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Veröffentlicht am 06.07.2019

Sehr gut konstruierter Fall und durch Wendungen durchweg spannend, aber wahrlich nichts für Zartbesaitete

Er will sie sterben sehen
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Susana Macaya wird nach ihrem Junggesellinnenabschied tot aufgefunden. Die Umstände ihres Todes sind grauenvoll. Bei lebendigem Leib wurde ihr Gehirn von Maden aufgefressen, die ihr Mörder ihr durch drei ...

Susana Macaya wird nach ihrem Junggesellinnenabschied tot aufgefunden. Die Umstände ihres Todes sind grauenvoll. Bei lebendigem Leib wurde ihr Gehirn von Maden aufgefressen, die ihr Mörder ihr durch drei Bohrlöcher in den Kopf platziert hatte. Ihr Mord weist große Parallelen zum Mord an ihrer Schwester Lara vor sieben Jahren auf. Auch sie wurde kurz vor ihrer Hochzeit so bestialisch ermordet. Ein Täter wurde gefasst und verurteilt und befindet sich weiterhin in Haft.

Im aktuellen Fall übernimmt Inspectora ELena Blanco, die Chefin der Brigada de Análisis de Casos (BAC) die Ermittlungen, wobei sich der junge Polizist Ángel Zárate bei seinem ersten Mordfall in Madrid in die Ermittlungen drängt. Sie sehen sich dabei mit den Fragen konfrontiert, ob damals der falsche Täter gefasst wurde oder ob es einen Nachahmer gibt, der sich den damaligen Mord zum Vorbild genommen hat.

"Er will sie sterben sehen" ist der Auftakt einer spanischen Buchreihe um Inspectora Elena Blanco, deren fünfjähriger Sohn vor acht Jahren verschwunden ist und die dem Grappa nicht abgeneigt ist. Der Thriller besteht aus vielen kurzen Kapiteln, die der Handlung durch den schnellen Perspektivenwechsel Dynamik verleihen.
Die Entwicklung des Falls ist sehr gut konstruiert, durch Wendungen durchweg spannend und aufgrund der wechselnden Verdächtigen bis zum Showdown nicht vorhersehbar.
Die Ermittler sind eigenwillig, überschreiten zumal ihre Kompetenzen, sind aber nicht zu übertrieben als skurrile Einzelgänger dargestellt.

Der Thriller ist wahrlich nichts für Zartbesaitete. Gerade die kursiv gedruckten Abschnitte, die einen anderen Schauplatz abseits der aktuellen Ermittlungen beschreiben, sind grausam und ekelerregend. Verknüpft mit der Haupthandlung bilden diese letztlich das perfekte Konstrukt für einen Thriller über die Abgründe im Menschen.
Der Fall wird aufgeklärt, aber das dennoch nicht ganz geschlossene Ende macht neugierig auf einen zweiten Band um BAC-Ermittlerin Elena Blanco und ihren neuen Partner Ángel Zárate.

Veröffentlicht am 15.06.2019

Faszinierender, zu Beginn melancholischer, am Ende unheimlich kraftvoller Roman über Schmerz, Einsamkeit und Glaube.

Der Wind in meinem Herzen
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Während des Ersten Weltkrieges im Aostatal wohnt Fiamma allein in einer Hütte im Wald am Rand des Dorfes St. Rhémy. Die Dorfbewohner kommen nur nach Sonnenuntergang im Verborgenen zu ihr, um bei ihr Kräuter ...

Während des Ersten Weltkrieges im Aostatal wohnt Fiamma allein in einer Hütte im Wald am Rand des Dorfes St. Rhémy. Die Dorfbewohner kommen nur nach Sonnenuntergang im Verborgenen zu ihr, um bei ihr Kräuter und Tinkturen gegen Krankheiten zu holen, wie sie es schon von deren Mutter gewohnt waren. Davon abgesehen, wird sie von der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt, gilt mit ihrem flammenden roten Haar als "Hexe" und wird von Teilen der Bevölkerung offen angefeindet. Kontakte hatte die junge Frau nur zu Raphaël, der als Kind unbeschwert auf sie zugegangen ist und mit dem sie beim Spielen im Wald groß geworden ist. Doch Raphaël ist im Schützengraben gefallen, so dass Fiamma nach dem Tod der Mutter allein auf sich gestellt ist.
Yann, der ältere Bruder von Raphaël hasst Fiamma, nachdem sie ihm nach einem Unfall in den Bergen das Leben gerettet hat und er seitdem mit einem steifen Bein gezeichnet ist. Er ist verbittert und voller Wut, dass er deshalb seinen Bruder im Krieg nicht hatte beschützen können.

Ein junger Priester, Don Agape, kommt aus Rom in das verschlafene Dorf, um das Amt von Hochwürden Don Jacques zu übernehmen. Er ist noch unerfahren und verunsichert und lernt er in Rhémy was Glaube wirklich bedeutet.

"Der Wind in meinem Herzen" ist ein Roman, bei dem man von Anbeginn die tiefe Traurigkeit der Charaktere zu spüren bekommt. Intensiv und durch eine poetische Sprache taucht man in die Gefühlswelt von Fiamma, Yann und Agape ein und erst nach und nach beginnt man zu begreifen, was sie bewegt und was ihren Charakter geformt hat.
Fiamma kennt es zwar nicht anders als als Ausgestoßene im Wald zu leben, vermisst aber nach dem Tod Raphaëls ihren Gefährten sehr.
Yann ist ein gebrochener Mann mit einem kalten Herz, der gegen seine Schuldgefühle ankämpfen muss und wütend auf die ganze Welt ist und deshalb auch von der Gottesfürchtigkeit der Dorfbewohner Abstand nimmt, sich selbst aus der Kirchengemeinde ausgrenzt.
Agape ist mit dem Priestertum der Tradition seiner Familie gefolgt, ist in seinem Glauben an Gott aber nicht gefestigt. Als er in St. Rhémy erfährt, wie die rothaarige Frau im Wald angefeindet und attackiert wird, ihr vorgeworfen wird, mit dem Teufel zu paktieren, beginnt er massiv an der Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln.

Der Roman entwickelte sich für mich ganz anders als erwartet. Es geht nicht ausschließlich um Aberglaube, die Angst vor dem Fremden oder gar Hexenaustreibung. Der Roman geht viel tiefer, handelt von der Einsamkeit, einer leidenschaftlichen, unterdrückten Liebe und von dem, was eine Gemeinschaft ausmacht. Es ist ein faszinierender, zu Beginn melancholischer, am Ende unheimlich kraftvoller Roman, der die Atmosphäre in einem Dorf in einem Tal zwischen zwei Bergen gekonnt einfängt und mit knapp 300 Seiten einfach nur zu schnell vorbei war.

Veröffentlicht am 12.06.2019

Roman über Neuanfänge, Freundschaft und den Zusammenhalt in einer Gruppe sowie die Kraft, die sich entfaltet, wenn man gemeinsam für ein Ziel kämpft.

Der Club der Schwimmerinnen
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Deb und Maisie lernen sich am Strand in Kent kennen, als sie beide nach der Trennung von ihren Ehemännern versuchen ein neues Leben zu beginnen. Deb hat bisher nur für ihre Familie gelebt, sich um ihren ...

Deb und Maisie lernen sich am Strand in Kent kennen, als sie beide nach der Trennung von ihren Ehemännern versuchen ein neues Leben zu beginnen. Deb hat bisher nur für ihre Familie gelebt, sich um ihren Ehemann und die Kinder, später die Enkelkinder gekümmert. Nun steht sie mittellos da, wohnt in einer schäbigen Souterrain-Wohnung und verdient sich abends als Vertreterin für Sexspielzeug etwas Geld zum leben. Im Meer fühlt sie sich gleichzeitig frei und geborgen und wartet zweimal täglich sehnsüchtig auf die Flut. Bald schließen sich noch weitere Einwohner von Whistable an und sie gründen einen Verein, den "The Whitstable High Tide Swimming Club".
Als sie erfahren, dass die Stadt plant, eine Freizeitanlage am Strand zu eröffnen, sind sie entsetzt und fürchten um ihren Naturstrand und das ruhige Schwimmen ohne Touristen. Sie schmieden Pläne, um gegen die Baugenehmigung vorzugehen, finden weitere Befürworter ihre Initiative, aber auch scharfe Kritiker, die den Fortschritt der Stadt forcieren möchten und insbesondere Deb und Maisie öffentlich in den Sozialen Medien diskreditieren.

Der Roman wird vom Verlag zurecht als "erfrischender Feel-Good-Roman mit Tiefgang" beworben. Auch wenn die Hauptcharaktere über 50 Jahre alt sind, konnte ich mich sehr gut mit ihnen identifizieren. Deb und Maisie haben einen neuen Abschnitt im Leben begonnen und durch das Schwimmen eine Möglichkeit gefunden, von ihren Problemen während der Schwerelosigkeit im Meer zu entfliehen. Durch den Zusammenschluss als Club treffen ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aller Altersklassen auf einander, die an einem Strang ziehen und für die Rettung von "West Beach" kämpfen.

Hierbei ist sehr amüsant zu lesen, wie die Laien sich gegenüber Politikern behaupten und herzerwärmend, wie so manch schüchterner, verbitterter oder einsamer Charakter aus sich herauskommt und über sich hinauswächst. Durch die lebendige Beschreibung spürt man die Atmosphäre am Strand, man solidarisiert sich mit den Club-Mitgliedern und wird selbst fast zum Teil der skurrilen Truppe.

Trotz aller witziger Dialoge und erheiternder Szenen haben alle Charaktere auch eine ernste Seite und auch ihr Anliegen wird glaubhaft dargestellt und nicht dem Lächerlichkeit preisgegeben.

Es ist ein Roman über Neuanfänge, über Freundschaft und den Zusammenhalt in einer Gruppe, aber vor allem die Kraft, die sich entfaltet, wenn man gemeinsam für ein Ziel kämpft, das zunächst als unerreichbar erscheint.

Veröffentlicht am 10.06.2019

Gelungene Mischung aus Liebes-, Familiendrama und spannendem Kriminalroman, der packend erzählt ist, dass die Klischees aus der Glamourwelt nicht weiter stören.

Ein neuer Sommer
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Am 7. Juli 2018 möchten Celeste Otis und Benj Winbury im großen Stil auf Nantucket heiraten. Während Benji aus einer reichen Familie stammt, kommt die stellvertretende Zoodirektorin Celeste aus einfacheren ...

Am 7. Juli 2018 möchten Celeste Otis und Benj Winbury im großen Stil auf Nantucket heiraten. Während Benji aus einer reichen Familie stammt, kommt die stellvertretende Zoodirektorin Celeste aus einfacheren Verhältnissen. Sie genießt einerseits den unbeschwerten Reichtum ihres Verlobten, fühlt sich andererseits aber davon eingeschüchtert. Da ihre Mutter schwer an Krebs erkrankt ist, wurde die Heirat früher als ursprünglich geplant angesetzt und von der zukünftigen Schwiegermutter, Greer Winbury, organisiert.
Aus verschiedenen Gründen zweifelt Celeste an ihrer Liebe zu Benji und steht kurz davor, die Hochzeit abzusagen. In der Nacht vor der Trauung stirbt ihre Ehrendame, ihre einzige Freundin Merritt unerwartet. Die Hochzeit ist abgesagt und am nächsten Morgen beginnen die Ermittlungen. Geheimnisse treten zutage und plötzlich ist jeder der Familie oder nahe stehende Gast, der am Abend zuvor noch in Feierlaune auf die bevorstehende Heirat angestoßen hat, verdächtig. Oder war es doch ein Unfall? Selbstmord?

Der Roman beginnt mit dem Auffinden der Leiche von Merritt und den anschließenden Befragungen der Anwesenden im Hause Winbury durch den Chief of Police Ed Kapenash, die alle noch am selben Tag stattfinden. Die Erinnerungen an den Vorabend und die Nacht werden aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten erzählt, wodurch verschiedene Affären und verborgene Skandale der Familie offenbar werden, die wiederum deren Alibis in Frage stellen.
In Rückblenden erfährt man darüber hinaus, wie sich Celeste und Benji vor gerade einmal zwei Jahren kennengelernt haben und was sich beim Junggesellinnenabschied wenige Monate zuvor ereignet hat.
Es wird eine Welt der Schönen und Reichen geschildert, in der nahezu jeder etwas zu verbergen hat. Aber macht ihn das gleich zu einem Mörder?
Voller Spannung verfolgt man, wie die Todesnacht durch den Chief rekonstruiert wird und welche Geheimnisse aufgedeckt werden, die gleich für mehrere Personen ein Motiv sein könnten, die Ehrendame zu töten.

"Ein neuer Sommer" ist eine gelungene Mischung aus Liebes-, Familiendrama und spannendem Kriminalroman, der durch überraschende Details, die nach und nach aufgedeckt werden, bis zum Ende packend erzählt ist, so dass das ein oder andere Klischee aus der Glamourwelt, das bedient wird, nicht weiter störend ist.

Veröffentlicht am 05.06.2019

Unterhaltsamer Roman über zwei ungewöhnliche Charaktere und eine Liebesgeschichte im Zeitgeist der 70er, 80er und 90er-Jahre bis ins 21. Jhd.

Königskinder
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Das Buch erzählt die Lebensgeschichten von Mark und Simone, genannt Saraswati. Beide sind am selben Tag 1970 in Hamburg geboren und werden sich im Laufe ihres Lebens immer wieder flüchtig begegnen. Während ...

Das Buch erzählt die Lebensgeschichten von Mark und Simone, genannt Saraswati. Beide sind am selben Tag 1970 in Hamburg geboren und werden sich im Laufe ihres Lebens immer wieder flüchtig begegnen. Während Simone bei ihrer alleinerziehenden Hippie-Mutter aufwächst, die Inhaberin eines esoterischen Teegeschäftes ist, stammt Mark aus der Oberschicht und geht aufgrund seiner Hochbegabung auf eine elitäre Schule in Hamburg. Mark erlebt während seiner Kindheit und Jugend das ein oder andere Abenteuer durch seinen besten und einzigen Freund Hassan, während sich Simone als SDAJ-Anhängerin, militante Tierschützerin und Greenpeace-Aktivistin immer wieder selbst in Schwierigkeiten bringt. Ihre Wege kreuzen sich an den verschiedensten Orten in unterschiedlichen Situationen, aber zu einem Kennenlernen will es einfach nicht kommen.

Der Roman schildert immer abwechselnd Episoden aus den Leben von Mark und Simone, die zeitlich parallel verlaufen. Beide stammen sie aus unterschiedlichen Verhältnissen, haben keine Gemeinsamkeiten, weshalb es keine Berührungspunkte in ihrer beider Leben gibt. Nur durch Zufälle kommen sie sich immer mal näher, verpassen sich letztlich aber stets um Haaresbreite. Beide haben kein großes Glück in der Liebe oder finden eine Arbeit, die sie erfüllt und sind deshalb rastlos auf der Suche. Die Situationen, in die sie dabei geraten, sind manchmal abstrus, aber herrlich komisch, ohne dass der Autor albern oder unrealistisch wird. Mit großem Vergnügen verfolgt man deshalb, wie sich die beiden Charaktere von ihrer Kindheit bis zu ihrem Erwachsenenalter in unterschiedliche Richtungen entwickeln.
Das Buch ist gleichzeitig eine Zeitreise in die Hippie-Zeit der 70er, die politischen 80er bis über die 90er in das 21. Jahrhundert. Dabei werden historische Ereignisse geschickt mit den Biographien von Mark und Simone verwoben und der Zeitgeist durch Kleidungsstile, Fernsehen oder Musik nahe gebracht.
"Königskinder" ist ein wunderbar humorvoller, kurzweiliger Roman über zwei nicht ganz gewöhnliche Charaktere, deren Eigenschaften und ihre das Leben prägenden Erlebnisse mit Liebe zum Detail geschildert sind. Bis zum Ende im Jahr 2009 fiebert man mit, ob die zwei Seelenverwandten ihre Suche beenden können und sich doch noch begegnen und als diese erkennen.