als in einer Schriftrolle, das "Gefängnis" gesichert durch ein magisches Siegel?
Was macht man dann aber, wenn man nach tausend Jahren feststellt, dass eben ...

Wie kann man einem Dämonenfürsten besser bannen als in einer Schriftrolle, das "Gefängnis" gesichert durch ein magisches Siegel?
Was macht man dann aber, wenn man nach tausend Jahren feststellt, dass eben dieses Siegel, das die gesamte Menschheit des Königreiches vor dem sicheren Untergang bewahrt, gebrochen ist? Man schickt vier (zumeist) junge, unerfahrene, gefühlt wilkürlich ausgewählte Menschen auf eine lebensgefährliche Reise auf die Suche nach der Zauberin, die das Siegel damals erschaffen hat (in der Hoffnung, dass sie noch lebt). Um was genau zu tun? Nachzusehen, ob der Dämon noch gefangen ist oder um das Siegel zu erneuern?

Am Anfang klang diese Geschichte für mich ziemlich verwirrend, der Plot nicht unbedingt schlüssig und vor allem die Figuren schienen mir nur wenig Sympathie erweckend. Und doch haben die ersten Seiten den Fantasy-Fan in mir so sehr angesprochen, dass ich das Buch einfach nicht zur Seite legen konnte.

Denn immerhin bringt die Geschichte zum einen mit Dämonen, Magierinnen und Steinernen Wächtern, sowie mysteriösen, fremden Völkern genug Fantasy-Elemente mit, um mich in ihren Bann zu ziehen und mich in eine fremde Welt zu versetzen. Außerdem finde ich die Charakterentwicklung der vier Hauptfiguren wirklich gelungen. Besonders Kevron, den versoffenen und die ganze Welt fürchtenden Fälscher habe ich schnell in mein Herz geschlossen, nicht zuletzt dank seiner Fehler, mit denen er doch sehr offen zu leben lernt.
Geholfen hat dabei mit Sicherheit auch, dass die Geschichte aus Sicht von drei der vier Gefährten erzählt wird, wodurch man umso besseren Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt erhält.

Obwohl mir alsdo die Plot-Twists nicht immer zu hundert Prozent schlüssig waren und die Spannung ein oder zwei minimale Hänger aufwies, bin ich doch (vor allem dank des üblen Cliffhangers zum Schluss) so angefixt, dass ich die Fortsetzung der Reihe kaum erwarten kann!

Veröffentlicht am 23.05.2019

Einblick in die 20er

Glück am Morgen
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Betty Smith liefert uns mit diesem Buch einen interessanten Einblick in das Leben junger Menschen in Amerikas Mittlerem Westen der 20er Jahre.

Ein Jahr lang begleiten wir das junge Paar Annie und Carl, ...

Betty Smith liefert uns mit diesem Buch einen interessanten Einblick in das Leben junger Menschen in Amerikas Mittlerem Westen der 20er Jahre.

Ein Jahr lang begleiten wir das junge Paar Annie und Carl, wie sie sich nach ihrer von den Familien ungewollten Ehe durchschlagen. Er, junger Collegestudent, sieht sich plötzlich als Alleinverdiener und Ernährer der kleinen Familie; sie als relativ ungebildetes und junges Mädchen sieht sich plötzlich mit dem Alltag einer Ehefrau konfrontiert. Umso schöner ist es zu lesen, dass ihre Liebe an den vielen Hindernnissen, die ihnen das Leben in den Weg stellt, nicht zerbricht, sondern nur umso stärker wird.

Betty Smith zeichnet mit ihrer Geschichte ein Klassenbild der unteren Mittelschicht, das sehr ruhig und unaufgeregt ausfällt. Man fühlt sich als unbeteiligter Beobachter, der die Situation aus sicherer Entfernung verfolgt. Auch wenn zwischen der Geschichte und heute "nur" 100 Jahre liegen, so fühlt man sich doch in eine vollkommen andere Welt versetzt. Vieles von dem, was sich die beiden Protagonisten hart erarbeiten müssen, ist für die heutige Gesellschaft selbstverständlich. Durch die Vergleiche, die ich während des Lesens ziehen konnte, wurde das Buch für mich umso interessanter.

Sehr viel Wert wird außerdem auch auf die Charkterentwicklung gelegt. Man kann sehr schön verfolgen, wie die beiden sich auch innerlich verändern und sie charakterlich dank der Ansprüche, die ihre Umstände an sie stellen, mehr und mehr wachsen und sich stärken.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, auch wenn manchmal etwas Spannung gefehlt hat.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Tiefgründige Entspannung

Alte Sorten
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Ewald Arenz ist mit "Alte Sorten" ein wirklich einfühlsames Porträt zweier Frauen gelungen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten.

Während die junge Sally gegen die gesamte Welt ...

Ewald Arenz ist mit "Alte Sorten" ein wirklich einfühlsames Porträt zweier Frauen gelungen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten.

Während die junge Sally gegen die gesamte Welt ankämpft, von der sie sich missverstanden fühlt, lebt Liss zurückgezogen auf dem familieneigenen Hof und versucht den Laden aus eigener Kraft am Laufen zu halten. Als sie Sally bei sich aufnimmt, zeigt sich schnell, wieviel die beiden Frauen eigentlich gemeinsam haben.

Wie der Klappentext so schön sagt:
">Alte Sorten< ist ein Roman, der entschleunigt und den Blick auf das Wesentliche lenkt."

Und dem kann ich nur zustimmen! Dieses Buch blendet mit seinem Stil die restliche Welt um einen herum aus und fokussiert den Blick auf einen selbst. Auch wenn die Geschichte scheinbar nicht viel mehr erzählt, als die täglich auf einem Hof anfallenden Arbeiten, passiert doch so viel mehr zwischen den Zeilen. Gerade die wortlosen Interaktionen der beiden Frauen lassen auch den Leser über das eigene Leben nachdenken und lenken den Blick auf die Probleme, die im Alltag schnell untergehen können.

Zumindest mir hat es die Augen geöffnet für die Schnelllebigkeit der heutigen Gesellschaft, die dazu führt, dass sich viele Menschen überfordert fühlen.

"Alte Sorten" ist wie ein Ruhepol, ein Rückzugsort, an dem man sich über saftig-süße Birnen freuen kann und beim Summen der Bienen entspannt; ein Stückchen Natur in Buchform, das zum tief Luft holen einlädt und den Alltag vergessen lässt.

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